Das Archivo del Terror in der Vergangenheitsaufarbeitung in Paraguay


Doktorarbeit / Dissertation, 2007
276 Seiten, Note: Sehr gut

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS:

Landkarte

Glossar

Abkürzungsverzeichnis

Vorwort

Einleitung: Das Archivo del Terror als Motor der Vergangenheitsaufarbeitung?

Teil I: Paraguays Geschichte seit der Unabhängigkeit (1813): eine lange Tradition von Diktaturen
1. Paraguays Weg zur Unabhängigkeit
2. Die Regierung der Diktatoren
2.1. Dr. Francia
2.2. Carlos Antonio López
2.3. Francisco Solano López
3. Der Tripel-Allianz-Krieg (1864-70) – Ende des paraguayischen Sonderweges
4. Der langsame Wiederaufstieg – Die erste Colorado -Ära (1870-1904)
5. Die liberale Ära (1904-1940)
6. Der Chaco-Krieg (1932-35)
7. Die Februarrevolution von 1936
8. Die Morínigo-Ära (1940-48)
9. Die Rückkehr der Colorados an die Macht
10. Die Diktatur Aflredo Stroessners
10.1. Der Aufstieg Alfredo Stroessners
10.2. Die Konsolidierung der Macht
10.3. Stroessners Stützen der Macht – Armee und Colorados
10.3.1. Die Armee
10.3.2. Die Partei
10.4. Die Opposition
10.5. Wirtschaftsentwicklung
10.6. Repression und Menschenrechtsverletzungen
10.7. Merkmale der Stroessner-Herrschaft
10.8. Das Ende der Herrschaft Stroessners
11. Die Demokratisierung Paraguays 1989-2005

Teil II: Geschichte und Gedächtnis
1. Gedächtniskonjunktur
2. Gedächtnistheorien – die sozialen Rahmen der Erinnerung
2.1. Das kollektive Gedächtnis
2.2. Das kommunikative und das kulturelle Gedächtnis
2.3. Erinnerungsbilder und –figuren
2.4. Der "floating gap"
2.5. Funktions- und Speichergedächtnis
3. Psychoanalytische Ansätze der Geschichtswissenschaft
4. Ziele und Strategien der "Vergangenheitsaufarbeitung"
4.1. Zur Begrifflichkeit
4.2. Ziele und Strategien der Vergangenheitsaufarbeitung

Teil III: Das Archivo del Terror
1. Die Entdeckung des Archivs
2. Die anderen Archive
3. Archivierung und Klassifizierung
4. Das Archiv in Zahlen
5. Der Inhalt des Archivs anhand einiger exemplarischer Fälle
5.1. Die Pyragüés
5.2. Die Operation Cóndor
5.2.1. Fälle der Operation Cóndor
5.2.1.1. Der Fall Agustín Goiburú Giménez
5.2.1.2. Die Überstellung von fünf ArgentinierInnen und Uruguayern
5.2.1.3. Gladys Meilinger de Sannemann
5.2.1.4. Andere Dokumente
5.3. Die Unterstützung durch die USA
5.4. Die Ligas Agrarias Cristianas
5.4.1. Der Fall Jejuí
5.4.2. Der Fall Caaguazú
5.5. Die OPM
5.5.1. Der Fall Mario Schaerer Prono
5.5.2. Widersprüchlichkeiten des Archivs
5.6. Die Ermordung Somozas in Asunción
5.7. Exkurs: Mythos Martin Bormann in Paraguay

Teil IV. Die Rolle des Archivo del Terror in der Vergangenheitsaufarbeitung
1. Die öffentlich/politische Debatte
1.1. Der mediale Diskurs
1.2. Der politische Diskurs
2. Die juristische Bedeutung des Archivs
2.1. Prozesse gegen Menschenrechtsverbrecher
3. Die Bedeutung des Archivs für die Entschädigungszahlungen
3.1. Entschädigungen – eine neue internationale Moral?
3.2. Entschädigungen in Paraguay – ein erfolgreiches Modell?
4. Das Archiv als Gedenkstätte
4.1. Andere Gedächtnisorte
4.1.1. Testimonio -Literatur
4.1.2. Año de la Memoria Histórica und Museum
4.1.3. Plätze, Straßen u.a
4.1.4. 3. November, Fecha feliz
5. Die Comisión de Verdad y Justicia
Schlussbetrachtung: Defizitäre Vergangenheitsaufarbeitung trotz Archivo del Terror

ANHANG: Fotos und Dokumente des Archivo del Terror
1. Fotos des Archivs
1.1. Die Entdeckung des Archivs in Lambaré
1.2. Das Archiv heute
2. Beschattungsberichte von Pyragüés
3. Die Operation Cóndor
3.1. Der Fall Goiburú
3.2. Alejandro Loguloso und Dora Marta Landi
3.3. Gladys Meilinger de Sannemann
3.4. Pedido de búsqueda
3.5. Einladung zu bilateralen Konferenzen
4. Die OPM
4.1. Liste von verhafteten Personen
4.2. Liste der Mitglieder
4.3. Kartontafeln
4.4. Mario Schaerer Prono
5. Die Ermordung Somozas in Asunción
5.1. Liste von verhafteten und abgeschobenen Personen
5.2. Brief Mella Latorres
5.3. Fotos des Attentats
6. Polizeiakten und Fotos
6.1. Fotos, auf denen Spuren von Folter zu erkennen sind

Quellen- und Literaturverzeichnis

Glossar

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vorwort

Dank eines Joint-Study Stipendiums war es mir von August bis Dezember 2003 möglich einen 4-monatigen Studien- und Forschungsaufenthalt in Paraguay zu absolvieren. Einerseits besuchte ich einige Vorlesungen zur paraguayischen Geschichte an der Universidad Nacional de Asunción, andererseits recherchierte ich zum Thema der Vergangenheitsaufarbeitung nach der fast 35-jährigen Diktatur Alfredo Stroessners. Ich fand es interessant und eine Herausforderung, zu dieser Fragestellung zu arbeiten, da in Österreich kaum Literatur zur Geschichte Paraguays nach dem Sturz Stroessners 1989 existieren. Insbesondere zur Auseinandersetzung mit der Diktatur sind in Wien wenige Informationen verfügbar. Einzig die Tatsache, dass kurz nach dem Sturz der Militärdiktatur das Archiv der Geheimpolizei des Stroessner-Regimes gefunden wurde, war mir bekannt.

Selbst in einem Land groß geworden, in dem die Beschäftigung mit der Vergangenheit des Nationalsozialismus sehr kontrovers, wenn überhaupt diskutiert wurde, erregte es mein Interesse, wie wohl ein Land, das erst seit etwa 15 Jahren zur Demokratie zurückgekehrt war, mit der eigenen, nationalen Vergangenheit einer fast 35-jährigen Diktatur, während der die Opposition unterdrückt wurde, Regimekritiker verschwanden und Folter als übliches Mittel der Repression eingesetzt wurde, umgeht. Aus eigener Erfahrung in Österreich war mir bewusst, wie schwierig, widersprüchlich, emotional und kompliziert eine Debatte um die eigene, nationale Unrechtsvergangenheit sein kann. Meine erste lebendige Erinnerung an den Umgang mit diesem Thema reicht zurück in meine Volksschulzeit, als ich in eine Auseinandersetzung mit einer Schulkameradin geriet, die behauptete, dass Hitler ja "nur" Russen und Juden getötet hätte. In meiner eigenen Familie traf ich auf verschiedene Standpunkte, vom Verschweigen bzw. Nicht-reden-wollen über gemachte Erfahrungen bis zum Erzählen über furchtbare Geschichten während der Zeit des Nationalsozialismus in Österreich. In meiner Familie befanden sich verschiedene Lager, Nazis und Christlichsoziale. Dementsprechend schwierig gestaltete sich die Diskussion über diese Zeit, soweit sie überhaupt stattfand. Leider war ich noch zu jung, als meine Großeltern und meine Großtante starben, die diese Zeit miterlebt hatten, um bewusst eine Debatte über den Nationalsozialismus mit ihnen führen zu können. Dennoch kann ich mich erinnern, dass meine Großmutter, in zweiter Ehe mit dem Gemeindeleiter der Nazis verheiratet und aufgewachsen in der Nähe des Konzentrationslagers Mauthausen, nie über die Zeit des Zweiten Weltkrieges reden wollte, wenn mein Vater dieses Thema zur Sprache brachte. Nur einmal, als ich sie fragte, ob sie denn über die Konzentrationslager und die Ermordung der Juden Bescheid gewusst hatte, antwortete sie mir mit: "Ja, natürlich, aber ich will nicht darüber reden. Diese Zeit ist zum Glück vorbei." Ganz anders sprach meine Großtante, aus einer christlichsozialen Familie stammend, über die Naziherrschaft. So erzählte sie z.B. von deportierten Zigeunern, von ihrem Bruder, der fast von den Nazis ins Konzentrationslager gebracht worden wäre, weil er offen die Annektierung Österreichs durch Hitler kritisiert hatte, und von einem Taubstummen der Gemeinde, der wegen seiner Behinderung von den Nazis kastriert worden war, weswegen er zudem noch blind wurde.

Ich traf sowohl in meiner Familie, in der Schule als auch während des Studiums auf einen sehr kontroversen Diskurs, der meist vom Verschweigen der Nazivergangenheit und der "Opferthese" ausging. Erst durch die Waldheim-Affäre kam das Thema offener zur Sprache und wurde wiederum diskutiert, teilweise die "Opferthese" revidiert. Man denke nur an die Wehrmachtsausstellung 2002, um zu sehen, wie umstritten dieses Thema noch immer von der Gesellschaft aufgenommen wird. Und erst vor kurzem, 2005, konnte man bestens beobachten, wie rund um das Jubiläumsjahr, oder Gedankenjahr, wie es von einigen PolitikerInnen genannt wurde, Diskurse entstanden, bei denen besonders von der Politik des schweren Schicksals Österreichs nach dem Zweiten Weltkrieg gedacht wurde, aber die begangenen Verbrechen während der Naziherrschaft in Österreich großteils ausgeblendet wurden.

Aufgrund dieser persönlichen Erfahrungen mit dem schwierigen Thema der so genannten "Vergangenheitsbewältigung", interessierte mich die Frage, wie in einem weit entfernten Land mit der eigenen noch kurz zurückliegenden Geschichte umgegangen wird, vor allem, weil kaum Nachrichten über Paraguay nach Europa kommen. Ereignisse der Militärdiktaturen anderer lateinamerikanischer Staaten sind vielen ein Begriff, besonders seit Ende der 90er Jahre, als mit der Inhaftierung des chilenischen Exdiktators Pinochet in London und dem damaligen Versuch eines Auslieferungsverfahrens nach Spanien, um ihm dort den Prozess zu machen, dieses Thema in Europa omnipräsent war. Es ist viel bekannt von der jüngeren Geschichte Chiles, dem Sturz des damaligen sozialistischen Präsidenten Allende durch Pinochet, vom Versuch, den inzwischen verstorbenen Pinochet für begangene Verbrechen während der Diktatur vor Gericht zu stellen, und von der chilenischen Wahrheitskommission, die Menschenrechtsverbrechen während des Militärregimes untersuchte. Auch die argentinische Organisation Madres de la Plaza del Mayo und deren Kampf, über das Schicksal ihrer verschwundenen Söhne und Töchter während der Diktatur etwas zu erfahren, ist bekannt. Generell glaube ich, dass viele EuropäerInnen einiges über Südamerika und die damaligen Militärdiktaturen wissen, dass bekannt ist, dass zu Beginn der 80er Jahre ein Demokratisierungsprozess begann und versucht wurde, sich mit der Unrechtsvergangenheit auseinander zu setzen. Wenig weiß man jedoch im deutschsprachigen Raum über Paraguay, wo die bis dahin längste Militärdiktatur Lateinamerikas herrschte. Außerdem ist kaum jemanden bewusst, dass in diesem Land in den 90er Jahren das wichtigste lateinamerikanische Archiv mit deutlichen Beweisen für Menschenrechtsverbrechen nicht nur der paraguayischen, sondern auch der Diktaturen des Cono Sur[1] gefunden wurde. Dass diese Dokumente, die von den Unterdrückern des Regimes selbst verfasst wurden, dazu noch öffentlich zugänglich sind und in dieser Form keinem anderen Land des Kontinents existieren, ist ebenfalls nur den wenigsten bekannt.

Aus diesen beiden Gründen, wegen meinen eigenen Erfahrungen mit dem Umgang der Nazivergangenheit in Österreich und der Tatsache, dass kaum jemand etwas über die Aufarbeitungsdebatte Paraguays weiß, entschloss ich mich an diesem Thema für eine Dissertation zu arbeiten. Im Februar 2005 reiste ich ein zweites Mal nach Paraguay, hauptsächlich um die Entwicklung der Ende 2003 ins Leben gerufenen Wahrheits- und Gerechtigkeitskommission zu erforschen.

Einleitung: Das Archivo del Terror als Motor der Vergangenheits-aufarbeitung?

Von 1954 bis 1989 herrschte in Paraguay eine rechte Militärdiktatur unter Alfredo Stroessner. Wie in den anderen Regimen des Cono Sur kam es zu Menschenrechtsverbrechen wie Repression der Opposition, Verschwinden-Lassen von der Diktatur nicht genehmen Personen, Folter von (politischen) Gefangenen und generell der Nichtrespektierung demokratischer Rechte. Auch wenn es nicht zu einem derartigen Ausmaß an Verbrechen kam wie in Argentinien oder Chile, wo während der Diktatur zwischen 2.000 und 50.000 Personen verschwanden, so herrschte doch in Paraguay bis zu diesem Zeitpunkt das am längsten dauernde Militärregime Lateinamerikas. Zwar musste Stroessner nicht mit so energischer Gewalt gegen seine GegnerInnen vorgehen wie etwa Pinochet oder das Militär in Argentinien, weil das Land eher ländlich geprägt war und keine so breite Opposition existierte. Dennoch ging das Regime mit aller Härte gegen die wenigen KritikerInnen oder Organisationen vor, die für demokratische Rechte kämpften wie z.B. StudentInnenverbindungen oder ländliche Organisationen wie die Ligas Agrarias Cristianas.

Drei Jahre nach dem Sturz Stroessners durch Andrés Rodríguez, ebenfalls ein Militär, der die Demokratisierung des Landes einleitete, fand man in einem Vorort der Hauptstadt Asunción das Archiv der politischen Polizei der Diktatur und anschließend weitere Dokumentationen von Repressionsinstitutionen des Regimes. Bald gingen diese Dokumente wegen deren Beweiskraft über grausame Verbrechen der Diktatur als Archivo del Terror oder Archivo del Horror in den Volksmund ein und wurden durch das Engagement verschiedener NGOs und Richter öffentlich für jedermann/frau zugänglich gemacht. Damit besitzt Paraguay das wichtigste und in dieser Form einzige Archiv des Kontinents, das von den Repressionsinstitutionen eines rechten Militärregimes angelegt wurde und begangene Verbrechen während der Diktatur dokumentiert. Dieses Archiv stellt einen wichtigen Faktor in der Vergangenheitsdebatte über die Stroessner-Herrschaft dar und wird in dieser Arbeit einen zentralen Platz einnehmen.

Zunächst, als ich nur von der Existenz dieses Archivs und von gerichtlichen Verurteilungen einiger weniger Polizeibeamter der Diktatur wusste, stellte ich mir die Frage, wie die Debatte über die Diktatur in Paraguay wohl aussehe. Existiert eine solche, wird versucht, die Diktatur aufzuarbeiten und wenn ja, wie? Dies waren meine ersten Fragestellungen, als ich nach Paraguay reiste. Dabei hatte ich die Angst oder auch die Unsicherheit, dass eventuell noch zu wenig Zeit seit Ende der Diktatur vergangen war und die emotionalen Wunden noch zu frisch für eine offene und kritische Diskussion waren. Ich befürchtete, dass in Paraguay ähnlich wie in den Nachbarstaaten die Ansicht vorherrschte, es sei besser in die Zukunft zu blicken und das Vergangene zu vergessen. Eine besondere Schwierigkeit erwartete ich mir, dass eventuell nur wenige Personen mit mir über die Diktatur sprechen wollten. Die letzte Befürchtung bewahrheitet sich aber zum Glück nicht.

Nachdem ich mich mit den paraguayischen Verhältnissen vertraut gemacht hatte und von verschiedenen Projekten mit dem Ziel, eine Diskussion über die Diktatur anzuregen, erfahren hatte, stellte ich mir die für die Arbeit zentralen Fragestellungen: Welche Initiativen existieren, um eine Debatte über die Unrechtsvergangenheit zu beleben? Von wem werden diese Projekte unterstützt? Wer hat Interesse, dass eine offene Diskussion stattfindet und warum? Wer hat Interesse, dass keine Debatte zustande kommt und warum? Gibt es auch, so wie in Chile, eine positive Meinung über die Diktatur? Und welche Rolle spielt das Archivo del Terror in all diesen Fragestellungen?

Für mich kristallisierte sich bald heraus, dass das Archiv eine zentrale Stelle in der Aufarbeitungsdebatte einnimmt, weswegen ich mich dazu entschloss, dem Archiv in meiner Arbeit einen wichtigen Teil zu widmen und das Thema meiner Arbeit ausgehend vom Archivo del Terror zu diskutieren. Meine Fragestellungen blieben zwar mehr oder weniger gleich, ich versuche sie jedoch ausgehend von den Fragen, was ist das Archivo del Terror und welche Rolle nimmt es in der Vergangenheitsdebatte über die Diktatur ein, zu beantworten. Deswegen widme ich den dritten Teil meiner Arbeit vollkommen der Frage, was man in den Dokumenten des Archivs finden kann und versuche durch einige exemplarische Fälle des umfassenden Aktenmaterials einen ungefähren Einblick in den Inhalt des Archivs zu geben. Dabei möchte ich anmerken, dass diese einzelnen Fälle keineswegs eine repräsentative Auswertung der ganzen Dokumente darstellen und bezwecken. Dies würde den Rahmen dieser Arbeit bei weitem sprengen. Dennoch soll diese Auswahl den LeserInnen einen Einblick über Inhalt und Wert des Archivs geben.

Der vierte Teil beschäftigt sich mit der Frage, welche Rolle das Archiv in der Vergangenheitsdebatte spielt. So können mit dieser Ausgangsüberlegung viele Bereiche des Umgangs mit der Diktatur in der paraguayischen Gesellschaft besprochen werden. Hierbei soll erörtert werden, welche Bereiche es in der paraguayischen Gesellschaft gibt, die versuchen, eine offene Debatte über das Stroessner-Regime und dessen Menschenrechtsverbrechen zu führen und wie weit das Archivo del Terror diese Debatte beeinflusst.

