Geschlechtssensible Sprache im Spanischen. Zwischen sprachlicher Emanzipation und männlicher Dominanz


Hausarbeit, 2021

18 Seiten, Note: 1,8

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die spanische Sprache als Ausdruck des Patriarchats und der politischen Gesinnung
2.1. Das generische Maskulinum
2.1.1. Funktionen des generischen Maskulinums

3. Positionen fur eine gendersensible Sprache in spanischsprachigen Landern
3.1. Feminismus
3.1.1. Femininmovierte Berufsbezeichnungen
3.1.2. Feminisierte Determinanten und Adjektive
3.1.3. Genusdemarkierte gemischtgeschlechtliche Personengruppen
3.1.4. Doppelformen gemischtgeschlechtlicher Personengruppen

4. Positionen gegen eine gendersensible Sprache in spanischsprachigen Landern
4.1. El machismo
4.1.1. Die Real Academia Espanola
4.1.2. Diskursanalyse

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Spanischsprachige Lander sind seit jeher gekennzeichnet vom machismo. Den machismo kennzeichnet insbesondere die untergeordnete Stellung der Frau dem Mann gegenuber. Auch die spanische Sprache ist ein Ausdruck dieser Begebenheit. Das generische Masku- linum, der mannliche Reprasentant fur eine unspezifische Gattung, lasst die Frau in einer gemischtgeschlechtlichen Gruppe unsichtbar werden.

Jedoch erfahrt die spanische Sprache zuletzt eine Trendwende bezuglich der mannlich dominierten Ausrichtung. Neue weibliche Suffixe von Personenbezeichnungen und die Beidnennung von Mannern und Frauen erfullen zunehmend offentliche Diskurse.

Die UNESCO informierte in den 1980er und 1990er Jahren daruber, eine nicht- sexistische Sprache in allen wichtigen Schriften zu veroffentlichen. Im Ley Organico (2007) wurde der verbale Feminismus ebenfalls mit dem Ziel einer nicht-diskriminierenden Sprache forciert. Die spanische Sprache sei nach Bengoechea (2008: 44) in einem Pro- zess der Feminisierung. Die spanischsprachigen Lander orientieren sich mehr und mehr in Richtung eines inklusiven Sprachgebrauchs.

Doch betrifft diese Entwicklung auch alle Facetten der Sprache? Den gendersensiblen Personen- und Berufsbezeichnungen stehen Diskurse gegenuber, in denen Frauen gar nicht oder nur innerhalb des Familienkontextes erwahnt werden. Grundsatzlich werden sie nicht im gleichen intellektuellen Mafte umschrieben wie Manner. Hinzu kommen offizielle Institutionen wie die Real Academia Espanola1 in Spanien, die sich immer wieder gegen die Aufnahme feminisierter Begriffe in die offizielle Grammatik auflehnt.

In der Hausarbeit mit dem Titel „Zwischen sprachlicher Emanzipation und mannlicher Dominanz - Widerspruche in der spanischen Sprache in Hinblick auf die Geschlechtssen- sitivitat“ soll diskutiert werden, in welchen Bereichen der Sprache emanzipatorische Pro- zesse bereits eingeleitet werden und welche Bereiche teils unbewusst gemaft jahrhunder- telanger Tradition und teils vorsatzlich weiterhin einer mannlichen Domane unterworfen sind.

Nach einer Erlauterung der sprachlichen Aspekte der spanischen Sprache, die patriar­chal gepragt sind und die diese politische Gesinnung unterstreichen, soll naher auf das generische Maskulinum und dessen Funktionen eingegangen werden.

Im Hauptteil der Hausarbeit werden schlieftlich zunachst die Positionen zusammenge- fasst, die die Entwicklung einer genderneutralen Sprache akzelerieren. In diesem Kapitel wird ebenfalls Bezug auf einzelne Teilbereiche der Sprache genommen, die bereits gen­derneutral verwendet werden. Im zweiten Teil werden jene, den machismo unterstutzen- den, Positionen erlautert. Die Haltung der RAE als treibende Kraft und diskursanalytische Beispiele sollen zur Festigung jener Position angefuhrt werden.

Als Sekundarliteratur werden insbesondere die Werke von Bengoechea „Lengua y genero" (2015) und „Lo femenino en la lengua: Sociedad, cambio y resistencia normativa. Estado de la cuestion" (2008) herangezogen, um die Struktur und den Gebrauch der spa- nischen Sprache zu entschlusseln und neue Entwicklungen zu beschreiben. Diesem Ziel schlieftt sich Sinners kritischer Artikel „Spanisch und die Frage nicht exklusiver Sprache" (2020) an.

