Der absolutistische König im Feld

Friedrich der Große und Ludwig XIV. im Vergleich


Seminararbeit, 1994
27 Seiten, Note: "-"

Leseprobe

INHALT

Einleitung

1. Das Feldlager des Königs
1.1 Die Lagerstrukturen im Vergleich
1.2 Transport-, Versorgungsmöglichkeiten und -mittel

2. Persönliche Einstellung zur Armee
2.1 Der König und die Offiziere
2.2 Der König und die Mannschaften
2.3 Beförderungen, Kriterien des Monarchen

3. Der König im Feld
3.1 Tätigkeiten und Gefühle im Feldlager
3.2 Der König in der Schlacht

Literaturverzeichnis

Einleitung

In der folgenden Arbeit, der Betrachtung des absolutistischen Königs im Feld, möchte ich die Funktion des Feldherren näher untersuchen. Diese Untersuchung wird sich auf die beiden Könige Friedrich den Großen und Ludwig XIV. beschränken, wobei auch hier, aufgrund der umfangreichen Literatur und meiner für eine genauere Analyse nicht ausreichenden Kenntnisse bezüglich der beiden Herrscher, nur eine Grundrißbetrachtung möglich ist.

Aus diesem Grund sollen keine Beschreibungen der Feldzüge oder der strategischen Feldzugsplanung oder Sachverhalte der Kriege gemacht, sondern die grundsätzliche Einstellung der beiden Könige zur Armee und zu den Tätigkeiten als Feldherr verglichen werden (mit größerem Gewicht auf Friedrich den Großen). Natürlich bedarf es hier zudem des Vergleiches der persönlichen Auffassung von den Pflichten eines Feldherren, der die Funktion des Königs als Feldherr letztendlich deutlich machen soll. Als Grundvorlage für diese Untersuchungen dienten "Die Memoiren des Herzogs von Sain - Simon" Hg. von Sigrid Massenbach (bezüglich Ludwig XIV.) und "Friedrich der Große und seine Armee" von Christopher Duffy.

Die historischen Gesamtzusammenhänge bezüglich der Einstellungen der beiden Könige im einzelnen darzustellen, würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Deshalb soll zunächst einmal die Tatsache genügen, daß sich die Vorstellungen eines Feldherren zur Zeit Ludwigs XIV. in Frankreich von denen in Preußen (etwa ein halbes Jahrhundert später) unterschieden, nicht zuletzt durch die die soldatische Feldherrenfunktion einleitenden Gedanken Friedrich Wilhelms I. ('der Soldatenkönig'), dem Vater Friedrichs des Großen.

Die Armee war nicht nur, wie in Frankreich um 1700, ein Teil des Staates, sondern die bestimmende soziale Macht, "die zugleich die Macht des Königs war, Staat und Gesellschaft durchdrang"[1] und deren Feldherr bzw. König ein Teil ihrer selbst war. Demnach wird sich zeigen, daß die Funktion des preußischen Feldherren Friedrich des Großen eine soldatische gewesen sein muß. Das bedeutet, daß sich der König direkt als Planer und Ausführender Krieger am Krieg beteiligte, er erscheint als der 'typische' Feldherr. Wohingegen Ludwig XIV. vermutlich eine hauptsächlich nur auf Repräsentation und Ritualeinhaltung beschränkte 'Feldherren'funktion hatte.

Bei dem Vergleich der Einstellung zur Armee, dem Vergleich der Tätigkeiten im Feldlager und in der Schlacht wird die Funktion in Ansätzen deutlich.

Auch die Gefühle nach einem siegreichen oder aber auch verlustreichen Feldzug geben über die Feldherrenpersönlichkeit Auskunft.

Um aber überhaupt einen solchen Feldzug erfolgreich durchführen zu können, benötigte man einen beweglichen Stützpunkt: in ihm sollte die Verpflegung und die Versorgung gesichert, die Planung des Feldherren möglich und schließlich die Unterkunft der Soldaten gewährleistet sein. Denn aufgrund der absolutistischen Heerführung gab es oft längere Kampfpausen, entweder Nachts, um den Gegner im Morgengrauen zu überraschen oder generell solange, bis sich die Armeen wieder zu einer bestimmten Formation geordnet hatten.[2] Dieser Stützpunkt war das Feldlager der absolutistischen Armee.