Methodisch verwendete ich für die beiden Hauptteile drei und vier drei verschiedene Arten von Quellen: literarische Quellen, Dokumente des Archivs und qualitative Interviews. Für den dritten Teil, der sich mit dem Archivo del Terror auseinandersetzt, gebrauchte ich hauptsächlich Dokumente des Archivs, aber auch Quellen wie Zeitungsartikel oder wissenschaftliche Studien, die sich der Dokumente des Archivs bedienten. Für den vierten Teil, der sich mit der Rolle des Archivs in der Vergangenheitsaufarbeitung beschäftigt, versuchte ich durch qualitative Interviews mit verschiedenen Personen aus verschiedenen Organisationen herauszufiltern, welche Initiativen es in Paraguay zur Vergangenheitsaufarbeitung gibt und welche Rolle dem Archiv dabei zukommt. Da ich auf spontane Mitarbeit verschiedener Personen angewiesen war, die teilweise zusammenarbeiteten, teilweise aus unterschiedlichen Institutionen stammten und alle einen anderen beruflichen und privaten Hintergrund hatten, verzichtete ich darauf, einen standardisierten Fragebogen zu erstellen. Ich stellte mir jeweils immer spezifisch für die jeweilige Person einen offenen Leitfaden zusammen und ging während des Interviews spontan auf den/die jeweilige/n InterviewpartnerIn ein, wobei ich versuchte, so wenig wie möglich auf das Interview einzuwirken und das Gegenüber zu unterbrechen.

Insgesamt machte ich 24 Interviews, die ich auf Minidisc aufnahm und transkribierte und führte viele andere, spontane Gespräche, bei denen ich mir Notizen machte. Grob kann man diese Interviews in drei Personengruppen einteilen. Erstens sprach ich mit vielen Opfern des Regimes, die alle auf die eine oder andere Weise aktiv daran beteiligt sind/waren, die Debatte über die Diktatur aufrechtzuerhalten und eine offene Diskussion über die Menschenrechtsverbrechen des gestürzten Militärregimes zu führen. Die zweite Gruppe umschließt verschiedene Personen aus unterschiedlichen Institutionen wie etwa dem Archivo del Terror, der Menschenrechtsorganisation Comité de Iglesias und dem Bildungsbereich. Die letzte Gruppe, die nur aus zwei Personen besteht, sind Vertreter der Diktatur, nämlich der Rechtsanwalt des gestürzten, inzwischen in Brasilien verstorbenen Alfredo Stroessner und ein Intellektueller der Colorado -Partei (eine der beiden Stützen der Macht des Regimes). Leider hatte ich nicht die Möglichkeit, mit verschiedenen PolitikerInnen Interviews zu machen. Ein Vertreter der Opposition (der liberalen Partei, eine der beiden Großparteien Paraguays), der am Fund des Archivo del Terror beteiligt war, verweigerte mir ein Gespräch und andere FunktionärInnen waren meist zu beschäftigt, mir ihre Zeit zu widmen. Einzig mit dem Ombudsmann, der für die Vergabe der Entschädigungszahlungen zuständig ist, konnte ich mit viel Mühe ein Interview durchführen. Für die Recherche der politischen Debatte war ich also hauptsächlich auf Zeitungsartikel oder andere literarische Quellen angewiesen.

Neben Artikeln waren mir Berichte über Menschenrechte in Paraguay und andere wissenschaftliche Literatur zu diesem Thema hilfreich. Außerdem besuchte ich einige Konferenzen und Veranstaltungen, die während meines Aufenthaltes in Asunción abgehalten wurden und zum Inhalt das Gedenken an die Menschenrechtsverbrechen der Diktatur hatten. Bei der Partizipation an derartigen Memorationszusammenkünften versuchte ich, durch teilnehmende Beobachtung eine weitere Methode in dieser Arbeit anzuwenden.

Um dem/der LeserIn ein besseres Verständnis für diese Arbeit und der Geschichte Paraguays zu ermöglichen, wird im ersten Teil kurz ein Überblick über die Geschichte Paraguays seit der Unabhängigkeit im 19. Jahrhundert dargestellt, wobei der Schwerpunkt auf der politischen Geschichte liegt. Außerdem wird im zweiten Teil versucht, kurz eine theoretische Einleitung zur Frage der Vergangenheitsaufarbeitung zu geben. Zur leichteren Lektüre befinden sich zu Beginn der Arbeit Erklärungen zu spanischsprachigen Ausdrücken und ein Abkürzungsverzeichnis.

Teil I: Paraguays Geschichte seit der Unabhängigkeit (1813): eine lange Tradition von Diktaturen

1. Paraguays Weg zur Unabhängigkeit

Im Zuge der napoleonischen Kriege, der Invasion der iberischen Halbinsel durch französische Truppen, der Abdankung des spanischen Königs Ferdinand VII. zu Gunsten Napoleons Bruder Joseph im Jahre 1808 und der daraus resultierenden instabilen und unsicheren innenpolitischen Lage Spaniens, bildete 1810 eine Gruppe von Kreolen in Buenos Aires eine revolutionäre Junta und zwang den Vizekönig Cisnero zum Rücktritt.[2] Als Hauptstadt des Vizekönigreiches Río de la Plata nahm Buenos Aires das Recht in Anspruch, für alle zu dessen Gebiet gehörenden Provinzen zu sprechen und schickte Emissäre in die jeweiligen Provinzhauptstädte, darunter auch Asunción, die die Botschaft überbrachten, die Junta von Buenos Aires anzuerkennen und sich ihr unterzuordnen.[3] Nach Einberufung eines Cabildo abierto in Asunción wurde jedoch beschlossen, weiterhin den spanischen Regentschaftsrat, der sich in Cádiz als Opposition zu Joseph formiert hatte, anzuerkennen und mit Buenos Aires freundschaftliche Beziehungen aufrechtzuerhalten, worauf die Porteños ein Heer unter Befehl Manuel Belgranos schickten, um die widerspenstige Provinz zu unterwerfen. Das Bonarenser Militär konnte aber von den Paraguayern besiegt werden, wobei jedoch der spanische Gouverneur in Paraguay, Velasco, das Vertrauen seiner Mitkämpfer verlor, als er während der Kampfhandlungen floh. Dieser wurde 1811 teilweise entmachtet und sollte gemeinsam mit Dr. José Gaspar Rodríguez de Francia und Capitán Juan Baleriano de Zevallos eine neue provisorische Regierung übernehmen. Einige Monate später wurde ein Kongress einberufen, auf dem Velasco die Befehlsgewalt entzogen und eine fünfköpfige Junta Gubernativa gebildet wurde, darunter Dr. Francia.[4]

Im September 1813 wurde ein Kongress in Asunción einberufen, der die Republik mit Beibehaltung des indianischen Namens Paraguay (Wasser vom Meer) proklamierte und als neue Regierungsform eine Konsulatsregierung mit den beiden Konsuln Dr. Francia und dem Militär Fulgencio Yegros vorsah.[5] Die Ausrufung der Republik bedeutete die faktische Loslösung vom Mutterland Spanien und richtete sich gleichzeitig gegen Buenos Aires. Damit gehörte Paraguay zu den ersten lateinamerikanischen Staaten, die ihre Unabhängigkeit von Spanien verkündeten.

2. Die Regierung der Diktatoren

2.1. Dr. Francia

Seit dem Cabildo abierto von 1810 begann der Advokat Dr. José Gaspar Rodríguez de Francia eine führende Rolle auf politischer Ebene einzunehmen und hatte an der Entwicklung Paraguays zu einem unabhängigen und selbständigen Staat erheblichen Anteil. Er stammte aus der Paraguayer Elite und hatte eine höhere Bildung am Colegio in Córdoba erhalten, wo er Theologie studierte, sich später jedoch einer Advokatentätigkeit widmete, wobei er den Ruf genoss, Arme ohne Bezahlung zu vertreten,[6] und für seine Unbestechlichkeit und seinen Gerechtigkeitssinn bekannt war.[7]

Dr. Francia stärkte durch politisches Geschick seinen Einfluss. Während seiner Tätigkeit als Regierungsmitglied der fünfköpfigen Junta Gubernativa trat er zweimal zurück und baute seinen Rückhalt in der paraguayischen Bevölkerung aus, bei der er hohes Ansehen genoss.[8] Wegen seiner politischen Fähigkeiten machte sich jedoch seine Abwesenheit bald bemerkbar, weswegen er beide Male von den übrigen Regierungsmitgliedern zur Rückkehr gebeten wurde. Beim zweiten Mal forderte Francia jedoch die Einberufung eines Kongresses, auf dem er 1813 gemeinsam mit dem Militär Fulgencio Yegros zum Konsul der Republik nach römischer Tradition gewählt wurde. Die politische Unerfahrenheit und das Unwissen des Regierungspartners Francias machten sich jedoch bald bemerkbar, weswegen Francia auf dem Kongress von 1814 ebenfalls in Anlehnung an das römische Rechtssystem zum Dictador Supremo de la República auf fünf Jahre, auf einem neuerlichen Kongress zwei Jahre später zum Diktator auf Lebenszeit gewählt wurde.[9]

Die Diktatur Dr. Francias wird in der Literatur sehr zwiespältig betrachtet. Während insbesondre zeitgenössische Autoren seine Herrschaft als grausam und despotisch beschrieben,[10] versuchten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts besonders paraguayische Historiker dieses Bild zu revidieren.[11] Es war v.a. die entwicklungspolitische Diskussion der 60er und 70er Jahre des letzten Jahrhunderts, die den Fall Paraguay neu entdeckte und in Francia einen frühen Verfechter eines dissoziativen Entwicklungsmodells und einen Vorläufer sozialer Revolutionen sah.[12] Unbestritten ist jedoch die Tatsache, dass Dr. Francia durch seine Politik die Unabhängigkeit Paraguays sicherte und das Land von den Machtkämpfen der Nachbarstaaten fernhalten konnte.

Francias Politik richtete sich vor allem gegen die paraguayische Oberschicht, der drei Gesellschaftsschichten angehörten: die spanische und kreolische Oligarchie, die Kirche und das Militär. Durch sämtliche Maßnahmen zerstörte er im Laufe seiner Diktatur die Stellung der paraguayischen Elite. Diese Politik stärkte einerseits seine Macht, andererseits sollte sie eine Angleichung der paraguayischen Bevölkerung zum Ziel haben. So entließ er alle Spanier aus öffentlichen Ämtern und besetzte sie mit loyalen, paraguayischen Bürgern, die meist aus dem Volk kamen. Außerdem zwang er ihnen contribuciones (Beiträge) auf und schwächte dadurch ihre ökonomische Basis.[13]

Es waren aber v.a. zwei Maßnahmen, die den gesellschaftlichen Status der Spanier hart trafen und ihre kommerzielle und gesellschaftliche Vormachtstellung zerstörten: Erstens fiel durch das Droit d'Aubaine, einem Erbverfallsrecht, die Hinterlassenschaft jedes in Paraguay verstorbenen Ausländers an die Staatskasse.[14] Zweitens wurde die Heirat der EuropäerInnen untereinander verboten und ihnen ausschließlich die Eheschließung mit "Indianerinnen [...], Mulattinnen und Negerinnen"[15] erlaubt. Dadurch zerstörte Francia das soziale Prestige der Europäer, deren gesellschaftlicher Status von ihren weißen Ehefrauen abhing.[16]

Francia entledigte sich führender Militärs durch Amtsenthebungen und besetzte diese Ämter durch Anhänger aus dem Volk.[17] Er baute ein Heer ohne hierarchische Struktur von Generälen und Offizieren auf, das für die Verteidigung der Unabhängigkeit und Souveränität Paraguays sorgen sollte und an den Grenzregionen stationiert war. Zudem baute er Militärforts auf.[18]

Die Kirche wurde jeglicher ausländischer Einflussnahme entzogen, die Inquisition abgeschafft. 1824 wurden alle Klöster aufgehoben und deren Ländereien vom Staat beschlagnahmt, wobei die wichtigsten Gebäude der Orden für militärische Zwecke verwendet wurden.[19]

Diese Maßnahmen Francias gegen die paraguayische Oberschicht, die ihm den Ruf eines despotischen Herrschers einbrachten, sollten die Unabhängigkeit Paraguays gewährleisten. Diese versuchte er durch eine strikte Isolationspolitik zu erreichen. Er brach fast alle Beziehungen mit dem Ausland ab, baute ein auf Autarkie basierendes System auf[20] und erlaubte einen, vom Staat kontrollierten, Handel mit Argentinien und Brasilien, wobei der Gewinn v.a. durch den Verkauf von Yerba Mate in die Staatskasse floss.[21]

Diese Politik hatte einen enormen Zuwachs des Staatshaushaltes zur Folge, durch den Francia sein Reformwerk finanzierte und zu Gunsten der armen Bevölkerung verwendete. Er reformierte die gesamte Staatsverwaltung, baute eine Infrastruktur auf, ließ Straßen errichten, bekämpfte die Kriminalität, baute eine staatlich kontrollierte Wirtschaft auf und begünstigte Agrarproduktion und Gewerbe. Durch seine Landwirtschaftsreform kamen Mittel- und Kleinbauern in den Genuss, staatliches Land bebauen zu können, der Entstehung von Latifundien wurde entgegengewirkt, Monokulturen reduziert, da sich die Produktion nicht mehr am Außenhandel orientierte, und die Selbstversorgung des Staates sichergestellt. Für die Produktion militärischer Güter wurden Fabriken erbaut, in denen viele Menschen Arbeit fanden. Daneben standen noch Arbeitsplätze in den staatlichen Viehbetrieben zur Verfügung. Durch den Niedergang des Außenhandels kam es außerdem zu einem starken Wachstum des einheimischen Gewerbes. Durch diese aktive Arbeitspolitik war Arbeitslosigkeit praktisch nicht existent.[22] Im Bildungswesen förderte Francia den Elementarunterricht und weitete ihn auf das Landesinnere aus. Die Sekundärbildung wurde jedoch von ihm vernachlässigt.[23]

Wie umstritten die Herrschaft Francias auch sein mag, so hatte er doch sein Ziel, die Unabhängigkeit Paraguays durch das Prinzip der Nichteinmischung in ausländische Angelegenheiten, erreicht und hinterließ nach seinem Tod 1840 ein stabiles und im Vergleich zu den Nachbarstaaten relativ wohlhabendes und sicheres Land. Trotz seiner durchaus positiven Leistungen für das Land und seine Durchschnittsbevölkerung, sollte dennoch beachtet werden, dass Francia, um seine Ziele zu erreichen, nicht vor Repressionsmaßnahmen zurückschreckte, die 1820 nach einer Verschwörung kulminierten. Durch die auf seine Person konzentrierte Machtpolitik initiierte er in Paraguay die Tradition autoritärer Regierungen, die die weitere Geschichte des Landes prägen sollten.

2.2. Carlos Antonio López

Nach dem Tod Francias 1840 ergriffen zunächst Militärs die Macht. Später, im Februar 1841, wurde Mariano Roque Alonso zum Regierungsbeauftragten ernannt. Dieser berief für März einen Kongress ein, auf dem er und sein Sekretär, der Advokat Carlos Antonio López, zu Konsuln gewählt wurden. In der Folgezeit trat López immer mehr in den Vordergrund, und 1844 wurde er vom Nationalkongress zum Präsidenten gewählt.[24]

Im Großen und Ganzen behielt López den Kurs Francias bei. Wie sein Vorgänger führte er einen autoritären Regierungsstil weiter, bei dem er fast uneingeschränkte Befugnisse genoss und alle anderen Machtfaktoren, wie die paraguayische Oligarchie, das Militär und die Kirche, von der politischen Macht fern hielt. Im Unterschied zu Francia, der sich selbst und seine Familie – er war nie verheiratet – nicht bereichert hatte, besetzte López jedoch Schlüsselpositionen in Wirtschaft, Politik, Militär und Kirche mit seinen Familienmitgliedern, führte auf Kosten des Staates ein luxuriöses Leben und ließ sich und seine Familie öffentlich verehren. Die staatlich kontrollierte Wirtschaft und die Verstaatlichungen führte er weiter, investierte aber die daraus resultierenden Einnahmen in eine technische Modernisierung des Landes. Dafür holte er Ingenieure, Architekten und andere Spezialisten aus Europa, v.a. aus Großbritannien, nach Paraguay, ohne aber den von Francia verfolgten Weg, Ausländern keine Machtpositionen zu gewähren, aufzugeben. Dadurch wurde Paraguay einer der technisiertesten und wohlhabendsten Länder der Region, ohne sich zu verschulden oder sich durch Auslandsinvestitionen dem Liberalismus preiszugeben.[25]

Im Gegensatz zu Francia gab López die Isolationspolitik Paraguays auf und versuchte, auf diplomatischem Wege die offizielle Anerkennung durch die Nachbarstaaten und die europäischen Mächte zu erreichen. Das Verhältnis zu Argentinien blieb jedoch bis zum Ende der Regierungszeit des Präsidenten der argentinischen Konföderation Juan Manuel Ortiz Rosas (1829-1852) schwierig, da Rosas die Wiederherstellung der Föderation der Staaten des ehemaligen Vizekönigreichs Río de la Plata unter Vorherrschaft Buenos Aires anstrebte. Daher stand eine Anerkennung der Unabhängigkeit Paraguays für Rosas außer Frage, woraufhin López sich mit der rebellischen argentinischen Provinz Corrientes verbündete. Mit Brasilien, das an einer Minderung des Einflusses Rosas' in der Río de la Plata -Region interessiert war, waren die Verhandlungen weniger schwierig, obwohl Grenzstreitigkeiten existierten. Das Kaiserreich Brasilien erkannte dennoch die Unabhängigkeit Paraguays 1844 an.[26] Im Unterschied zu Frankreich und England, die aus wirtschaftlichen Gründen Argentinien näher standen, konnte die Regierung López' bald die Anerkennung einer anderen europäischen Großmacht erreichen: Österreich, das zwar an Paraguay kaum politisches oder wirtschaftliches Interesse hatte, stand in Lateinamerika mit Brasilien als einzigem Staat in diplomatischen Beziehungen. Einerseits war das Haus Habsburg mit der in Brasilien residierenden Dynastie Bragança verwandtschaftlich verbunden, andererseits erblickte Wien auch den einzigen Hort der Monarchie in Südamerika im brasilianischen Kaisertum. Deshalb wahrte Österreich die Interessen Brasiliens und erkannte 1847 Paraguay trotz der Proteste Rosas als unabhängigen Staat an.[27] Nach dem Ende der Regierungszeit Rosas’ im Jahre 1852 folgte Argentinien, ein Jahr später Großbritannien, Frankreich, Sardinien und die Vereinigten Staaten diesem Beispiel.[28]

Zehn Jahre später starb Carlos Antonio López am 10. September 1862 und hinterließ eine sich gut entwickelnde Wirtschaft ohne Schulden und das stärkste Heer Südamerikas.[29]

2.3. Francisco Solano López

López' ältester Sohn Francisco Solano López, der damals bereits Vizepräsident war, wurde als einziger vorgeschlagener Kandidat vom Nationalkongress zum Präsidenten gewählt. In Staatsangelegenheiten hatte er durch seine Europareise, durch seine Position als Generalstabschef der paraguayischen Armee, später als Kriegsminister und als Vizepräsident große Erfahrung.[30] Diplomatische Missionen erfüllte er bereits in Europa und besonderes Ansehen erwarb er sich 1859, als er erfolgreich im Bürgerkrieg zwischen Buenos Aires und der Argentinischen Konföderation vermittelte.[31]

In Fortführung der Politik seines Vaters versuchte Francisco Solano, die Position Paraguays zu stärken, indem er sich um eine Ausgewogenheit der Kräfteverhältnisse im La Plata -Gebiet bemühte, was ihm den Spitznamen Equilibrista eintrug.[32] Diese Strategie brachte ihn schließlich in Konflikt mit Argentinien und Brasilien, die an einer eigenen Machtausdehnung interessiert waren, und dies war einer der Gründe für den Ausbruch des Tripel-Allianz-Krieges mit Argentinien, Brasilien und Uruguay.[33]

Aus innenpolitischer Sicht übernahm Francisco Solano den autoritären Führungsstil seines Vaters und führte seine Modernisierungsbestrebungen des Landes weiter. Im Gegensatz zu Carlos Antonio versuchte der neue Präsident aber, im Ausland Anleihen aufzunehmen, konnte jedoch nur wenige Financiers finden.

