Nach einer sehr dynamischen Entwicklung gehört der Städtetourismus mittlerweile zu einem der wichtigsten Marktsegmente des Tourismus in Deutschland. Bis in die 1990er Jahre hinein reisten die Menschen fast ausschließlich aus geschäftlichen Gründen, um Verwandte und Freunde zu besuchen oder um Städte mit besonderer Kultur bzw. bedeutender historischer Architektur (z.B. Paris oder Wien) zu be-sichtigen. Heute gibt es eine Vielzahl von Angeboten, die zu einer Kurzreise in eine Stadt einladen, wie z.B. zahlreiche Shoppingmöglichkeiten, Musicals oder auch spe-zielle Events in den Bereichen Kultur und Sport (vgl. Landgrebe/Schnell 2005: 7).
Es gibt viele verschiedene Definitionsansätze, jedoch existiert keine allgemein anerkannte Definition des Städtetourismus, die zum einen die verschiedenen Typen von Städten behandelt und zum anderen den Städtetourismus von weiteren Reiseformen exakt in räumlicher und zeitlicher Hinsicht sowie nach Motiven abgrenzt. Häufig wurde bislang bei „dem“ Städtetourismus der klassische, besichtigungs- und kulturbezogene Übernachtungstourismus analysiert. Die Welttourismusorganisation (WTO) definiert „Städtereisen als gezielte Reisen in Städte und der Aufenthalt von Personen in Städten, die nicht ihr gewöhnlicher Wohn- oder Arbeitsort sind. Motivation dazu sind Freizeitgestaltung, Geschäfte oder sonstige Beweggründe. Die übliche Dauer von Städtereisen liegt dabei zwischen einem und vier Tagen“ (zitiert nach Dettmer in Altherr et al. 2003: 46). Für gewöhnlich spricht man von Städtetourismus bei Großstädten mit über einhundert-tausend Einwohnern, darüber hinaus sind aber auch viele kleinere Städte von großer Bedeutung für den Deutschlandtourismus (z.B. Trier, Weimar, etc.) (vgl. IfL 2004: 108).
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Geschäftsreiseziel Stadt
3. Touristisches Zielgebiet Stadt
3.1 Charakteristik der Reisenden
3.2 Übernachtungstourismus
3.3 Tagestourismus
3.4 Ausländertourismus
3.5 Events
3.6 Wirtschaftsfaktor
3.7 Tourismusmarketing in den Städten
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die dynamische Entwicklung des Städtetourismus in Deutschland und analysiert dessen zentrale Treiber, Marktsegmente sowie die Bedeutung für die städtische Wirtschaftsentwicklung.
- Differenzierung zwischen Geschäftsreiseverkehr und privaten Städtereisen
- Analyse der Kundenstrukturen und Reisemotive im Städtetourismus
- Wirtschaftliche Relevanz von Tagestourismus versus Übernachtungstourismus
- Die Rolle von Events und Großveranstaltungen als Imageträger
- Strategien des Tourismusmarketings zur zielgruppenspezifischen Vermarktung
Auszug aus dem Buch
3.5 Events
Eine bedeutende Rolle im privaten Städtetourismus nimmt der Eventtourismus ein. Kulturelle Großveranstaltungen aus den Bereichen Musik, darstellende Kunst, Theater oder Religion sind in den letzten Jahren immer mehr zu Publikumsmagneten geworden. Events werden als „speziell inszenierte Veranstaltungen von begrenzter Dauer mit touristischer Ausstrahlung“ (vgl. IfL 2004: 111) abgegrenzt, „die in erster Linie entwickelt werden, um Bewusstsein, Anziehungskraft und Rentabilitätsverhältnisse eines touristischen Zielgebietes kurz- oder langfristig zu erhöhen“ (zitiert nach Ritchie in Altherr et al. 2003: 57). Sie müssen aber nicht ausschließlich in Städten stattfinden. Veranstaltungen wie z.B. große Musikfestivals, wie ‚Rock am Ring‘, sind nicht an das Versorgungsnetz einer Stadt gebunden, da sie selbst die Möglichkeiten besitzen eine entsprechende Infrastruktur mobil und kurzfristig einzurichten. Events definieren sich ebenfalls über hohe Teilnehmerzahlen, erhebliche Investitions- und Veranstaltungskosten, einen großen Organisationsaufwand und eine überlokale Öffentlichkeitswirksamkeit (vgl. IfL 2004: 111).
Events werden in letzter Zeit vermehrt zum Anlass einer Kurzreise genommen und sind deshalb auch von enormer wirtschaftlicher Bedeutung für die Großstädte, die im Bereich der Kurzreiseziele führend sind (vgl. Altherr et al. 2003: 57). Auf diesen neuen Trend zu Event- (Kurz)reisen haben die Städte bereits mit einer gestiegenen Zahl an arrangierten Events sowie mit einer immer aufwendigeren und eindrucksvolleren Durchführung dieser reagiert. Mit Hilfe jener Events soll über ihre Popularität zunehmend ein eigenes Profil der Städte herausgestellt und ihr Image angehoben werden. Für einige Städte sind solche Großveranstaltungen sogar zentrale Imagefaktoren (z.B. Kassel – documenta, Bayreuth – Richard-Wagner-Festspiele), die zu einer Attraktivitätssteigerung der Stadt führen. Sie basiert auf Multiplikatoreffekten und auf Synergieeffekten (Verbundeffekte) durch die Veranstaltung, d.h. durch den Event profitieren zum einen die verschiedenen lokalen Wirtschaftsunternehmen und durch das Zusammenwirken der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Kompetenzen zum anderen letztendlich auch die Region durch eine positive Stadt- und Regionalentwicklung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Das Kapitel führt in die steigende Bedeutung des Städtetourismus als wichtiges Marktsegment ein und erläutert die Grundtypen des Reisens.
