Religion – Eine Gefahr für den Frieden?


Referat (Ausarbeitung), 2008

9 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

1. Einführung

Der 11. September 2001 als Verbrechen gegen die Menschheit führte uns bereits deutlich die globale Gefahr eines religiös motivierter Terrorismus vor Augen. Dabei ist aber zu beachten, dass dieses Geschehen nicht pauschal dem militanten Islam anzulasten ist und es auch falsch ist, gar zum Gegenangriff eines „wehrhaften Christentums“ aufzurufen. Denn die Zweideutigkeit aller Religionen, auch die des Christentums, v.a. durch die Kreuzzüge und die Judenverfolgung, ist offensichtlich. Somit ist deutlich, dass Religion sowohl segenreich, also Anlass für Befriedungsprozesse, als auch Quelle von Fanatismus und Verderben sein kann, indem Gott/ das Heilige dämonisch verzerrt wird. Religion kann folglich auch Mittel der Kriegsführung sein, indem religiöse Versprechungen zur Motivation (Ablass, Eintritt in das Paradies) des eigenen Volkes/ Soldaten gegeben werden, hinzu kommt, dass materielle Opfer oftmals mit religiösen Opfern gleichgesetzt werden. Immer wieder kommt es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen verschiedensten Religionsanhängern – Konflikte um Kaschmir, in Nordirland und selbst in Deutschland wird türkischen Familien das Haus angezündet. Doch warum ist es nicht möglich, dass die jeweilige religiöse Überzeugung der am Konflikt beteiligten Menschen nicht friedensstiftend, sonder eher im Gegenteil kriegsfördernd sind?[1]

Doch eigentlich hieß es bereits in der „Löwener Erklärung“ der Zweiten Weltkonferenz der Religionen für den Frieden im Jahre 1974: „Frieden ... ist eine praktische und unmittelbare Notwendigkeit, die sich aus der gegenwärtigen Situation ergibt, in der die Menschen solch ungeheure Macht erworben haben, dass sie nun in der Lage sind, vollständig sich selbst mit dem Erdball, auf dem sie leben, zu vernichten. Deshalb widmen wir uns der Aufgabe, für die totale Abschaffung des Krieges zu arbeiten.“ (Gensichen, S. 8) Wie bereits beschrieben, ist leider festzustellen, dass diese Erklärung weit von gegenwärtiger Wirklichkeit der Welt entfernt ist, denn Kriege oder kriegsähnliche Zustände mit religiösen Gegensätzen als maßgebende Rolle stehen heutzutage leider immer noch an der Tagesordnung.[2]

Vorläufig ist also festzuhalten, dass keine Religion behaupten kann, nie in Auseinandersetzungen dieser Art verwickelt gewesen zu sein oder gar immun zu sein.[3]

Die Rolle der Religionen ist dabei ambivalent, es gibt also keine Friedensmacht schlechthin, wobei aber auch keine Religion von Haus aus friedensfeindlich ist, denn zwar sind die Vorstellungen von Frieden und Gerechtigkeit nicht identisch, aber Vorstellungen über den Frieden als etwas Gutes und Gesolltes stimmen in allen Religionen überein.[4] So haben Religionen in der Vergangenheit auch viel geleistet – sie konnten in nachhaltiger Weise für Frieden und Gewaltlosigkeit in der Welt eintreten (siehe die Versöhnung zwischen Frankreich und Deutschland oder zwischen der BRD und den Staaten des Warschauer Paktes; die Bürgerrechtsbewegung in den USA unter M. Luther).[5]

2. Hauptteil

Ob der Weltfrieden wirklich von den Religionen abhängt, wird im folgenden Teil verdeutlicht.

Zum Islam ist zunächst zu sagen, dass bereits Mohammed mit seiner neuen Gottesoffenbahrung die militante Verteidigung der „Ehre“ und Identität der Stammesgemeinschaft verlangte. So wurde eine bewaffnete Auseinandersetzung, von Blutrache bis zum Stammeskrieg, immer zugleich eine religiöse Pflicht.

