Regelmäßig werden Aussagen aufgrund unseres Geschlechts getroffen oder auch Erwartungen bezüglich unseres Geschlechts gestellt, die wir als unfair empfinden. Genau diese Thematik wird in dieser Arbeit behandelt, denn es geht um die Polarisierung der Geschlechterrollen am Beispiel der Familie. Obwohl sich unsere Gesellschaft für die Geschlechtergleichheit ausspricht und einsetzt, fühlen sich vor allem Frauen dennoch oft ungerecht behandelt und in eine bestimmte Rolle gedrängt, was besonders im Familienalltag deutlich zum Ausdruck kommt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Wandel der Familie
2.1 Der Begriff „Familie“
2.2 Die bürgerliche Familie
2.3 Die postmoderne Familie
3 Entwicklung der Geschlechterrollen
3.1 Der Begriff „Geschlechterrollen“
3.2 Das Herstellen von Geschlechterrollen
3.3 Das Rollenbild des Mannes
3.4 Das Rollenbild der Frau
4 Einfluss der Gesellschaft und neue Entwicklungen
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die wissenschaftliche Hausarbeit analysiert die Polarisierung von Geschlechterrollen innerhalb der Familie und untersucht, welche gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und individuellen Entwicklungsprozesse diese Rollenbilder prägen und trotz moderner Gleichheitsbestrebungen aufrechterhalten.
- Wandel von Familienformen von der bürgerlichen zur postmodernen Familie
- Theoretische Grundlagen und Konstruktionsmechanismen von Geschlechterrollen ("doing gender")
- Spezifische Analyse der Rollenbilder von Mann und Frau in Familie und Beruf
- Einfluss gesellschaftlicher Strukturen auf die Gleichberechtigung und Rollenverteilung
- Die Herausforderung der Doppelbelastung und Vereinbarkeit von Erwerbs- und Sorgearbeit
Auszug aus dem Buch
3.2 Das Herstellen von Geschlechterrollen
Das Herstellen von Geschlechterrollen wird also des Öfteren mit dem Begriff „doing gender“ gleichgesetzt. Dieser verweist darauf, dass man seine Zugehörigkeit zu einem Geschlecht im Alltag einbringt und auch sichtbar macht. Indem man Gender zeigt, verhält man sich also so, wie es für das jeweilige Geschlecht in der jeweiligen Situation als sozial und normativ angemessen gilt (Faustich-Wieland, 2004, S.176f.). Für einen Mann zum Beispiel kann „doing gender“ bedeuten, dass er einer Frau ein schweres Paket abnimmt, da dies von der Rolle des „starken Mannes“ erwartet werden würde.
Ziel von „doing gender“ ist es das Geschlecht bzw. die Geschlechtszugehörigkeit nicht als Eigenschaft oder Merkmal anzusehen, sondern sich auf die sozialen Prozesse zu konzentrieren, in denen das Geschlecht als sozial folgenreiche Unterscheidung hervorgebracht und reproduziert (Gildemeister, 2008 S.167). Denn die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind nicht natürlich gegeben, sondern sowohl historisch und sozial gewachsen als auch veränderbar. Das Geschlecht wird nicht als Merkmal, welches eine Person für immer besitzt, gesehen, sondern es wird davon ausgegangen, dass es durch soziale Interaktionen immer wieder neu hergestellt wird. Entscheidend ist hier, dass alle Interaktionspartner an der Herstellung beteiligt sind (Behnke/Meuser, 1999, S.41).
Das bedeutet, dass wir in unseren alltäglichen Handlungen unser eigenes Geschlecht herstellen und gleichzeitig auch immer das der anderen mitkonstruieren (Stuve/Debus, 2012, S.33). Das Herstellen von Geschlechterrollen sorgt also dafür, dass die soziale Wirklichkeit der Zweigeschlechtlichkeit als Konstruktion interaktiver Leistungen gesehen wird (Hohendorf, 2019, S.46). Gleichzeitig strukturiert aber auch die Konstruktion von Geschlechterrollen die sozialen Interaktionen. Es herrscht also eine Wechselbeziehung zwischen der Geschlechterkonstruktion und den Interaktionen, die sich gegenseitig beeinflussen (Universität Duisburg Essen, 2013, o.A.). „Doing gender“ ist also die Antwort auf die Frage, wie diese Zweiteilung der Gesellschaft in Frauen und Männer kommt (Gildermeister, 2008. S.167).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die anhaltende Aktualität ungleicher Geschlechterrollen im Familienalltag und definiert das Ziel der Arbeit, diese Mechanismen und den sozialen Wandel zu untersuchen.
Wandel der Familie: Das Kapitel erläutert den Übergang von der strikten bürgerlichen Familienform zur heutigen pluralistischen, postmodernen Familienwelt unter Berücksichtigung definitorischer Herausforderungen.
Entwicklung der Geschlechterrollen: Hier werden theoretische Ansätze zur Konstruktion von Geschlecht vorgestellt und kritisch auf die spezifischen Rollenbilder von Mann und Frau in der heutigen Gesellschaft angewendet.
Einfluss der Gesellschaft und neue Entwicklungen: Dieses Kapitel analysiert, wie externe gesellschaftliche Bedingungen und Systeme wie das Bildungswesen die Rollenverteilung in Familien beeinflussen und warum Gleichstellung trotz gesetzlicher Maßnahmen oft erschwert wird.
Fazit: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und betont die notwendige Sensibilisierung für die strukturellen Ungleichheiten, die durch traditionelle Rollenbilder und die Doppelbelastung für Frauen fortbestehen.
Schlüsselwörter
Geschlechterrollen, Familie, Doing gender, Rollenbilder, Gesellschaft, Soziale Arbeit, Gleichberechtigung, Doppelbelastung, Sozialisation, Strukturwandel, Erwerbsarbeit, Geschlechterungleichheit, Konstruktivismus, Familienpolitik, Vereinbarkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Polarisierung von Geschlechterrollen am Beispiel der Familie und analysiert, wie diese Rollen entstehen, sich wandeln und trotz des gesellschaftlichen Anspruchs auf Gleichheit fortbestehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den zentralen Themen gehören der Wandel von Familienstrukturen, die theoretische Definition von Geschlecht und Geschlechterrollen, das Konzept "doing gender", die Rollenbilder von Mann und Frau sowie deren Verankerung in gesellschaftlichen Kontexten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Ursachen für die hartnäckige Aufrechterhaltung von Geschlechterungleichheiten im Familienleben aufzudecken und ein Bewusstsein für diese sozialen Konstruktionsprozesse zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin nutzt eine theoretische Aufarbeitung und Literaturanalyse soziologischer und erziehungswissenschaftlicher Erkenntnisse, um den Wandel von Familie und Geschlechterkonstruktionen zu erklären.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Familienformen, die Erläuterung der Geschlechterrollen-Entwicklung inklusive des Konstruktionsbegriffs "doing gender" sowie eine vertiefende Betrachtung der männlichen und weiblichen Rollenbilder unter Einfluss gesellschaftlicher Bedingungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem "doing gender", Familiensoziologie, Sozialisation, Geschlechtsrollen-Polarisierung und die Problematik der Doppelbelastung für Frauen.
Wie verändert sich die Väterrolle laut der Arbeit im heutigen Kontext?
Die Arbeit stellt fest, dass Väter sich zunehmend aktiver in die Kindererziehung und Betreuung einbringen, das Engagement im Gesamtvergleich zur aufgewandten Zeit der Mütter jedoch noch hinter diesen zurückbleibt.
Warum wird die Doppelbelastung der Frau als zentrales Ergebnis der Untersuchung hervorgehoben?
Sie wird als kritischer Punkt identifiziert, da Frauen trotz ihrer Beteiligung an der Erwerbsarbeit weiterhin den Großteil der Sorge- und Hausarbeit tragen, was zu gesundheitlichen Belastungen und beruflichen Nachteilen führt.
- Arbeit zitieren
- Soraya Mandel (Autor:in), 2020, Polarisierung der Geschlechterrollen am Beispiel der Familie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1283221