2. Die spanische Sprache als Ausdruck des Patriarchats und der politischen Gesinnung

In der spanischen Sprache finden sich zahlreiche Beispiele, anhand derer aufgezeigt wer- den kann, dass die Sprache einer patriarchalen Dominanz erliegt.

Zunachst sei gesagt, dass die gesamte Sprache einem binaren System unterliegt. Ein Genus kann entweder weiblich oder mannlich sein. Gemaft des generischen Maskuli- nums, auf das im folgenden Unterkapitel naher eingegangen werden soll, wird eine Per- sonengruppe mithilfe des grammatikalisch maskulinen Plurals betitelt, sobald eine mannli- che Person innerhalb dieser Gruppe vertreten ist. Sprachlich werden die in der Gruppe befindlichen Frauen exkludiert beziehungsweise unsichtbar gemacht. Eine Personengrup- pe ist erst dann generisch weiblich, sobald innerhalb dieser Gruppe nur Frauen vorhanden sind.2

Berufe beziehungsweise Tatigkeiten, die gesellschaftlich ein niedriges Prestige inneha- ben, wie beispielsweise la ama de casa (,die Hausfrau') oder la prostituta (,die Prostituier- te'), existieren lediglich in der grammatikalisch femininen Form - ohne Berucksichtigung jener Manner, die ebenfalls diese Tatigkeiten bekleiden.3

Unterschiedliche politische und gesellschaftliche Situationen in den verschiedenen spa- nischsprachigen Landern fuhren dazu, dass die Sprache divergierende Fortschritte bezug- lich des feminisierenden Charakters vorweist. So sind beispielsweise viele ArgentinierIn- nen Verfechter dessen, in offentlichen Diskursen zunehmend eine inklusive Sprache zu verwenden. Das stark patriarchal gefuhrte Chile dagegen liegt hinter dieser Entwicklung zuruck.4

2.1. Das generische Maskulinum

Das generische Maskulinum meint die Verwendung der grammatikalisch maskulinen Form bei Personen- und Berufsbezeichnungen, obgleich diese nicht nur das mannliche Ge- schlecht ansprechen, sondern als allgemeingultige Bezeichnung fur alle Individuen gelten sollen. In diesem Sinne wird zum Beispiel von el jardinero (,der Gartner') gesprochen, ob- wohl auch Frauen diesen Beruf ausuben und gemeint sein konnen. „Eine generische Per- sonenbezeichnung bezieht sich abstrakt auf eine Gattung (Klasse) als solche und keines- 5 falls auf konkrete Mitglieder derselben.“5 Wird also eine Personenbezeichnung generisch referiert, so gibt diese Referenz keinerlei Hinweis auf das Geschlecht der angesprochenen Personen. Die Aussage hat einen verallgemeinernden Charakter: Mi bicicleta esta rota. Tengo que llamar un mecanico . 6

Im zweiten Satz steht un mecanico (,der Mechaniker') im generischen Maskulinum. Dieses referiert allerdings keineswegs auf einen bestimmten mannlichen Mechaniker, sondern vielmehr auf die „Gattung“ der Mechaniker grundsatzlich. Mit inbegriffen sind demnach auch alle weiblichen Mechanikerinnen.

GemaR des Prinzips ,pars pro toto' steht der mannliche Genus als Reprasentant fur je- des Geschlecht dieser Gruppe. Gruppen werden linguistisch maskulin markiert, sofern ein Mann Gruppenzugehoriger ist, obgleich die Mehrheit der Gruppe weiblichen Geschlechts ist.7

[...]


1 Im Folgenden mit RAE abgekurzt.

2 Vgl. Sinner (2020: 75)

3 Vgl. Bengoechea (2008a: 59)

4 Vgl. Sinner (2020: 73)

5 Kotthoff & Nubling (2018: 91)

6 eigenes Beispiel. (Ubersetzung: Mein Fahrrad ist kaputt. Ich muss einen Mechaniker anrufen.)

7 Vgl. Sinner (2020: 75)

8 Bengoechea (2008a: 39) (Ubersetzung: ... Basisprinzip einer linguistischen Okonomisierung.)

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Geschlechtssensible Sprache im Spanischen. Zwischen sprachlicher Emanzipation und männlicher Dominanz
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Note
1,8
Jahr
2021
Seiten
18
Katalognummer
V1280365
ISBN (Buch)
9783346732194
Sprache
Deutsch
Schlagworte
geschlechtssensible, sprache, spanischen, zwischen, emanzipation, dominanz
Arbeit zitieren
Anonym, 2021, Geschlechtssensible Sprache im Spanischen. Zwischen sprachlicher Emanzipation und männlicher Dominanz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1280365

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