Lebensmittel, die für Konsumenten erzeugt werden und auf dem Weg bis zum Endverbraucher oder vom Endverbraucher entsorgt werden, werden als Food Waste bezeichnet. Dieser entsteht in allen Stufen der Lebensmittelwertschöpfungskette wie beispielsweise in der Landwirtschaft, weil Lebensmittel ungeeignet für die Normanforderungen im Verkauf sind oder beschädigt sind und den optischen Ansprüchen von Konsumenten nicht mehr genügen. Food Waste entsteht jedoch auch in Restaurants, wenn Teller- oder Buffetreste weggeworfen werden oder wenn in Privathaushalten Mahlzeiten zubereitet werden, die aus Zeit- oder anderen Gründen nicht konsumiert werden. Zudem verstehen Verbraucher häufig weder die Bedeutung noch den Unterschied von Mindesthaltbarkeits- und Verfallsdatum.
Konsumenten sind sich der Problematik des Food Waste oft nicht bewusst. Die Ursachen für den hohen pro-Kopf-Anteil an Food Waste sind im Verbraucherverhalten bzw. in Kaufmustern zu finden. Diese Studie inklusive Experiment zum Thema Food Waste und Marketing soll dazu beitragen, Nudging als potenzielles Marketinginstrument für eine Veränderung dieses Konsumverhaltens herauszustellen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
1.1 Motivation und Ziel der Master Thesis
1.2 Forschungsfragen
1.3 Struktur der Arbeit
2 Theoretische Grundbegriffe
2.1 Aktueller Stand der Forschung zu Food Waste
2.2 Food Waste in Deutschland
2.3 Verbraucherverhalten
2.4 Ökologische Konsequenzen von Food Waste
2.5 Nudging und Marketing
2.5.1 Marketing
2.5.2 Nudging und Nudging-Ansätze
2.6 Ansätze bezüglich der Reduzierung von Food Waste
2.6.1 Umverteilung
2.6.2 Konsumentensensibilisierung durch Kommunikation
2.6.3 Digitales und soziales Marketing
2.6.4 Lebensmittelprodukte
2.6.5 Lebensmittelverpackung
2.6.6 Veränderung der Kennzeichnung
2.6.7 Preisreduzierung und Veränderung der Verkaufsförderung
3 Methodik
3.1 Moderiertes Moderatorenmodell und Aufstellung der Hypothesen
3.2 Durchführung des Experiments (hypothetisch)
3.3 Erwartete Resultate
4 Diskussion
5 Empfehlungen für das Erstellen einer App zur Messung des Einkaufs- verhaltens hinsichtlich Food Waste
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, den Zusammenhang zwischen Food Waste und der Einstellung von Verbrauchern theoretisch sowie experimentell zu untersuchen, um die Effektivität von Marketingmaßnahmen, insbesondere Nudging, zur Verhaltensbeeinflussung aufzuzeigen.
- Analyse des aktuellen Stands der Forschung zu Food Waste und Verbraucherverhalten
- Untersuchung ökologischer Konsequenzen der Lebensmittelverschwendung
- Evaluierung von Nudging-Ansätzen als Marketinginstrument zur Reduzierung von Food Waste
- Konzeption eines moderierten Moderatorenmodells zur Hypothesenableitung
- Entwicklung eines experimentellen Frameworks zur Validierung von Vermarktungsansätzen
- Empfehlungen für die Gestaltung digitaler Messwerkzeuge (Food Waste-App)
Auszug aus dem Buch
2.3 Verbraucherverhalten
Bisher wurden primär qualitative Studienresultate präsentiert, die sich mit der Wahrnehmung von Verbrauchern und deren Verhalten hinsichtlich Food Waste befassen (z. B. Evans, 2011; Graham-Rowe et al., 2014; Quested, Mash, Stunnel & Parry, 2013). Diese Studienresultate lassen sich in die Hauptkonstrukte der Theorie des geplanten Verhaltens (Theory of Planned Behavior, TPB) übertragen (vgl. Ajzen, 1991).
Beim TPB handelt es sich um ein Framework, dass willkürlich kontrolliertes (Konsumenten-) Verhalten mithilfe von vier Konstrukten erläutert. Ajzen postuliert, dass das menschliche Verhalten durch die Intention gesteuert wird, d. h. durch die Motivation und Bereitschaft zu handeln (vgl. Ajzen, 1991, S. 2; Visschers, Wickli & Siegrist, 2016, S. 67).
