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Spracheinstellungen zu Tendenzen der Gegenwartssprache. Sprachwandel oder Sprachverfall?

Titre: Spracheinstellungen zu Tendenzen der Gegenwartssprache. Sprachwandel oder Sprachverfall?

Thèse de Bachelor , 2012 , 48 Pages , Note: 1,7

Autor:in: Ana Novitovic (Auteur)

Philologie Allemande - Linguistique
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In der Öffentlichkeit ist der Sprachwandel die meistdiskutierte Auseinandersetzung mit Sprache. Schließlich bemerken Sprecher einer Sprachgemeinschaft, dass sich die Sprache und ihr eigener Sprachgebrauch mit der Zeit verändern. Diese Veränderung ist jedoch nicht wünschenswert. So wird beklagt, dass der gegenwärtige Zustand der Sprache schlechter sei als der zuvor. Die Sprachentwicklung verläuft ihrer Ansicht nach daher insgesamt eher negativ. Sprachwandel wird in der Öffentlichkeit also als Sprachverfall empfunden. Schuld an dieser Verschlechterung sind vor allem fremdsprachige und migrationsbedingte Einflüsse.

In der vorliegenden Bachelor-Arbeit wird der Diskurs um Sprachwandel und Sprachverfall vorgestellt. Im Vordergrund steht dabei die Frage, welche Faktoren dazu führen, dass die Öffentlichkeit Sprachwandelphänomenen skeptisch gegenübersteht. Dafür werden zwei aktuelle Tendenzen der Gegenwartssprache und ihre Bewertungen genauer vorgestellt: der Anglizismeneinfluss und Kiezdeutsch. So hat die Mehrheit Angst vor dem Englischeinfluss und begründet sie damit, dass die englische Sprache das Deutsche überflutet und deswegen überfremdet. Kiezdeutsch wird als falsches Deutsch empfunden, weil es Strukturen aufweist, die vom Standarddeutschen abweichen. Zunächst soll gezeigt werden, dass solche Aussagen von außerlinguistischen Kriterien motiviert sind. Dafür wird die linguistische Perspektive vorgestellt, die beweist, dass die genannten Phänomene ihre Berechtigungen haben und keineswegs den Verfall des Deutschen herbeiführen. Es spielen daher subjektive Einstellungskriterien eine Rolle, die die Öffentlichkeit zu solchen Aussagen verleitet. Vor allem Stereotypisierungsprozesse dominieren dann die Bewertung von Sprachwandelphänomenen.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Spracheinstellungsforschung

a. Gründe für die Spracheinstellungsforschung

b. Begriffe der Spracheinstellungsforschung

i. Zum Begriff Einstellung

ii. Zum Begriff Spracheinstellung

III. Sprachverfall oder Sprachwandel?

a. Sprachverfall – Sprache als geschlossenes System

b. Sprachwandel – Sprache als offenes System

i. ökonomisch kommunikative Bedürfnisse von Sprache

ii. Sprachvariation

IV. Anglizismen – Bedrohung oder Bereicherung?

a. Die ‚Anglifizierung‘ des Deutschen

b. Die Anglizismenkritik

i. Das Sprachbild der Anglizismenkritiker

ii. Die Thesen der Anglizismenkritiker

1. Anglizismen sind überflüssig und verdrängen die deutsche Sprache

2. Anglizismen erschweren die Verständigung

V. Kiezdeutsch

a. Kiezdeutsch – eine Sprachverarmung

b. Kiezdeutsch – eine Sprachinnovation

i. Eine multiethnolektale Jugendsprache

ii. Grammatische Kennzeichen

iii. Kiezdeutsch als Identitätsakt

iv. Spracheinstellungen zum Kiezdeutsch

VI. Umfrage zu Tendenzen der Gegenwartssprache

a. Abstract

b. These

c. Korpusbeschreibung

d. Korpusanalyse

i. Ergebnisauswertung

ii. Ergebnisanalyse

VI. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht den Diskurs um Sprachwandel und Sprachverfall in der Öffentlichkeit, um zu analysieren, welche Faktoren eine skeptische Einstellung gegenüber Sprachwandelphänomenen wie Anglizismen und Kiezdeutsch fördern. Das primäre Ziel ist es, nachzuweisen, dass negative Sprachurteile maßgeblich auf subjektiven, außerlinguistischen Faktoren und Stereotypisierungsprozessen basieren, anstatt linguistisch begründet zu sein.

