Beschäftigt man sich mit der Frage, wie der Ursprung der deutschen Komödie mit den Fastnachtsspielen zusammenhängt, so kommt man nicht ohnehin zu definieren, was unter dem Begriff Komödie verstanden wird. Der Begriffsklärung folgt eine Beschreibung der Fastnachtsspiele. Ausgehend von der Fragestellung wird im darauffolgenden eine Untersuchung des Vorhandenseins von komödienspezifischen Eigenschaften bei den Fastnachtsspielen vollzogen, wobei das Augenmerk auf die komikerzeugenden Elemente und ihre Wirkung gerichtet ist. Schlussendlich soll anhand der Evaluierung der Ergebnisse die Fragestellung, ob Fastnachtsspiele als Ursprung der deutschen Komödie angesehen werden können, in einem Fazit reflektiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Komödienbegriff
3. Die Fastnachtsspiele
4. Komikerzeugende Elemente des Fastnachtspiels
4.1. Komik des Inhalts
4.2. Komik des Dargestellten
4.3. Komik der Sprache
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Fastnachtsspiel als möglichen Ursprung der deutschen Komödie, indem sie analysiert, inwieweit die Gattung der Fastnachtsspiele spezifisch komödiantische Merkmale wie Komik, erheiternde Wirkung und ein positives Ende aufweist.
- Begriffliche Herleitung und Definition der Komödie
- Historischer Kontext und Merkmale des Fastnachtsspiels
- Analyse komikerzeugender Elemente (Inhalt, Darstellung, Sprache)
- Vergleich der Gattungsmerkmale zur Beantwortung der Ursprungsfrage
Auszug aus dem Buch
4.2. Komik des Dargestellten
Unter der Komik des Dargestellten ist die unterhaltsame Wirkung der Möglichkeiten die Spielinhalte zu veranschaulichen gemeint. Darunter ist die Komik der Ausdrucksformen der Schauspieler und die Komik der Ausstattung zu fassen.
Die Komik der Ausdrucksformen der Schauspieler zeigt sich unter anderem in deren Bewegungen. Dem Menschenbild des Mittelalters zufolge wurden hässliche Bewegungen als Ausdruck von Moralverlust angesehen (vgl. ebd., S. 121f.). Vor allem Bewegungen, die unkontrolliert die Gemütsregung ausdrückten, wurden als demonstrativ für das Sündhafte angesehen und äußerten sich unter anderem in Ehestreitspielen und auch den darin eingebundenen Prügeleien (vgl. ebd., S. 122 und 135). Die Anrüchigkeit der in dem Zusammenhang hervorgebrachten Gebärden stellte normwidriges Verhalten dar und erfreute sich vermutlich deshalb großer Beliebtheit und Erheiterung (vgl. ebd., S. 123 und S. 135).
Die Aussprache des Gesagten beinhaltete in zahlreichen Spielen einen Unterhaltungsfaktor, indem sie ihrer Erwartung entgegengesetzt illustriert wurde. Damit ist gemeint, dass in übertriebener Weise der Inhalt des Gesagten im Gegensatz dazu stand, wie es ausgesprochen wurde, wodurch man Ironie erzeugte (vgl. ebd., S. 140). Ebenso wurde ein komischer Effekt erzielt, in dem in manchen Spielen die Handwerksgesellen eine hohe Tonlage imitierten die einen Kontrast zu ihrer einfachen Berufsgruppe bildete (vgl. ebd., S. 140). Dadurch haben die Spiele eine „karikaturistische Wirkung erhalten“ (ebd., S. 141). Schließlich wurden manchmal bloße Laute geäußert, um den Effekt komischer Geschehnisse zu verstärken (vgl. ebd., S. 140). Für komikerzeugende Gesten sind nicht viele Belege vorhanden (vgl. ebd., S. 129). Komische Gesten sind im Bereich der Fastnachtsspiele meist nur durch ihren symbolischen Gehalt zu deuten (vgl. ebd. S. 129). Die Gestik wird meist aus einem erotischen Kontext gegriffen und bringt das immense Interesse an solchen Thematiken zum Ausdruck (vgl. ebd. S. 129).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung steckt den Rahmen der Forschungsfrage ab, das Fastnachtsspiel als Ursprung der deutschen Komödie zu untersuchen und definiert hierfür das methodische Vorgehen.
2. Der Komödienbegriff: Dieses Kapitel erläutert etymologische Wurzeln und definitorische Schwierigkeiten des Komödienbegriffs unter Berücksichtigung prototypischer Merkmale wie Komik.
3. Die Fastnachtsspiele: Es wird die historische Entstehung, der Aufführungskontext und die inhaltliche Ausrichtung der Fastnachtsspiele als Form der mittelalterlichen Unterhaltung dargelegt.
4. Komikerzeugende Elemente des Fastnachtspiels: Dieses Hauptkapitel detailliert die verschiedenen Ebenen der Komik: Inhalt, schauspielerische Darstellung und sprachliche Mittel.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und begründet die Bejahung der Fragestellung hinsichtlich der Fastnachtsspiele als Vorläufer der deutschen Komödie.
Schlüsselwörter
Fastnachtsspiel, deutsche Komödie, Literaturgeschichte, Gattungsgeschichte, Komik, Mittelalter, Theaterwissenschaft, Handlungsspiel, Reihenspiel, Triebbefriedigung, Fäkalienkomik, Typisierung, Sprachkomik, Aufführungspraxis, Unterhaltung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und inwiefern das mittelalterliche Fastnachtsspiel als historischer Ursprung der deutschen Komödie betrachtet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind die Gattungsmerkmale der Komödie, der historische Ursprung der Fastnachtsspiele sowie die detaillierte Analyse ihrer komischen Ausdrucksformen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist der Nachweis, dass die wesentlichen Kriterien einer Komödie (Komik, erheiternde Wirkung, gutes Ende) bereits in den Fastnachtsspielen angelegt waren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und kulturwissenschaftliche Analyse, die einschlägige Fachliteratur auswertet, um Gattungsmerkmale zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von inhaltlicher Komik, Aspekten der schauspielerischen Darstellung sowie der sprachlichen und stilistischen Mittel der Komikerzeugung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind unter anderem Fastnachtsspiel, Komik, Komödie, Mittelalter, Unterhaltung und Gattungsgeschichte.
Welche Rolle spielen die "Handwerksgesellen" in der Darstellung?
Die Handwerksgesellen spielten als Akteure eine zentrale Rolle, wobei die Tatsache, dass sie Adelige verkörperten, durch den unverkennbaren Widerspruch zur sozialen Identität für zusätzliche komische Effekte sorgte.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen den Arten der Spiele?
Es wird strikt zwischen dem "Reihenspiel" (nacheinander vorgetragene Monologe ohne direkten Bezug) und dem "Handlungsspiel" (einheitliche Handlung mit aufeinander bezogenen Sprechern) differenziert.
- Arbeit zitieren
- Bianca Butterweck (Autor:in), 2016, Das Fastnachtsspiel als Ursprung der deutschen Komödie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1281551