1. Das Feldlager des Königs

Nicht nur der Aufbau bzw. die Struktur der Lager Friedrichs des Großen und Ludwigs XIV. sondern auch die damit verbundene Transport- und Versorgungslage sollen hier - zumindest in Ansätzen - dargestellt werden. Dabei wird sich bei genauerem Betrachten zeigen, daß Gemeinsamkeiten und auch Unterschiede bei den Feldlagern der beiden Könige zu erkennen sind. Dabei ist es wichtig, die sich aufzeigende unterschiedliche Einstellung der beiden Herrscher bezüglich der Planung zu erkennen. Durch das Erkennen dieser Einstellung läßt sich bereits im ersten Teil der Arbeit die unterschiedliche Funktion des jeweiligen Königs im Feld, die im weiteren Verlauf der Arbeit noch deutlicher gemacht werden soll, aufzeigen.

1.1 Die Lagerstrukturen im Vergleich

Eine bestimmte Form des Aufbaus eines Feldlagers findet sich bereits im klassischen Altertum unter Gaius Iulius Caesar. Schon zu dieser Zeit war das Lager Stützpunkt für die Soldaten und Lagerort für das schwere Gepäck wie zB. "[...] Mühlen, Zelte, Geschütze, Waffenvorräte, Roheisen, Blei, Feldschmieden und Holz [...]."[3] Der Lagerplatz wurde nach bestimmten Kriterien wie zB. Schutz vor Feinden (Lage) und Versorgung (Trinkwasser und Feuerholz) ausgesucht; das Lager schlugen die Römer nach einem bestimmten Muster auf:

Dieses hatte meist eine Rechteckform mit einer nach der Anzahl der Soldaten festgelegten Länge. "Auf jeder Seite gab es ein Tor [...]. In der Mitte des Lagers war das Feldherrenzelt (praetoritum), vor diesem die Rednertribüne (tribunal) mit dem Versammlungsplatz des Heeres. Außen lief um das Lager ein Wall (vallum), eine Palisade und ein Graben [...]. Vor jedem Tor lag eine Kohorte auf Wache."[4]

Neben der Überlieferung von Lagerstrukturen seiner Vorfahren, hat das römische Feldlager in dieser Form wohl eine Vorbildfunktion für den absolutistischen König bzw. seinen Strategen gehabt, denn die Lagerstrukturen beispielsweise Friedrichs des Großen hatten ähnliche Kennzeichen: so wurde auch hier die Lagergröße nach der Anzahl der Soldaten abgeschätzt und durch den Generalquartiermeister oder durch Adjutanten des König abgesteckt.[5] Den Appellplatz und die Zelte errichtete man nach genauer Anlage.

Das Zelt des Feldherren stand auch hier in der Mitte des Lagers, es hatte ein großes Vordach und zusätzlich die Funktion des Hauptquartiers. Um dieses herum standen nach Dienstgraden in bestimmten Abständen gehalten die Zelte der Offiziere, Unteroffiziere und schließlich die der Mannschaften. Diese waren haargenau nebeneinander ausgerichtet und so geordnet, daß im Falle eines Angriffes sehr schnell eine Truppenaufstellung und Angriffsformation gebildet werden konnte.[6] Zwischen den Zelten der Soldaten fand sich eine Vielzahl anderer Einrichtungen wie zum Beispiel die Zelte der Marketender, die der Feldbäckereien, die des Frisörs, die der Diener und Knechte und nicht selten die Zelte einiger Prostituierter. Diese Einrichtungen waren Bestandteil der Versorgungsbasis.

