Die Theorie des Gesellschaftsvertrages wird manchmal als Friedenswissenschaft bezeichnet, denn sie hat vor allem zum Ziel, die Bedingungen für die Sicherung beständigen Friedens zu bestimmen. Die Kontraktualisten behaupten, der Mensch sei kein zoon politikon; vielmehr könnte die Vergesellschaftung der Menschen erst durch souveräne Macht (Staat) erreicht werden. Die Annahme, dass die Menschen nur künstlich in die Gesellschaft integriert werden können, stellt den Ausgangspunkt für den Gesellschaftsvertrag dar.
Die politische Macht, die Einrichtungen des Staates und die Souveränität des Herrschers werden dadurch legitimiert, dass der Übergang vom Naturzustand in den gesellschaftlichen Zustand für jeden Einzelnen profitabel bzw. vernünftig ist. Damit der gesellschaftliche Zustand möglich ist, müssen die Menschen von der Notwendigkeit, in diesen einzutreten, überzeugt sein. Formal gesehen ergibt sich der gesellschaftliche Zustand aus dem Gesellschaftsvertrag. Die beiden Philosophen liefern zahlreiche Argumente dafür, warum es vorteilhaft sein sollte ihn zu schließen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung: Die Frage nach der Herrschaftslegitimation
II. Theorie des Gesellschaftsvertrages
II.I. Allgemeine Struktur des Gesellschaftsvertrages
II.II. Die Konzeption Hobbes'
II.III. Die Konzeption Rousseaus
III. Naturzustandstheorie
III.I. Die Beschreibung des Naturzustands bei Hobbes
III.II. Die Beschreibung des Naturzustands bei Rousseau
III.III. Philosophische Anthropologie
III.IV. Das Hobbessche Menschenbild
III.V. Das Rousseausche Menschenbild
IV. Plausibilität der Naturzustandskonzeptionen
IV.I. Kritik des homo homini lupus
IV.II. Kritik des bon sauvage
V. Schlussbemerkung
VI. Bibliographie:
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Naturzustandsfiktionen von Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau, um aufzuzeigen, wie unterschiedliche anthropologische Grundannahmen bei beiden Philosophen zur Notwendigkeit eines Gesellschaftsvertrages führen, und prüft diese Konzeptionen anschließend auf ihre Plausibilität.
- Systematische Darstellung der Gesellschaftsvertragstheorien von Hobbes und Rousseau
- Analyse der anthropologischen Voraussetzungen in der Naturzustandstheorie
- Vergleich der Menschenbilder (Hobbesscher Pessimismus vs. Rousseaus "edler Wilder")
- Kritische Auseinandersetzung mit der Plausibilität beider Konzeptionen
- Untersuchung der Legitimierung politischer Herrschaft durch den Gesellschaftsvertrag
Auszug aus dem Buch
III.I. Die Beschreibung des Naturzustands bei Hobbes
Hobbes geht bei der Beschreibung des Naturzustandes von der These aus, dass die Menschen von Natur aus gleich sind. Aus der Gleichheit der (physischen und geistigen) Fähigkeiten der Menschen erwächst „die Gleichheit der Hoffnung, unsere Ziele zu erreichen“. Da Menschen nach denselben Gütern verlangen und sich durch Ruhmsucht und Egoismus charakterisieren, befinden sie sich notwendigerweise in direkter Konkurrenz miteinander – der Mensch ist so dem anderen Menschen ein Wolf (homo homini lupus). Die allgemeine Unsicherheit führt zum allgemeinen Kriegszustand, dessen Charakteristik von Hobbes mit diesen Worten beschrieben wird: „Es herrscht ständige Furcht und Gefahr eines gewaltsamen Todes und das Leben des Menschen ist einsam, armselig, widerwärtig, vertiert und kurz“.
