Die wissenschaftliche Arbeit betrachtet das Handlungsfeld der ambulanten Erziehungshilfe, welches einen Teilbereich der Kinder- und Jugendhilfe darstellt. Hierbei wird insbesondere der systemische Denk- und Handlungsansatz sowie die systemische Praxis der Sozialpädagogischen Familienhilfe fokussiert. Das Ziel dieser literaturgestützten Bachelorarbeit ist die Ausarbeitung und Beantwortung der zentralen Fragestellungen, wie die Sozialpädagogische Familienhilfe mit systemischen Ansätzen den Verbleib eines Kindes in der Herkunftsfamilie unterstützt.
Außerdem wird der Frage nachgegangen, wie in einem Zwangskontext Lösungsstrategien erarbeitet werden können. Hierzu findet in dem theoretischen Teil dieser Arbeit eine Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Theorien, Erkenntnissen und Studien statt, welche in einem beispielhaften Fall der Jugendhilfe angewendet werden.
Die erzieherischen Hilfen sind ein stetig wachsendes Handlungsfeld der Kinder- und Jugendhilfe, in welchem im Jahr 2019 mit über eine Millionen Fällen ein neuer Höchststand erreicht wurde. Besonders die Sozialpädagogische Familienhilfe erfährt in den letzten Jahren einen enorm großen Zuwachs und ist nach den Erziehungsberatungen und der Heimerziehung mit 13% aller Fälle die dritthäufigste Maßnahme der Hilfen zur Erziehung und zielt darauf ab, einer Fremdunterbringung entgegenzuwirken.
Parallel dazu ist das Thema Kinderschutz immer häufiger in den Fokus der Gesellschaft gerückt worden. Damit einhergehend sind sowohl die Meldungen von Kindeswohlgefährdungen als auch die mediale Berichterstattung über schwerwiegende Kinderschutzfälle gestiegen. Durch die Berichterstattungen werden schwer belastete Familien, die sich in aktuellen Krisen befinden als Risikofamilien betitelt. Dies führt zu einer eingeschränkten Sichtweise von Denk- und Wahrnehmungsprozessen, die die Entwicklungsinteressen der Eltern und ihrer Kinder nicht mehr berücksichtigen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Systemischer Ansatz
1.1 Systembegriff und Theorien
1.2 Systemische Betrachtung von Familien
1.3 Professionelle systemische Interventionen für Familien
2. Ambulante Erziehungshilfen
2.1 Rechtliche Rahmenbedingungen
2.2 Sozialpädagogische Familienhilfe
2.3 Stand der Forschung
3. Systemisches Handeln bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung
3.1 Elternarbeit im Rahmen des systemischen Arbeitens
3.2 Kooperationen und Netzwerkarbeit
3.3 Anwendungsbeispiel bei Vernachlässigung
4. Diskussion
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Potenziale und Möglichkeiten des systemischen Handelns innerhalb der ambulanten Erziehungshilfe, insbesondere bei der sozialpädagogischen Familienhilfe (SPFH), um den Verbleib von gefährdeten Kindern in ihrer Herkunftsfamilie zu unterstützen.
- Grundlagen des systemischen Ansatzes und der Systemtheorie
- Rechtlicher Rahmen und Anforderungen der ambulanten Erziehungshilfe
- Methoden der systemischen Praxis im Kontext des Kinderschutzes
- Bedeutung von Elternarbeit und Netzwerkunterstützung
- Praktische Anwendung systemischer Methoden im Fallbeispiel
Auszug aus dem Buch
3.3 Anwendungsbeispiel bei Vernachlässigung
Das hier vorgestellte Fallbeispiel ist eine Möglichkeit aus den wahrscheinlichsten Kombinationen, der in Kapitel 2.3 zusammengefassten Daten des Statistischen Bundesamt konstruiert worden.
Eine kleine Familie aus der Dortmunder Nordstadt wohnt in einem Mehrfamilienhaus im 5. Stock. Der Stadtteil ist geprägt durch eine hohe Bevölkerungszahl, einen großen Anteil an Ausländern und einer hohen Arbeitslosenquote. Die 29 Jahre alte Mutter wohnt mit ihren beiden Söhnen, vier und sechs Jahre alt in einer 2,5 Zimmer Wohnung.
