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Krieg im 21. Jahrhundert. Eine Untersuchung zu neuen Formen der humanen Intervention

Title: Krieg im 21. Jahrhundert. Eine Untersuchung zu neuen Formen der humanen Intervention

Term Paper (Advanced seminar) , 2022 , 12 Pages

Autor:in: Tom Fohler (Author)

Sociology - War and Peace, Military
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Seit Beginn des 21. Jahrhunderts werden Kriege zunehmend nicht mehr als Eroberungskriege geführt, sondern dienen der Intervention von kriegerischen Konflikten und der Verhinderung von Menschenrechtsverletzungen, oder zielen auf die Tötung von bestimmten Zielpersonen ab. So schonen sie zivile Leben. Diese Humanisierung des Krieges wird vor allem von westlichen Ländern betrieben.

Die vorliegende Arbeit untersucht vor diesem Hintergrund zwei aktuelle theoretische Ansätze zu dieser neuen Art von Kriegen. Wilfried Hinsch stellt in seinem Buch "Die Moral des Krieges" dar, unter welchen Umständen solche Interventionskriege für ihn als gerechtfertigt gelten können. In seinem konsequentialistischen Ansatz nennt er fünf Bedingungen des gerechten Krieges, nach denen ein Krieg dann legitim ist, wenn er menschliches Leid deutlich verringern kann. Samuel Moyn stellt dagegen in "Humane" die These auf, dass die Humanisierung des Krieges zur Abschwächung moralischer Argumente gegen den Krieg führt, und so immer mehr Kriegseinsätze an immer mehr Orten durchgeführt werden.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, beide Ansätze kritisch zu prüfen und zu untersuchen, ob sie trotz ihrer Gegensätzlichkeit miteinander vereinbar sind. Dafür werden beide zusammengefasst und diskutiert. Dann wird der Versuch unternommen, die beiden Theorien in die jeweils in die andere zu integrieren. Damit soll herausgefunden werden, ob die beiden Ansätze miteinander vereinbar sind, oder ob sie sich konträr gegenüberstehen.

Krieg wird dabei als ein Konflikt verstanden, der organisiert und unter dem Einsatz militärischer Mittel, bis hin zur Inkaufnahme des Verlustes der körperlichen Unversehrtheit und des Todes von Nichtkombatant*innen, durchgeführt wird. Er muss demnach nicht notwendigerweise gegen Staaten geführt werden, sondern kann auch gegen gewaltsuchende, extremistische und häufig nationalistische oder religiös-fundamentalistische Gruppen geführt werden. Solche Kriege werden in der jüngeren Vergangenheit von westlichen Staaten meist nicht mehr durch klassische Eroberungskriege mit dem Ziel des Regime Change und der Demokratisierung angestrengt. Sie operieren stattdessen mit Kampfdrohnen und Spezialkräften, sowie unter strengen juristischen Vorgaben. So sollen die Leben von Zivilbevölkerung und die eigenen Kämpfenden soweit wie möglich geschont werden. Diese Entwicklung lässt sich als eine Humanisierung des Krieges beschreiben.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Wilfried Hinsch zum gerechten Krieg

Samuel Moyn über die Humanisierung des Krieges

Diskussion

Fazit

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der ethischen Rechtfertigung militärischer Interventionen und der kritischen Beobachtung einer sogenannten "Humanisierung des Krieges". Die zentrale Forschungsfrage betrachtet, ob die Ansätze von Wilfried Hinsch zur Theorie des gerechten Krieges und Samuel Moyns fundamentale Kritik an der Humanisierung als kontra-produktiv miteinander vereinbar sind oder sich unüberbrückbar gegenüberstehen.

  • Die moralische Legitimität von Interventionskriegen
  • Wilfried Hinschs Kriterien-Katalog für gerechte Kriege
  • Samuel Moyns These zur Normalisierung und Attraktivitätssteigerung von Kriegen
  • Die Rolle moralischer und juristischer Autorität in der internationalen Politik
  • Kritische Analyse der Humanisierungstendenzen westlicher Militärstrategien

Auszug aus dem Buch

Samuel Moyn über die Humanisierung des Krieges

Samuel Moyn stellt die Geschichte des Pazifismus in Europa und den USA seit dem 19. Jahrhundert in zwei Ausprägungen dar. Demnach kämpft der eine Teil der Pazifist*innen für das Ende des Phänomens des Krieges als Verbrechen an sich (vgl. Moyn 2021, S.18). Der andere Teil tritt für eine schrittweise Humanisierung des Krieges ein. Häufig vertreten durch NGOs verfechten diese etwa eine Reduzierung der Opferzahl unter Kombatant*innen und Nichtkombatant*innen, Versorgung von Verwundeten und Kriegsgefangenen, und das Verbot bestimmter Waffen und Kriegspraktiken. Sie sind dabei ebenfalls für das Ende aller Kriege, aber sehen dieses Ziel in der nahen Zukunft als nicht realistisch an, und versuchen stattdessen, die Brutalität des Krieges zu verringern.