2. Geschäftsreiseziel Stadt: Es werden die Segmente des Geschäftsreiseverkehrs definiert und die Standortfaktoren analysiert, die Großstädte für Business-Reisende attraktiv machen.
3. Touristisches Zielgebiet Stadt: Dieses Kapitel untersucht detailliert die verschiedenen Aspekte des Städtetourismus, von der Charakteristik der Reisenden über Tagestourismus bis hin zur Rolle des Marketings.
3.1 Charakteristik der Reisenden: Analyse der sich wandelnden Kundenstruktur sowie der spezifischen Bedürfnisse und demografischen Merkmale von Städtereisenden.
3.2 Übernachtungstourismus: Untersuchung des Übernachtungsvolumens in verschiedenen Städtetypen und die Bedeutung der „Top 12“ Großstädte.
3.3 Tagestourismus: Darstellung des hohen Marktanteils von Tagesausflügen und deren quantitativer Bedeutung im Vergleich zum Übernachtungstourismus.
3.4 Ausländertourismus: Analyse des Wachstums ausländischer Gäste und deren Präferenz für deutsche Großstädte.
3.5 Events: Erörterung der Rolle von Großveranstaltungen als Publikumsmagneten und zentraler Imageträger für touristische Destinationen.
3.6 Wirtschaftsfaktor: Untersuchung der ökonomischen Auswirkungen des Städtetourismus und der Verteilung von Brutto-Umsätzen auf verschiedene Wirtschaftszweige.
3.7 Tourismusmarketing in den Städten: Diskussion über die Notwendigkeit strategischer Marketingkonzepte angesichts zunehmenden Wettbewerbs und differenzierter Zielgruppen.
4. Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der Trends im Städtetourismus und Aufzeigen zukünftiger Herausforderungen für die Stadtentwicklung und das Destinationsmarketing.
Schlüsselwörter
Städtetourismus, Deutschland, Geschäftsreisen, Tagestourismus, Übernachtungstourismus, Ausländertourismus, Tourismusmarketing, Eventtourismus, Wirtschaftsfaktor, Standortfaktoren, Zielgruppenansprache, Kulturtourismus, Städtereisen, Infrastruktur, Wettbewerbsfähigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung des Städtetourismus in Deutschland und analysiert dessen Struktur, wirtschaftliche Bedeutung und die verschiedenen Formen der touristischen Nachfrage.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Felder sind der Geschäftsreiseverkehr, der private Städtetourismus (unterteilt in Tages- und Übernachtungstourismus), die Rolle von Events sowie Marketingstrategien für Städte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein umfassendes Bild über die Dynamik des deutschen Städtetourismus zu vermitteln und aufzuzeigen, warum Städte heute ein unverzichtbares Zielsegment für Reisende darstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Sekundärdatenanalyse aktueller Studien (u.a. VDR, DTV, IfL) und fachwissenschaftlicher Literatur, um Trends und wirtschaftliche Kennzahlen zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Gästestruktur, die wirtschaftlichen Effekte der verschiedenen Tourismussegmente und die Marketinganforderungen, denen sich Städte im Wettbewerb stellen müssen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Städtetourismus, Wirtschaftsfaktor, Tourismusmarketing, Events und die Differenzierung zwischen Inlands- und Ausländertourismus.
Welche Bedeutung haben Großveranstaltungen für das Stadtimage?
Großveranstaltungen dienen als zentrale Imageträger, die Aufmerksamkeit generieren, Synergieeffekte für lokale Unternehmen schaffen und langfristig zur Attraktivitätssteigerung der Destination beitragen.
Warum spielt der Tagestourismus eine so große Rolle in der Untersuchung?
Der Tagestourismus stellt mit einem Marktanteil von rund 60 % das quantitativ größte Segment des Städtetourismus dar, weshalb seine wirtschaftliche Bedeutung oft unterschätzt wird und hier explizit hervorgehoben wird.
Wie hat sich die Rolle des Tourismusmarketings in den letzten Jahren verändert?
Es gab einen Wandel von einer rein städtischen Verwaltung hin zu professionelleren, oft privatwirtschaftlich organisierten Konzepten, die eine zielgruppenspezifische Themenvermarktung erfordern.
Welche Zukunftsprognosen stellt die Autorin für kleinere Städte?
Die Autorin betont, dass kleinere Städte durch Nischenangebote und eine hohe Servicequalität ebenfalls erfolgreich im Wettbewerb bestehen können, sofern sie ihre spezifischen Potenziale gezielt in ein Marketingkonzept integrieren.
- Quote paper
- Katja Nixdorf (Author), 2008, Städtetourismus in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128217