Deutschland und Frankreich im Mittelalter. Ein Unterrichtsentwurf zur Quellenanalyse der Goldenen Bulle

Geschichte 11. Klasse Gymnasium


Unterrichtsentwurf, 2008

11 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Entwurf einer Unterrichtsstunde im Fach Geschichte/Sozialkunde

1. Individuelle Kompetenzentwicklung des Unterrichtenden

2. Thema der Unterrichtsreihe und entsprechende Einzelthemen

3. Thema der Stunde

4. Kompetenzen und Standards

5. Unterrichtsvoraussetzungen
5.1 Allgemeine Unterrichtsvoraussetzungen
5.2 Spezielle Unterrichtsvoraussetzungen
5.3 Individuelle Kompetenzentwicklung der Lernenden

6. Fachlicher Schwerpunkt und didaktische Analyse

7. Begründung der Lehr- und Lernstruktur (nach Phasen)

8. Verlaufsplanung

9. Mögliche Schwierigkeiten

10. Ausblick auf weitere Planung

11. Medien

12. Literatur

13. Anlagen

Geplantes Tafelbild

Verlaufsplanung

1. Individuelle Kompetenzentwicklung des Unterrichtenden

In dieser Stunde soll verstärkt darauf geachtet werden, die Lehrerzentrierung (Sprachanteil) zu reduzieren und die Schüleraktivität weiter zu fördern. Darüber hinaus wird der Versuch unternommen, trotz der hohen Schülerzahl, möglichst viele Schüler aktiv in die Stunde einzubinden.

2. Thema der Unterrichtsreihe und entsprechende Einzelthemen

Thema der Reihe: Perioden deutscher Geschichte - Deutschland und seine Nachbarn (Teil I: Mittelalter: Deutschland und Frankreich)

Stundenthemen Kompetenzentwicklung/Niveaukonkretisierung

1. Die Goldene Bulle - Kennzeichen der Selbstständige Erarbeitung des Gegenstandes und Reichsverfassung: Inwieweit fördert die Überprüfung einer These Goldene Bulle die Reichsstabilität?

2. Herrschaftsformen in Frankreich: Worin Selbstständige Erarbeitung des Gegenstandes, besteht das Spezifikum der französischen Begriffabgrenzung: Zentralismus vs. föderale Monarchie? Strukturen

3. Vergleich der unterschiedlichen Herrschaftsformen im Mittelalter zwischen dem Alten Reich und Frankreich; Schwerpunkte: politische Handlungsfähigkeit und Staatsorganisation

4. Worin liegen die historischen Ursachen in den zutiefst unterschiedlichen Herrschaftsformen?

5. Welches Potenzial steckt in den unterschiedlichen Herrschaftsformen - worin bestehen Chancen und Probleme in Hinblick auf politische Stabilität? Erarbeitung von Vergleichskriterien, Anwendung und Überprüfung von Definitionen (z.B. Wahlmonarchie) Herausarbeitung zeitgenössischer Interessen und Vergleich von Herrschaftssystemen Rekonstruktion von dt. und franz. Ereignisgeschichte/Nutzen des Zeitstrahls Ableiten gegenwärtiger Konsequenzen für die Gesellschaft (Frankreich: Zentralstaat; Deutschland: föderales Prinzip/Bundesstaat) Urteilsbildung/Entwicklung eines Standpunktes, der mit Hilfe historischer Fakten und Quellen unterstützt wird; Kennzeichnen von Vor- und Nachteilen der Herrschaftsformen (Zentralismus und Erbmonarchie vs. Fürstenstaat und Wahlmonarchie)

Die Reihe schließt nahtlos an die vorhergehenden Themen an. Sie werden in den nächsten Wochenstunden singulär betrachtet und parallel mit der historischen Entwicklung Frankreichs verglichen.

3. Thema der Stunde

Methodenstunde zur Quellenanalyse in Hinblick auf die Frage, inwieweit die Goldene Bulle die Eintracht bei der deutschen Königswahl fördert.

Ziel ist es, die Analysekompetenz weiter auszubauen und zu festigen. Vorwiegend sollen die Schüler sich mit einer These auseinandersetzen und diese exemplarisch an Hand eines Quellentextes bearbeiten.