  • Die psychologischen Ursachen für Sprachverfallsmythen.
  • Die sprachwissenschaftliche Bewertung von Anglizismen.
  • Die soziolinguistische Einordnung von Kiezdeutsch.
  • Empirische Untersuchung (Umfrage) zu Einstellungen gegenüber Sprachtendenzen.
  • Der Einfluss von sozialem Prestige auf die Beurteilung von Varietäten.

Auszug aus dem Buch

i. Zum Begriff Einstellung

„This concept represents the judgements that people tend to make and generalise about an object (social or otherwise) outside themselves“ (Gallois 2007: 596). Dieser Definition von Einstellungen sind drei Variablen zu entnehmen: Einstellungsträger, Einstellungsobjekt und Einstellungsreaktion. Sie stehen in folgendem Abhängigkeitsverhältnis: Einstellungen ergeben sich durch den Einstellungsträger, die sich durch seine Reaktionen gegenüber einem Einstellungsobjekt konstituieren. Für die Einstellungsbildung werden drei Bewertungskomponente aktiviert: die kognitive, konative und affektive (vgl. Neuland 1993: 728).

Die kognitive Dimension stellt in der Einstellungsbildung und –erhaltung die bewussten Vorstellungen und die Gedanken einer Person bezüglich eines Objektes dar. Diese können weder positive noch negative Wertungen beinhalten (vgl. Gallois 2007: 596). Es handelt sich lediglich um bestimmte klassifizierende Vorstellungen von sprachlichen Kategorien, also begrifflich verarbeitete Erfahrungen, wie z.B. „schwäbeln“, „wie im Dorf sprechen“ (vgl. Neuland 1993: 728). Die konative Dimension beschreibt bestimmte Verhaltenskomponenten, die aus Handlungsprädispositionen herrühren. Dabei können z.B. bestimmte Handlungen übernommen oder abgelehnt werden (vgl. Neuland 1993: 728). Die affektive Bewertungskomponente umfasst die emotionale Reaktion, die positiv oder negativ ausfallen kann. Bei positiver Reaktion wird Sympathie empfunden, bei negativer Abneigung.

Die drei Komponenten stehen zwar in Beziehung zueinander, sind aber nicht notwendigerweise miteinander verknüpft (vgl. Gallois 2007: 596). Dass sieht man daran, dass sie koexistieren und variieren können. Beispielsweise kann jemand negative Gefühle für Personen haben, die einen bestimmten Akzent gebrauchen. Er glaubt dann, dass sie unehrlich sind. Wenn er nun intensiven Kontakt zu einer Person dieser Sprechergruppe hat, kann er dennoch positive Gefühle für sie entwickeln. Seine Ansicht über das Einstellungsobjekt, die Sprechergruppe, muss sich dabei aber nicht zwangsläufig ändern. Er kann sie trotzdem weiterhin als unehrlich einstufen.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Arbeit führt in den öffentlichen Diskurs über Sprachwandel als vermeintlichen Sprachverfall ein und skizziert die methodische Ausrichtung sowie den Aufbau der Untersuchung.

II. Spracheinstellungsforschung: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Spracheinstellungsforschung und definiert die drei Dimensionen von Einstellungen sowie deren Relevanz für die linguistische Forschung.

III. Sprachverfall oder Sprachwandel?: Hier werden die konträren Positionen zwischen der sprachpessimistischen Sicht als Sprachverfall und der sprachoptimistischen linguistischen Sicht als dynamischer Sprachwandel gegenübergestellt.

IV. Anglizismen – Bedrohung oder Bereicherung?: Es wird der Einfluss des Englischen auf das Deutsche untersucht, wobei sowohl die Kritik als auch die linguistische Argumentation für eine funktionale und semantische Differenzierung beleuchtet werden.

V. Kiezdeutsch: Dieses Kapitel untersucht Kiezdeutsch als jugendsprachliche Varietät, beleuchtet sowohl die negative öffentliche Wahrnehmung als auch die grammatischen Innovationen und die soziolinguistische Funktion als Identitätsmerkmal.