Im gesellschaftlichen Leben war seine Lebensgefährtin, die Irländerin Elisa Lynch, tonangebend, bestimmte die paraguayische Mode und genoss zudem großen politischen und wirtschaftlichen Einfluss. Francisco Solano gab das strenge und steife Zeremoniell seines Vaters auf, Bälle und Bankette wurden immer häufiger und wichtiger.[34]

Wegen dieser neuen Prachtentfaltung und der Tatsache, dass F.S. López dieses blühende und von keinerlei äußeren Mächten bedrohte Land in einen verhängnisvollen Krieg verwickelte (s. Kapitel I.3.), ging er als machtgieriger, größenwahnsinniger Tyrann in die Geschichtsschreibung ein und handelte sich den Beinamen Napoleon Lateinamerikas ein, der monarchistische Tendenzen verfolgte. Die Darstellung, dass Paraguay zu diesem Zeitpunkt mit seinen großen Nachbarn Brasilien und Argentinien in bestem Einvernehmen lebte, ist nicht richtig. Die Beziehungen zu Brasilien waren bereits seit 1853 gespannt, als Carlos Antonio die freie Schifffahrt auf Paraguays Flüssen einschränkte, und Argentinien sah in einem starken Paraguay einen möglichen Verbündeten für separatistische Provinzen. Auch mit den USA und Großbritannien kam es in den 50er Jahren zu diplomatischen Konflikten.[35]

3. Der Tripel-Allianz-Krieg (1864-70) – Ende des paraguayischen Sonderweges

Ausgelöst wurde der Krieg durch einen Konflikt in Uruguay, bei dem F.S. López die Partei der damals in Montevideo regierenden Blancos ergriff, die Paraguay um Hilfe gebeten hatten für den Fall, dass Brasilien militärisch interveniere, um der gegnerischen Partei der Colorados zur Macht zu verhelfen. Außerdem wurden die Colorados und ihr uruguayischer Anführer Venancio Flores von Argentinien unterstützt.[36] Der paraguayische Präsident versuchte zu Beginn zu vermitteln, erhielt aber weder von Argentinien noch von Brasilien Antwort.[37] Dies veranlasste López zur Erklärung, dass er einen etwaigen Einmarsch Brasiliens in Uruguay als casus belli betrachten würde. Am 14. September 1864 marschierten kaiserliche Truppen in Uruguay ein, woraufhin Francisco Solano den Befehl zum Angriff eines brasilianischen Postdampfers am Río Paraguay gab. Dies bedeutete den Beginn des Krieges.[38]

Danach marschierte López, der zu dieser Zeit über das stärkste Heer Südamerikas verfügte,[39] in die brasilianische Provinz Matto Grosso ein und besetzte sie fast zur Gänze. Dabei erbeuteten die Paraguayer bedeutende Mengen an Waffen, Munition, Schießpulver und Vieh. Inzwischen hatten die Brasilianer in Uruguay Flores an die Regierung gebracht, woraufhin López Argentinien um die Erlaubnis zum Durchmarsch bat, um rasch nach Uruguay gelangen zu können und eine schnelle Entscheidung herbeiführen zu können. In der argentinischen Ablehnung dieses Anliegens sah López eine Verletzung der Neutralität und somit einen Grund, auch Argentinien anzugreifen.[40]

Auf den Einmarsch reagierten Brasilien, Argentinien und das nun unter Flores regierte Uruguay im Mai 1865 mit dem Abschluss des Tripel-Allianz Vertrags, in dem nicht nur die Ausschaltung von López vereinbart wurde, sondern auch eine Reihe von anderen Übereinkünften: die Aufteilung des paraguayischen Staatsgebietes, die Einsetzung einer der Tripel-Allianz loyalen Regierung in Asunción, die Entwaffnung Paraguays, die Schleifung aller Verteidigungsanlagen, die Zahlung von Reparationen durch Paraguay und die militärische Besetzung auf längere Zeit zwecks Einhaltung dieser Forderungen.[41]

López, mit seinen Truppen sowohl am Río Paraná als auch am Río Uruguay, stieß jedoch auf Schwierigkeiten, da ihm die erhoffte Unterstützung Buenos Aires- und Brasilienfeindlicher Caudillos der Region versagt blieb. Er verlor im Juni 1865 die Schlacht am Riachuelo bei Corrientes. Dadurch wurden der Weg zum Atlantik für Paraguay abgeschnitten und somit auch der Nachschub aus dem Ausland abgebunden. Auch am Río Uruguay verloren die paraguayischen Truppen und waren gezwungen, sich zu ergeben.

Daraufhin war López genötigt, auf weitere Angriffe zu verzichten und sich auf die Verteidigung Paraguays zu konzentrieren. In der wichtigsten Festung Humaitá im Südwesten Paraguays wurden die paraguayischen Truppen zusammengezogen, die schließlich im Juli/August 1868 fiel.[42]

In der Zwischenzeit hatte López versucht, Friedensverhandlungen zu beginnen, und auch die USA, Großbritannien und andere lateinamerikanische Länder versuchten zu vermitteln. Diese Bemühungen wurden jedoch von den Alliierten abgelehnt, die auf eine Weiterführung des Krieges beharrten. Auch häuften sich die Berichte von Gräueltaten des Diktators López, der aufgrund einer Verschwörung zahlreiche Personen des Verrats angeklagt und 386 Personen hingerichtet hatte – darunter auch seine beiden jüngeren Brüder.[43] Dieses grausame Vorgehen des Diktators wurde von den Alliierten genutzt, indem sie den Krieg als einen Feldzug gegen eine unmenschliche Tyrannei darstellten und eine großangelegte Propaganda starteten, die sogar Europa erreichte.[44]

Mit den Resten seiner Armee, für die Marschall López bereits seit 1867 Kinder und alte Männer rekrutiert hatte, errichtete er vor Asunción noch einmal eine Verteidigungsstellung, die im Dezember 1868 von Alliierten gestürmt wurde. López war es gelungen zu fliehen und er zog sich gemeinsam mit einer Streitmacht von 14.000 Mann, die sich ihm anschloss, immer mehr ins Landesinnere zurück und kämpfte weiter. Laut Kraus und Lugschitz musste sein Rückhalt in der Bevölkerung deshalb noch immer sehr groß gewesen sein, wenn die verbliebenen Paraguayos in dieser schon hoffnungslosen Situation noch immer bereit waren weiterzukämpfen. Schließlich starb Francisco Solano López bei einem Kampf am 1. März 1870 am Cerro Corá, was gleichzeitig das Ende des Krieges bedeutete.[45]

Die Debatte über die Kriegsursachen ist bis heute nicht abgeschlossen. Während insbesondere durch argentinische und brasilianische Geschichtsschreibung immer wieder Francisco Solano López als kriegshetzerischer Tyrann dargestellt wird, der nur einen Vorwand suchte, um seine expansionistischen Wünsche zu befriedigen und ein Großreich Paraguay zu errichten, sehen andere Historiker die Hegemoniebestrebungen Brasiliens und Argentiniens als Hauptfaktoren für den Kriegsbeginn. Eine andere Argumentationslinie wird v.a. von Dependenztheoretikern vertreten, die England als die treibende Kraft hinter Argentinien und Brasilien vermuten.[46] Laut ihren Thesen hätte Großbritannien einerseits das vom Liberalismus ausgeschlossene Paraguay wirtschaftsimperialistisch erschließen wollen und andererseits Angst gehabt, dass das Beispiel Paraguay, für das politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit das höchste Ziel war, Schule machen könnte.[47]

Wo auch immer die Schuldigen zu suchen sind, der Krieg bedeutete für Paraguay das Ende eines historischen Sonderweges und zwang das Land, den gleichen Weg einzuschlagen, den vor ihm die meisten lateinamerikanischen Staaten genommen hatten – den Weg in wirtschaftliche und damit auch politische Abhängigkeit vom Ausland.

4. Der langsame Wiederaufstieg – Die erste Colorado -Ära (1870-1904)

Die Folgen des Krieges waren für Paraguay verheerend. Über den tatsächlichen Verlust der Bevölkerung sind sich die HistorikerInnen nicht einig. Erst vor wenigen Jahren, nach dem Sturz Stroessners, der Demokratisierung des Landes und Öffnung der Archive tauchte ein Dokument über eine Volkszählung des Jahres 1870 auf. Dieses veranlasste Whigham und Potthast zu der These, dass 60-69% der paraguayischen, v.a. der männlichen Bevölkerung während des Krieges ihr Leben gelassen hatten.[48][49] Diese – wenn auch umstrittene Schätzung[50] – stellt einen mit keinem anderen Krieg vergleichbar hohen Bevölkerungsverlust dar. Außerdem lag die Wirtschaft danieder und das Land war vollkommen zerstört.

Zuerst wurde jedoch die paraguayische Innenpolitik geregelt. Die Alliierten besetzen das Land und wollten in der paraguayischen Politik mitbestimmen. Sie setzten ein Triumvirat als neue Regierung ein und noch im selben Jahr 1879 wurde eine verfassungsgebende Versammlung einberufen, auf der eine Konstitution nach zum Teil liberal-argentinischem und zum Teil US-amerikanischem Vorbild beschlossen wurde. Als Ausgleich wurde der brasilianische Kandidat Cirilo Antonio Rivarola Präsident. Die Verfassung sah als Basis eine demokratische Republik mit einer Gewaltenteilung zwischen einer Zwei-Kammer-Legislative vor, deren Mitglieder in direkter Volkswahl bestimmt wurden, einen von einem Wahlkollegium zu wählenden Präsidenten und einen Obersten Gerichtshof vor. Um autoritäre Herrscher wie Francia oder López zu verhindern, durfte der Präsident nur eine Amtsperiode regieren und erst nach acht Jahren wiedergewählt werden.

In den ersten Jahren existierten drei politische Lager: die der Argentinien-freundlichen Legionisten, die meist aus dem Exil in Buenos Aires zurückgekehrt waren; ein Brasiliennahes Lager und die sogenannten Lopistas, die noch immer López anhingen und patriotische Ideen verfolgten. Unter ihnen sollte bald General Bernardino Caballero den größten Einfluss genießen. Er war vor kurzem aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt und war der größte lebende Held für nationale ParaguayerInnen, weil er bis zum Ende an der Seite Francisco Solanos gekämpft hatte.

Die Alliierten merkten bald, dass die Okkupation Paraguays zu viel Geld verschlang und verhandelten 1876 einen Friedensvertrag aus, der sowohl Argentinien als auch Brasilien paraguayische Gebiete von etwa 150.000 km² übertrug und dem Verlierer hohe Reparationszahlungen auflud, die jedoch nie gezahlt wurden. Argentinien verzichtete im Jahr 1942 auf seine Forderungen, Brasilien 1943 und Uruguay hatte bereits 1883 seine Ansprüche aufgegeben. Solange sie bestanden, waren die paraguayischen Kriegsschulden eine Garantie, dass weder Argentinien noch Brasilien jemals versuchen würden, Paraguay zu annektieren, weil sie sonst verpflichtet gewesen wären, die Ansprüche des anderen zu befriedigen. So sicherten die Kriegsschulden Paraguays Unabhängigkeit.

In der Folgezeit erlangte General Caballero immer mehr Einfluss in der paraguayischen Politik. Er kam 1880 durch einen Staatsstreich an die Macht und war bis 1904 die führende politische Figur in Paraguay. 1887 formierte sich eine Oppositionsbewegung mit dem Namen Centro Democrático, die aus alten Legionisten und Ex-Lopistas bestand. Caballero folgte ihrem Beispiel und gründete die Asociación Nacional Republicana (ANR), wegen ihrer roten Parteifarbe bald Colorados genannt, und ebenso bestehend aus verschiedenen Interessensgruppen. Später änderte das Centro seinen Namen in Liberale Partei und wählte blau zur Parteifarbe, deswegen auch Azules genannt. Während die Colorados traditionell von Brasilien unterstützt wurden, schienen die Liberalen Argentinien nahe zu stehen. Ansonsten gab es kaum Unterschiede zwischen den politischen Gruppierungen. Die Colorados verfolgten dieselben laissez-fair e Prinzipien, die von den Liberalen gepredigt wurden. Meist war es persönliche oder familiäre Loyalität, für welche Seite man sich entschied.

Auch wenn die Colorados, die seit Ende des Krieges herrschenden Praktiken wie politische Morde und Korruption beibehielten, so war ihre Regierungszeit doch eine relativ ruhige und stabile Phase, in der die Republik Paraguay wiederaufgebaut werden konnte.

In wirtschaftlicher Hinsicht bedeutete der Krieg einen totalen Kurswechsel der bisher von den Diktatoren verfolgten Ökonomie und es kam zu einer Öffnung des Landes. Wegen der Finanzknappheit wurden staatliche Ländereien verkauft, Auslandsanleihen aufgenommen und Paraguay geriet auf diese Weise auf den Weg einer fremdfinanzierten wirtschaftlichen Entwicklung. Die paraguayische Wirtschaft war internationalen Wirtschafts- und Finanzkrisen ausgesetzt, was überdies dazu führte, dass wirtschaftliche Entscheidungsgewalt auf Ausländer übertragen wurde. Trotzdem überwogen die kurzfristigen Vorteile.

Der Verkauf von Staatsländereien führte zur Entstehung von Latifundien, viele davon in Händen ausländischer, zumeist argentinischer, aber auch britischer, französischer und US-amerikanischer Unternehmen. So kontrollierte z.B. La Industrial, eine englische Firma, fast den gesamten Handel von Yerba Mate. Außerdem wurden durch den Länderverkauf die paraguayischen Kleinbauern ruiniert. War es ihnen früher noch möglich, staatliches Land mit geringer Pacht zu bebauen, waren sie jetzt zu schlichten Tagelöhnern degradiert, die ihre Arbeitskraft billig an private Großgrundbesitzer anbieten mussten. Die Landwirtschaft blieb aber die Hauptstütze der wirtschaftlichen Entwicklung und bewahrte weitgehend ihren Subsistenzcharakter. Die wichtigsten Produkte waren Yerba Mate, Mais, Bohnen, Maniok und Reis. Ab 1890 wurden Baumwolle, Tabak und das Extrakt des Quebrachoholzes zum Gebrauch als Gerbstoff wichtige Exportartikel. Daneben war die Viehzucht der zweite Hauptpfeiler der Volkswirtschaft.