4. Kompetenzen und Standards

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

5. Unterrichtsvoraussetzungen

5.1 Allgemeine Unterrichtsvoraussetzungen

Seit Beginn des Schuljahres unterrichte ich in der Klasse 11 Geschichte für jeweils drei Wochenstunden. Der Kurs besteht aus 21 Schülern, davon 12 Mädchen und 9 Jungen. Ich schätze die gesamte Atmosphäre im Unterricht als positiv ein. Zum einen liegt es an der konstanten und fruchtbringenden Mitarbeit sowie einer überschaubaren Anzahl von Schülern. Störungen des Unterrichtes sind bisweilen nicht aufgetreten, was die allgemeine Situation zusätzlich verbessert.

Schwierigkeiten bestehen jedoch vor allem im Bereich der Motivation. Etwa 50 % der Schüler haben noch nicht erkannt, dass der Unterricht in einer 11. Klasse ein gewisses Maß an Selbst- und Eigenständigkeit verlangt. Mangelnde Bereitschaft, sich mit Themen oder Schwierigkeiten dezidiert auseinanderzusetzen ist die Folge.

Daneben bestehen bei einigen Schülern deutliche Defizite hinsichtlich ihrer Lerneinstellung sowie fachliche Unsicherheiten. In Konsequenz dessen besteht ein Leistungsgefälle innerhalb des Kurses: Während die leistungsstarken Schüler auch komplexe und schwierige Aufgaben bewältigen und Schlussfolgerungen ziehen können, sind die vorwiegend schwachen Schüler nicht in der Lage, Fragestellungen zu Quellentexten ausreichend zu beantworten. Es fällt ihnen schwer, entsprechendes Fachvokabular zu verstehen und anzuwenden. Ableitungen von Problemen, beispielsweise aus historischen Entwicklungen, können sie nur bedingt und mit einer starken Lenkung durch den Lehrer (Fragen/Impulse etc.) leisten. Aus diesem Grund zeichnen sich die Unterrichtsstunden zumeist dadurch aus, dass sie die leistungsstarken Schüler langweilen, während sich schwächere noch mit den Aufgaben bzw. den Fragen auseinandersetzen.

Zukünftig wird daher versucht, das Anforderungsniveau auf ein gehobenes Mittelmaß zu setzen, um so den Anforderungen einer gymnasialen Oberstufe auch gerecht zu werden.

5.2 Spezielle Unterrichtsvoraussetzungen

In den vergangenen Stunden wurden zunächst geschichtstheoretische Grundlagen (Einführung Geschichtstheorie, Quellenkunde, Literaturrecherche, Periodisierung) gelegt. Im Anschluss daran ist im Rahmen einer kleinen Gruppenarbeit ein Zeitstrahl angelegt worden, um zumindest ein basales Verständnis von Chronologie zu erreichen. Hieran anschließend wurden historische Einzelereignisse deutscher Geschichte (Goldene Bulle, Dreißigjähriger Krieg, Boxeraufstand, Luftbrücke, Mauerbau, 68er-Bewegung) durch die Schüler ausgewählt und betrachtet. In Gruppenpräsentationen mussten die Schüler nicht nur fachliches Wissen unter Beweis stellen, sondern ebenso die Fähigkeit des selbstorganisierten Lernens sowie die Gestaltung einer 45 minütigen Präsentation. Parallel hierzu wurden Quellentexte exemplarisch analysiert, Hypothesenbildung und die Erörterung mit historischen Positionen/Thesen geübt. Auf Wunsch der Schüler wird eine kritische Auseinandersetzung mit Thesen zu bestimmten Ereignissen weiter vorangetrieben.

5. 3 Individuelle Kompetenzentwicklung der Lernenden lStarke Schüler:

Sie haben mit dem Quellentext keine Schwierigkeiten und können den Inhalt rasch und präzise zusammenfassen. Sie werden in der Lage sein, sich mit der These dahingehend auseinanderzusetzen, dass sie erkennen, dass die Goldene Bulle wichtige Neuerungen schuf, die das Reich (insbesondere bei anstehenden Wahlen) stabilisierten: Doppelwahlen und Schaffung eines stabilen Wahlsystems. In der Diskussion können sie Schlussfolgerungen und Urteile ziehen und entsprechend vor dem Plenum begründen.

Mittlere Schüler:

Sie können den Inhalt der Quellen wiedergeben und während der Erarbeitung die ihnen gestellten Aufgaben lösen. An der Diskussion werden sie sich hingegen kaum beteiligen (Ausnahme: kurze Aussagen), können aber die dargestellten Positionen nachvollziehen.

