Über Jahrhunderte hinweg standen und stehen noch immer die germanischen (besonders Norwegisch und Schwedisch) und die finnougrischen Sprachen (Samisch, Finnisch, Kvenisch) in Skandinavien in Kontakt.
Auffällig ist, dass auf der Oberfläche betrachtet, also zum Beispiel im Bereich des Wortschatzes, die finnougrischen Sprachen kaum einen Einfluss auf die skandinavischen Standardsprachen zu haben scheinen.
Dieser Aufsatz soll darstellen, welche Relikte in Form von finnischen und samischen Lehnwörtern es im Schwedischen aber doch gibt. In die Untersuchung wird das Finnlandschwedische nicht mit einbezogen, da sich die Sprache in Finnland in einer ganz besonderen Kontaktsituation befindet und eine Einzelbetrachtung erfordern würde. Außerdem sollen hauptsächlich die Lehnwörter, die in die schwedische Standardsprache aufgenommen wurden, genannt werden, obwohl teilweise ein Blick auf die Dialekte und die Slangsprache nicht ausbleibt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Quellen und Methoden
3 Begriffsklärung: Entlehnung, Lehnwort u.s.w.
3.1 Definition von Entlehnung und deren Unterkategorien
4 Lehnwörter im schwedischen Wortschatz (allgemein)
5 Warum wird entlehnt?
5.1 Kulturwörter
5.1.1 Fischerei
5.1.2 Bekleidung
5.1.3 Gebäude, Hauseinrichtung
5.1.4 Finnische Cuisine
5.1.5 Fahrzeuge
5.1.6 Maßeinheiten
5.1.7 Andere
5.2 Zitatwörter
5.3 Fachwörter
5.4 Tabuverschleierung
5.4.1 Der Tabubegriff
5.4.2 Tabubedingte Entlehnungen aus dem Finnischen ins Schwedische
5.5 Heimliche Sprachen
5.6 Namen
5.7 Wörter, die den realen Sprachkontakt und Zweisprachigkeit bezeugen
6 andere wichtige Lehnwörter
6.1 Fischnamen
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Auswirkungen des Sprachkontakts zwischen dem Schwedischen und den finno-ugrischen Sprachen (Finnisch und Samisch) zu untersuchen, um aufzuzeigen, welche lexikalischen Spuren in Form von Lehnwörtern trotz eines oberflächlich gering erscheinenden Einflusses in der schwedischen Sprache existieren.
- Kategorisierung von finnischen und samischen Lehnwörtern nach Entlehnungsursachen
- Analyse von Kulturwörtern, Fachbegriffen und Zitatwörtern
- Untersuchung von Tabuverschleierungen als Entlehnungsmotiv
- Betrachtung von Lehnwörtern in Sondersprachen und dialektalen Kontexten
- Nachweis von lexikalischen Relikten durch Sprachkontakt und Zweisprachigkeit
Auszug aus dem Buch
5.4.1 Der Tabubegriff
Ursprünglich stammt das Wort "Tabu" aus dem Polynesischen, wo es "verboten" bzw. "sanktioniert" bedeutet. Auf die Sprache bezogen bedeutet das, dass, wenn etwas tabuisiert ist, nicht darüber gesprochen werden darf. Beziehungsweise, dass der Sprecher gewisse Probleme hat, offen über manche Dinge zu sprechen. Um ein Tabu zu verschleiern, werden oft verschönende Begriffe verwendet, so genannte Eufemismen. Auch das Benutzen von Fremdwörtern kann zur Verschleierung von Tabus beitragen, weil man dadurch eine gewisse emotionale Distanz schafft.
In der westlichen Welt sind Tabus verbunden mit:
1. Geschlechtsorganen und sexuellem Umgang
2. Religion, Kirche
3. Begriffen für Exkremente
4. Tod
5. physischen und mentalen Behinderungen/Krankheiten
6. Prostitution
7. Drogenmissbrauch und Kriminalität
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung umreißt den Sprachkontakt zwischen germanischen und finno-ugrischen Sprachen in Skandinavien und definiert das Forschungsinteresse an finnischen und samischen Lehnwörtern im Schwedischen.
2 Quellen und Methoden: Dieser Abschnitt erläutert die Heranziehung von Wörterbüchern und Sekundärliteratur zur etymologischen Validierung der untersuchten Lehnwörter.
3 Begriffsklärung: Entlehnung, Lehnwort u.s.w.: Es erfolgt eine theoretische Abgrenzung der verschiedenen Phänomene des Sprachkontakts, wie Entlehnung, Fremdwort, Lehnwort und Lehnbildung.
4 Lehnwörter im schwedischen Wortschatz (allgemein): Das Kapitel gibt einen Überblick über die Zusammensetzung des schwedischen Wortschatzes aus Erb- und Lehnwörtern sowie den historischen Einfluss fremder Sprachen.
5 Warum wird entlehnt?: Hier werden die Ursachen für Sprachübernahmen systematisiert, wobei zwischen Kultur- und Zitatwörtern sowie Fachsprache und Tabu-Eufemismen differenziert wird.
6 andere wichtige Lehnwörter: Das Kapitel behandelt markante Einzellehnwörter und eine spezifische Häufung von Fischnamen in nordschwedischen Dialekten.
7 Fazit: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass trotz geringer lexikalischer Frequentheit ein historischer Einfluss des Finno-Ugrischen auf das Schwedische existiert, der sich insbesondere in Dialekten und strukturellen Substraten widerspiegelt.
Schlüsselwörter
Schwedisch, Finnisch, Samisch, Lehnwörter, Sprachkontakt, Etymologie, Kulturwörter, Zitatwörter, Tabuverschleierung, Zweisprachigkeit, Linguistik, Lehnprägung, Entlehnung, Dialektologie, Sprachgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht den sprachlichen Einfluss von finno-ugrischen Sprachen (Finnisch und Samisch) auf den schwedischen Wortschatz und identifiziert Entlehnungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Kategorisierung von Lehnwörtern nach ihren Entstehungsursachen, wie etwa Kulturkontakt, Tabuvermeidung oder fachsprachlicher Bedarf.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die teilweise verborgenen lexikalischen Relikte des finno-ugrischen Einflusses im Schwedischen aufzuzeigen und deren Entlehnungskontext zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Autorin nutzt eine etymologische Vergleichsmethode, bei der Wörter aus der Literatur mit Standardwörterbüchern wie dem SAOB abgeglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert die Entlehnungen in verschiedene funktionale Gruppen, darunter Kulturwörter, Zitatwörter, Tabu-Eufemismen und Begriffe aus dem Bereich der Zweisprachigkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Sprachkontakt, Etymologie, Lehnwörter und skandinavische Linguistik prägnant zusammenfassen.
Welche Rolle spielt die Tabuverschleierung bei den Entlehnungen?
Die Tabuverschleierung fungiert als psycholinguistischer Grund, warum Wörter aus einer fremden Sprache (wie dem Finnischen) genutzt werden, um eine emotionale Distanz zu heiklen Begriffen wie Tod oder Teufel zu schaffen.
Warum ist das finnische Wort "sais" laut der Untersuchung besonders?
Das Wort "sisu" wird als ein bekannter Internationalismus angeführt, der ein spezifisch finnisches Konzept von Beharrlichkeit und Kampfwille beschreibt, für das es im Schwedischen kein direktes Äquivalent gibt.
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- Heike Ewert (Author), 2007, Samische und finnische Lehnwörter im Schwedischen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128500