Durch diese wirtschaftlichen Veränderungen bildeten sich auch in der paraguayischen Elite heterogene Gruppen heraus. Unter den Bedingungen wirtschaftlicher Abhängigkeit von ausländischem Kapital entstand allmählich eine neue einheimische wirtschaftliche Elite. Ihre wichtigste ökonomische Basis war der Landbesitz. Unter der Herrschaft der Colorados beherrschte diese landbesitzende, insbesondere von Viehzüchtern gebildete Elite in lockerer Allianz mit einflussreichen Militärführern und mit Unterstützung Brasiliens die Politik Paraguays. Um die Jahrhundertwende entstand konkurrierend zur alteingesessenen Landoligarchie eine Kaufmannselite, die sich v.a. aus spanischen, italienischen und deutschen EinwandererInnen bzw. ihren Nachkommen zusammensetzte und sich hauptsächlich in der Hauptstadt Asunción konzentrierte. Die Konflikte innerhalb der Elite entwickelten sich folglich entlang dreier Hauptgegensätze: Viehzucht contra Handel, alteingesessene Familien contra Einwanderer, Land contra Stadt.[51]

5. Die liberale Ära (1904-1940)

1904 setzte ein von Argentinien unterstützter Aufstand der Vorherrschaft der Colorados ein Ende und brachte die Liberalen an die Macht, die bis 1940 mit kurzen Unterbrechungen die Präsidenten Paraguays stellen sollten. Damit setzte Paraguay auf die argentinische Karte. Die liberalen Regierungen versuchten die mit dem republikanischen Parteiapparat eng verflochtene Armee auf eine nationale Basis zu stellen und das aufstrebende urbane Handelsbürgertum als neue politische Machtelite zu etablieren.[52]

Trotz Versprechungen einer demokratischen und verfassungsgemäßen Regierungsführung, sollte diese Ära eine der politisch unstabilsten Phasen der paraguayischen Geschichte werden. Kaum an die Regierung gekommen, begannen sich alte Grabenkämpfe innerhalb der Partei zu vertiefen und neue Fraktionen herauszubilden. Lewis' Statistik über die 36 Jahre liberaler Regierung bis 1940 verzeichnet 21 verschiedene Administrationen, geführt von 17 verschiedenen Präsidenten. Nur acht von ihnen wurden gewählt, die übrigen kamen durch Staatsstreich oder als Übergangspräsidenten ins Amt. Von den acht, die gewählt wurden, gelang es nur dreien, ihre Amtszeit zu Ende zu führen. Zwei starben während ihrer Präsidentschaft, und drei wurden gestürzt. Einer von ihnen, Manuel Gondra, wurde zweimal gewählt und auch zweimal gestürzt.[53]

Schon seit Ende des 19. Jahrhunderts standen sich in der liberalen Partei ein gemäßigter (Cívicos) und ein radikaler Parteiflügel gegenüber. Während die Cívicos für eine Zusammenarbeit mit den Caballerokritischen Teilen der Colorados plädierten, lehnten die Radikalen jegliche Kooperation mit den Colorados strikt ab.[54] Diese plädierten daraufhin für die Methode des politischen Abstentionismus und verzichteten bis 1927 auf die Aufstellung eines eigenen Präsidentschaftskandidaten, weswegen die Machtfrage innerhalb der Liberalen durch verschiedene Staatsstreiche ausgekämpft wurde.[55]

Bis 1912 stellten die Cívicos die Präsidenten, als in diesem Jahr mit Hilfe Argentiniens der charismatische Radikale Eduardo Schaerer an die Macht kam. Während seiner Regierung und der seines Nachfolgers Manuel Franco kam es zu einer Phase bisher nicht gekannten Wohlstandes durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges, der die Nachfrage nach paraguayischen Produkten, insbesondere nach weiterverarbeiteten Fleischprodukten, steigerte.[56] Während interne Parteikonflikte zu einem Ende kamen, gab es auch wenig Gründe für soziale Unruhen in der ethnisch und kulturell homogenen paraguayischen Bevölkerung, die diese Belle Époque gefährdet hätten. 95% der EinwohnerInnen Paraguays sind Mestizen, die Indianersprache Guaraní wird noch von den meisten ParaguayerInnen gesprochen und bis heute gehören 90% der Bevölkerung der römisch-katholischen Kirche an.[57]

Das Ende des Ersten Weltkrieges, die damit zusammenhängenden wirtschaftlichen Krisen und der frühzeitige Tod des Präsidenten Franco ließen innerparteiliche Fraktionskämpfe wiederaufleben, die in einem blutigen Bürgerkrieg von Mai 1922 bis Juli 1923 gipfelten. Diese Auseinandersetzung zwischen Anhängern Schaerers, die ebenfalls von den Colorados unterstützt wurden, und den Cívicos endete mit der Niederlage Ersterer. Daraufhin wurde Eligio Ayala, ein Vertreter der Letzteren, zum Präsidenten gewählt, unter dessen Regierungszeit es aufgrund seiner modernen und integren Amtsführung kurzzeitig zu einer Phase der politischen Stabilität kam.[58]

Das Ende der liberalen Ära wurde allerdings weniger von diesen inneren Problemen, als von einem neuen großen internationalen Konflikt eingeleitet: der Auseinandersetzung mit Bolivien um die weiten, westlich des Río Paraguay liegenden Ebenen des Gran Chaco.

6. Der Chaco-Krieg (1932-35)

Der Konflikt zwischen Bolivien und Paraguay um das trockene und wüstenähnliche Gebiet, der ariden Dornbuschsteppe des Chaco, wurzelte in unklaren Territorialverhältnissen, deren Grundlagen durch die bourbonische Verwaltungsreform Karls III. in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gelegt wurden. Dadurch überschnitten sich zwei unterschiedliche Zuständigkeitsbereiche, die Audiencia de Charcas und die Provinzintendanz von Asunción, in diesem Territorium. Nach der Erreichung der Unabhängigkeit der lateinamerikanischen Staaten, die aus den ehemaligen Verwaltungseinheiten der Kolonien hervorgingen, blieb der Grenzverlauf zwischen Bolivien und Paraguay unklar.[59] In der Folgezeit versuchten Bolivien v.a. durch militärische Stützpunkte und Paraguay durch Besiedelung das Gebiet zu erschließen, wobei aus paraguayischer Sicht v.a. wirtschaftliche Faktoren wie die Gewinnung des Quebrachoholzes, aus bolivischer Perspektive strategische Gesichtspunkte im Vordergrund standen. Ziel Boliviens, das durch den Salpeter- oder Pazifikkrieg gegen Chile (1879-84) seinen Meereszugang verloren hatte, war der Atlantikzugang über den Río Pilcomayo und den Río Paraguay. Von verschiedenen Seiten war auf diplomatischer Ebene versucht worden, in diesem bilateralen Konflikt zu vermitteln. In diesen interamerikanischen Verhandlungen, bei denen Paraguay eine wesentlich konziliantere Haltung einnahm,[60] kam es auch zum Abschluss zweier Friedensverträge 1907 und 1913, die die bolivianischen Ansprüche anerkannten, im Gegenzug aber den Verzicht auf ein weiteres Vordringen festlegten. Nachdem Bolivien aber die Grenzlinie weiter in den Chaco vorverlegt hatte, sank auch das Ansehen der liberalen Regierung in Paraguay, die auf eine friedliche Lösung setzte und somit die patriotischen Gefühle der Bevölkerung verletzte. Dieser Unmut gegen die Haltung der Regierung gegenüber Bolivien gipfelte in einer Demonstration paraguayischer StudentInnen 1931, die brutal niedergeschlagen wurde. Das Massaker trug sein Übriges dazu bei, die Liberalen in der Bevölkerung unbeliebt zu machen.[61]

Weitere Vermittlungsversuche konnten jedoch nicht verhindern, dass sich der Konflikt, der schon zu einigen militärischen Scharmützeln im Chaco geführt hatte, zu einem Krieg entwickelte. Allgemein wird der Kriegsausbruch mit der paraguayischen Offensive auf das bolivische Fort Boquerón im September 1932 datiert. Trotz offener Konfrontationen erklärte die paraguayische Regierung Bolivien erst 1933 den Krieg, der 1935 trotz militärischer Unterlegenheit Paraguays mit territorialen Zugewinnen endete, als beide Länder an das Ende ihrer Leistungsfähigkeit angelangt waren.[62]

In der Historiographie ist heute allgemein die These anerkannt, dass die Regierung des populistischen Präsidenten Boliviens, Salamanca, und mit ihm der größte Teil des bolivischen Establishments ganz bewusst die militärische Eskalation im Chaco vorangetrieben und damit den Chaco-Krieg zu verantworten haben. Durch den Krieg hätte, so Herzig, Salamanca eine demobilisierende Wirkung des sozialen Spannungspotentials Boliviens bewirken wollen, um Aufständen der bolivischen Arbeiter und Bauern vorzubeugen.[63] Eine andere Theorie macht jedoch die beiden Ölkonzerne, die nordamerikanische Standard Oil of New Jersey (Exxon) auf bolivischer Seite und die britische Royal Dutch Shell (Shell) auf paraguayischer Seite, für die Mobilisierung des Krieges verantwortlich. Aufgrund von Spekulationen, die im Chaco bis heute nicht gefundene Ölvorkommen vermuteten, hätten sie den Krieg mitfinanziert und bewusst gefördert. Diese These wird von Herzig jedoch aus Mangel an Beweisen verworfen, auch wenn er die Standard Oil dafür verantwortlich macht, ihre Konzernpolitik der bolivischen Regierung gegenüber verschwiegen zu haben, dadurch eventuell das Hoffen der Regierung auf Ölvorkommen angeregt und indirekt die Kriegsmobilisierung mitverantwortet zu haben.[64]

Auf alle Fälle waren die Folgen des Krieges, der allgemein als guerra estúpida (dummer Krieg) in die Geschichtsschreibung einging, für beide Seiten katastrophal. 56.000 Bolivianer und 36.000 Paraguayer wurden getötet.[65] Bei den Friedensverhandlungen von 1935 konnte die paraguayische Regierung ihre an sich bessere Position in Anbetracht der territorialen Zugewinne im Chaco während des Krieges und aufgrund der höheren Zahl von 17.000 bolivianischen Kriegsgefangenen im Unterschied zu den nur 2.500 paraguayischen nicht durchsetzen. Der Friedensvertrag, der schließlich 1938 in einem Plebiszit in Paraguay und durch das bolivische Parlament ratifiziert wurde, sah eine Grenzziehung vor, wie sie noch heute existiert. Damit erhielt Paraguay 247.000 km² bzw. ein Drittel des umstrittenen Gebietes, Bolivien 160.000 km², wobei Paraguay die Frontlinie von 1935 als neue Grenze nicht etablieren konnte und so sein während des Krieges erobertes Gebiet zum Großteil wieder verlor. Zudem musste es Bolivien freien Durchgang durch sein Territorium zwischen Puerto Casado und Bahía Negra garantieren, wodurch der nördliche Nachbar seinen puerto psicológico zum Río Paraguay und dadurch eine Wasserstraße zum Meer erhielt.[66]

7. Die Februarrevolution von 1936

Über 100.000 Männer, d.h. etwa ein Neuntel der damaligen Gesamtbevölkerung, kehrten mit einem erheblich gewachsenen nationalen Selbstvertrauen aus dem Chaco-Krieg zurück und bildeten einen für die Zukunft bedeutenden neuen Machtfaktor im Land. Der Militär Rafael Franco, der mit seinem Angriff auf das bolivianische Fort La Vanguardia beinahe schon 1928 den Krieg ausgelöst hatte und durch diese Tat ebenso wie durch seine militärischen Leistungen während des Krieges zum Nationalhelden avanciert war, wurde zur Symbolfigur für die wachsende Opposition gegen die liberale Regierung. Gerüchte über einen Putsch, den Franco gegen die Regierung vorbereitet haben soll, führten schließlich am 6. Februar 1936 zu seiner Verhaftung und Abschiebung ins argentinische Exil. Dies gab indessen den Regierungsgegnern zusätzlichen Auftrieb. In der Nacht des 16. Februar 1936 wurde der liberale Präsident Eusebio Ayala durch das Militär abgesetzt, Franco kurz darauf aus Argentinien zurückgeholt und an die Spitze einer neuen Regierung berufen. Er versprach eine Politik im Interesse der breiten Volksmassen jenseits der kommunistischen, faschistischen und nationalsozialistischen Vorbilder. Die Trägerschaft der Februarrevolution war jedoch facettenreich und mit einer großen ideologischen Bandbreite. In der Regierung befanden sich ein Sozialist, ein Bewunderer Mussolinis, der Enkel des Colorado -Gründers Caballero und der Vorstand der Liga Nacional Independiente, einer Bewegung junger paraguayischer Intellektueller, die im Vorfeld des Chaco-Krieges für eine kompromisslosere Haltung gegenüber Bolivien eingetreten war. Daher brachten bald innere Fraktionskämpfe die Regierung zum Scheitern, die im August 1937 schließlich von einer erneuten Militärrevolte zum Rücktritt gezwungen wurde.

In ihrer nur 18 Monate dauernden Regierungszeit gelang es den Febreristas, wie die Anhänger der aus der Februarrevolution hervorgegangenen politischen Bewegung bezeichnet wurden, drei wesentliche Strukturreformen durchzusetzen. Zum Ersten setzten sie an die Stelle der liberalen Ideale einen starken Nationalismus, zu dessen wichtigstem Symbol Marschall Francisco Solano López wurde. Er wurde künftig als Nationalheld verehrt, da er bis zum bitteren Ende den feindlichen Invasoren Widerstand geleistet hatte. Seine sterblichen Überreste wurden exhumiert und gemeinsam mit den Gebeinen seines Vater Carlos Antonio López und Mementos Dr. Francias im neu errichteten Panteón de los Héroes beigesetzt. Zum Zweiten führten die Febreristas die erste ernsthafte Landreform in der Geschichte des Landes durch, die die Enteignung großer Flächen und ihre Aufteilung in kleine und mittlere Besitzungen vorsah. Bis zum Sturz Francos im August 1937 erhielten etwa 10.000 Familien Land. Schließlich kam es drittens unter Franco zum ersten Mal zur Ausarbeitung einer Arbeitsgesetzgebung, die unter anderem die Einrichtung einer Arbeitsbehörde, den Achtstundentag, bezahlten Jahresurlaub und ein Assoziationsrecht für Gewerkschaften vorsah. Um die Organisationen der Arbeiterbewegung unter Kontrolle zu halten und dadurch den kommunistischen Einfluss einzudämmen, mussten die Gewerkschaften allerdings von der neu gebildeten Arbeitsbehörde eine offizielle Genehmigung erhalten.[67]

Nach einem Putsch im August 1937 kamen wiederum die Liberalen an die Macht. Auch wenn Franco und die übrigen Febreristas ins Exil gehen mussten, so blieb dennoch das soziale Konfliktpotential in der Bevölkerung bestehen. Der 1939 gewählte Präsident General Estigarribia, Führer der Streitkräfte im Chaco-Krieg, rief anbetracht eines neuerlichen Putschversuches 1940 den Ausnahmezustand aus und erklärte sich selbst, mit Rückendeckung der liberalen Partei, zum Diktator. Er erklärte die Verfassung von 1870 für nicht funktionsfähig und ließ eine neue Konstitution ausarbeiten, die dem Staat weitreichende Interventionsrechte einräumte und das Privatinteresse den nationalen Interessen unterordnete. Der Kongress bestand nur noch aus einer Kammer und verlor viele seiner Vorrechte, während andererseits die Exekutivegewalt des Präsidenten erheblich gestärkt wurde. Ähnlich wie im korporativen Staat des italienischen Faschismus wurde ein neuer Staatsrat eingerichtet, der sich aus Vertretern der Landwirte und Viehzüchter, der Geschäftsleute, der Streitkräfte, der Universität und der katholischen Kirche zusammensetzte und der die Regierung beraten sollte. Nur wenige Wochen nach der Verkündung der Verfassung fiel Estigarribia einem Flugzeugunglück zum Opfer, und General Higinio Morínigo, Chef des Militärgeneralstabs, nahm seinen Platz ein.[68]

8. Die Morínigo-Ära (1940-48)

Während seiner Regierungszeit stützte sich Morínigo v.a. auf das Militär. Zeitweise versuchte er sich einiger konservativer katholischer Intellektueller zu bedienen, die sich nach der Zeitung Tiempo Tiempistas nannten, die aber einen großen gesellschaftlichen Einfluss erreichten. Innerhalb der Streitkräfte lag der Machtschwerpunkt v.a. bei dem mit Nazi-Deutschland sympathisierenden Frente de Guerra. Als sich eine Niederlage der Achsenmächte im Zweiten Weltkrieg abzeichnete, entledigte sich Morínigo der Frente und versprach eine Demokratisierung des Landes einzuleiten, um sich die US-amerikanische Finanzunterstützung zu sichern. Außerdem erklärte Paraguay Deutschland und Italien den Krieg, ohne je selbst in kriegerische Handlungen eintreten zu müssen. Morínigo bildete eine Koalitionsregierung mit den Febreristas und Colorados und führte eine beachtliche Liberalisierung durch, wobei er die Pressezensur aufhob und das Verbot parteipolitischer Aktivitäten lockerte. Außerdem sollte eine verfassungsgebende Versammlung einberufen werden und freie Wahlen stattfinden.

Die Regierung war jedoch auf die Demokratisierung nicht genügend vorbereitet, und das innenpolitische Klima verschärfte sich in weiterer Folge, bevor Wahlen abgehalten werden konnten. Von neuen Putschplänen der Anhänger Francos war die Rede, die Zeitungen der liberalen Partei forderten den sofortigen Sturz Morínigos, und die Colorado -Partei war in zwei Strömungen gespalten: Die Fraktion der Democráticos und das extrem nationalistisch ausgerichtete Guión Rojo, die Sturmtruppen organisierten und Versammlungen anderer Parteien, von Gewerkschaften und Studentengruppen sprengten. Morínigo sympathisierte jedoch mit diesen Sturmtruppen, und die Polizei duldete die Übergriffe des Guión Rojo.

Als sich die Lage jedoch zuspitzte, verließen die Febreristas die Koalition und Morínigo rief erneut den Ausnahmezustand aus, ließ alle febreristischen, liberalen und kommunistischen Parteiführer verhaften und schickte sie ins Exil. Ihre Regierungsämter wurden von Guionistas übernommen, woraufhin im März 1947 ein Bürgerkrieg ausbrach, der durch Unterstützung des argentinischen Präsidenten Perón nach blutigen Kampfhandlungen im August von Morínigo gewonnen werden konnte.[69]

9. Die Rückkehr der Colorados an die Macht

Nachdem Morínigo durch Unterstützung der Colorados überleben konnte, war diese Partei alleiniger Machthaber. Sie startete eine Hetzjagd auf politische Opponenten, die in Fußballstadien und Konzentrationslagern zusammengetrieben wurden. Manche wurden exekutiert, die meisten in Lager im Chaco deportiert, Tausende flohen über die argentinische und brasilianische Grenze. Es war offensichtlich, dass die Colorados die nächste Regierung stellen würden, die Frage war nur, ob es die Democráticos oder die Guionistas sein würden. Nachdem Morínigo durch einen unblutigen Putsch 1948 abgesetzt wurde, begann eine Zeit der Verschwörungen und Staatsstreiche zwischen den beiden Fraktionen mit abwechselnden Präsidenten, bis der Führer der Democráticos, Federico Cháves, 1949 an die Macht kam. Obwohl Anführer der Democráticos, machte er sich bald die gleichen Repressionsmaßnahmen seiner Vorgänger zu eigen, aber es gelang ihm, eine immerhin vierjährige Phase politischer Stabilität einzuleiten und 1954 ohne Gegenkandidat wiedergewählt zu werden.