Schwache Schüler:

Sie werden den Inhalt des Quellentextes nur knapp erfassen. Insbesondere einige sprachliche Wendungen dürften nicht verstanden werden (Rückfragen sind nicht ausgeschlossen). Des Weiteren werden sie sich mit der Bewältigung des Quellentextes nur an der Oberfläche bewegen und lediglich ansatzweise die Tragweite des Dokumentes erfassen. In der Diskussion bzw. Auswertung werden sie nicht in Erscheinung treten und sich sogar zurückziehen.

6. Fachlicher Schwerpunkt und didaktische Analyse

In dieser Stunde geht es darum, zu erarbeiten, inwieweit die Goldene Bulle das Wahlsystem im Alten Reich endlich stabilisierte und somit nicht nur Doppelwahlen verhinderte, sondern ebenso die Stellung der Kurfürsten stärkte. In Folge dessen konnten Machtkämpfe zwischen einzelnen Bewerbern oder herrscherlose Phasen verhindert werden.

Eine eingangs aufgestellte These bzw. Leitfrage soll dabei mit Hilfe eines Quellentextes kritisch überprüft werden. Dass in diesem Zusammenhang einzelne Gruppen bestimmte Absichten verfolgten und ihren Status verbessern wollten, soll herausgearbeitet und anschließend kritisch diskutiert werden: So stärkte der Kaiser (Karl IV.) nicht nur seine Position, indem er eine Sonderstellung des böhmischen Königs einräumt, sondern die Macht der Kurfürsten im Reich generell stärkte. Ein zentraler Punkt der Unterrichtsstunde ist die Erkenntnis, dass im Heiligen Römischen Reich eine Wahlmonarchie ab 1356 verfassungsrechtlich verankert war - das Alte Reich hatte somit eine Sonderstellung im Vergleich zu anderen europäischen Nationen. In den Folgestunden wird auf diese Erkenntnisse/Erarbeitungen zurückgegriffen und ein exemplarischer Vergleich (Frankreich- Heiliges Römische Reich) vorgenommen.

Das Thema Perioden deutscher Geschichte/Deutschland und seine Nachbarn ist im Rahmenplan ausgewiesen. Die Thematik der Goldenen Bulle selbst, als historisches Ereignis, ist nicht explizit aufgeführt. Vielmehr soll es dazu dienen, die mittelalterliche Verfassung des Alten Reiches sowie zentrale Probleme bei einer anstehenden Wahl (Machtkämpfe, Doppelwahl etc.) zu erschließen.

Ausgehend von zuvor erstellten Zeitleisten ist mir aufgefallen, dass entsprechendes Wissen über das deutsche, geschweige denn das europäische Mittelalter, nicht vorhanden war bzw. ist. In Anbetracht der Tatsache, dass in dieser Reihe Deutschland und Frankreich in ihrer historischen Entwicklung (Schwerpunkt: Herrschaft) miteinander verglichen werden sollen, scheint es mir unabdingbar, zumindest die deutsche Geschichte explizit zu betrachten. Die Schüler sollen letztlich (Ziel des ersten Teils der Reihe) verstehen, worin sich das Alte Reich und Frankreich unterschieden und warum es auf deutschem Boden eher zu partikularistischen Tendenzen (Einzelterritorien, mächtigen Kleinstaaten etc.) gekommen ist, während Frankreich, bedingt durch die Erbmonarchie, eine eher zentralistische Entwicklung genommen hat.

7. Begründung der Lehr- und Lernstruktur (nach Phasen)

Phase I (Einstieg): ca. 5 min.

Nach einer Begrüßung wird zu Beginn der Stunde auf Basis der Hausaufgabe besprochen, wie die deutsche Königswahl vor 1356 geregelt worden war.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Deutschland und Frankreich im Mittelalter. Ein Unterrichtsentwurf zur Quellenanalyse der Goldenen Bulle
Untertitel
Geschichte 11. Klasse Gymnasium
Hochschule
Schulpraktisches Seminar Spandau
Note
2
Autor
Jahr
2008
Seiten
11
Katalognummer
V128404
ISBN (eBook)
9783668078109
ISBN (Buch)
9783668078116
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
deutschland, frankreich, mittelalter, unterrichtsentwurf, quellenanalyse, goldenen, bulle
Arbeit zitieren
Thomas Mrotzek (Autor), 2008, Deutschland und Frankreich im Mittelalter. Ein Unterrichtsentwurf zur Quellenanalyse der Goldenen Bulle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128404

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Deutschland und Frankreich im Mittelalter. Ein Unterrichtsentwurf zur Quellenanalyse der Goldenen Bulle



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden