In dieser Ausarbeitung sollen erzieherische Machtverschleierungsmaßnahmen näher beleuchtet werden.
Zunächst soll es exkursartig um die eigentliche Bedeutung von Smileys gehen, um im Folgenden näher auf die Machtverschleierungsprozesse einzugehen. Dabei wird Rückgriff auf die Vorlesungen zur Erziehung, Moral und Gesellschaft des Soziologen Durkheim (1984), auf ‚Überwachen und Strafen’ (1976) von dem Philosophen Foucault und ‚Grundlagen einer Theorie der symbolischen Gewalt’ (1973) von den Soziologen Bourdieu und Passeron genommen. Abschließend werden die Erkenntnisse zusammengetragen und als Fazit formuliert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Exkurs: Der Smiley im schulischen Kontext
3. Verschleierungsprozesse in der erzieherischen Bildung
4. Fazit
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die subtilen Machtmechanismen und Verschleierungsprozesse innerhalb des schulischen Alltags, insbesondere im Hinblick auf die Leistungsbewertung und erzieherische Disziplinierung.
- Analyse von Machtausübung durch pädagogische Instrumente
- Kritische Betrachtung der Smiley-Skala als Leistungsbewertung
- Theoretische Fundierung durch Foucault, Durkheim sowie Bourdieu und Passeron
- Untersuchung des Verhältnisses von Individualisierung und Kontrolle
- Reflektion der Rolle der Lehrkraft als moralische Instanz
Auszug aus dem Buch
2. Exkurs: Der Smiley im schulischen Kontext
Der Smiley ist in seiner ursprünglichen Form eine ironische Untermalung eines schriftlichen Kommentars. Er soll eine gewisse Mündlichkeit unterstreichen. Die Mimik, die in schriftlichen Äußerungen nicht zum Tragen kommt, wird über Smileys ergänzt, um dem Rezipienten eine direkte Reaktion zu vermitteln. Das Stilmittel wirkt nähesprachlich, da der Verfasser Emotionen an den Empfänger adressiert, welche in rein schriftlichen Äußerungen einen eher unterschwelligen Charakter besitzen. Früher galten schriftliche Äußerungen grundsätzlich als ‚Sprache der Distanz’ (vgl. Koch & Oesterreicher, 1986). Der Sprachduktus war gekennzeichnet von Hypotaxe und grammatikalische Regeln wurden minutiös befolgt. Spätestens das Zeitalter des Instant Messaging stellte diese Ordnung auf den Kopf. Die Sprache ist näher an dem mündlichen Gebrauch anzusiedeln. Ellipsen, Füllsel und Groß- und Kleinschreibung fernab von grammatikalischen Regeln dominieren die Plattform. Nicht zuletzt sind die Texte durchsetzt mit Symbolen wie Smileys und anderen Zeichen, um der Nachricht einen emotionaleren Nachdruck zu verleihen. Die Smileys werden international eingesetzt und sind global verständlich.
[...] Allerdings gibt es auch Zeichen, die sich um Sprachenvielfalt wenig kümmern und sich den Weg (vielleicht deshalb) leicht um den ganzen Erdball bahnen. Ein jüngeres Familienmitglied dieser Art ist das Smiley. Als Hilfsmittel des ironischen Ausdrucks setzt es sich gerade weltweit durch und erfährt dabei eine Anerkennung. [...] Zeichensetzung dient der Strukturierung geschriebener Texte. Dabei übernehmen die Satzzeichen rhetorische Funktion, insofern sie den Textfluss und die Lektüre steuern und rhythmisieren (Abbt & Kammasch, 2015, S.12).
Die Reflexion des Rezipienten der Smileys bewirkt ein kurzes Innehalten, wodurch jene Rhythmisierung zum Tragen kommt.
Diesen Trend machte sich die Institution Schule zu Nutzen. Als nahezu grotesk kann der Einsatz von Smileys als Leistungsbeurteilung in der Schule betitelt werden. Über ein eigentlich nähesprachliches Stilmittel soll das Machtgefälle verschleiert werden. Den SuS wird eine engere Beziehung zu der Lehrkraft vermittelt, welche unterschwellig allerdings die hierarchischen Verhältnisse sicherstellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Machtausübung und Kontrolle im schulischen Raum ein und problematisiert die Nutzung von Smileys in der Bewertung.
2. Exkurs: Der Smiley im schulischen Kontext: Dieser Abschnitt beleuchtet Ursprung und Funktion des Smileys als Stilmittel und kritisiert dessen Instrumentalisierung in der schulischen Leistungsbeurteilung.
3. Verschleierungsprozesse in der erzieherischen Bildung: Hier werden theoretische Ansätze von Durkheim, Foucault sowie Bourdieu und Passeron auf die schulische Praxis angewandt, um Mechanismen der Machtverschleierung aufzuzeigen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und diskutiert die Vereinbarkeit von schulischer Disziplinierung mit dem Anspruch auf individuelle Entfaltung.
5. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Machtausübung, Verschleierung, Schulerziehung, Smiley-Skala, Leistungsbewertung, Michel Foucault, Émile Durkheim, Pierre Bourdieu, pädagogische Autorität, Disziplin, soziale Kontrolle, kulturelle Willkür, Individualisierung, Habitus, Schulkritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse subtiler Machtstrukturen in der Schule, wobei untersucht wird, wie unter dem Deckmantel pädagogischer Mittel Kontrolle ausgeübt wird.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind pädagogische Machtausübung, Formen der Leistungsbewertung und die zugrunde liegenden Mechanismen der sozialen Kontrolle im Bildungssystem.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Verschleierung von Machtverhältnissen in der Schule aufzudecken und kritisch zu hinterfragen, wie diese Prozesse die Schüler beeinflussen.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Es erfolgt eine theoretisch-analytische Auseinandersetzung anhand soziologischer und philosophischer Texte von Foucault, Durkheim und Bourdieu/Passeron sowie deren Anwendung auf das Beispiel der Smiley-Bewertung.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Dekonstruktion von Bewertungsverfahren und der Analyse der Rolle der Lehrkraft als Vermittler kultureller und moralischer Wertvorstellungen.
Welche Schlüsselwörter beschreiben diese Arbeit am besten?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Begriffe wie Machtverschleierung, Disziplinierung, pädagogische Autorität, schulische Leistungsbewertung und soziale Kontrolle.
Warum wird das Smiley als "groteskes" Bewertungsinstrument bezeichnet?
Der Autor bezeichnet den Einsatz in der Schule als grotesk, da ein eigentlich ironisches, nähesprachliches Symbol genutzt wird, um eine hierarchische Leistungsordnung unter einer freundlich wirkenden Fassade zu verbergen.
Wie unterscheidet sich die Auffassung von Disziplin nach Durkheim und Foucault?
Während Durkheim Disziplin als notwendigen, naturgegebenen Prozess der Moralerziehung sieht, beschreibt Foucault sie als ein System des permanenten Drucks und der Überwachung.
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- Anonym (Autor), 2020, Disziplinierende Machtausübung in der Schule und ihre Verschleierung. Wie Machtverhältnisse unter der erzieherischen Fassade wirken, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1280371