Auch was die Lagerwache betraf, gab es unter Friedrich strenge Regeln, um das Lager (Proviant, Kriegskasse, Material und das eigene Leben) gegen Feinde zu sichern und um Deserteure, deren Zahl durch die preußische Zwangsrekrutierung sehr hoch war,[7] schnell fassen zu können. Daher gab es - ähnlich wie bei den Römern - rund um die Uhr Wachketten innerhalb und außerhalb des Lagers, die strenge Vorschriften zu beachten hatten. So wurden Deserteure immer unter den Augen des gesamten Lagers bestraft: "Wiederholte Fahnenflucht wurde mit 20maligem Gassenlaufen geahndet; dies bedeutete für den Verurteilten den sicheren Tod."[8]

Der preußische König schildert das Lager bei Bunzelwitz in einem Brief an den Marquis d'Argens 1761wie folgt:

"Ein Berg, von Schanzen rings umfaßt,

Ward unser prunkender Palast,

Wo unter hohem Himmelszelt

Ein Bündel Stroh vom nahen Feld,

Auf nacktem Boden ausgestreut,

Gar sanftes Bett dem Leibe beut. "[9]

Oft dienten Friedrich aber auch Festungen als Lager oder Bauern-

Häuser als Hauptquartier. Hier lassen sich Parallelen nicht nur zu den Römern sondern auch zum Sonnenkönig ziehen, dessen Armeen besonders im Winter die umliegenden Bauten, sogar ganze Städte, sehr oft als Lager umfunktionierten.[10]

Was die grundlegenden Strukturen des Lagers betrifft, waren die Lagerbauten Friedrichs - bis auf einige Ausnahmen[11] - ähnlich der des französischen Lagers; denn dieses wurde auch abgesteckt, die Zelte der Höflinge, der Soldaten und der Dienerschaft um das große prunkvolle Zelt des Königs herum aufgestellt und Lagerplätze und Quartiere für Pferde und Knechte eingerichtet. Je näher ein Zelt - beispielsweise eines Höflings - am Zelt des Königs stand, um so größer war die Gunst Ludwigs XIV. diesem gegenüber.

Diese Aufstellung nach Sympathie bzw. Antipathie hätte für den preußischen Feldherren keinen besonderen Zweck gehabt und deshalb muß man davon ausgehen, daß dort die genaue Ausrichtung der Zelte der Infanterie, Kavallerie und der Offiziere ausschließlich einem militärischen Nutzen diente.

Eine weitere Parallelität findet sich bei der Betrachtung der Schutzeinrichtungen des Lagers, denn wie die Soldaten unter dem Preußenkönig stellten die Franzosen Lagerwachen, wenn auch in abgeschwächter Form, auf und bauten um die Lager und Festungen Laufgräben und Schanzen.

"[...] beide Flügel waren an zwei Wäldchen angelehnt; vor der Mitte standen Hecken und ziemlich ausgedehntes Buschwerk"[12], zwischen beiden Armeen "war kaum eine halbe Meile Abstand"[13] schreibt Sain - Simon in seinen Memoiren und zeigt damit, daß auch die Ausnutzung des Geländes - ähnlich wie bei den Römern - eine wichtige Rolle bei der Armee Ludwigs XIV. gespielt haben muß.

Daß Friedrich der Große den Ort des Lagerplatzes nach bestimmten Gesichtspunkten mit Sicherheit auch ausgewählt hat, dürfte hinsichtlich seines in der Geschichtsliteratur immer wieder erwähnten militärischen und organisatorischen Genies auf der Hand liegen, zudem er im Gegensatz zum Sonnenkönig - und das wird im späteren Teil meiner Arbeit noch zu zeigen sein - fast ausschließlich alle militärischen Entscheidungen selbst traf.

Aus diesen Gegebenheiten zeigt sich, daß die Lagerstrukturen der beiden absolutistischen Herrscher in den Grundzügen annähernd gleich gewesen sein dürften, obwohl Friedrich der Große etwa 50 Jahre später im Gegensatz zu Ludwig XIV. weniger Wert auf eine prunkvolle Ausstattung denn auf eine strategisch bedeutsame Ausrichtung legte. Diesem rationaleren Denken liegen nicht zuletzt auch Friedrichs aufklärerische Gedankenzüge zugrunde, die er in seinem Werk 'Antimachiavell' niedergeschrieben hat.

1.2 Transport-, Versorgungsmöglichkeiten und -mittel

Nachdem man sich nun ein grundlegendes Bild eines Feldlagers machen kann, vergleiche ich im Folgenden die zum Funktionieren des Lagers benötigten Transport- und Versorgungsmöglichkeiten und -mittel, die zudem ein noch etwas genaueres Bild des Lagers im allgemeinen aufzeigen. Hier weisen sich auch Unterschiede bezüglich der Transport- und Versorgungsproblematik bei den Armeen Ludwigs XIV. und Friedrichs des Großen auf.