Im Naturzustand, der einem Kriegszustand gleicht, gilt die Selbsterhaltung als höchster Wert aller Menschen. Wie bereits erwähnt, assoziiert Hobbes die Selbsterhaltung mit dem Begriff des Naturrechts (jus naturale); dieses ist nichts anderes als „die Freiheit, die jeder Mensch besitzt, seine eigene Macht nach Belieben zur Erhaltung seiner eigenen Natur […] zu gebrauchen und folglich alles zu tun, was er nach seiner eigenen Urteilskraft und Vernunft als das hierfür geeignetste Mittel ansieht“. Im state of nature ist also jeder sein eigener Richter. Die absolute Handlungsfreiheit, die die Formulierung des Naturrechts impliziert, wird noch sichtbarer in der Beschreibung der Naturgesetze (lex naturalis): „[es ist] einem Menschen verboten, das zu tun, was sein Leben vernichten oder ihn der Mittel zu seiner Erhaltung berauben kann“. Der imperative Charakter dieser Definition macht es legitim, das Naturgesetz beinah als Handlungsgebot gemäß der eigenen Selbsterhaltung zu betrachten.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Frage nach der Herrschaftslegitimation: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die Vertragstheorien von Hobbes und Rousseau sowie deren anthropologische Voraussetzungen zu vergleichen und kritisch zu erörtern.
II. Theorie des Gesellschaftsvertrages: Dieses Kapitel erläutert den Gesellschaftsvertrag als Instrument der Friedenssicherung und stellt die Grundkonzepte von Hobbes und Rousseau gegenüber.
III. Naturzustandstheorie: Hier wird der Naturzustand als vorpolitische, hypothetische Konstruktion bei beiden Philosophen detailliert beschrieben und ihre philosophische Anthropologie analysiert.
IV. Plausibilität der Naturzustandskonzeptionen: In diesem Kapitel wird eine kritische subjektive Prüfung der Hobbesschen und Rousseau-schen Menschenbilder vorgenommen.
V. Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung fasst zusammen, dass die Naturzustandstheorien trotz ihrer Unterschiede bei beiden Autoren zur Notwendigkeit einer Staatsgründung führen.
VI. Bibliographie:: Verzeichnis der in der Arbeit verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Naturzustand, Gesellschaftsvertrag, Thomas Hobbes, Jean-Jacques Rousseau, Politische Philosophie, Menschenbild, Herrschaftslegitimation, Homo homini lupus, Bon sauvage, Selbsterhaltung, Souveränität, Leviathan, Vertragstheorie, Anthropologie, Kriegszustand.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Konzepte des Naturzustandes bei Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau als Fundament für ihre jeweiligen Gesellschaftsvertragstheorien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind der Vergleich der anthropologischen Menschenbilder beider Philosophen und die Frage, wie diese zur Legitimation politischer Herrschaft beitragen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Theorien systematisch darzustellen, die Unterschiede in den Naturzustandsbeschreibungen aufzuzeigen und die Plausibilität dieser Konzepte zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine komparative und kritische philosophische Analyse der Primärquellen und einschlägiger Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Struktur der Gesellschaftsverträge, den Beschreibungen des Naturzustands, der philosophischen Anthropologie sowie der kritischen Prüfung der Thesen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Naturzustand, Gesellschaftsvertrag, Hobbes, Rousseau, Menschenbild, Souveränität und Legitimation.
Wie unterscheidet sich Hobbes' Naturzustand von dem Rousseaus?
Hobbes beschreibt ihn als Kriegszustand und ständige Todesgefahr ("Wolf"), während Rousseau ihn als friedlicheren, isolierten Zustand des "edlen Wilden" betrachtet.
Warum hält der Autor Hobbes' Theorie für einseitig?
Der Autor kritisiert, dass Hobbes bei der Beschreibung des Naturzustands positive menschliche Eigenschaften und natürliche Kooperationsbereitschaft ausblendet.
Warum wird Rousseaus "bon sauvage" als fiktiv bezeichnet?
Der Autor argumentiert, dass dieses extrem positive Bild des Menschen vor der Zivilisierung kaum historisch belegbar ist und eher eine theoretische Fiktion darstellt.
- Quote paper
- Adam Galamaga (Author), 2007, Die Naturzustandsfiktion bei Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau und deren Bedeutung für ihre politische Philosophie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128079