VI. Umfrage zu Tendenzen der Gegenwartssprache: Der empirische Teil beschreibt die Anlage und Auswertung einer Umfrage unter Kölner Bürgern zur Einstellung gegenüber aktuellen Sprachtendenzen.

VI. Fazit: Die Ergebnisse werden zusammengefasst, wobei bestätigt wird, dass die öffentliche Sprachkritik maßgeblich von subjektiven Einstellungskriterien und Stereotypisierungen gesteuert wird.

Schlüsselwörter

Sprachwandel, Spracheinstellungen, Sprachverfall, Anglizismen, Kiezdeutsch, Sprachvariation, Soziolinguistik, Identitätsakt, Stereotypisierung, Sprachnorm, Spracheinfluss, Sprachkritik, Sprachbewusstsein, Mehrsprachigkeit, Kommunikation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, warum die Öffentlichkeit Sprachwandelprozesse – insbesondere den Einfluss von Anglizismen und das Phänomen Kiezdeutsch – häufig als „Sprachverfall“ wahrnimmt, und stellt diesen subjektiven Urteilen sprachwissenschaftliche Perspektiven gegenüber.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind die Spracheinstellungsforschung, der theoretische Diskurs über Sprachwandel vs. Sprachverfall, die Rolle von Anglizismen sowie die Untersuchung der jugendsprachlichen Varietät Kiezdeutsch.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, welche Faktoren dazu führen, dass die Öffentlichkeit Sprachwandelphänomenen skeptisch gegenübersteht und ob diese Urteile linguistisch haltbar sind oder auf außerlinguistischen Kriterien basieren.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?

Neben einer ausführlichen theoretischen Fundierung durch Literaturanalyse führt die Arbeit eine empirische Umfrage unter 58 Kölner Bürgern im Alter von 40-60 Jahren durch, um deren Spracheinstellungen gegenüber aktuellen Tendenzen zu erfassen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die spezifische Analyse von Anglizismen und Kiezdeutsch sowie eine empirische Untersuchung, die Korpusbeschreibung und die anschließende Auswertung und Ergebnisanalyse.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Kernbegriffe umfassen Sprachwandel, Spracheinstellungen, Sprachverfallsmythen, Stereotypisierung und die soziolinguistische Bewertung von Sprachvarietäten.

Wie unterscheidet sich die Bewertung von Anglizismen von der Bewertung von Kiezdeutsch?

Während Anglizismen in der Umfrage teilweise als Bereicherung toleriert werden, weil sie als Prestigesprache wahrgenommen werden, wird Kiezdeutsch deutlich negativer eingestuft, da es durch Stereotype mit negativen sozialen Implikationen verknüpft ist.

Welchen Einfluss spielt das Alter oder die Herkunft der Befragten auf die Ergebnisse?

Die Studie deutet darauf hin, dass die ältere Alterskohorte der Probanden sprachkonservativer urteilt und wenig Identifikationspotenzial mit jugendsprachlichen Phänomenen wie Kiezdeutsch aufweist.

Bestätigt die Umfrage die anfängliche These der Autorin?

Ja, die Ergebnisse bestätigen, dass Sprachurteile der Öffentlichkeit stark von subjektiven Faktoren und Vorurteilen geprägt sind, selbst wenn die Befragten über einen hohen Bildungsgrad und Dialektkompetenz verfügen.

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Résumé des informations

Titre
Spracheinstellungen zu Tendenzen der Gegenwartssprache. Sprachwandel oder Sprachverfall?
Université
University of Cologne  (Institut für Deutsche Sprache und Literatur I)
Note
1,7
Auteur
Ana Novitovic (Auteur)
Année de publication
2012
Pages
48
N° de catalogue
V1282151
ISBN (PDF)
9783346739407
ISBN (Livre)
9783346739414
Langue
allemand
mots-clé
Anglizismen Sprachwandel Spracheinstellungen Kiezdeutsch Jugendsprache Sprachverfall Sprachvariation
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Ana Novitovic (Auteur), 2012, Spracheinstellungen zu Tendenzen der Gegenwartssprache. Sprachwandel oder Sprachverfall?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1282151
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Extrait de  48  pages
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