Während die französische Armee zur Zeit Ludwigs XIV. in den Wintermonaten, bis auf wenige Ausnahmen, weitgehend ruhte, da die Nachschublage aufgrund der Witterungsverhältnisse oft schlecht war,[14] man sich daher zurückziehen mußte, konnte die Armee Friedrichs theoretisch auch Feldzüge im Winter durchführen. Dies kann und soll aber hier nicht verallgemeinert werden, da es mit Sicherheit auch vorkam, daß bei den Preußen "die Witterungsverhältnisse [...] größere Operationen sehr erschweren", sogar unmöglich machen konnten.[15] Außerdem wurden die Versorgungslinien der preußischen Armee in den ersten Kriegsjahren des Schlesischen Krieges durch ein zu weites Vordringen oft überdehnt.[16] Grundsätzlich jedoch war es durch die große Zahl von Magazinen, in denen sämtliche Ausrüstung und Verpflegung der Armee bereitgestellt werden konnte möglich, das Lager durch Konvois, die sich zum Teil auf 1000 Fahrzeuge beliefen auch im Winter zu versorgen.

Alles was nützlich bzw. notwendig war nahm die Armee mit ins Feld: so zB. Frisöre, Feldbäckereien, Brotwagen, Intendanturwagen (Mehltransport) und Packagewagen für Bauten (Holz, Stoffe, Zelte usf.). Dazu kamen die Wagen der Marketender, die den Soldaten als "Markt auf Rädern" dienten, da sie dort Schnaps, Bier, Tabak, Eßwaren, Töpfe und vieles mehr einkaufen konnten. Sogar ganze Viehherden trieb man mit, um die Fleischversorgung sicherzustellen. Außerdem nahm man 'Soldatenfrauen' mit, die sich um die Wäsche, um die Pflege der Verwundeten in den Feldlazaretten kümmerten und nicht zuletzt den Soldaten zur 'Unterhaltung' dienten.[17] - Die Franzosen hatten zwar unter Ludwig XIV. ihrerzeit auch schon Magazine errichtet, diese wurden jedoch wie oben schon erwähnt nur in der 'Feldzug - Saison' genutzt. Andererseits bediente man sich bei Belagerungen auch hier des Nachschubs aus den eigenen umliegenden Festungen.[18]

Damit die Wagen nicht zu schwer wurden wie zB. bei den Konvois der Armee Ludwigs XIV., die bei schlechtem Wetter den Transport nur noch unter großen Mühe mit Pferden fortsetzen konnten,[19] verfaßte Friedrich eine Bestimmung über die Mitnahme des Gepäcks für die Dienstgrade. In dieser war genau festgelegt, wer wieviele Wagen und Pferde mitnehmen durfte, außerdem mußten die Offiziere auf ihr Silber aufgrund des zu großen Gewichtes verzichten.

"Der Kampf auf der 'inneren Linie' in Form einer operativen Vorfeldsicherung des eigenen Territoriums verband defensive und offensive Elemente der Kriegsführung miteinander und bildete das ingeniöse Element der friderizianischen Kriegstheorie."[20] Hierin zeigt sich bereits in Ansätzen, daß die Preußen ein halbes Jahrhundert später eine effektivere Nachschubplanung erarbeitet hatten,die bei der Betrachtung der damaligen Verkehrswege zwar nicht immer, aber immer noch von der Wetterlage abhängig war, da die Straßen bei länger anhaltendem Regen- oder Tauwetter kaum befahrbar waren, die Magazine also doch nicht erreicht werden konnten. Daher setzen diese durch die Natur gegebenen Behinderungen des logistischen Systems auch dem Preußenkönig Grenzen in seiner Kriegsplanung.

