Die Arbeit setzt sich mit der #Dorfkinder-Kampagne des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft auseinander. Dabei sind folgende Fragen aus der Sozialgeographie relevant: Welche Implikationen bringt der Raum als solches für unser Handeln überhaupt mit sich? Welche Räume erlangen wie und unter welchen Voraussetzungen Bedeutung? Wie sind die vielfältigen Informationsflüsse, denen wir ausgesetzt sind, daran beteiligt?
Wir leben in einer globalisierten und vernetzten Welt, in der unser alltägliches Handeln in vielen Lebensbereichen immer weniger Notwendigkeit an unsere unmittelbare, räumliche Umwelt geknüpft ist, zum Beispiel durch moderne Kommunikations- oder Transportmöglichkeiten. Regionale Traditionen verlieren an Bedeutung und wir sind durch viele Alltagspraktiken in Globalisierungsprozesse eingebunden, was vermuten lassen könnte, dass Räumlichkeit, zumindest lokal, durch ihre scheinbare Überwindbarkeit an Bedeutung verliert. Gleichzeitig ist es uns aber wie nie zuvor möglich unterschiedlichste Weltbilder oder Bezüge zu unserer Umwelt zu schaffen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Sozialgeographie alltäglicher Regionalisierungen
3 Informativ-signifikative Regionalisierungen
3.1 Geographien der Information
3.2 Geographien symbolischer Aneignungen
4. #Dorfkinder - so stärkt das BMEL das Leben auf dem Land
5. #Dorfkinder-Kampagne als Forschungsgegenstand der Geographien der Information und Geographien symbolischer Aneignung
5.1 #Dorfkinder - Geographien der Informationn
5.2 #Dorfkinder - Geographien symbolischer Aneignungen
6. Fazit
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss sozialer Medien auf die Bedeutungskonstitution von Räumen, am Beispiel der Kampagne „#Dorfkinder“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, unter Anwendung der sozialgeographischen Theorie Benno Werlens.
- Grundlagen der „Sozialgeographie alltäglicher Regionalisierung“
- Analyse informativ-signifikativer Regionalisierungen im digitalen Raum
- Die #Dorfkinder-Kampagne als mediatisierte Raumkonstruktion
- Die Rolle biographischer Wissensvorräte bei der Informationsrezeption
- Problematik von „Wiederverankerung“ und spät-modernen Mythen über ländliche Räume
Auszug aus dem Buch
3.1. Geographien der Information
Der Typ der informativ-signifikative Regionalisierungen werden in Werlens Theorie in die Forschungsbereiche der „Geographien der Information“ und die „Geographien symbolischer Aneignung“ aufgeteilt. Beide Bereiche werden sowohl in deskriptiv-analytischer als auch in explikativer Hinsicht erforscht. Der Bereich der Geographien der Information befasst sich mit informativen Regionalisierungen und stellt die Frage danach, was die Voraussetzungen für subjektive Bedeutungskonstitutionen sind, wie diese entstehen und wie sie kontrolliert werden (WERLEN 2017, S.350). Genauer wird die Frage danach gestellt wie das Wissen der Subjekte über spät-moderne Informationsmedien und -kanäle konstituiert wird, welches die Basis für Bedeutungszuweisungen bildet (ebd., S.350f). In „deskriptiv-analytischer Hinsicht“ werden die „die materiellen Einrichtungen der Information und Informationsübermittlung“ nach unterschiedlichen Arten der Kommunikation in räumlicher Dimension dargestellt (ebd., S.354f). Auf der Seite der Informationsempfänger Auf der Empfängerseite wird außerdem analysiert wie die Subjekte einzelne Informationen aus dem Feld potenzieller Informationen herauslösen und rezipieren (ebd., S.357). Subjektiv vorhandenes Wissen ist das Ergebnis dieses Prozesses, welcher als „informationsmäßige[n] Welt-Bindungen bzw. informationsmäßigen Wiederverankerung“ verstanden wird (ebd., S.357).
