1 Einleitung
Fusionen und Akquisitionen (“mergers & acquisitions”) werden schon seit jeher als Instrument der Unternehmensentwicklung eingesetzt. Firmen reagieren damit auf veränderte Markterfordernisse und Wettbewerbssituationen.
Der Markt für “mergers & acquisitions” weist seit Jahren weltweit hohe Wachstumsraten auf.(1) Es ist dabei eine deutlich steigende Tendenz zu erkennen.(2) 1998 waren es bereits 25.000 Transaktionen mit einem Volumen von 2,3 Billionen US$.(3) In den kommenden fünf Jahren wird eine Vervierfachung der Transaktionsvolumina mit deutscher Beteiligung auf eine Billion DM erwartet.(4)
Picot (1999) wertet diese zunehmende Fusionsdynamik als Reaktion der Wirtschaft auf die sich weltweit verändernde Wettbewerbs- und Unternehmenslandschaft.(5)
Eine immer größere Rolle spielt eine besondere Form von Unternehmens-übernahmen, die sog. „feindliche Übernahme“ (“hostile takeover”).
Ein Investor versucht dabei i.d.R., die Aktien einer anderen Gesellschaft zu übernehmen, indem er den Anteilseignern(6) der sog. Zielgesellschaft, also des zu übernehmenden Unternehmens, einen deutlich über dem Börsenkurs liegenden Preis pro Aktie bietet.(7)
[...]
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1 Vgl. O.V. (1999i).
2 Vgl. ebenda.
3 Vgl. ebenda.
4 Vgl. ebenda.
5 Vgl. PICOT (1999).
6 Im folgenden werden die Begriffe Anteilseigner, Aktionäre, Eigentümer sowie Eigner synonym verwendet.
7 Vgl. JENSEN/RUBACK (1983), S. 6.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Erwartete Kapitalmarktreaktionen auf Abwehrmaßnahmen
2.1 Zukauf mit rechtlicher Problematik
2.2 Werbemaßnahmen
2.3 Weißer Ritter
2.4 Börseneinführung von Unternehmensteilen
3 Methoden und Daten
4 Ergebnisse
4.1 Mannesmann kündigt die Übernahme der Orange Plc an (21. Oktober 1999)
4.2 Ankündigung einer groß angelegten Werbekampagne für die eigene Strategie (18. November 1999)
4.3 Presseberichten zufolge ist Vivendi S.A. der weiße Ritter (10. Januar 2000)
4.4 Mannesmann kündigt den Börsengang der Internetsparte an (14. Januar 2000)
5 Diskussion
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Reaktionen des Kapitalmarktes auf Abwehrmaßnahmen, die von Unternehmen während einer feindlichen Übernahme ergriffen werden, unter Anwendung der Agency-Theorie. Ziel ist es zu analysieren, ob das Management durch diese Maßnahmen den Unternehmenswert im Sinne der Aktionäre steigert oder primär eigene Interessen verfolgt.
- Analyse von Abwehrmaßnahmen bei feindlichen Übernahmen
- Anwendung der Agency-Theorie zur Untersuchung von Interessenkonflikten
- Empirische Überprüfung von Kapitalmarktreaktionen mittels Event-Study
- Untersuchung des Falls Mannesmann AG gegen Vodafone AirTouch Plc
Auszug aus dem Buch
2.1 Zukauf mit rechtlicher Problematik
Möglichen Schutz vor einer drohenden Übernahme bietet der Einsatz gezielter Strukturmaßnahmen, so z.B. ein sog. Zukauf mit rechtlicher Problematik. Das Zielunternehmen erwirbt dabei bewußt ein Unternehmen, das dem Übernahmeinteressenten im Falle einer Übernahme rechtliche Probleme verursacht. Das Management der Zielgesellschaft hat zwei Möglichkeiten, um derartige rechtliche Probleme hervorzurufen.
Entweder durch den Zukauf eines Unternehmens aus staatlich kontrolliertem Bereich oder durch den Zukauf eines Unternehmens, durch das dem Übernehmer kartellrechtliche Probleme entstehen.