Er erbte jedoch eine prekäre wirtschaftliche Situation, die sich durch die permanente politische Krise zusätzlich verschärfte. Die Exporte gingen zurück, die Inflationsrate erreichte alarmierende Werte, und das Pro-Kopf-Einkommen stagnierte zwischen 1949-54. Die Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmendaten stand in engem Zusammenhang mit einer Reihe populistischer Maßnahmen, die Cháves unter dem Einfluss des charismatischen Epifanio Méndez Fleitas, dem Chef der Zentralbank, durchführte. Dieser sollte bald selbst gemeinsam mit General Alfredo Stroessner in eine Verschwörung verwickelt sein, die 1954 Cháves von der Präsidentschaft stürzte und die Diktatur Stroessners vorbereitete.[70]

10. Die Diktatur Aflredo Stroessners

10.1. Der Aufstieg Alfredo Stroessners

Alfredo Stroessner Mitiauda, Sohn eines bayrischen Immigranten und einer Paraguayerin, wurde am 3. November 1912 in Encarnación geboren, wo er in eher bescheidenen Verhältnissen aufwuchs. Von seiner frühen Kindheit und Jugend ist wenig bekannt, außer dass sein Vater, der Ende des 19. Jahrhunderts eingewandert war, eine Bierfabrik besaß und seine Mutter aus einer Bauernfamilie stammte.[71] Aufgrund seiner deutschen Abstammung und seines Aussehens wurde er von seinen Landsleuten bald "El Rubio" genannt. Mit 16 Jahren trat er 1929 in die Militärschule ein, erwarb im kurz darauf ausbrechenden Chaco-Krieg die ersten Tapferkeitsmedaillen und wurde aufgrund seiner Leistungen in den Kriegshandlungen bald befördert. Von seinen Vorgesetzten als "buen conductor de tropas"[72] gelobt und von seinen Kameraden respektiert, stieg er durch seinen Fleiß und seine Arbeitsdisziplin rasch in der militärischen Karriere auf. Während des Bürgerkriegs von 1947 stellte er sich nach langem Zögern auf die richtige Seite Morínigos und verhalf diesem zum Sieg, indem er die von Süden anrückenden Rebellentruppen der Liberalen und Febreristas am Vordringen nach Asunción hinderte.[73]

In der darauffolgenden Zeit war er an insgesamt fünf Verschwörungen beteiligt, half dabei, vier Präsidenten zu stürzen, wobei er nach einem missglückten Putsch ins brasilianische Exil flüchten musste, verriet einmal ein Komplott und wählte dabei die richtige Seite. Aufgrund des Versuchs des letzten Präsidenten Cháves, der Stroessner zum Oberbefehlshaber der Armee ernannt hatte, die Polizei als Gegengewicht zur Armee aufzubauen, half Stroessner schließlich bei seinem letzten Coup dem ehrgeizigen Mendéz Fleitas gemeinsam mit dem hochrangigen Colorado -Politiker Romero Pereira, in der Nacht von 4. auf 5. Mai 1954, Cháves durch einen blutigen Staatsstreich zu stürzen. Nachdem Pereira als Übergangspräsident fungiert hatte, wurde Stroessner von der Partei als Präsidentschaftskandidat gewählt und in typischer paraguayischer Tradition ohne Gegenkandidat im Juli 1954 ins Amt gewählt.[74]

Bis 1947 gab es keine Hinweise, dass Stroessner irgendwelche parteipolitischen Präferenzen äußerte, und auch nach seinem Eintritt im Bürgerkrieg auf Seiten der Colorados wurde er kein Mitglied der Partei.[75] Erst 1956, zwei Jahre nach Antritt seiner Präsidentschaft, trat er der ANR (Asocioación Nacional Republicana, Colorado -Partei) bei.[76] Viele, v.a. die Colorados, sahen in ihm nur einen Übergangspräsidenten, der sich glücklich schätzen könnte, das als unregierbar geltende Land seine ganze Amtszeit lang regieren zu können. Stroessner schaffte es jedoch in der Folgezeit, sich die beiden Machtfaktoren, Colorados und Armee, durch geschickte Coups gefügig zu machen und das Land fast 35 Jahre zu regieren. Das war länger, als es bis dahin je ein anderer in Lateinamerika geschafft hatte.

10.2. Die Konsolidierung der Macht

Nachdem die Guionistas bei einem der Staatsstreiche zwischen 1948 und 54 aus dem Amt geputscht worden waren und die Führung sich ins argentinische Exil begeben hatte, waren die Fraktionskämpfe innerhalb der Colorado -Partei dennoch nicht beendet. Neben den Democráticos stellten die Anhänger um Epifanio Méndez Fleitas, Epifanistas genannt, einen weiteren einflussreichen Flügel dar. Jede Seite plante, Stroessner zeitlich begrenzt zu gebrauchen, um die andere Fraktion zu eliminieren.[77] Die Beziehung zwischen Stroessner und Méndez Fleitas, der dem peronistischen Argentinien sehr nahe stand, flaute ab, nachdem Perón 1955 gestürzt worden war und sich in das paraguayische Exil begab. Dort begann Perón aber bald, seinen Widerstand zu organisieren, weswegen die neue Führung in Argentinien Protestschreiben an Stroessner schickte, Perón würde das politische Asyl missbrauchen. Als Méndez Fleitas im Ausland weilte, nützte dies Stroessner aus und ließ Perón im Landesinneren unter Hausarrest stellen, woraufhin der gestürzte Diktator nach Panamá ins Exil ging. Méndez Fleitas war wenig beglückt, als er davon erfuhr, dass sein Schützling Perón das Land verlassen hatte müssen.

Im selben Monat, im Oktober 1955, wurde eine Generalamnestie aller vorher ausgewiesenen Colorado -Fraktionen erlassen und es kam zum sogenannten reencuentro (Wiederzusammenkunft). Dies bedeutete die Rückkehr der Guionistas. Einer ihrer Führer, Edgar Ynsfrán, begann mit Méndez Fleitas zu konspirieren. Stroessner, der aber über diese Pläne Bescheid wusste, zog die wichtigsten Offiziere der Armee auf seine Seite, Ynsfrán wechselte die Seite und setzte auf die richtige Karte des Präsidenten, und Méndez Fleitas wurde schließlich seiner Ämter enthoben. Langsam ersetzte Stroessner auch dessen Anhänger und mit der Hilfe Ynsfráns, der inzwischen zum Polizeichef avanciert war, wurden die Epifanistas systematisch aus ihren Machtpositionen entfernt und ins Exil geschickt. Daraufhin kam es zu einer Regierungsumbildung, und die Ministerposten wurden unter Guionistas und Democráticos aufgeteilt, wobei Ynsfrán das Innenministerium erhielt und er seinem Guionista -Freund General Duarte Vera die Polizeikommandantur überließ.

Ende der 50er Jahre versuchten die exilierten Gruppen durch Invasionsversuche der Guerilla-Taktik von Argentinien aus Stroessner zu stürzen, die jedoch alle brutal niedergeschlagen wurden. Innenpolitisch wurde die zunehmende Repression u.a. gegen die Gewerkschaft Confederación Paraguaya de Trabajadores (CPT) immer mehr von den Democráticos kritisiert, die ein Ende der Unterdrückung der CPT und eine Neuwahl der Gewerkschaftsexekutive forderten. Überrascht vom Widerstand gab Stroessner nach. Das Resultat war jedoch, dass ein Vertrauter Duarte Veras als Präsident des CPT gewählt wurde und somit die Gewerkschaft unter Kontrolle Stroessners gebracht wurde. Die Democráticos, die die Mehrheit im Kongress besaßen, machten weiter Druck und unterschrieben ein Manifest, in dem sie das Ende des Ausnahmezustands, der mit kurzen Unterbrechungen seit dem Bürgerkrieg von 1947 aufrecht war, eine generelle Amnestie, Presse- und Versammlungsfreiheit forderten. Stroessner gab nach, rief 1959 das Ende des Ausnahmezustandes aus und die Liberalen und Febreristas konnten nach Paraguay zurückkehren, standen dennoch unter starkem Druck Ynsfráns und Duarte Veras. Als jedoch eine StudentInnendemonstration von den Sicherheitskräften brutal niedergeschlagen wurde und die Democráticos daraufhin bei einer Kongresssitzung die Absetzung Ynsfráns und Duarte Veras forderten, erließ Stroessner zwei Präsidentenerlasse: Er rief wiederum den Ausnahmezustand aus und löste den Kongress auf. Die Polizei nahm sofort alle Democráticos in Gewahrsam und die Partei wurde von allen Democráticos, die das Manifest unterschrieben hatten, gesäubert. Von den 60 Abgeordneten im Kongress zu Beginn der Krise, waren nur 29 übrig geblieben. Der Rest war entweder im Gefängnis oder im Exil.

Somit waren nach den Epifanistas auch die Democráticos mit Hilfe der Guionistas entfernt worden. Ynsfrán, der selbst Ambitionen auf das Präsidentenamt hatte, wurde Mitte der Sechziger Jahre jedoch ungeduldig, als sich Stroessner entgegen der noch immer geltenden Verfassung von 1940 ein drittes Mal zum Präsidenten wählen ließ und 1966 Pläne verfolgte, die Verfassung zu ändern, um noch für weitere zwei Amtsperioden gewählt zu werden. Durch einen für Stroessner nicht ungelegen kommenden Korruptionsskandal, in den Duarte Vera verwickelt war, trat Ynsfrán zurück und Sabino Montanaro übernahm sein Amt. Somit waren auch die Guionistas entmachtet und Stroessner hatte eine ihm loyale Colorado -Partei hinter sich, die er in einen hierarchisch strukturierten Machtapparat umfunktionierte. Dadurch stand ihm nichts mehr im Wege, 1967 und 1976 die Verfassung zu ändern, um wiedergewählt werden zu können.[78]

10.3. Stroessners Stützen der Macht – Armee und Colorados

Stroessner, dessen Regierungsstil als personalistisch, patronalistisch und autoritär beschrieben werden kann[79], gründete seine Macht auf den beiden Eckpfeilern Militär und Partei. Um sich Militär und Partei gefügig zu machen, militarisierte er einerseits die Partei, andererseits coloradisierte er das Militär.[80]

Diese Dreieckskonstellation, die für Lateinamerika typische Führungspersönlichkeit des Caudillo einerseits und Bürokratie und die Repressionsinstitutionen des Militärs und der Polizei andererseits, verhalf Stroessner zu einer fast 35 Jahre dauernden Herrschaft. Dies wird in der Literatur als Stronato[81] oder Stronismo[82] rezipiert.

10.3.1. Die Armee

Das Militär, das seit Francia eine bedeutende Rolle in der Verteidigung der Unabhängigkeit des Landes spielte, stellte seit dem Chaco-Krieg einen wichtigen politischen Machtfaktor dar, durch dessen Hilfe Präsidenten an die Macht kamen aber auch wieder gestürzt werden konnten.[83] Stroessner vermochte es, sich die Streitkräfte zumindest bis Mitte der 80er Jahre so wie die Colorado -Partei loyal zu halten und somit die Gefahr eines Umsturzes zu eliminieren. Verschiedene Gründe waren dafür ausschlaggebend: Erstens war Stroessner selber Militär, seit 1951 Oberbefehlshaber der Streitkräfte und kannte daher die Institution, ihre Machtstruktur und das Funktionieren der Befehlshierarchisierung genauestens.[84] Zweitens begann er seit seiner Ernennung zum Oberkommandierenden des Militärs 1951 die systematische Säuberung von unloyalen Elementen der Armee und des Offizierskorps, der schon seit dem Bürgerkrieg 1947 von progressiven und reformistischen Kräften eliminiert worden war.[85] Nach seinem Amtsantritt als Präsident schickte er etwa 400 Militärs, deren Unterstützung er sich nicht sicher sein konnte, in den Ruhestand. Außerdem pflegte er während seiner gesamten Regierungszeit personelle Kontakte mit den Offizieren, besonders mit den Junior-Befehlshabern, ohne deren Unterstützung Senior-Offiziere nicht die Macht haben, einen Präsidenten zu stürzen.[86] Drittens duldete Stroessner die Bereicherung der Militärs durch Korruption sowie legale und illegale Geschäfte. Einerseits wurden viele Posten im öffentlichen Sektor durch hohe Offiziere besetzt, andererseits waren die Schmuggelgeschäfte der Armeebeamten kein Geheimnis. Im Schmuggelparadies Paraguay bereicherten sie sich mit dem illegalen Handel verschiedenster Artikel, wie Luxusprodukte und Elektrogeräte, ab den 70er Jahren sogar mit Waffen- und Drogengeschäften. Die Involvierung von General Andrés Rodríguez, der von vielen als zweitstärkster Mann Paraguays betrachtet wurde und 1989 seinen Waffenbruder Stroessner stürzen sollte, in die Heroingeschäfte des Franzosen Ricord, war eine der skandalösesten Verwicklungen von Militärs in den Rauschgifthandel und sorgte für Kritik der US-amerikanischen Regierung unter Richard Nixon, der die Auslieferung Ricords forderte. Auch der Polizeiapparat wurde mit solchen Privilegien belohnt.[87]

10.3.2. Die Partei

Stroessner, der wie oben erörtert durch kluge Schachzüge die einzelnen konkurrierenden Parteifraktionen eliminiert hatte, hatte nun freie Hand, um die Colorado- Partei zu einem straff von oben geführten Apparat umzustrukturieren. Die letzte Entscheidung lag bei ihm. Er übte seine Macht mittels eines handverlesenen Exekutivkomitees aus, von dem ausgehend ein dicht gewobenes Organisations- und Beziehungsnetz bis in das kleinste Dorf reichte. Jede Ortschaft und jeder Block hatte sein eigenes Parteikomitee, die sogenannten Seccionales und Subseccionales, durch das es mit der Zentrale verbunden war. Neben dieser flächendeckenden Organisation existierten spezielle Parteiorganisationen für Frauen, Kriegsveteranen, StudentInnen und SchülerInnen, LandwirtInnen, ArbeiterInnen, RechtsanwältInnen, ÄrztInnen und JournalistInnen. Um in den Genuss politischer oder öffentlicher Ämter zu gelangen, war der Beitritt in die Partei obligatorisch.[88] So waren in den 70er Jahren etwa 650.000 ParaguayerInnen Colorado -Mitglieder[89] – bei einer Gesamtbevölkerung von etwa 2,5 Mio.[90] Zusätzlich fungierte die Partei als Gegengewicht zum Militär und die Mitglieder wurden dazu ermutigt, NachbarInnen und Bekannte in Hinblick auf ihre Loyalität zu überwachen. Dadurch konnte mit Hilfe der Bevölkerung ein billiges Spitzelwesen installiert werden, das Militärangehörige, Parteigenossen und die gesamte Bevölkerung kontrollierte. Den Rückhalt, den die Partei in der Landbevölkerung genoss, wurde durch die seit dem Bürgerkrieg von 1947 zurückgehende Bewegung der py-ñandís (Barfüßige) verstärkt, die auf Seiten der Colorados gegen die Rebellen gekämpft hatten und Stroessner weiterhin bei der Unterdrückung "subversiver Elemente" wie der Guerilla oder der Bauernorganisation der Ligas Agrarias (s. III.5.4.) behilflich waren.[91]

Die ANR stellte einerseits ein Gegengewicht zur Macht des Militärs dar[92], andererseits sicherte sie Stroessner eine große soziale Basis und war sein Instrument, seine Herrschaft durch Propaganda und rituelle Zeremonien zu einem Personenkult erheben zu können. Außerdem besaß die Partei genug Macht, um Massenkundgebungen zu Gunsten des Diktators zu organisieren, wie das Beispiel der Demonstration vom 14. August 1973 zeigt. Zu jenem Zeitpunkt war Stroessner großer Kritik wegen des gemeinsam mit Brasilien realisierten Wasserkraftwerks Itaipú ausgesetzt. Zur Unterstützung des Präsidenten organisierte die Partei eine Demonstration, an der etwa 50.000 Colorados teilnahmen, um der Öffentlichkeit den Rückhalt, den Stroessner in der Bevölkerung besaß, zu zeigen.[93]

10.4. Die Opposition

Mit zunehmender Stabilisierung des Stroessner-Regimes und der Erkenntnis, dass die Guerilla-Taktik exilierter Gruppen nicht zu den gewünschten Zielen führte und die Guerilleros im Kampf starben, wuchs die Bereitschaft der vorrangig vom Exil aus agierenden Opposition, ein Übereinkommen mit Stroessner anzustreben. 1963 gründeten zwei junge Liberale, Carlos und Fernando Levi Rufinelli, das Movimiento Renovacionista. Sie brachen mit den in dieser Frage unnachgiebigen alten Parteiführern und ersuchten Stroessner um Legalisierung ihrer Partei. Da der Präsident seinerseits durch die Kennedy-Administration zunehmend unter Druck gesetzt wurde, sein Regime zu liberalisieren, akzeptierte er den Vorschlag. Die Renovacionistas wurden offiziell als liberale Partei anerkannt und erhielten ein Drittel der Sitze im Kongress, was Stroessner erlaubte, sein Regime der internationalen Öffentlichkeit künftig als Zwei-Parteien-System zu präsentieren. Das Exekutivkomitee der liberalen Partei im Exil beschimpfte die Levi Rufinellis zunächst als Verräter und schloss sie aus der Partei aus. Mit der Zeit folgten aber weitere Exilorganisationen diesem Vorbild. 1964 baten die Febreristas um Amnestie, und 1967 wurde auch die Hauptströmung der liberalen Partei als Partido Liberal Radical wieder in Paraguay zugelassen. Eine Übereinkunft mit der Kommunistischen Partei und einer Bündnisbewegung aus Colorados, der Epifanista - und der Democrático -Strömung, die den Movimiento Popular Colorado (MOPOCO) gegründet hatten, lehnte Stroessner dagegen ab[94].

Insgesamt zeigte sich die Stroessner-Diktatur in ihrem zweiten Jahrzehnt, ab 1963, deutlich moderater im Umgang mit der Opposition. Zwar waren die Möglichkeiten der Oppositionsparteien zur offenen Kritik der Regierung ebenso begrenzt wie ein Wahlsieg gegen Stroessner undenkbar (eine Gesetzgebung sicherte der Partei mit den meisten Stimmen, also den Colorados, zwei Drittel der Sitze im Kongress und die Oppositionsparteien verfügten im Gegensatz zur ANR nur über limitierte Propagandamöglichkeiten), aber immerhin konnten sie Versammlungen abhalten, Mitglieder rekrutieren und in gewissem Rahmen auch ihre Ideologien verbreiten.

Doch gerade die jüngere Generation wollte sich damit nicht zufrieden geben. Linke Mehrheiten gewannen zunächst bei den Febreristas und dann auch bei den Radikalen Einfluss auf die Parteipolitik. Der Führer der radikalen Linken, Domingo Laíno, strebte die Bildung eines breiten Oppositionsbündnisses an. 1977 glückte ihm die Wiederzusammenführung der beiden liberalen Parteien zur Partido Liberal Unido, die jedoch von der Regierung nicht legalisiert wurde. 1979 schließlich bildete sich der Acuerdo Nacional (AN), ein breites Bündnis aus Liberalen, Febreristas, dem MOPOCO und dem Partido Democrático Cristiano (PDC). Als der Acuerdo Nacional jedoch tatsächlich an politischem Einfluss gewann, zögerte Stroessner nicht, in gewohnter Härte mit massiven Repressionsmaßnahmen gegen die Oppositionellen vorzugehen. So wurde z.B. der Oppositionsführer Laíno des Landes verwiesen und konnte erst 1987 nach Paraguay zurückkehren.

