Die Situation schien für Mädchen damals eine auswegslose zu sein. Der Trotzkopf bot ihnen zumindest einen Nische, sich mit bestimmten Charakteren zu identifizieren, Eigenschaften anzunehmen und von der Zukunft zu träumen, wie aus auch heute noch jungen Mädchen anhand von Mädchenliteratur ermöglicht wird. Sie können sich zurückziehen, abschalten und von einer Welt träumen, die völlig realitätsfern ist und es doch unlängst nur in Märchen gibt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Fragestellung
2. Analyse der Position von Dagmar Grenz
3. Analyse der Position von Gisela Wilkending
4. Vergleich der Argumentationslinien
5. Fazit und Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der psychischen Anforderungen und gesellschaftlichen Erwartungen, die durch die Backfischliteratur, insbesondere am Beispiel des Werkes „Der Trotzkopf“, an junge Mädchen gestellt wurden. Dabei soll durch den Vergleich zweier fachwissenschaftlicher Aufsätze erarbeitet werden, welchen Stellenwert das Buch als Identifikationsmedium und als pädagogisches Instrument einnahm.
- Analyse der Vorbildfunktion der Hauptfigur Ilse Mackett.
- Untersuchung der psychischen Belastungen durch gesellschaftliche Anpassungsprozesse.
- Vergleich der gegensätzlichen Interpretationsansätze von Dagmar Grenz und Gisela Wilkending.
- Reflektion über die Aktualität und die Funktion des „Trotzkopfs“ als Wunschmedium.
- Erarbeitung der ambivalenten Rolle zwischen Rebellion und der Einordnung in ein Frauenideal.
Auszug aus dem Buch
Die Rolle des „Trotzkopfs“ als Identifikationsmedium
Dagmar Grenz beginnt ihren Aufsatz damit, dass der „Trotzkopf“ eine Art Vorreiter in der deutschen Mädchenliteratur gewesen ist. Das bedeutet, dass dieses Buch wohl offensichtlich einen so starken Einfluss auf die weibliche Leserschaft gehabt haben musste, dass sich mehrere Autorinnen Emmy von Rhodens annahmen und auf ähnliche Weise versuchten, die Mädchenwelt zu beeinflussen. Innovativ am Trotzkopf war, dass er unangepassten, noch kindlichen Mädchen eine größere Liberalität zusprach als andere Literatur.
Leserinnen erkannten, dass sie trotz andersartiger Charakterzüge, wie sie auch bei Ilse Mackett auftreten, nicht gleich als unsympathisch galten. Als sympathische Identifikationsfigur zeigt Ilse, dass es durchaus natürlich war, nicht ohne Komplikationen die Schwelle von Kindheit zum endgültigen Frausein zu übertreten. Durch ihr Verhalten, welches zuvor als unsittlich und moralisch unmöglich galt, wird Ilse zum Sympathieträger junger Leserinnen. In ihrem Verhalten werden innere Ängste und Wünsche zum Ausdruck gebracht. Hinzu kam, dass aufgrund der Vielzahl an weiblichen Charakteren, die in diesem Buch auftreten, für beinahe jedes Mädchen eines dabei war, mit dem es sich identifizieren konnte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Fragestellung: In diesem Teil wird die zentrale Fragestellung definiert, welche Zwischenräume die Backfischliteratur für Mädchen bietet und welche innerpsychischen Anpassungen von ihnen erwartet werden.
2. Analyse der Position von Dagmar Grenz: Dieser Abschnitt beleuchtet die Argumentation von Grenz, die den „Trotzkopf“ als Vorreiter der Mädchenliteratur betrachtet und dessen Wirkung als moralische Beispielgeschichte für die weibliche Sozialisation analysiert.
3. Analyse der Position von Gisela Wilkending: Hier wird die kritische Perspektive von Wilkending dargestellt, welche das Werk vor allem als Medium zur Verklärung psychischer Pubertätsleiden und als Instrument zur Disziplinierung junger Frauen interpretiert.
4. Vergleich der Argumentationslinien: Dieses Kapitel stellt die beiden Positionen gegenüber und arbeitet die Differenz zwischen dem „schönen Schein“ der Literatur und der realen gesellschaftlichen Abhängigkeit der Mädchen heraus.
5. Fazit und Zusammenfassung: Abschließend wird die Funktion des Buches als notwendige Nische für junge Mädchen hervorgehoben, die ihnen eine Flucht aus der Realität ermöglichte.
Schlüsselwörter
Backfischliteratur, Trotzkopf, Mädchenliteratur, Ilse Mackett, Pubertät, Weibliches Frauenbild, Identifikationsfigur, Sozialisation, Pädagogik, Emanzipation, Anpassung, Wunschmedium, Geschlechterrolle, Dagmar Grenz, Gisela Wilkending.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der literarischen Aufarbeitung der Mädchenrolle in der Backfischliteratur, wobei das Werk „Der Trotzkopf“ als zentrales Fallbeispiel dient.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen den Wandel von kindlichem Verhalten zum gesellschaftlich konformen Frauenbild, die Identifikationsmöglichkeiten für Leserinnen und die kritische Auseinandersetzung mit erzieherischen Normen.
Was ist das primäre Ziel der Analyse?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der versprochenen Liberalität der Hauptfigur und der tatsächlich geforderten Anpassung durch den Vergleich zweier wissenschaftlicher Aufsätze zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse, die auf den Aufsätzen von Dagmar Grenz und Gisela Wilkending basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die unterschiedlichen Lesarten der Literaturwissenschaftlerinnen gegenübergestellt, insbesondere im Hinblick auf den "Trotzkopf" als Mittel zur Katharsis oder als Instrument der Disziplinierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Backfischliteratur, Geschlechterrollen, Pubertät, Sozialisation und die kritische Reflexion von Mädchenbildern.
Warum wird der Trotzkopf heute noch als relevant betrachtet?
Die Arbeit argumentiert, dass das Buch weiterhin als Identifikationsfläche dient, da junge Mädchen auch heute noch ähnliche Wünsche nach Geborgenheit und Zukunftsträumen entwickeln, wie sie die Literatur suggeriert.
Welche Rolle spielt die Hauptfigur Ilse für die Leserinnen?
Ilse fungiert als Identifikationsfigur, die durch ihre anfängliche Rebellion und spätere Anpassung zeigt, wie Mädchen ihre psychischen Spannungen bewältigen und in ein gesellschaftlich akzeptiertes Erwachsenenleben überführen können.
- Quote paper
- Claudia Waindok (Author), 2008, Welche Zwischenräume erlaubt die Backfischliteratur für junge Mädchen? Was wird innerpsychisch von jungen Mädchen verlangt?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128244