Nach Moyn haben die Vertreter der Humanisierung seit dem Ende des kalten Krieges enorme Erfolge erzielt. Besonders das PR-Desaster des Vietnam-Krieges führte zu einem langfristigen Umdenken des US-Militärs (vgl. ebd., S. 167ff.) So wurden die menschliche Behandlung von Kriegsgefangenen und das Verbot von Flächenbombardements durch den ersten Zusatzartikel 1977 Teil der Genfer Konventionen (vgl. ebd., S. 183). Jurist*innen sind Teil der Planung und Durchführung von Kriegseinsätzen westlicher Armeen, und sorgen so für deren Rechtmäßigkeit (vgl. ebd., S. 186). Spätestens seit der Präsidentschaft Barack Obamas werden klassische westliche Angriffskriege, in denen ganze Staaten bekämpft und besetzt werden, nicht mehr geführt. An ihre Stelle sind der Einsatz von Drohnen und Spezialkommandos gerückt, die Menschen gezielt und präziser als je zuvor töten, und so die Zahl der zivilen Opfer im Vergleich zu früheren Kampfeinsätzen massiv verringern. Der Fokus von Militär und den meisten amerikanischen Pazifist*innen liegt demnach auf rechtskonformen und aus ihrer Sicht humaneren Kriegen. „Like humanitarians, then, the new culture of military law focused not on keeping American force from deployment but on making its force more humane when unleashed"(vgl. ebd., S. 188).

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Diese Einführung legt den theoretischen Grundstein, indem sie die Entwicklung von der klassischen Eroberungslogik hin zur modernen Humanisierung des Krieges skizziert und die Zielstellung der Untersuchung definiert.

Wilfried Hinsch zum gerechten Krieg: Das Kapitel erläutert Hinschs konsequentialistischen Ansatz, der fünf spezifische Bedingungen für die Legitimität militärischer Interventionen zur Wahrung von Menschenrechten und Frieden festlegt.

Samuel Moyn über die Humanisierung des Krieges: Hier wird Moyns radikale Pazifismuskritik dargestellt, laut der die Humanisierung von Kriegen lediglich dazu beiträgt, deren institutionelle Akzeptanz zu stärken, anstatt sie zu beenden.

Diskussion: Dieses Kapitel setzt beide theoretischen Positionen in ein kritisches Verhältnis zueinander, um zu prüfen, ob sie trotz ihrer unterschiedlichen Stoßrichtung miteinander kombinierbar oder theoretisch unvereinbar sind.

Fazit: Die abschließende Betrachtung stellt fest, dass Hinschs und Moyns Ansätze grundverschiedene Diskurse bedienen und daher nicht ohne Weiteres in einer Theorie integrierbar sind, wobei Hinsch für die Praxis und Moyn für die Reflexion des Phänomens Krieg von Bedeutung bleiben.

Schlüsselwörter

Krieg, Humanisierung, Interventionskrieg, gerechter Krieg, Wilfried Hinsch, Samuel Moyn, politische Ethik, Menschenrechte, Konsequentialismus, pazifistische Theorie, Kriegführung, Militärintervention, internationale Legitimität, Gewaltverzicht, humanitäre Katastrophen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist das grundlegende Thema dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht die moralische und politische Debatte über moderne kriegerische Interventionen und deren sogenannte "Humanisierung" im 21. Jahrhundert.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die Konzepte des "gerechten Krieges" sowie die kritische Analyse, wie die Veränderung der Kriegführung durch Technologie und Recht zu einer Attraktivitätssteigerung bei Interventionen führen kann.

Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?

Die Arbeit fragt, ob die ethischen Bedingungen für gerechte Kriege nach Wilfried Hinsch und die fundamentale Kritik an der Humanisierung von Kriegen durch Samuel Moyn miteinander vereinbar sind.

Welche methodische Herangehensweise wird hier gewählt?

Es handelt sich um eine vergleichende theoretische Analyse, bei der zwei aktuelle politische Denker gegenübergestellt und auf ihre Kompatibilität sowie gegenseitige Integrationsfähigkeit geprüft werden.

Was bildet den inhaltlichen Schwerpunkt des Hauptteils?

Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der Theorien von Hinsch und Moyn sowie deren anschließende kritische Diskussion im Kontext aktueller internationaler Sicherheitspolitik.

Wodurch lässt sich diese Publikation charakterisieren?

Die Arbeit zeichnet sich durch eine kritische Verknüpfung von utilitaristischen, moralethischen und realpolitischen Aspekten der heutigen Kriegführung aus.

Warum hält Samuel Moyn die Humanisierung des Krieges für gefährlich?

Moyn argumentiert, dass ein "humanerer" Krieg die Hemmschwelle für politische Akteure senkt, militärische Mittel einzusetzen, wodurch das Phänomen Krieg letztlich verstetigt wird.

Welche Schwachstelle sieht der Autor bei Wilfried Hinschs Konzept?

Die Arbeit identifiziert den Mangel an einer weltweit anerkannten, legitimen Autorität, die über die Rechtmäßigkeit solcher Interventionskriege entscheiden könnte, als zentrale Schwachstelle.

Warum sind laut dem Autor Hinsch und Moyn kaum vereinbar?

Während Hinsch versucht zu klären, unter welchen Bedingungen ein Krieg gerechtfertigt sein kann, hinterfragt Moyn die moralische Rechtfertigung der Kriegsführung an sich, was beide Ansätze auf unterschiedlichen Ebenen operieren lässt.

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Details

Title
Krieg im 21. Jahrhundert. Eine Untersuchung zu neuen Formen der humanen Intervention
College
University of Constance  (Fachbereich Politik)
Course
Politische Ethik
Author
Tom Fohler (Author)
Publication Year
2022
Pages
12
Catalog Number
V1280916
ISBN (eBook)
9783346737250
ISBN (Book)
9783346737267
Language
German
Tags
Moyn Samuel Moyn Hirsch Wilfried Hinsch Krieg Frieden gerechter Krieg gerechter Frieden Humanisierung Völkermord Humanisierung des Krieges Intervention Humane Intervention
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tom Fohler (Author), 2022, Krieg im 21. Jahrhundert. Eine Untersuchung zu neuen Formen der humanen Intervention, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1280916
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