Der Kauf eines staatlich kontrollierten Unternehmens als Abwehrmaßnahme scheidet in Deutschland aus, da diese Unternehmen strengen Bestimmungen unterliegen. Eine Verbindung auf gesellschaftlicher Ebene, die geeignet wäre, eine Übernahme zu erschweren, ist nahezu unmöglich.
Voraussetzung für das Entstehen kartellrechtlicher Probleme ist eine durchsetzungsfähige Fusionskontrolle. Können sich durch den Zusammenschluß Auswirkungen auf die Markt- und Wettbewerbsverhältnisse ergeben, finden entweder die nationalen Kartellgesetze oder die europäische Fusionskontrolle Anwendung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Fusionen und feindlichen Übernahmen ein und definiert den theoretischen Rahmen der Agency-Theorie im Kontext von Interessenkonflikten zwischen Management und Aktionären.
2 Erwartete Kapitalmarktreaktionen auf Abwehrmaßnahmen: In diesem Kapitel werden vier spezifische Abwehrmaßnahmen theoretisch vorgestellt und deren potenzielle Wirkung auf den Aktienkurs sowie der Bezug zum Agency-Konflikt erläutert.
3 Methoden und Daten: Hier wird die Methodik der Event-Study beschrieben sowie das Marktmodell und die notwendigen Datenquellen zur Überprüfung der aufgestellten Hypothesen spezifiziert.
4 Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die empirischen Ergebnisse der Untersuchung anhand von abnormalen Renditen bei spezifischen Ereignissen während der Übernahme der Mannesmann AG.
5 Diskussion: Abschließend werden die Ergebnisse kritisch interpretiert, mit bestehender Literatur verglichen und die Bestätigung bzw. Widerlegung der Hypothesen diskutiert.
Schlüsselwörter
Feindliche Übernahme, Agency-Theorie, Abwehrmaßnahmen, Kapitalmarktreaktionen, Mannesmann AG, Vodafone AirTouch, Event-Study, Abnormale Rendite, Unternehmenskontrolle, Shareholder Value, Kartellrecht, Börsengang, Investor Relations, Markt für Unternehmenskontrolle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie der Kapitalmarkt auf verschiedene Abwehrmaßnahmen von Unternehmen reagiert, die sich gegen feindliche Übernahmen zur Wehr setzen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Übernahmestrategien, Agency-Probleme in Aktiengesellschaften, die Rolle des Managements bei Übernahmen und die Informationseffizienz des Aktienmarktes.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist zu klären, ob Abwehrmaßnahmen aus Sicht der Aktionäre wertsteigernd wirken oder ob sie lediglich den Interessen des Managements dienen, die Kontrolle zu behalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Event-Study-Methodik verwendet, um die abnormalen Renditen der Mannesmann-Aktie im Zusammenhang mit spezifischen Ereignissen der Übernahme durch Vodafone AirTouch zu berechnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden vier konkrete Abwehrmaßnahmen – Zukauf mit rechtlicher Problematik, Werbemaßnahmen, Weißer Ritter und Börseneinführung von Unternehmensteilen – theoretisch hergeleitet und anhand empirischer Daten analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Feindliche Übernahme, Agency-Theorie, Abwehrmaßnahmen, Kapitalmarktreaktionen und Shareholder Value.
Warum wurde die Mannesmann AG als Beispiel gewählt?
Die Übernahme von Mannesmann durch Vodafone AirTouch im Jahr 2000 gilt als prägnantes Beispiel einer feindlichen Übernahme, bei der das Management verschiedene Abwehrstrategien erprobte.
Welche Rolle spielt die Agency-Theorie?
Die Agency-Theorie dient als theoretisches Gerüst, um den Interessenkonflikt zwischen dem Management, das seinen Posten sichern möchte, und den Aktionären, die an der Maximierung des Unternehmenswertes interessiert sind, zu analysieren.
- Quote paper
- Paul Huber (Author), 2000, Kapitalmarktreaktionen auf Abwehrmaßnahmen feindlicher Übernahmen aus Agency-Sicht. Das Beispiel Mannesmann AG - VodafoneAirtouch Plc., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1281