Die Schlacht von Badr im Jahre 624 nach Mohammeds Exodus nach Medina zwischen Mohammed-Anhängern und dem Begleitschutz einer mekkanischen Karawanne und dem Sieg der Mohammedaner wird diese als entscheidende Zäsur gesehen, denn dieser Kampf war eine dem Propheten aufgezwungene Abwehrmaßnahme, die allein das Überleben der Gemeinde sicherte. Somit war folglich der Boden für den Dschihad, den Heiligen Krieg, bereitet. Der Dschihad bezeichnet dabei nicht nur oder primär den Kampf mit Waffen, sondern alle Anstrengungen auf dem Weg Allahs, zur Überwindung des Bösen und zur Durchsetzung des Rechts. Die Beteiligung ist dabei für jeden Rechtsgläubigen Pflicht, wobei die Erfüllung mit Sündenvergebung und Anrecht auf das Paradies belohnt wird. Dieser Pflicht aber ist nicht zu jeder Zeit nachzukommen, eben dann, wenn genügend Kämpfer vorhanden sind und auch in den 4 heiligen Monaten muss nicht gekämpft werden. So wird auch die Vorbereitung auf den Dschihad oftmals als Pflichterfüllung anerkannt. Der Dschihad an sich bezweckt die Umwandlung von „Kriegsgebiet“ zum „Islam-Gebiet“, wobei die Ungläubigen die Feinde des islamischen politischen Gemeinwesens darstellen. Beim Islam kommt es außerdem nicht auf den Glauben im Sinne einer Erneuerung des Herzens an, sondern auf das Bewusstsein der unbedingten Überlegenheit Gottes.[6]

Als kurzes Beispiel wäre hier der Iran zu nennen. Der Iran als Staat wurde nach der Islamischen Revolution im Jahre 1979 mit dem Namen Islamische Republik Iran gegründet. Die gesetzliche Grundlage ist dabei die Scharia, welche die universale Geltung für alle Menschen beansprucht.

[...]


[1] KÜNG, Hans, KUSCHEL, Karl-Josef (Hg.), Weltfrieden durch Religionsfrieden. Antworten aus den Weltreligionen, München 1993, S. 9f.

[2] GENSICHEN, Hans-Werner, Weltreligionen und Weltfriede, Göttingen 1985, S. 8f.

[3] GEBHARDT, Günther, Zum Frieden bewegen. Friedenserziehung in religiösen Friedensbewegungen, Rissen 1994, S. 19.

[4] Vgl. Gensichen, Weltreligionen und Weltfriede, Göttingen 1985, S. 15.

[5] Vgl. Küng, Kuschel, Weltfrieden durch Religionsfrieden, München 1993, S. 23f.

[6] Vgl. Gensichen, Weltreligionen und Weltfriede, Göttingen 1985, S. 83-86.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Religion – Eine Gefahr für den Frieden?
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Gefahren für den Frieden im 21. Jahrhundert
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
9
Katalognummer
V128153
ISBN (eBook)
9783640343393
ISBN (Buch)
9783640343812
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Religion, Eine, Gefahr, Frieden
Arbeit zitieren
Nadja Kloß (Autor), 2008, Religion – Eine Gefahr für den Frieden? , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128153

Kommentare

  • Stefan Wehmeier am 26.5.2011

    "Ihr habt gehört, dass gesagt ist: "Auge um Auge, Zahn um Zahn." Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel. Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei."

    Jesus von Nazareth

    "Man sagt es harmlos, wie man Selbstverständlichkeiten auszusprechen pflegt, dass der Besitz der Produktionsmittel dem Kapitalisten bei den Lohnverhandlungen den Arbeitern gegenüber unter allen Umständen ein Übergewicht verschaffen muss, dessen Ausdruck eben der Mehrwert oder Kapitalzins ist und immer sein wird. Man kann es sich einfach nicht vorstellen, dass das heute auf Seiten des Besitzes liegende Übergewicht einfach dadurch auf die Besitzlosen (Arbeiter) übergehen kann, dass man den Besitzenden neben jedes Haus, jede Fabrik noch ein Haus, noch eine Fabrik baut."

    Silvio Gesell

    "The greatest tragedy in mankind's entire history may be the hijacking of morality by religion."

    Arthur C. Clarke

    Die Aussagen von wahren Genies bleiben für gewöhnliche Menschen unverständlich, und selbst den Gelehrten und ernsthaften Studenten können sie nur mit Mühe sinnhaftig werden:

    http://www.deweles.de/willkommen/cancel-program-genesis.html

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