Desweiteren dürfte die Versorgung der Zugtiere ein allgemeines Problem gewesen sein, da es bei solch großen Konvois einer gewaltigen Anzahl von Pferden, Eseln oder Ochsen bedurfte, denn diese gewährleisteten den Transport. Dieses Versorgungsproblem erwähnt Friedrich der Große bereits vor seiner Amtszeit als König im Lager von Bruchsal 1734. Außerdem stellte sich dieses Problem schon bei den Römern, obwohl die römische Armee über eine sehr beachtliche Logistik verfügte.[21]

Die römische Logistik jedoch an dieser Stelle mit der der absolutistischen zu vergleichen würde hier zu weit führen. - In Bezug auf die Lebensverhältnisse und der Versorgung aber ging es den Soldaten aus ihrer jeweiligen Sicht unter den hier zu betrachtenden Herrschern vermutlich recht gut, wobei sich auch hier Unterschiede aufzeigen:

Daß die Soldaten Friedrichs meist ausreichend Verpflegung erhielten, lag am gut verteilten Nachschubnetz in den Operationsgebieten, in dem sogar unterirdische Kühlhäuser keine Seltenheit waren. Die gute Versorgung beruhte auf großen Vorräten in den Magazinen, die oft mit Korn polnischer Bauern gefüllt waren. Bauern und Bürger waren laut dem Landtagsrezess von 1653 verpflichtet, "Kontributionen für die Armee" zu zahlen.[22]

Damit andere Versorgungsmittel organisiert werden konnten, mußten für die verschiedenen Kriegskassen (Feld -, Proviant -, Lazarett -, und andere Kriegskassen) Gelder aus Steuereinnahmen bereitgestellt werden, außerdem stellte der König selbst Material zur Verfügung. Der Staat kam demnach für Ausrüstung, Bekleidung und Verpflegung auf. Der Soldat war eine wertvolle, kostspielige Angelegenheit und mußte vorsichtig eingesetzt werden, da Ersatz nur unter großer Mühe zu bewältigen war, was an der finanziellen Lage, hauptsächlich aber an der Form der Zwangsrekrutierung lag, deren Beschreibung im einzelnen hier zu weit führen würde. - Neben den schon genannten Waren der Marketender wurde der kämpfenden Truppe Brot und Fleisch als Grundnahrungsmittel angeboten, die Lebensbedingungen der Offiziere waren offensichtlich auch sehr gut.[23]

Doch wird sich nun im direkten Vergleich mit Ludwig XIV. zeigen, daß diese immerhin verhältnismäßig gute Versorgungslage unter normalen Kriegsbedingungen bei den Franzosen - zumindest in der Saison, d.h. im Sommer - um ein Vielfaches luxuriöser war.

Denn "der Luxus bei Hofe und in der Stadt hatte "in der Blütezeit des Absolutismus unter dem Sonnenkönig "auch in der Armee platzgegriffen; es war unvorstellbar, was man dort alles an vorher unbekannten Delikatessen hinschleppte".[24] Festgelage in den Laufgräben und ständige Pausen während des Dienstes müssen bei mehreren Belagerungen an der Tagesordnung gewesen sein. Das Feinste vom Feinsten, u.a. auch Früchte, Eis und eine Menge an Likören wurde dort gereicht, weshalb sich die Franzosen gezwungen sahen die "Dienerschaften und Mannschaften [...] zu vervierfachen."[25]

Die im Vergleich zum Preußenkönig ähnlich formulierten Bestimmungen Ludwigs XIV. dem Überschwang Einhalt zu gebieten, waren demnach nur Formsache, was an der ungeheuren Verschwendungssucht lag, der diese Bestimmungen zum Opfer fielen.

Kurz zusammenfassend ist zu bemerken, daß - wie schon zu Beginn erwähnt - bei der Betrachtung des Lagers und dessen Versorgung viele Gemeinsamkeiten aber auch Unterschiede zu erkennen sind. Diese Unterschiede sind es, die zumindest teilweise die unterschiedliche Einstellung bzw. die Funktion der beiden Könige im Feld andeuten: während der französische Monarch Wert auf absolutistische Zeremonien und prachtvolle Ausstattung eines Feldlagers und seiner Soldaten legt[26] und die militärische Nachschubfrage mehr oder weniger seinen Offizieren überläßt, hält sich Friedrich der Große persönlich an die einfache, nach militärischem bzw. strategischem Nutzen ausgerichteten Planung bezüglich des Lagers und dessen Versorgung.