Die Mutter, alleinerziehend ist momentan arbeitslos und erhält Transferleistungen. Eine Ausbildung zur Malerin und Lackiererin hat sie angefangen, aber durch die erste Schwangerschaft nicht beendet und konnte anschließen keine Kraft mehr aufbringen diese fortzusetzen. Sie ist mit der Situation als Mutter überfordert und es belastet sie sehr auf fremde finanzielle Unterstützung angewiesen zu sein. Nach einigen erfolglosen Bewerbungen auf verschiedene Jobs hat sie die aktive Jobsuche aufgegeben. Dadurch leidet sie unter Schlafproblemen und kann ihren Pflichten als Mutter nicht nachkommen. Sie vernachlässigt ihre Kinder seelisch durch fehlende Aufmerksamkeit und Zuwendung sowie materiell durch falsche finanzielle Planung. Den Haushaltspflichten kann sie ebenfalls nicht nachkommen. Außerdem ist sie schnell reizbar. Deutlich wird dies durch das Anschreien der Kinder in der Öffentlichkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Bedeutung der SPFH in der Kinder- und Jugendhilfe und formuliert die Forschungsfrage zum Verbleib von Kindern in Herkunftsfamilien durch systemische Ansätze.
1. Systemischer Ansatz: Dieses Kapitel definiert systemtheoretische Grundlagen, erläutert die systemische Betrachtung von Familien und stellt professionelle Interventionsansätze vor.
2. Ambulante Erziehungshilfen: Das Kapitel bietet eine rechtliche Einordnung der ambulanten Erziehungshilfen und analysiert den aktuellen Forschungsstand sowie Risikofaktoren bei Kindeswohlgefährdung.
3. Systemisches Handeln bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung: Hier werden Methoden der Elternarbeit und Netzwerkarbeit beschrieben sowie die praktische Umsetzung anhand eines fiktiven Fallbeispiels demonstriert.
4. Diskussion: Die Diskussion reflektiert die Ergebnisse hinsichtlich der Wirksamkeit systemischer Handlungsweisen bei der Abwendung von Fremdunterbringungen in Zwangskontexten.
5. Fazit: Das Fazit bekräftigt, dass der systemische Ansatz durch Stärkung der Selbstwirksamkeit und elterlicher Ressourcen ein unverzichtbares Instrument für die ambulante Erziehungshilfe darstellt.
Schlüsselwörter
Systemischer Ansatz, Ambulante Erziehungshilfe, Sozialpädagogische Familienhilfe, SPFH, Kindeswohlgefährdung, Systemtheorie, Elternarbeit, Vernachlässigung, Lebensweltorientierung, Zwangskontext, Empowerment, Hilfe zur Selbsthilfe, Netzwerk, Fallbeispiel, Kinderschutz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorthesis im Kern?
Die Arbeit analysiert die Erfolgsschancen des systemischen Handelns in der ambulanten Erziehungshilfe bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung, mit besonderem Fokus auf der sozialpädagogischen Familienhilfe (SPFH).
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Systemtheorie, rechtliche Rahmenbedingungen nach SGB VIII, professionelle systemische Methoden sowie die Gestaltung von Elternarbeit und Kooperationen innerhalb von Zwangskontexten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, wie systemische Denk- und Handlungsansätze in der SPFH den Verbleib eines Kindes in der Herkunftsfamilie unterstützen können.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer umfangreichen Recherche in der Fachliteratur sowie der Herleitung und Analyse eines exemplarischen Fallbeispiels.
Was bildet den inhaltlichen Schwerpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil behandelt die theoretische Fundierung des systemischen Arbeitens, die rechtliche Einordnung, die Auswertung aktueller Studien zur SPFH sowie praktische Interventionsmethoden im Kinderschutz.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Systemtheorie, SPFH, Kindeswohlgefährdung, Lebensweltorientierung und systemische Intervention aus.
Wie unterscheidet sich die systemische Arbeit in der SPFH von anderen Ansätzen?
Im Gegensatz zur reinen Problem- oder Defizitorientierung fokussiert die systemische Arbeit in der SPFH auf die Ressourcen der Familie, die zirkuläre Wahrnehmung von Zusammenhängen und die Aktivierung von Selbstwirksamkeit.
Warum spielt der Zwangskontext bei der SPFH eine besondere Rolle?
Da viele SPFH-Maßnahmen aufgrund von Kindeswohlgefährdungen durch das Jugendamt eingeleitet werden, stellt der Zwangskontext eine besondere Anforderung an die Fachkraft dar, eine tragfähige und professionelle Arbeitsbeziehung aufzubauen.
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- Anonym (Autor), 2021, Systemisches Handeln in der ambulanten Erziehungshilfe. Erfolgschancen für die Sozialpädagogische Familienhilfe, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1284907