In der vorliegenden Arbeit werden zunächst ausgewählte Theorien zur Übersetzung literarischer Texte und Lyrik vorgestellt und daraus ein eigener Analysekatalog zur praktischen Umsetzung entwickelt. Anschließend wird geprüft, wie sich die Übersetzung von Kate Tempests Lyrikband „Hold Your Own“ von Johanna Wang aus dem Jahr 2016 in das vorgestellte Theoriekonstrukt einfügt.
Die Übersetzung von Literatur in andere Sprachen stellt die Branche seit jeher vor eine große Herausforderung. Auf die Frage, ob Texte möglichst wortwörtlich oder stilistisch angepasst übersetzt werden sollen, gibt es keine eindeutige und zufriedenstellende Antwort. Vielmehr existieren zur Übersetzung zahlreiche Theorien.
Eine besondere Herausforderung stellt die Thematik der Lyrikübersetzung dar: Hier muss sorgfältig abgewogen werden, ob Form, Sinn und Inhalt gleichermaßen beachtet werden können. „So wörtlich wie möglich, so frei wie nötig“ gilt als Faustregel. Aber wie gestaltet sich diese Herausforderung in der Praxis? Inwieweit wird bei der Übersetzung von Lyrik an der texttreuen oder wirkungsäquivalenten Übersetzung festgehalten?
Inhaltsübersicht
1 Einleitung
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Texttreue und Wirkungsäquivalenz
2.2 Grundtypen der Lyrikübersetzung
2.3 Analysekatalog
3 Exemplarische Analyse der Übersetzung von „Hold Your Own“
3.1 Texttyp
3.2 Adäquatheit
3.3 Äquivalenz
3.4 Grundtyp
4 Fazit
Zielsetzung & Forschungsthemen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Texttreue und Wirkungsäquivalenz bei der Übersetzung von Lyrik. Dabei liegt der Fokus primär auf der Analyse der deutschen Übersetzung des Gedichtbands "Hold Your Own" von Kate Tempest durch Johanna Wang aus dem Jahr 2016, um die praktischen Herausforderungen und angewandten Übersetzungsstrategien theoretisch einzuordnen.
- Grundlagentheorien zur Lyrikübersetzung und Unübersetzbarkeit
- Klassifizierung der Ausgangstexte nach Texttyp und Funktion
- Analyse der Übertragungsstrategien hinsichtlich Adäquatheit und Äquivalenz
- Bestimmung der Grundtypen der Lyrikübersetzung nach Andreas Wittbrodt
Auszug aus dem Buch
2.1 Texttreue und Wirkungsäquivalenz
Zur Übersetzung von Literatur existieren zahlreiche Theorien. Die jeweiligen Maximen widersprechen sich zum Teil vehement. Im Rahmen der vorliegenden Hausarbeit wurde daher eine Auswahl getroffen. Mehrere relativistische Übersetzungstheorien begründen die Aussage, dass Literatur und vor allem lyrische Texte nicht in andere Sprachen übersetzbar seien. Während Wilhelm von Humboldt (1767 – 1835) diese Aussage aufgrund sprachphilosophischer Aspekte tätigte, argumentiert Leo Weisgerber (1899 – 1985) mit dem Zusammenwirken von kultureller Wirklichkeitserfassung und Sprache. Auch das linguistische Relativitätsprinzip nach Benjamin Lee Whorf und E. Sapir stellt eine Unübersetzbarkeit fest, aber wiederum wegen der unterschiedlichen Wortinhalte und Grammatik der einzelnen Sprachen. Was hier zum ersten Mal Erwähnung findet, ist der bereits im Titel angekündigte Spagat zwischen Texttreue und Wirkungsäquivalenz. Lyrische Texte scheinen unübersetzbar, da die Inhalte einzelner Wörter, Grammatik und die Form der Originallyrik nicht zu 100% passend in die Zielsprache übertragen werden können.