10.5. Wirtschaftsentwicklung

Autoritäre Regime konzentrieren sich häufig auf die Wirtschaftspolitik und versuchen durch ökonomisches Wachstum die limitierten politischen Partizipationsmöglichkeiten der Bevölkerung zu kompensieren und dadurch zu legitimieren. So auch das Stroessner-Regime. Die Basissektoren, die durch das Wirtschaftsprogramm begünstigt wurden, waren Landwirtschaft, Außenhandel und Infrastruktur.[95] Zuerst sollte ein Stabilisierungsplan des Internationalen Währungsfonds (IWF) versuchen, die prekäre wirtschaftliche Lage, in der sich Paraguay bei der Machtübernahme Stroessners befand, zu verbessern. Dies zeigte nach wenigen Jahren die ersten Erfolge, auch wenn in den 50er Jahren das Pro-Kopf-Einkommen und die Exporte nur langsam stiegen.[96] Auf dem Agrarsektor, dem wichtigsten Wirtschaftsbereich Paraguays, wurden durch Reformen Produktionssteigerungen erzielt und Land verteilt, wobei jedoch weniger paraguayische Landlose oder Kleinstbauern in den Genuss der Verbesserungen kamen als vielmehr ausländische Landwirte und inländische Mittel- und Großagrarbetriebe.[97] Auf dem Industriesektor kam es zu keinem wesentlichen Industrialisierungsprogramm und der Anteil dieser Sparte am BIP blieb gering. Die Theorie Mirandas geht von einer bewussten Politik des Regimes aus, um das soziale Konfliktpotential von organisierten Arbeiterbewegungen möglichst gering zu halten.[98] Große Investitionen, die vom Staat, lokalen Unternehmen oder Auslandsanleihen kamen, wurden im großen Stil zur Verbesserung der Infrastruktur getätigt. Das Straßennetz wurde v.a. in Richtung Brasilien ausgebaut, um die wirtschaftliche Abhängigkeit von Argentinien, das durch bessere Wasserhandelsrouten begünstigt war, zu reduzieren; das Telekommunikationsnetz wurde verbessert; Asunción, das bis 1958 auf Wasserhändler angewiesen war, bekam ein Trinkwassersystem; das Gesundheits- und Erziehungswesen wurden verbessert und Wohnbau gefördert.[99]

Die bewegteste Entwicklungsphase folgte in den 70er Jahren, als das bis zu elfprozentige Wirtschaftswachstum zu einem der höchsten Lateinamerikas zählte. Dazu trug v.a. das mit Brasilien gemeinsam durchgeführte Großprojekt des Wasserkraftwerks Itaipú am Paraná bei, das bis 2003 weltweit größte Hydroelektrikwerk. Auch wenn die innenpolitische Kritik des Ausverkaufs paraguayischer Interessen an Brasilien berechtigt war, so förderte die Konstruktion dennoch mittel- und langfristig die Wirtschaft Paraguays, ohne selbst große Investitionen tätigen zu müssen. Einerseits schaffte es Arbeitsplätze, andererseits lieferte es Paraguay überschüssige Energie, die an Brasilien verkauft werden konnte. Ein anderes Wasserkraftprojekt wurde in den 80er Jahren mit Argentinien realisiert, der Yacyretá-Staudamm.[100]

Im Großen und Ganzen kam es also während der Stroessner-Diktatur zu einem nie da gewesenen Wirtschaftsboom, der den Lebensstandard gewisser Bevölkerungsschichten verbesserte. Dennoch war das Regime nicht an der Umverteilung des Reichtums interessiert, und die Einkommensschere vergrößerte sich sogar. Nutznießer des Systems waren v.a. Bevölkerungsschichten mit politischem Machtpotential wie z.B. das Militär, das sich im informellen Sektor bereichern konnte, Wirtschaftsunternehmer und die Mittelklasse, die durch die Schaffung von Posten im öffentlichen Dienst befriedigt wurde. Durch Kooptation konnte dieser Teil der ParaguayerInnen mit dem System zufrieden gestellt werden. Die öffentliche Propaganda-Parole "paz, trabajo y bienestar con Stroessner", die auf dem Hochhaus der Zentralbank in großen Neonleuchtlettern zu lesen war,[101] änderte wenig an der Situation der armen Unterschichten.[102]

10.6. Repression und Menschenrechtsverletzungen

Zum Wirtschaftswachstum standen die Menschenrechtsverletzungen des Regimes im starken Gegensatz. Durch brutale Repressionsmaßnahmen, die Folter, das Verschwinden-Lassen von Personen, Exekutionen, willkürliche Verhaftungen und Haftstrafen ohne Prozess beinhalteten, wurden RegimegegnerInnen mit dem Vorwand der Wahrung der inneren Sicherheit und Bekämpfung des Kommunismus unterdrückt. War die Gefahr des Marxismus gemessen am geringen Potential der paraguayischen kommunistischen Partei zwar minimal, so benützte Stroessner im Kontext des Kalten Krieges diese Argumentation, um sein Vorgehen zu rechtfertigen und eine "Demokratie ohne Kommunismus", wie er es nannte, aufzubauen.[103]

Im Gegensatz zu anderen Militärdiktaturen Lateinamerikas wurden in Paraguay die Repressionsmaßnahmen nicht nur von der Armee, sondern hauptsächlich von der Polizei ausgeführt, wobei die Geheimpolizei, das Departamento de Investigaciones, eine der wichtigsten Unterdrückungs- und Folterinstitutionen darstellte. Ein anderes Folterzentrum war die Dirección Nacional de Asuntos Técnicos, kurz La Técnica genannt, eine Institution des Innenministeriums, die in den frühen 60er Jahren durch US-amerikanische Unterstützung v.a. zur Bekämpfung des Kommunismus gegründet worden war.[104]

Als gesetzliche Basis der Repressionsmaschinerie diente die in der Verfassung von 1940 gewährleistete Ausnahmezustandsverordnung, die dem Präsidenten weitreichende Machtbefugnisse zugestand und das Recht der Habeas Corpus (Recht von Gefangenen auf Gerichtsprozess) unterminierte. Seit 1947 war der Ausnahmezustand mit kurzen Unterbrechungen aufrecht und Stroessner änderte diese Tradition bis auf eine kaum zweimonatige Phase 1959 nicht. Nur während der Wahlen wurde der Ausnahmezustand für 24 Stunden aufgehoben, um nicht gegen die Verfassung zu verstoßen. Zwei andere gesetzliche Regelungen bildeten das ley 294 über "defensa de la democracia" von 1955, das Personen betraf, die die Doktrin des Kommunismus verbreiteten. Die Bestimmung wurde jedoch so gehandhabt, dass es jede andere oppositionelle Bewegung oder Doktrin inkludierte. Außerdem erweiterte es den Schutz für Parlamentsmitglieder und beschränkte öffentliche Zusammenkünfte, die Verbreitung von Informationen und den Gebrauch der Medien. Das zweite Gesetz war das ley 209 über "defensa de la paz pública y la libertad de las personas" von 1970. Diese gesetzliche Verordnung erlaubte die Sanktionierung von Personen, die Verbrechen oder gesetzwidrige Handlungen speziell gegen öffentliche Institutionen planten. Es verbot außerdem, Hass zwischen den ParaguayerInnen zu predigen oder soziale Klassen zu zerstören. Artikel 8 dieses Gesetzes kriminalisierte es, Mitglied der Kommunistischen Partei oder jeder anderen Organisation, die das herrschende Regime gefährdet hätte, zu sein. Es beschrieb die Stroessner-Regierung als demokratisch und republikanisch. In Praxis wurde das Gesetz sogar gegen dissidente Colorados angewandt. Diese Regelungen erlaubten es der Regierung vorzutäuschen, im legalen Rahmen zu agieren.[105] Zusätzlich bildete das durch Hilfe der Bevölkerung aufgebaute Spitzelwesen ein weiteres Instrumentarium, um die Bevölkerung unter Kontrolle zu halten. Wie das später gefundene Archivo del Terror zeigt, war die Polizei bestens über alle Aktivitäten der ParaguayerInnen inner- und außerhalb des Landes informiert und jegliche zivile Umsturzgefahr konnte im vorhinein eliminiert werden (s. Kapitel III.5.1.).

Bezüglich Repression und Menschenrechtsverletzungen kann das Stroessner-Regime grob in vier Phasen eingeteilt werden.[106] In einer ersten Phase zwischen 1954-59 standen v.a. Oppositionelle innerhalb der Colorado -Partei und des Militärs im Zentrum der Unterdrückungsstrategie, die v.a. Verhaftungen beinhalteten. Wie die Oppositionsparteien nahmen auch die Epifanistas und Democráticos das Exil auf sich und formierten sich dort neu. Außerdem wurden die Gewerkschaft CPT (Confederación Paraguaya de Trabajadores), die in Folge unter Kontrolle der Regierung gestellt wurde, und StudentInnenproteste niedergeschlagen. Die Kommunistische Partei wurde seit Beginn der Herrschaft Stroessners brutal unterdrückt und stellte nie eine wirkliche Gefahr für die Diktatur dar.

In einer zweiten Phase von 1959-1967 wurden die von Argentinien ausgehenden Invasionsversuche der Guerillagruppen 14 de Mayo, Vanguardia Febrerista und der kommunistischen Frente Unido de Liberación Nacional (FULNA) brutal niedergemetzelt, die meisten Mitkämpfer vom Militär ermordet und deren Kadaver zur Abschreckung der Exilgemeinde in den Río Paraná geschmissen. AnhängerInnen eines Putschversuchs und KommunistInnen wurden außerdem unterdrückt. Dennoch kam es im Rahmen der autoritären Innenpolitik zu einer gewissen Liberalisierung, da die Febreristas und die Liberalen als Parteien wieder zugelassen wurden.

In der dritten Periode von 1967-1978 wurden hauptsächlich soziale Bewegungen wie StudentInnenassoziationen, aber v.a. die Bauernorganisation Ligas Agrarias Cristianas (LAC) unterdrückt. KommunistInnen und bewaffnete Gruppen wie die OPM (Organización Político Militar), das Movimiento Paragauyo de Liberación (MOPAL) und das Ejército Paraguayo Revolucionario (EPR) hatten wenig Gelegenheit, gegen das Regime zu opponieren und wurden zerschlagen. Die Mitglieder bewaffneter Gruppen wurden sowohl in Paraguay als auch außerhalb des Landes unterdrückt. Dies war besonders durch den ab den 70er Jahren entstandenen Plan Cóndor, eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Militärdiktaturen der Länder der Region (Chile, Argentinien, Bolivien, Uruguay, Brasilien) zur Unterdrückung Oppositioneller, möglich. Paraguayische Oppositionelle, die sich in diesen Staaten befanden, wurden entweder ausgeliefert oder verschwanden. Umgekehrt wurden in Paraguay sich aufhaltende Exilanten aus den umliegenden Ländern in Paraguay verhaftet und in ihre Heimatländer ausgeliefert (s. Kapitel III.5.2.). Einen weiteren zentralen Konflikt während dieser Phase stellte die Auseinandersetzung der katholischen Kirche mit dem Regime dar, die ebenfalls, wenn auch weniger brutale, Repressionsmaßnahmen auf sich nehmen musste. Es kam zu Ausweisungen kritischer Geistlicher, aber auch zu Mobilisierungen gegen das Regime durch die Unterstützung der Kirche.[107] Hier ist v.a. das Comité de Iglesias para Ayuda y Emergencia (CIPAE) zu nennen, das in Folge der Repressionshöhepunkte 1976 gegen die LAC entstand, um die Opfer der Unterdrückungsmaßnahmen zu unterstützen.

Die vierte Phase von 1978-89 stellte schließlich den Beginn des Endes der Diktatur dar. 1977 begann Jimmy Carter die USA als Präsident zu regieren. Selbst Mitglied der Trilateral Commission, eine lose Vereinigung von mehreren hundert Führungspersönlichkeiten aus den USA, Westeuropa und Japan, wurde Carters Politik von den Ideen dieser Kommission, die die Realisierung einer neuen "Weltordnung" nur in einer Demokratisierung der Welt, der Förderung des wirtschaftlichen Austausches und der weitgehenden Angleichung der Lebensverhältnisse verwirklicht sahen,[108] beeinflusst. Dabei sollte die Taktik einer aggressiven Menschenrechtspolitik die Dritte Welt schwächen und den Westen stärken.[109] Im Gegensatz zu vorherigen US-amerikanischen Regierungen achtete die Administration Carter mehr auf die Wahrung der Menschenrechte, weswegen sich in Paraguay verschiedenste Menschenrechtsorganisationen formieren konnten und die Zivilgesellschaft gestärkt wurde. Stroessner geriet somit sowohl von innen als auch außen immer mehr unter Druck, versuchte jedoch weiterhin, durch Repression seine Herrschaft zu erhalten. Höhepunkte der Unterdrückungsmaßnahmen waren die Jahre 1980/81 als der Exdiktator Nicaraguas, Somoza, der sein Exil in Asunción verbrachte, ermordet wurde und die paraguayische Polizei daraufhin eine konzertierte Aktion startete und Hunderte von Personen, v.a. AusländerInnen, verhaftete. (s. Kapitel III.5.6.). Ein weiteres Ereignis war der Fall Caaguazú, als bewaffnete Bauern versuchten, auf ihre schlechte Landsituation aufmerksam zu machen und brutal sowohl vom Militär als auch von der Zivilbevölkerung verfolgt und die meisten ermordet wurden (s. Kapitel III.5.4.2.). Auch die Opposition, v.a. das AN, waren Ziele der Unterdrückungsmaschinerie, so wurde z.B. der Liberalenchef Domingo Laíno des Landes verwiesen. Andere Maßnahmen der Diktatur waren die Schließungen von Presseinstitutionen, die immer mehr die Regierungspolitik kritisierten, darunter der kritische Sender Radio Ñandutí und die ansonsten sehr regimenahe Zeitung ABC-Color. StudentInnen- und sich neu bildende Gewerkschaftsbewegungen und natürlich die KommunistInnen sowie sonstige RegimegegnerInnen, darunter auch Mitglieder der Colorados, waren weitere Opfer dieser Repressionsphase.

Auch wenn man in der Stroessner-Regierung verschiedene Unterdrückungsphasen unterscheiden kann, so ist ihnen doch allen gemeinsam, dass brutal gegen jegliche RegimegegnerInnen vorgegangen wurde. Opfer konnten KommunistInnen, Guerilleros, Oppositionelle, StudentInnen, Bauern und Bäuerinnen, Geistliche, aber auch andere Zivilpersonen sein, die aus irgendwelchen Gründen ins Zwielicht des Verdachtes geraten waren. Eine weitere Opfergruppe, die noch nicht erwähnt wurde und die generell in der Literatur wenig Beachtung findet, war die indigene Bevölkerung, die, wenn auch der Diktatur nicht unbedingt feindlich gesinnt, dennoch ständig von Unterdrückungsmethoden wie Umsiedelungen, Vertreibungen, aber auch Exekutionen bedroht wurde.[110] Die Stroessner-Diktatur ist im Unterschied zu vorausgegangenen paraguayischen Regierungen, die zwar auch alle Menschenrechtsverbrechen begangen hatten, dadurch charakterisiert, dass der Staat systematisch GegnerInnen bekämpfte und unterdrückte. Dieser Staatsterrorismus begründete eine Herrschaft der Angst, konnte aber dennoch nicht den Sturz des letzen Caudillos Paraguays verhindern.

10.7. Merkmale der Stroessner-Herrschaft

Stroessners fehlendes Charisma und sein Mangel an machismo machen ihn eher zu einem für Lateinamerika untypischen Caudillo.[111] Das Geheimnis seines Erfolges dürfte laut Lewis wohl weniger in seiner Ausstrahlung, seinen öffentlichen Auftritten und seiner Fähigkeit, die Menge zu begeistern zu suchen sein, sondern vielmehr in anderen persönlichen Qualitäten: "self-discipline, an unusual capacity for work, a liking for details, and an undoubted administrative ability."[112]

Neben diesem personalistischem Erklärungsmodell können andere theoretische Ansätze die lange Herrschaftsdauer Stroessners begründen. Verschiedene Faktoren, die oben erörtert wurden, vermochte Stroessner einerseits geschickt zu verbinden, um seinen Machtanspruch geltend machen zu können. Andererseits begünstigten verschiedene historisch bedingte Kausalzusammenhänge den Machtaufstieg Alfredo Stroessners sowie die Stabilität seiner langen Herrschaftsausübung.

Erklärungsversuche wie der in den 60er Jahren entstehenden Dependenztheorie, die die Abhängigkeit armer Staaten von Industriestaaten als Grund für die Unterentwicklung Ersterer sehen, argumentieren historisch kontextuell. Dabei sieht die Autoritarismusforschung eine Korrelation zwischen politischen Herrschaftsformen und wirtschaftlichen Entwicklungsgrad und/oder soziokulturellen Faktoren.[113] Geht man von einer relativen "Unterentwicklung" armer Staaten wie im Falle Paraguay aus, kann dies u.a. die Anfälligkeit für autoritäre Regime erklären. In diesem historischem Kontext ist die Rolle der Außenpolitik der USA entscheidend, die zu Zeiten des Kalten Krieges in den späten 60er Jahren autoritäre Militärregime in Lateinamerika offen unterstützte.[114] Die Unterentwicklung als Ursache für autoritäre Herrschaftsformen zu sehen, wäre aber zu simpel.

Laut Juan Linz sollten Erklärungsmodelle, die mit Begründungen wie die eines typischen autoritären nationalen Charakters argumentieren, ebenfalls nicht überbewertet werden, dennoch, so lange sie nicht im Vordergrund stehen, Beachtung geschenkt werden.[115] Im Falle Paraguays gibt es Ansatzpunkte, die den Charakter des/der Paraguayers/in, der durch die Guaraní-Mentalität des "mbareté", dem Recht des Stärkeren, geprägt ist,[116] als Grund der langen Tradition autoritären Herrschaften sehen. Hierbei scheint sinnvoll, die "historische Verortung"[117] des autoritären Systems zu berücksichtigen. Vielmehr könnte man die lange Tradition nicht-demokratischer Regime als Grund der Entwicklung eines bestimmten "Volkscharakters" heranziehen, als per se davon auszugehen, die ParaguayerInnen neigten zu Unterwürfigkeit, um nicht der Gefahr der Argumentatsionslinie der Prädistination historischer Verläufe zu unterliegen.