In explikativer Hinsicht werden die Möglichkeiten dieser Art von Wiederverankerung erläutert, die durch Verfügungsverhältnisse auf der Empfängerseite begrenzt sind (ebd., S.355). Außerdem werden die Besitz- und Kontrollverhältnisse über diese Informationsmedien auf der Senderseite geklärt, welche als allokative Ressourcen zu verstehen sind (ebd., S.355). Als allokative Ressourcen sind hier die Zusammensetzung und Besitzverhältnisse sowie und politische Einflussnahme der Informationsmedien von Interesse (ebd., S.357).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des theoretischen Rahmens der Sozialgeographie und Definition des Untersuchungsgegenstandes der Medienkampagne „#Dorfkinder“.
2 Sozialgeographie alltäglicher Regionalisierung: Einführung der Kerntheorie von Benno Werlen und Abgrenzung von verankerten zu entankerten Lebensformen.
3 Informativ-signifikative Regionalisierungen: Theoretische Herleitung der Forschungsbereiche „Geographien der Information“ und „Geographien symbolischer Aneignung“.
4. #Dorfkinder - so stärkt das BMEL das Leben auf dem Land: Dokumentation der Kampagne des BMEL, die durch soziale Medien ein spezifisches Bild ländlicher Räume vermitteln soll.
5. #Dorfkinder-Kampagne als Forschungsgegenstand der Geographien der Information und Geographien symbolischer Aneignung: Empirische Untersuchung der Kampagne hinsichtlich ihrer Informationswege und der symbolischen Konstruktion des „Dorfes“.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Rolle sozialer Medien bei der Raumkonstruktion und Beantwortung der Forschungsfrage hinsichtlich der „Wiederverankerungen“.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung aller verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Sozialgeographie, Alltägliche Regionalisierung, Benno Werlen, Geographien der Information, Geographien symbolischer Aneignung, #Dorfkinder, BMEL, Wiederverankerung, Raumkonstruktion, Soziale Medien, Ländlicher Raum, Medienkampagne, Bedeutungskonstitution, Informationsempfang, Spät-moderne Lebensformen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die sozialgeographische Bedeutung von Medienkampagnen, insbesondere wie durch gezielte Informationsflüsse in sozialen Netzwerken Räume und deren Bedeutung konstruiert werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Sozialgeographie nach Benno Werlen, die Unterscheidung zwischen verankerten und entankerten Lebensformen sowie die Untersuchung von Medieninhalten als Form der Regionalisierung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, inwiefern soziale Medien Einfluss auf die Bedeutungskonstitution von Räumen nehmen und ob sich Werlens Konzept der „Wiederverankerung“ in der BMEL-Kampagne „#Dorfkinder“ wiederfindet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen deskriptiv-analytischen sowie explikativen Ansatz innerhalb der geographischen Forschung, um Informationsflüsse und symbolische Aneignungsprozesse im Kontext der Medienkampagne zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung der informativ-signifikativen Regionalisierungen und die empirische Anwendung dieser Konzepte auf Twitter-Posts und Kampagnenbilder des BMEL.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Sozialgeographie, alltägliche Regionalisierung, Geographien der Information, symbolische Aneignung und Wiederverankerung.
Warum wurde die „#Dorfkinder-Kampagne“ als Beispiel gewählt?
Die Kampagne des BMEL dient als aktuelles, mediatisiertes Beispiel, um zu zeigen, wie gezielte Bildsprache und Hashtags dazu genutzt werden, ein spezifisches, „heiles“ Bild des dörflichen Lebens zu konstruieren.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor im Fazit?
Der Autor stellt fest, dass soziale Medien eine hohe Bedeutung für die Wiederverankerung unter entankerten Lebensformen haben, wobei die Empfänger durch ihre Reaktion auf die Kampagne eine wichtige Kontrollfunktion einnehmen.
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- Sebastian Brandt (Autor), 2022, Informativ-signifikative Regionalisierungen. Die #Dorfkinder-Kampagne des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1285457