2. Persönliche Einstellung zur Armee

Wie sich später noch zeigen wird, hatte Friedrich II., anders als der Sonnenkönig, eine intensivere Beziehung zum Kriegsgeschehen und somit auch zu seinen Soldaten, deren Vorbild er durch seine persönliche Beteiligung geworden war. Deshalb ist nochmals die Feststellung, daß die Armee in Preußen zur unmittelbaren Verfügung des Königs bereitstand, während sie in den anderen Ländern Einrichtung des Staates war, wichtig. Daß dadurch Friedrich der Große als Feldherr - im Gegensatz zu Ludwig XIV. - mit seinem persönlichen Engagement für Preußen in der Armee die Funktion eines militärischen, alles überblickenden Führers hatte, zeigt sich auch in der Betrachtung des Umgangs mit seinen Soldaten.

[...]


[1] Theodor Schieder, "Friedrich der Große", S.59

[2] Johannes Kunisch hat diese Art der Kriegsführung anschaulich dargestellt: Vgl. Johannes

Kunisch, "Der kleine Krieg, Studien zum Heerwesen des Absolutismus".

[3] Otto Schönberger , "C. Iulius Caesar", S. 639.

[4] Ebd. S.640.

[5] vgl. Christopher Duffy, "Friedrich der Große und seine Armee". S.50.

[6] vgl. Johannes Kunisch, siehe Anm. 2.

[7] vgl. Ullrich Marwitz, "Friedrich der Große als Heeresorganisator" S.218.

[8] Ebd.

[9] Hans Jessen (Hg.), "Friedrich der Große und Maria Theresia" , S.378.

[10] vgl. "Die Memoiren des Herzogs von Sain - Simon",Hg. von Sigrid Massenbach. (Bd 1)

S.142.

[11] zB. die strenge effektive Ausrichtung der Zelte, oder die weniger prachtvolle Ausstattung derselben.

[12] siehe Anm. 10, (Bd 2) S. 282.

[13] "Die Memoiren des Herzogs von Sain - Simon" Hg. von Sigrid Massenbach, (Bd. 1) S.43

[14] "Die Memoiren des Herzogs von Sain - Simon "Hg. von Sigrid Massenbach (Bd 2), S.101 und 408.

[15] Eberhard Kessel, "Militärgeschichte und Kriegstheorie in neuerer Zeit". S.201

[16] vgl. Ullrich Marwitz, "Friedrich der Große als Heeresorganisator". S.219

[17] vgl. Christopher Duffy,"Friedrich der Große und seine Armee" S. 190, 200 (Magazine),

S.206(Konvois), S.84,und ab 202 (Einrichtungen).

[18] vgl. Anm. 13 (Bd 1) S. 171.

[19] vgl. Anm. 13(Bd 1) S.17.

[20] Bernhard R. Kroener "Friedrich der Große und die Grundzüge der europäischen

Kriegsführung seiner Zeit", S.16.

[21] vgl. Otto Schönberger, "C. Iulius Caesar", S.642/643 und Anmerkung 9, Brief vom 1.

August 1734, S.59.

[22] vgl. Ullrich Marwitz, "Friedrich der Große als Heeresorganisator". S.220.

[23] vgl. Christopher Duffy, "Friedrich der Große und seine Armee". S.60 / S.194.

[24] "Die Memoiren des Herzogs von Sain - Simon" Hg. von Sigrid Massenbach (Bd.2) S.

100.

[25] Ebd.

[26] vgl. Philippe Erlanger "Ludwig XIV.", S.195: Armee erscheint als mit Gold und

Silber bestickter Wald!

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Der absolutistische König im Feld
Untertitel
Friedrich der Große und Ludwig XIV. im Vergleich
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Universität)
Veranstaltung
Einführungsseminar Neuzeit
Note
"-"
Autor
Jahr
1994
Seiten
27
Katalognummer
V128508
ISBN (eBook)
9783640348930
ISBN (Buch)
9783640349050
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Absolutismus, König, Ludwig XIV., Soldaten, absolutistischer König, Armee, Feld, Feldzug, Friedrich, der Große, Friedrich der Große
Arbeit zitieren
Stephan Becht (Autor), 1994, Der absolutistische König im Feld, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128508

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