Hierbei scheint eine Typisierung der Stroessner-Diktatur sinnvoll. Die drei zentralen Merkmale autoritärer Systeme sind laut Linz begrenzter Pluralismus, keine umfassend formulierte Ideologie und weder extensive noch intensive Mobilisierung.[118] In der weiteren detaillierteren Einteilung, wobei Linz sieben verschiedene autoritäre Typen unterscheidet, werden verschiedenen Merkmalen über soziale, politische Basis, Legitimations- und Strukturmuster der politischen Macht, Beziehungen zwischen Machthabenden und Herrschaftsunterworfenen, den historischen Kontexten bis zur Politikorientierung spezielle Aufmerksamkeit geschenkt. Im Falle Paraguays könnte man das Stroessner-Regime als bürokratisch-militärischen Autoritarismus definieren, das im Gegensatz zu anderen Diktaturen Lateinamerikas mit Ausnahme Chiles[119] durch Stroessner, der die lateinamerikanische Führungspersönlichkeit des Caudillo repräsentiert, personalistisch geprägt ist. Collier spricht in diesem Zusammenhang auch von einem neuen Autoritarismus in Lateinamerika.[120] Fehlt wie oben erwähnt auch die von Max Weber[121] beschriebene charismatischen Qualitäten Stroessners, so ist die Tradition des starken Mannes, des lateinamerikanischen Caudillismo[122] bei der Machtausübung Stroessners von Bedeutung. Der "último Supremo", wie der Diktator deutscher Abstammung von Bernardo Neri Farina unter Anspielung eines Romans des paraguayischen Literaten Roa Bastos genannt wird, machte sich geschickt die Repressionsinstitutionen des Militärs und der Polizei und die bürokratischen Organe wie die Partei der Colorados gefügig. Dabei waren die Beziehungen des Machthabers zur Elite patrimonialistisch geprägt, wobei "traditionelle Loyalitäten und materielle Leistungen"[123] eine wichtige Rolle spielen. Wie oben erörtert sicherte sich Stroessner die Loyalität der militärischen und politischen Elite durch materielle Nutzen, wobei illegale Geschäfte wie der Schmuggelhandel oder Korruption die negativen Auswüchse dieses Systems darstellen.

Ein zusätzliches Merkmal des Stroessner-Regimes ist in den Beziehungen zwischen Machthabern und Unterworfenen zu sehen.[124] Nicht zuletzt die Gewalt "von oben", also die organisierten Repressionsmaßnahmen gegen KritikerInnen oder die Opposition, charakterisiert und begründet die lange Herrschaftsdauer dieser fast 35 Jahre lang dauernden Diktatur. Hierbei schaffte Stroessner kontrollierte Partizipationskanäle[125] durch die Legalisierung der Opposition in den 60er Jahren, um sein Regime international Legitimität zu gewähren.

Der Zusammenhang all dieser Faktoren kann als theoretisches Erklärungsmodell des Stroessner-Regimes dienen, wobei jedes Merkmal bzw. Kausalzusammenhang beachtet werden muss und keines als einzelnes betrachtet die lange Herrschaft des inzwischen verstorbenen Machthabers begründen kann.

10.8. Das Ende der Herrschaft Stroessners

In den 80er Jahren war das Stroessner-Regime mit verschiedenen Veränderungen konfrontiert, die das Ende der Diktatur einläuteten und somit die bis dahin stabilste Militärdiktatur Lateinamerikas zum Sturz brachten. Mehrere Faktoren waren dafür verantwortlich:

Erstens machten sich zu Beginn der 80er Jahre die ersten Wirtschaftskrisen bemerkbar und beendeten den Wirtschaftsboom der 60er und 70er Jahre. Dafür war einerseits das Ende der Konstruktion des Wasserkraftwerks Itaipú verantwortlich, das lange Zeit sowohl Arbeitsplätze gesichert als auch die paraguayische Industrieproduktion begünstigt hatte. Andererseits beeinflussten ausländische Rezessionen, v.a. der Nachbarländer Argentiniens und Brasiliens, die paraguayische Wirtschaft negativ. Der Preisverfall verschiedener Agrarprodukte wie Sojabohnen und Baumwolle traf die Landwirtschaft besonders hart, wobei die Situation zusätzlich durch Flutkatastrophen von 1983 verstärkt wurde. Die Auslandsverschuldung erreichte ein sehr hohes Ausmaß. Die gesamte Bevölkerung hatte die Konsequenzen der Rezession zu tragen. Die Arbeitslosenquote stieg von 2,1% im Jahre 1980 auf 15% im Jahre 1983 und die Inflation erreichte 1984 zwischen 11 und 34% währenddessen das BIP zum ersten Mal seit 1966 abnahm, nämlich um 2%.[126]

Zweitens sah sich Stroessner, der die Wahl von 1988 wiederum als Präsidentenkandidat bestreiten wollte, sogar innerhalb seiner Partei mit KritikerInnen konfrontiert, die ein Ende des Stronismo befürworteten. Die Colorados waren in zwei Fraktionen geteilt, eine, die auch in Zukunft eine Kontinuität des Stroessner-Systems favorisierten, wenn auch mit einem anderen Anführer, die andere bevorzugte ein offeneres politisches System. Die erste Gruppe sah den Sohn des Diktators, Gustavo Stroessner, einem Oberst der Luftwaffe, als natürlichen Nachfolger. Die Letztere wollte einen Zivilen als Kandidaten. Stroessner konnte jedoch seine Kandidatur durchsetzen und wurde 1988 in alter Manier wiedergewählt. Zusätzlich regte sich innerhalb des Militärs Kritik gegen den Herrschaftsanspruch des greisen Caudillos.[127] Das Heer weigerte sich, Stroessners ältesten Sohn und Oberst der Luftwaffe Gustavo u.a. wegen seines homosexuellen Rufs als Nachfolger zu akzeptieren.[128]

Drittens hatten sich die internationalen Verhältnisse zu Ungunsten der Diktatur geändert. Einerseits hatten die USA eine kritischere Einstellung zu den Militärdiktaturen eingenommen und kritisierten die Menschenrechtsverbrechen des Regimes. Damit fiel ein wichtiger Unterstützer Stroessners weg, der im Kontext des Kalten Krieges seine Politik mit dem Kampf gegen den Kommunismus begründete. Andererseits kehrten fast alle Militärdiktaturen des Cono Sur zur Demokratie zurück. Nur Chile und Paraguay waren die letzen Bastionen autoritärer Herrschaft in der Region und es kursierten Gerüchte, Stroessner wäre im Falle eines Sturzes bereit, nach Chile zu fliehen und Pinochet hätte ein Haus in Asunción gekauft für den Fall, ihm würde etwas Ähnliches passieren. Damit sah sich das Regime einem immer größer werdenden internationalen Druck ausgesetzt.[129]

Ein vierter Faktor waren die sozialen und politischen Mobilisierungen in Paraguay, die gegenüber dem Regime immer mehr Stärke gewannen und Druck auf die Regierung ausübten. Es waren die katholische Kirche, das Acuerdo Nacional, neue Gewerkschaftsbünde, aber auch eine der wichtigsten Unternehmensorganisationen, die Federación de la Producción, la Industria y el Comercio (FEPRINCO), die ihre hohe Unzufriedenheit mit der Regierung zum Ausdruck brachten und in offene Konfrontation zu Stroessner traten.[130]

Schließlich startete Andrés Rodríguez, der zweitstärkste Mann im Militär nach Stroessner und Schwiegervater von Stroessners jüngstem Sohn Hugo, in der Nacht vom 2. auf 3. Februar 1989 einen Überraschungscoup und stürzte seinen Waffenbruder durch einen unblutigen Putsch aus dem Amt. Daraufhin verließ "El Rubio" das Land nach Brasilien, wo er bis zu seinem Tod am 16. August 2006 politisches Asyl genoss.[131] Damit war der Übergang zur Demokratie eingeläutet und die längste Diktatur des Kontinents beendet. "The quick pace of Stroessner´s leavetaking confirms that authoritarian regimes based on the distribution of ill-gotten gains, corruption, and fear cannot sustain themselves in power forever."[132]

11. Die Demokratisierung Paraguays 1989-2005

Nachdem der bereits 77-jährige Diktator das Flugzeug Richtung Brasilien bestiegen hatte, initiierte Rodríguez die ersten Schritte zur Demokratisierung und Öffnung des Landes. Drei Monate nach dem Putsch wurden die ersten freien Präsidentschaftswahlen durchgeführt, an denen alle politischen Parteien teilnehmen durften. General Rodríguez ging als klarer Sieger aus den Wahlen hervor, welche die Opposition unvorbereitet fanden.[133][134]

Auch wenn das Land friedlich in eine Demokratie umgewandelt wurde, waren die darauffolgenden 16 Jahre der politischen Geschichte Paraguays eher von chaotischen Zuständen, Instabilität und Krisen bestimmt, wobei sich das neue System als unfähig erwies, die bestehenden Probleme zu bekämpfen. Im Gegenteil, die während des Stronismo etablierte Taktik der Bereicherung der politischen und ökonomischen Elite wurde fortgesetzt. Die Tatsache, dass Paraguay 2005 in der Statistik der Organisation Transparency International als eines der 17 korruptesten Länder der Welt aufscheint,[135] spricht klare Worte.

Der Demokratisierungsprozess Paraguays weist ein umfassendes Angebot an politischen Skandalen und Abenteuern auf. Heute müssen sich zwei der bis jetzt drei zivilen Präsidenten Paraguays (Wasmosy 1993-98 und Macchi 1999-2003) wegen Korruptionsvorwürfen und Veruntreuung von Geldern vor Gericht verantworten. Staatschef Raúl Cubas (1998-99) musste nach der Ermordung seines innenpolitischen Rivalen, Vizepräsidenten Argaña, und den darauffolgenden Massendemonstrationen gegen seine Regierung, bei denen fünf Demonstranten ihr Leben ließen, zurücktreten. Der Transitionsprozess Paraguays erlebte zwei Militärputschversuche (1996, 2000), an denen allem Anschein nach der pensionierte und bis 2005 im brasilianischen Exil verweilende General Oviedo beteiligt war. Dieser muss sich jetzt vor Gericht verantworten, genießt aber in der Bevölkerung großen Rückhalt.

Am 15. August 2003 übernahm der im Mai mit 49% der Stimmen zum Präsidenten gewählte Colorado Nicanor Duarte Frutos das Amt und symbolisierte bei seinem Amtsantritt für viele ParaguayerInnen eine neue Generation von PolitikerInnn. In ihn wurden Umfragen zufolge viele Hoffnungen gesetzt. Er erbte jedoch von seinem Vorgänger Macchi einen bankrotten Staat, mit strukturellen Problemen und ökonomischer Krise. Bei seiner Antrittsrede, in der er eloquent die zweite offizielle Landessprache Guaraní verwendete, sagte der noch relativ junge Nicanor (48 Jahre) den Schwierigkeiten des Landes den Kampf an. Dabei überhäufte er sich mit Versprechungen wie:

Yo no vengo a repetir la historia de aquellos presidentes que gobernaron para unos pocos y martirizaron a miles. [...] transformaremos la Nación para el bienestar de todos [...] Venimos para cambiar la historia de la República del Paraguay. [...] Va a ser el Estado servidor del pueblo libre, libre no solamente de la opresión sino también del hambre y de la exclusión.[136]

Jedoch schränkte er seine Möglichkeiten mit folgenden Worten ein: "Los cambios, debo confesarlo con honestidad, no serán automáticos. Iremos mejorando paulatinamente, pero de manera sostenida y sistemática."[137]

Die Aktivitäten seiner Amtszeit fokussierten Maßnahmen gegen Korruption, Sicherheitsverordnungen wie z.B. Präsenz des Militärs in den Straßen Asuncións, striktere Kontrollen in den Grenzregionen gegen Schmuggel und Rauschgifthandel. Drei Jahre nach den Versprechungen seiner Antrittsrede sieht jedoch die Bilanz seiner Amtszeit nüchterner aus. Die große Aufgabe, das Land aus der Krise zu führen, ist ihm nicht gelungen. Zumindest ist er aber im Gegensatz zu seinen Vorgängern nicht in politische Korruptionsskandale verwickelt, was eventuell doch auf eine neue Generation von PolitikerInnen hinweist. Außerdem verbesserte sich 2006 der Korruptionsindex von Paraguay von 2,1 auf 2,6, wobei die Skala von 10, überhaupt nicht korrupt, bis 0, sehr korrupt, reicht.[138]

Die Partei der Colorados ist bis heute dominant in der Politik Paraguays. Eine "Entstroessnisierung" der politischen Elite hat nie stattgefunden und viele Stronistas waren bis vor kurzem noch in der Regierung zu finden. Alle bisher stattgefundenen Präsidentschafts-, Kongress- und Munizipalwahlen endeten mit dem Sieg der Colorados. Erst in den Kongresswahlen im Mai 2003 verloren sie die absolute Mehrheit im Parlament, was jedoch durch den Sieg des Präsidentschaftskandidaten der Colorados kaum einen großen Machtverlust bedeutet. Dass die junge Demokratie Paraguays durchaus noch nicht gefestigt ist, zeigt die Studie "Latinobarómetro 2005", laut der in Paraguay neben Guatemala das Demokratie-Vertrauen mit 32% in ganz Lateinamerika am niedrigsten ist.[139] Deswegen kann hier dem Urteil Artur Sosnas zugestimmt werden, der Paraguay als "defekte Demokratie" bezeichnet.[140]

Teil II: Geschichte und Gedächtnis

1. Gedächtniskonjunktur

Der französische Historiker Pierre Nora spricht zu Beginn des neuen Jahrtausends von einer "Gedächtniskonjunktur".[141] Damit meint er die seit zwanzig bis fünfundzwanzig Jahren einsetzenden Veränderungen der traditionellen Beziehung zur Vergangenheit, die folgende Formen annehmen:

Kritik der offiziellen Geschichtsdarstellung und Wieder-erwachen der verdrängten Anteile des historischen Geschehen; Einforderung der Spuren einer zerstörten oder beschlag-nahmten Vergangenheit; Pflege der Wurzeln (roots) und Ent-wicklung der Ahnenforschung; Aufblühen aller möglichen Arten des Gedenkens; juristische Aufarbeitung der Vergangenheit; Eröffnung der verschiedensten Museen; erhöhte Sensibilität für die Vorenthaltung von Archivbeständen und deren Freigabe zur Einsicht; neue Bindungen an das, was die Angelsachsen heritage, die Franzosen patrimoine und die Deutschen Erbe nennen.[142]

Grund für diese Veräderungen sind die politischen Umwälzungen des ausgehenden 20. Jahrhunderts sowie die Wende von 1989 und die Demokratisierungsprozesse in verschiedenen Teilen der Erde, v.a. in den Ex-Militärdiktaturen Lateinamerikas, und das Ende der Apartheid. Ausdruck dieser "Gedächtniskonjunktur", wie es Nora nennt, sind zahlreiche Artikel und wissenschaftliche Abhandlungen, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen und verschiedene theoretische Ansatzpunkte zum Verhältnis zwischen Gedächtnis und Geschichte bieten bzw. wieder aufleben lassen. Man denke nur an die Arbeiten des Altertumsforschers Jan Assmann[143] und seiner Frau, der Anglistin Aleida Assmann,[144] an die Bücher des französischen Philosophen Paul Ricœur,[145] des französischen Historikers Pierre Nora[146] und anderer sozial- oder geisteswissenschaftlicher Intellektueller. Im deutschsprachigen Raum stehen die Überlegungen zum Gedächtnis der Shoa und der Nazivergangenheit im Vordergrund, z.B. die Arbeiten Norbert Freis, der anhand der BRD den Begriff der Vergangenheitspolitik mitprägte,[147] oder James Youngs, der sich besonders für Gedenkstätten, also Gedächtnisorten des Holocaust, interessiert,[148] um nur zwei Autoren innerhalb der großen Anzahl an ForscherInnen in diesem Bereich zu nennen. In Österreich herrscht ebenfalls großes wissenschaftliches Interesse an diesem Thema. So widmet sich z.B. eine Ausgabe der österreichischen Fachzeitschrift für Zeitgeschichtsforschung Zeitgeschichte der Thematik Erinnerungskulturen im Kontext des Holocaust.[149]

Hier wird ein kurzer Überblick über Gedächtnistheorien, beginnend mit Halbwachs und dem von ihm geprägten Begriff des "kollektiven Gedächtnisses", gegeben und dabei das Verhältnis zwischen Geschichte und Gedächtnis, welche jene Ansatzpunkte bieten, berücksichtigt. Außerdem werden diese Ideen mit einem psychoanalytischen Ausblick der Geschichte verbunden und die Frage, ob die Historie als therapeutisches Mittel für "verletzte Gedächtnisse",[150] wie Ricœur es nennt, dienen kann, erörtert. Anschließend werden Begriffe wie Vergangenheitsaufarbeitung, Erinnerungsarbeit, Vergangenheitspolitik, Vergangenheitsbewältigung oder ähnliche Termini diskutiert. Danach wird versucht, diese theoretischen Ansatzpunkte mit der Relevanz der Fragestellungen dieser Arbeit zu verknüpfen.

2. Gedächtnistheorien – die sozialen Rahmen der Erinnerung

Hier sollen keine Theorien für das individuelle Gedächtnis durch neurologische Erklärungsmodelle erörtert werden. Dies ist die Aufgabe der Medizin und Psychologie. Vielmehr sollen die sozialen Rahmen der Erinnerungen anhand verschiedener geisteswissenschaftliche Modelle diskutiert werden.

[...]


[1] Als Cono Sur (Südkegel) wird der südlichste Teil Südamerikas bezeichnet, d.h. Argentinien, Chile, Uruguay, Paraguay, Südbrasilien.

[2] Vgl. Günter Kahle, Grundlagen und Anfänge des paraguayischen Nationalbewußtseins (Köln: Diss. Universität Köln, 1962), S. 233.

[3] Vgl. Barbara Potthast-Jutkeit, "Paradies Mohammeds" oder "Land der Frauen"? Zur Rolle von Frau und Familie in Paraguay im 19. Jahrhundert (Wien: Böhlau, 1994), S. 57.

[4] Vgl. Kahle, Grundlagen, S. 235-246.

[5] Vgl. ebd., S.269ff.

[6] Vgl. R. Andrew Nickson, Historical Dictionary of Paraguay (London: Scarecrow Press, 19932), S. 240.

[7] Vgl. Potthast, Paradies, S. 58.

[8] Vgl. Richard Alan White, La primera revolución popular en América, Paraguay (1810 – 1840) (Asunción: Carlos Schauman Editor, 19892), S. 57f.

[9] Vgl. Kahle, Grundlagen, S. 273-281u. White, revolución, S. 57-78.