Friedrich Schleiermacher (1768 – 1834) bot für die Übersetzung geisteswissenschaftlicher Texte zwei Methoden an: Entweder müsse man die Übersetzung wie das Original wirken lassen oder im Zuge der verfremdenden Übersetzung sprachliche Ungelenkheiten in Kauf nehmen, um das Original treu wiedergeben zu können. Walter Benjamin (1892 – 1940) schließt sich Schleiermachers Verfremdungstheorie an und betont die Wichtigkeit der Form, „das Unfassbare, Geheimnisvolle, ‚Dichterische‘“ vor dem zweitrangigen Inhalt. Es sei vonnöten, dass die übersetzende Person die Form bewahre und gegebenenfalls auch dichte, um den Ausdruck des Originals in der Zielsprache nachzubilden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert das Spannungsfeld zwischen Texttreue und Wirkungsäquivalenz und stellt die Forschungsfrage nach den praktischen Herausforderungen bei der Lyrikübersetzung.
2 Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Einführung in die allgemeine Übersetzungsthematik, spezielle Lyrik-Theorien und entwickelt einen Analysekatalog für den Praxisteil.
3 Exemplarische Analyse der Übersetzung von „Hold Your Own“: Der Teil wendet den entwickelten Analysekatalog auf das konkrete Werk von Kate Tempest an, um Texttyp, Adäquatheit, Äquivalenz und Grundtyp der Übersetzung zu bewerten.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Übersetzung trotz Vernachlässigung mancher künstlerischer Aspekte insgesamt als adäquat und äquivalent gelten kann.
Schlüsselwörter
Lyrikübersetzung, Texttreue, Wirkungsäquivalenz, Kate Tempest, Hold Your Own, Johanna Wang, Invarianz, Adäquatheit, Äquivalenz, Lyrische Übersetzung, Übersetzungstheorie, Sprachästhetik, Philologische Gedichtübersetzung, Nachdichtung, Gedichtanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den theoretischen und praktischen Herausforderungen der Übersetzung von Lyrik, wobei das Spannungsfeld zwischen textgetreuer Wiedergabeform und dem Erreichen einer äquivalenten Wirkung auf den Leser im Mittelpunkt steht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Übersetzungstheorien von Schleiermacher, Benjamin, Reiß, Albrecht, Koller und Wittbrodt, angewandt auf die Lyrik von Kate Tempest.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu prüfen, inwieweit die Übersetzung von Johanna Wang den Anforderungen an eine adäquate und äquivalente Lyrikübersetzung gerecht wird und welcher grundlegende Übersetzungstyp dabei dominiert.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es wird ein Analysekatalog entwickelt, der auf gängigen übersetzungswissenschaftlichen Modellen basiert, um den Lyrikband exemplarisch auf Textfunktion, Stilistik, Adäquatheit und Invarianzforderungen zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil erfolgen die theoretische Fundierung sowie die detaillierte exemplarische Analyse des Gedichtbandes „Hold Your Own“ hinsichtlich spezifischer Übersetzungsmerkmale wie Texttyp und Äquivalenztypen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Lyrikübersetzung, Texttreue, Wirkungsäquivalenz, Adäquatheit sowie die verschiedenen Übersetzungstypen nach Wittbrodt.
Wie bewertet die Autorin die Übersetzung von Johanna Wang hinsichtlich des "Flow" von Kate Tempest?
Die Analyse zeigt, dass Johanna Wang bei der Übersetzung teilweise auf Reimschemata verzichtete, um stattdessen inhaltliche Präzision zu erreichen, jedoch in einigen Fällen durch angepasste Silbenzahlen einen ähnlichen Vortragsduktus zu erzeugen suchte.
Warum konnte die pragmatische Äquivalenz im Rahmen der Arbeit nicht beurteilt werden?
Da keine Informationen über die spezifische Zielgruppe (Rezipierenden) der übersetzten Texte vorlagen, konnte der Aspekt der pragmatischen Äquivalenz nicht analysiert werden.
- Citar trabajo
- Anna Teufel (Autor), 2021, Herausforderungen lyrischer Übersetzung in den Übersetzungen von Kate Tempests Gedichtband „Hold Your Own“ (2016) von Johanna Wang. Zwischen Texttreue und Wirkungsäquivalenz, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1281749