Der vorliegende Text von Peter Schöttler über Furcht und Notwendigkeit des linguistischen Paradigmenwechsels im 20. Jahrhundert liefert Überlegungen zu der Eingrenzung des Diskursbegriffes, den theoretisch und empirischen Bezügen des sprachlichen Wandels („linguistic turn“) und ihrer Bedeutung für die Geschichts- und andere [...]
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Der Begriff des Diskurses als bedeutendste Wortneuschöpfung der „letzten Jahrzehnte“
1. Frage: Was ist unter dem Begriff „Diskurs“ zu verstehen?
2. Frage: Was ist unter dem Begriff „linguistic turn“ zu verstehen?
3. Frage: Was ist daran so erschreckend, woher kommt diese Angst?
Kommentare
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Arbeit setzt sich kritisch mit Peter Schöttlers Analyse zum „linguistic turn“ und der Entwicklung des Diskursbegriffs auseinander, um deren Bedeutung und Nutzen für die Geschichtswissenschaft zu evaluieren und die Ängste innerhalb der historischen Fachwelt zu hinterfragen.
- Bedeutung und Begriffsgeschichte des „Diskurses“
- Differenzierung theoretischer Konzepte in der Geschichtswissenschaft
- Analyse des „linguistic turn“ und seiner historischen Strömungen
- Ursachen für die fachwissenschaftliche Skepsis gegenüber sprachanalytischen Methoden
- Reflexion der eigenen Rolle als angehender Historiker in Bezug auf moderne Theoriebildung
Auszug aus dem Buch
3. Frage: Was ist daran so erschreckend, woher kommt diese Angst?
Dieser von Devereux beschriebene Prozess von der Sklaverei der Normalwissenschaft sei nur durch ehrliche und kritische Selbstrefelxion überwindbar und neue Denkmodelle immer zunächst Zeugnis von „Außenseitertum“[erinnert an Marx’ Aussage wonach alle herrschenden Gedanken die Gedanken der Herrschenden sind], welche nach und nach eine Standardisierung erfahren bis niemand mehr weißt „wer was wann gesagt“ hätte (S. 146).
Schöttler nennt für diese Angst vor dem Fremden [erinnert an den kürzlich zu bearbeitenden Radiobeitrag bzgl „Eigenem und Fremden“ -> Bezug zu Eingangszitat Hölderlin] 3 Gründe: 1. die grundlegende Angst vor Veränderung. Hier prangert schöttler die fehlende Flexibilität der „Berufswissenschaftler“ an (S.147). 2. nennt Schöttler die Angst vor einem Hegemonieverlust gegenüber fremden Theoriemodellen [Bspw. die Abwehr der Annales] (S.147), was aber niemand zugeben dürfe 3. die Angst vor der Literatur mit der These dass Sprache den Wissenschaftler beherrsche (S. 149). Es sei die Angst vor einem neuen „Primat“ [der Sprache] auf etwas [wie der Marxismus das Primat der Ökonomie erklärt], gepaart mit wissenschaftlicher Eitelkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Der Abschnitt führt in die Thematik des sprachlichen Wandels und die Bedeutung des linguistischen Paradigmenwechsels für die Geschichtswissenschaft ein.
Der Begriff des Diskurses als bedeutendste Wortneuschöpfung der „letzten Jahrzehnte“: Hier wird die Entwicklung des Diskursbegriffs von seinen Ursprüngen bis zur heutigen, teils inflationären Verwendung in verschiedenen Lebensbereichen nachgezeichnet.
1. Frage: Was ist unter dem Begriff „Diskurs“ zu verstehen?: Das Kapitel beleuchtet die Uneindeutigkeit des Begriffs durch den Vergleich zwischen dem philosophischen Konzept von Jürgen Habermas und dem sozialwissenschaftlichen Ansatz von Michel Foucault.
2. Frage: Was ist unter dem Begriff „linguistic turn“ zu verstehen?: Es wird der „linguistic turn“ als kulturgeschichtliche Neuorientierung definiert und in zwei wissenschaftsgeschichtliche Stränge unterteilt, um die Vielschichtigkeit der Debatte aufzuzeigen.
3. Frage: Was ist daran so erschreckend, woher kommt diese Angst?: Die Untersuchung der fachinternen Widerstände gegen neue Denkmodelle und sprachanalytische Ansätze wird anhand dreier zentraler Ursachen analysiert.
Kommentare: Ein persönliches Resümee reflektiert die Argumentationsstruktur des Ausgangstextes, dessen Lesbarkeit sowie den Erkenntnisgewinn für das eigene Studium.
Schlüsselwörter
Linguistic Turn, Diskurs, Geschichtswissenschaft, Michel Foucault, Jürgen Habermas, Sprachanalyse, Paradigmenwechsel, Historiker, Kulturgeschichte, Theoriebildung, Methodik, Fachdiskurs, Wissenschaftstheorie, Sprachwandel, Postmoderne
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Text primär?
Die Arbeit behandelt die Analyse von Peter Schöttler zur Bedeutung des „linguistic turn“ und des Diskursbegriffs für die Geschichtswissenschaft.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die Begriffsdefinition von „Diskurs“, die verschiedenen Strömungen des „linguistic turn“ und die Gründe für die Vorbehalte gegenüber diesen Ansätzen in der Historikerzunft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu hinterfragen, welchen Nutzen der „linguistic turn“ für angehende Historiker bietet und warum dieser Prozess bei vielen Forschenden Ängste auslöst.
Welche methodischen Ansätze werden thematisiert?
Es werden primär sprachanalytische Betrachtungsweisen untersucht, insbesondere die diskursanalytischen Konzepte von Habermas und Foucault.
Was deckt der Hauptteil ab?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Fragenkomplexe, die das Verständnis des Diskursbegriffs, die Einordnung des „linguistic turn“ und die psychologischen Hintergründe der fachwissenschaftlichen Skepsis erörtern.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Diskursanalyse, linguistic turn, wissenschaftliche Identität und den Paradigmenwechsel in der Geschichtsschreibung geprägt.
Warum unterscheidet der Autor zwischen zwei „Strängen“ des linguistic turn?
Die Unterscheidung dient dazu, die unterschiedlichen wissenschaftsgeschichtlichen Wurzeln und Anwendungsbereiche der sprachanalytischen Methoden innerhalb der Kulturgeschichte strukturiert darzulegen.
Wie bewertet der Autor den Einfluss von Michel Foucault und Jürgen Habermas?
Er stellt deren gegensätzliche Konzepte gegenüber, um aufzuzeigen, wie eine unreflektierte Vermengung dieser Ansätze zu inhaltlichen Problemen und Sinnentfremdungen führen kann.
Gibt es eine konkrete Schlussfolgerung für die Praxis des Historikers?
Ja, der Autor kommt zu dem Fazit, dass fundierte Sprachanalyse trotz der bestehenden Ängste ein wertvolles Werkzeug ist, um historische Wirklichkeit präziser zu erfassen.
Warum wird der Begriff „Diskurs“ als „Allerweltsbegriff“ bezeichnet?
Aufgrund seiner weiten Verbreitung in allen Lebensbereichen wie Politik und Medien verliert der Begriff nach Ansicht des Autors an scharfer Definition und droht zur bloßen Modeerscheinung zu verkommen.
- Quote paper
- Tom Zeddies (Author), 2009, Exzerpt zu Peter Schöttler "Wer hat Angst vor dem ‚linguistic turn’?", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128602