[10] Vgl. dazu v.a. J. P. u. W. P. Robertson, Dr. Francia, Dictator von Paraguay: geschildert während eines vierjährigen Aufenthalts in dieser Republik, nebst den nöthigen Erläuterungen über die südamerikanische Revolution, 3 Bde. (Leipzig: 1839) u. Johann R. Rengger u. Longchamp, Essai Historique sur la Révolution du Paraguay, et le Gouvernement dictatorial du Docteur Francia (Paris: 1827). Aber auch moderne v.a. britische Werke übernehmen dieses Bild eines grausamen Despoten. Vgl. dazu The Cambridge History of Latin America, 10 Vol. (Cambridge: Cambridge University Press, 1986-1995), hier Vol. III, S. 615-678 u. Nickson, Dictionary, S. 240-244.

[11] Vgl. Sandra Carreras, "Del 'reino del terror' al 'modelo de desarrollo autocentrado'"; in: Iberoamericana: Lateinamerika, Spanien, Portugal, 16. Jg./Nr. 1/45 (1992), S. 17-35, hier S. 24.

[12] Vgl. dazu v.a. Kahle, Grundlagen, Potthast-Jutkeit, Paradies, White, revolución, Heinz Peters, Das Paraguayische Erziehungswesen von 1811 bis 1865: Schule und Staat in einem Modell autozentrierter Entwicklung (Franfurt a. Main: Lang, 1984) u. John Hoyt Williams, "Paraguayan Isolation under Dr. Francia: A Re-evaluation" in: The Hispanic American Historical Review, 52 (1972), S. 105-114.

[13] Vgl. White, revolución, S. 71f.

[14] Vgl. Kahle, Grundlagen, S. 283.

[15] Dekret vom 1. 3. 1814, Cecilio Báez, "Historia del Paraguay: 'Las leyes de extranjería'", in: Revista del Instituto Paraguayo, Jg. IX/Nr. 58 (Asunció: 1908), S. 397, zitiert nach: Potthast, Paradies, S. 64.

[16] Vgl. Kahle, Grundlagen, S. 285f.

[17] Vgl. White, revolución, S. 70 u. Susanne Soucek, Der Fall Paraguay 1811-1870: Eine entwicklungssoziologische Interpretation der Geschichte Paraguays (Wien: Dipl. Universität Wien, 1993), S. 25.

[18] Vgl. Kahle, Grundlagen, S. 311.

[19] Vgl. ebd., S. 289-291.

[20] Vgl. ebd., S. 300.

[21] Vgl. dazu Williams, "Isolation", S. 105-114.

[22] Zum Reformwerk Francias vgl. v.a Kahle, Grundlagen u. White, revolución.

[23] Vgl. dazu v.a. Peters, Erziehungswesen.

[24] Vgl. Daniela Kraus u. Renée Lugschitz, Der Tripel-Allianz-Krieg – das Ende des paraguayischen Sonderwegs – und seine Wahrnehmung in Österreich (Wien: Dipl. Universität Wien, 1995), S. 36.

[25] Vgl. ebd., S. 47-54.

[26] Vgl. ebd., S. 39-41.

[27] Vgl. dazu Günter Kahle, "Österreich-Ungarn und Paraguay, 1847-1918", in: Zeitschrift für Lateinamerika: Forschung, Informationen, Berichte, Bd. 11 (1976), S. 5-19.

[28] Vgl. Kraus, Tripel-Allianz-Krieg, S. 45-47.

[29] Vgl. Günter Kahle, "Paraguay, un experimento histórico", in: Lateinamerika Studien, Bd. 14 (1984), S. 109-130, hier S. 122.

[30] Vgl. ebd., S. 122.

[31] Vgl. Peter A. Schmitt, Paraguay und Eruopa: die diplomatischen Beziehungen unter Carlos Antonio López und Francisco Solano López 1841 - 1870 (Berlin: Colloquium-Verlag, 1963), S. 22.

[32] Vgl. Nickson, Dictionary, S. 355.

[33] Vgl. Kraus, Tripel-Allianz-Krieg, S. 57.

[34] ebd., S. 56-59.

[35] Vgl. Kraus, Tripel-Allianz-Krieg, S. 55.

[36] Vgl. ebd., S. 61.

[37] Vgl. Kahle, "experimento", S. 123.

[38] Für eine detaillierte Darstellung der diplomatischen Vorgeschichten und des Verlaufs des Krieges vgl. Thomas L. Whigham, The Paraguayan War: Causes and Early Conduct, Vol. 1 (Lincoln/London: University of Nebraska Press, 2002).

[39] Vgl. dazu Cambridge Vol. III., S. 670, Nickson, Dictionary, S. 37 u. Handbuch der Geschichte Lateinamerikas, 3 Bde. (Stuttgart: Klett-Cotta, 1992-96), hier Bd. 2, S. 694.

[40] Kraus, Tripel-Allianz-Krieg, S. 66f.

[41] Vgl. Abdruck des Vertrags in Louis Schneider, Der Krieg der Triple-Allianz gegen die Regierung der Republik Paraguay, Bd. 3 (Berlin: 1872), Anhang S. 43-46, nach: Kraus, Tripel-Allianz-Krieg, S. 67.

[42] Zum Kriegsverlauf vgl. ebd., S. 67-72.

[43] Vgl. Nickson, Dictionary, S. 159 u. 592.

[44] Vgl. Kraus, Tripel-Allianz-Krieg, S. 73.

[45] Vgl. ebd. S. 74f.

[46] Vgl. dazu Whigham, Paraguayan War, S. 153.

[47] Vgl. Kraus, Tripel-Allianz-Krieg, S. 65.

[48] Vgl. dazu Handbuch, Bd. 2, S. 717-723, Cambridge, Vol. V, S. 475-484. Für eine detailliertere Darstellung dieser Zeitspanne vgl. Harris Gaylord Warren, Rebirth of the Paraguayan Republic: The First Colorado Era, 1878-1904 (Pittsburgh: University of Pittsburgh Press, 1985).

[49] Vgl. Barbara Potthast u. Thomas L. Whigham, "The Paraguayan Rosetta Stone: New Insights into the Demographics of the Paraguayan War, 1864-1870", in: Latin American Research Review 34/1 (1999), S. 174-186.

[50] Vgl. Vera Blinn Reber, "Comment on 'The Paraguayan Rosetta Stone'", in: Latin American Research Review, 37/3 (2002), S. 129-135 u. Jan M.G. Kleinpenning, "Strong Reservations about 'New Insights into the Demographics of the Paraguayan War'", in: Latin American Research Review, 37/3 (2002), S 136-142.

[51] Vgl. Handbuch, Bd. 3, S. 1022.

[52] Vgl. Michael Herzig, Der Chaco-Krieg zwischen Bolivien und Paraguay 1932-1935 (Frankfurt am Main: Peter Lang/Europäischer Verlag der Wissenschaften, 1996), S. 52.

[53] Vgl. Paul H. Lewis, Socialism, Liberalism and Dictatorship in Paraguay (New York: 1982), S. 34f., nach: Handbuch, Bd. 3, S. 1025.

[54] Vgl. Handbuch, Bd. 3, S. 1026.

[55] Vgl. Cambridge, Vol. V, S. 485.

[56] Vgl. Handbuch, Bd. 3, S. 1026f.

[57] Vgl. Cambridge, Vol. V, S. 489 u. Handbuch, Bd. 3, S. 1024. Im Handbuch wird an dieser Stelle auf die heterogene indigene Minderheit hingewiesen: Diese wird von 17 verschiedenen ethnischen Gruppen aus fünf Sprachfamilien gebildet und betrug zum damaligen Zeitpunkt etwa zwischen 50.000 und 150.000 Menschen.

[58] Vgl. Handbuch, Bd. 3, S. 1027 u. Cambridge, Vol. V, S. 489-492.

[59] Vgl. Herzig, Chaco-Krieg, S. 55f.

[60] Vgl. ebd., S. 56-61.

[61] Vgl. Handbuch, Bd. 3, S. 1028.

[62] Vgl. Herzig, Chaco-Krieg, S. 61-73.

[63] Vgl. ebd., S. 47 u. 89-95.

[64] Vgl. ebd., S. 81-89.

[65] Vgl. Cambridge, Vol. VIII, S. 234.

[66] Vgl. Herzig, Chaco-Krieg, S. 75-80.

[67] Vgl. Handbuch, Bd. 3, S. 1029f. u. Cambridge, Vol. VIII, S. 236-240.

[68] Vgl. Handbuch, Bd. 3, S. 1031f. u. Cambridge, Vol. VIII, S. 240-243.

[69] Vgl. Handbuch, Bd. 3, S. 1031-33 u. Cambridge, Vol. VIII, S. 243-248.

[70] Vgl. Handbuch, Bd. 3, S. 1033 u. Cambridge, Vol. VIII, S. 248-251.

[71] Vgl. Bernardo Neri Farina, El último Supremo: La crónica de Alfredo Stroessner (Asunción: El Lector, 2003), S. 37f.

[72] ebd., S. 42.

[73] Vgl. Paul H. Lewis, Paraguay under Stroessner (Chapel Hill: The University of North Carolina Press, 1980), S. 64-70.

[74] Vgl. ebd., S. 43-59.

[75] Vgl. ebd., S. 66f.

[76] Vgl. Fátima Myriam Yore, La dominación stronista: Orígenes y consolidación: "Seguridad nacional" y represión (Asunción: BASE investigaciones sociales, 1992), S. 100.

[77] Vgl. ebd., S. 73.

[78] Vgl. Lewis, Paraguay, S. 73-102.

[79] Vgl. Carlos R. Miranda, The Stroessner Era: Authoritarian Rule in Paraguay (Oxford: Westview Press, 1990), S. 149.

[80] Vgl. Yore, dominación stronista, S. 98.

[81] Vgl. Claudia Zilla, "Paraguay", in: Mario Petri, Ulrich Schnier, Jürgen Bellers, Handbuch der transitorischen Systeme, Diktaturen und autoritären Regime der Gegenwar t (Berlin: Lit Verlag, 2006), S. 389-396, hier S. 391.

[82] Vgl. u.a. Marcial Antonio Riquelme, Stronismo, Golpe Militar y Apertura Tutelada (Asunción: CDE/RPediciones, 1992).

[83] Vgl. Lewis, Paraguay. S. 8.

[84] Vgl. ebd., S. 124.

[85] Vgl. Yore, dominación stronista, S. 95f.

[86] Vgl. ebd., S. 107-112.

[87] Vgl. Lewis, Paraguay, S. 131-137 u. Yore, dominación stronista, S. 101-106.

[88] Vgl. Miranda, Stroessner Era, S. 86-88.

[89] Vgl. Fernando Masi, Stroessner: La extinción de un modelo político en Paraguay (Asunción: Ñanduti Vive/Intercontinental Editora, 1989), S. 49.

[90] Vgl. http://www.eurosur.org/FLACSO/mujeres/paraguay/demo-1.htm, 30.10.2005.

[91] Vgl. Miranda, Stroessner Era, S. 87.

[92] Vgl. Lewis, Paraguay, S. 139.

[93] Vgl. ebd., S. 148.

[94] Vgl. ebd., S. 171-224 u. Miranda, Stroessner Era, S. 81-86.

[95] Vgl. Miranda, Stroessner Era, S. 101-104.

[96] Vgl. Lewis, Paraguay, S. 153f.

[97] Vgl. Miranda, Stroessner Era, S. 104-107.

[98] Vgl. ebd., S. 106f. u. S. 113.

[99] Vgl. Lewis, Paraguay, S. 155-163.

[100] Vgl. Miranda, Stroessner Era, S. 107-109 u. S. 111-113.

[101] Vgl. Lewis, Paraguay, S. 151.

[102] Vgl. ebd., S. 167 u. Miranda, Stroessner Era, S. 119.

[103] Zur Situation der Menschenrechte in Paraguay unter Stroessner vgl. José María Blanch (Hg.), El precio de la paz (Asunción: CEPAG,1991), David M. Helfeld u. William L. Wipfler, Mbareté: The Higher Law of Paraguay. Report on the Denial of Human Rights in Paraguay by The Third Commission of Enquiry of The International League for Human Rights (New York: The International League for Human Rights, 1980), Guido Rodríguez Alcala, Testimonio de la represión política en Paraguay. 1975-1989; Serie Nunca Más Vol. 3 (Asunción: CIPAE, 1990), Jose Luís Simón, La dictadura de Stroessner y los Derechos Humanos; Serie Nunca Más Vol. 1 (Asunción: CIPAE, 1990) u. dsb., Testimonio de la represión política en Paraguay 1954-1974; Serie Nunca Más Vol. 2 (Asunción: CIPAE, 1991).

[104] Vgl. R. Andrew Nickson, "Paraguay's Archivo del Terror", in: Latin American Research Review, 30/1 (1995), S. 125-129, hier S. 127.

[105] Vgl. Miranda, Stroessner Era, S. 77-80.

[106] Zur detaillierteren Ausführung zu den Repressionsphasen vgl. Blanch, precio.

[107] Zur Rolle der Kirche vgl. Miguel Carter, El papel de la iglesia en la caída de Stroessner (Asunción: RPediciones, 1991).

[108] Johannes Beverungen, Elite Planning Organizations: Traditionen, Charakteristika, Implikationen der Trilateral Commission (Baden-Baden: Nomos, 2005), S. 157.

[109] Vgl. Gerhard Drekonja-Kornat, "Die falsche Schlacht", in: Die Presse, 30.12.2006, S. IVf., hier S. IV.

[110] Vgl. Miranda, Stroessner Era, S. 91f.

[111] Vgl. Lewis, Paraguay, S. 63-72.

[112] ebd., S. 64.

[113] Vgl. Dieter Nohlen u.a. (Hg.), Lexikon der Politik, Band 4: Die östlichen und südlichen Länder (München: C.H. Beck, 1997), S. 67.

[114] Vgl. ebd., S. 56.

[115] Vgl. Juan J. Linz, Totalitarian and Authoritarian Regimes (London: Lynne Rienner Publishers, 2000/19751), S. 17f.

[116] Vgl. Helfeld, Mbareté.

[117] Nohlen, Lexikon, S. 73.

[118] Vgl. Linz, Regimes, S. 159.

[119] Vgl. Nohlen, Lexikon, S. 71.

[120] Vgl. David Collier (Hg.), The New Authoritarianism in Latin America (Princeton: Princeton University Press, 1979).

[121] Vgl. Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie (Köln, Berlin: Kiepenheuer & Witsch, 1956), S. 157-222.

[122] Vgl. Linz, Regimes, S. 155.

[123] P. Pawelka, Herrschaft und Entwicklung im Nahen Osten: Ägypten (Heidelberg: 1985), S. 24, zitiert nach: Nohlen, Lexikon, S. 71.

[124] Vgl. Nohlen, Lexikon, S. 72.

[125] Vgl. ebd., S. 72.

[126] Vgl. Miranda, Stroessner Era, S. 125-129.

[127] Vgl. ebd., S. 130-133.

[128] Vgl. Zilla, "Paraguay", S. 394.

[129] Vgl. Miranda, Stroessner Era, S. 133f.

[130] Vgl. ebd., S. 135-138.

[131] Vgl. "Gen. Alfredo Stroessner, Ruled Paraguay Through Fear for 35 Years, Dies in Exile at 93", New York Times, http://select.nytimes.com/search/restricted/article?res=F50C16F83F5A0C748DDDA10894DE404482, 17.8.2006.

[132] Miranda, Stroessner Era, S. 144.

[133] Vgl. dazu Birgit Hittenberger, "Paraguays Weg zu neuen Ufern", in: Lateinamerika anders: Österreichs Zeitschrift für Lateinamerika, 29. Jg./Nr. 1 (2003), S. 7-9.

[134] Vgl. Zilla, "Paraguay", S. 390.

[135] Vgl. http://www.transparency.org/publications/gcr/download_gcr#download, 25.11.2006.

[136] "Nicanor prometió lucha frontal contra la corrupción y la impunidad durante su discurso inaugural", ABC, http://www.abc.com.py/articulos.php?fec=2003-08-15&pid=62922&sec=7, 15.8.2003.

[137] ebd.

[138] Vgl. http://www.infoplease.com/ipa/A0781359.html, 25.11.2006.

[139] Vgl. "Putsche nicht mehr in Mode", der Standard, 29./30.10.2005, S. 4.

[140] Vgl. Artur Sosna, "Quo vadis Paraguay?: Der Prozess der Demokratisierng zwischen Anspruch und Wirklichkeit", in: Auslandsinformationen, 6 (2001), S. 75-102, auch: http://www.kas.de/db_files/dokumente/auslandsinformationen/7_dokument_dok_pdf_286_1.pdf, 19.7.2005.

[141] Vgl. Pierre Nora, "Gedächtniskonjunktur", in: Transit: Europäische Revue, Nr. 22 (2001/2002), S. 18-31.

[142] ebd., S. 18.

[143] Vgl. Jan Assmann, Das kulturelle Gedächtnis: Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen (München: C.H. Beck, 20055/19921).

[144] Vgl. z.B. Aleida Assmann, Erinnerungsräume: Formen und Wandlungen des kulturellen Gedächtnisses (München: C. H. Beck, 1999).

[145] Vgl. z.B. Paul Ricœur, Das Rätsel der Vergangenheit: Erinnern – Vergessen – Verzeihen; Essener Kulturwissenschaftliche Vorträge 2 (Göttingen: Wallstein, 20002/19981).

[146] Vgl. dazu seine umfassende Studie über Erinnerungsorte der französischen Geschichte: Pierre Nora, Les lieux de mémoire, 3 Volumes (Paris: Gallimard, 1984-1992) u. die deutsche Kurzausgabe zu diesem Thema: Pierre Nora, Zwischen Geschichte und Gedächtnis (Berlin: Klaus Wagenbach, 1990).

[147] Vgl. dazu z.B. Norbert Frei, Vergangenheitspolitik: Die Anfänge der Bundesrepublik und die NS-Vergangenheit (München: Beck, 1996).

[148] Vgl. dazu z.B. James Young, Formen des Erinnerns: Gedenkstätten des Holocaust (Wien: Passagen-Verlag, 1997).

[149] Vgl. Zeitgeschichte 5, 31. Jg. (Sept./Okt. 2004).

[150] Ricœur, Rätsel, S. 98ff.

Ende der Leseprobe aus 276 Seiten

Details

Titel
Das Archivo del Terror in der Vergangenheitsaufarbeitung in Paraguay
Hochschule
Universität Wien  (Geschichte)
Note
Sehr gut
Autor
Jahr
2007
Seiten
276
Katalognummer
V128039
ISBN (eBook)
9783640330072
ISBN (Buch)
9783640331864
Dateigröße
19679 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Archivo, Terror, Vergangenheitsaufarbeitung, Paraguay, Sehr
Arbeit zitieren
Mag. Dr. Birgit Hittenberger (Autor), 2007, Das Archivo del Terror in der Vergangenheitsaufarbeitung in Paraguay, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128039

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