Die Autoren dieser Studien gehen davon aus, dass die Intention von drei Faktoren beeinflusst wird und damit einen indirekten Effekt auf das (Konsumenten-) Verhalten haben. Zu diesem Zweck muss die generelle Verbraucherhaltung der folgenden Handlung oder der Entscheidung entsprechen. Weitere subjektive Normen wie die Normen und Einstellungen von anderen Individuen, die dem Entscheidungsträger nahe stehen, müssen diesem Verhalten ebenfalls gleichen. Zudem müssen Individuen die Kontrolle über ihr Verhalten wahrnehmen können. Ein Individuum muss das Potenzial und genügend Ressourcen besitzen, um ein bestimmtes Verhalten oder bestimmte Handlungen zeigen zu können (vgl. Ajzen, 1991; Visschers et al., 2016, S. 67).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet das globale Problem der Lebensmittelverschwendung sowie deren Ausmaße in Deutschland und definiert das Ziel sowie die Struktur der Master Thesis.
2 Theoretische Grundbegriffe: Dieses Kapitel erläutert grundlegende Definitionen, den aktuellen Forschungsstand, das Verbraucherverhalten inklusive Nudging-Ansätzen sowie vielfältige Strategien zur Reduktion von Food Waste.
3 Methodik: Hier wird der theoretische Rahmen durch ein moderiertes Moderatorenmodell zur Hypothesenbildung ergänzt und das Design eines hypothetischen Experiments inklusive erwarteter Resultate dargelegt.
4 Diskussion: Das Kapitel reflektiert die Ergebnisse des hypothetischen Experiments im Hinblick auf das Bewusstsein und die Verhaltensänderung der Probanden durch Interventionen.
5 Empfehlungen für das Erstellen einer App zur Messung des Einkaufs- verhaltens hinsichtlich Food Waste: Es werden konkrete Anforderungen für die Entwicklung einer mobilen Applikation zur Erfassung und Beeinflussung des Lebensmittelkonsums formuliert.
6 Fazit und Ausblick: Abschließend werden die Forschungsfragen beantwortet und ein Ausblick auf die zukünftige Bedeutung von Nudging zur Erreichung globaler Nachhaltigkeitsziele gegeben.
Schlüsselwörter
Food Waste, Lebensmittelverschwendung, Nudging, Verbraucherverhalten, Marketing, Theorie des geplanten Verhaltens, Nachhaltigkeit, Food Loss, App-Entwicklung, Verhaltensbeeinflussung, Mindeshaltbarkeitsdatum, Umweltbelastung, Konsumverhalten, Lebensmittelwertschöpfungskette
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen dem Konsumentenverhalten und der Problematik der Lebensmittelverschwendung mit dem Ziel, Vermarktungsmöglichkeiten zur Reduktion dieser Abfälle zu identifizieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Ursachen von Food Waste, psychologische Aspekte des Verbraucherverhaltens (insbesondere die Theorie des geplanten Verhaltens) sowie den Einsatz von Nudging als Marketinginstrument.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, nachzuweisen, dass Marketingmaßnahmen und Nudging-Strategien das Konsumverhalten positiv beeinflussen können, um somit Food Waste in privaten Haushalten zu reduzieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin verwendet eine Literaturanalyse zur theoretischen Fundierung sowie die Konzeption eines moderierten Moderatorenmodells zur Ableitung von Hypothesen für ein hypothetisches Experiment.
Was wird im theoretischen Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Stand der Forschung, ökologische Konsequenzen, Nudging-Ansätze im Marketing sowie verschiedene praktische Lösungsansätze wie Umverteilung, digitale Kommunikation und Produktoptimierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Studie?
Wichtige Begriffe sind Food Waste, Nudging, Verbraucherverhalten, Nachhaltigkeit und Marketingstrategien im Kontext der Lebensmittelwertschöpfungskette.
Welche Rolle spielt die Theorie des geplanten Verhaltens für die Untersuchung?
Sie dient als theoretisches Framework, um zu erklären, wie Einstellungen, soziale Normen und die wahrgenommene Handlungskontrolle das Verhalten der Konsumenten bezüglich Food Waste prognostizieren und beeinflussen können.
Warum spielt die Lebensmittelverpackung eine Rolle für das Food Waste-Aufkommen?
Die Studie zeigt auf, dass unpassende Packungsgrößen und mangelnde Informationen auf Verpackungen Konsumenten dazu verleiten, mehr zu kaufen als benötigt, oder Lebensmittel aufgrund von Fehlinterpretationen der Haltbarkeitsangaben vorzeitig zu entsorgen.
- Citar trabajo
- Giulia Cesare (Autor), 2020, Food Waste und Marketing. Wie gezielte Kampagnen das Konsumverhalten beeinflussen können, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1282042