Die Proseminararbeit soll einen Überblick über Themengebiete schaffen, die in dem Leben der Wanderschauspielerinnen oder
Wanderschauspieler eine Rolle gespielt haben könnten. Eine wichtige Literaturquelle stellten dabei die Lebenserinnerungen der Wanderkomödiantin Karoline Schulze-Kummerfeld dar, die, in der folgenden schriftlichen Darlegung immer wieder Anklang finden werden. Eingeführt wird die Arbeit mit einer historischen Eingliederung und allgemeinen Erläuterungen der Machtverhältnisse und Begriffsbezeichnungen
Inhaltsübersicht
Einleitung
Geschichtlicher Hintergrund
Hof-, Stadt-, Unternehmer- und Wandertheater
Die Theaterdirektion und ihre Macht
Das Theaterstück
Necessaria
Männer und Frauen in der Wandertruppe: sozialer Status und künstlerisches Selbstverständnis
Herkunft und Motivation wandernder Darstellerinnen und Darsteller
Sozialprestige in der Öffentlichkeit
Ansehen bei Kirche und Geistlichkeit
Ansehen bei Bürgertum und Adel
Verhältnis zum Adel
Eingrenzung der Berufsbezeichnung
Materielle Situation und ökonomische Potenz
Gagen und andere Einnahmequellen
Karrieremöglichkeiten und –grenzen für Komödianten und Komödiantinnen
Vom Schauspieler zum Prinzipal
Ein Traum der Sesshaftigkeit
Soziale Position innerhalb der Wandergesellschaften
Das öffentliche Privatleben: Möglichkeiten persönlicher Freiheit an der Wanderbühne
Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Wanderschauspielern in der Frühen Neuzeit. Dabei wird insbesondere analysiert, welchen sozialen Status diese Akteure innerhalb der Gesellschaft innehatten und wie sie mit ökonomischen Herausforderungen sowie gesellschaftlicher Ablehnung umgingen.
- Historische Einordnung und Struktur der Wanderbühnen
- Sozialer Status und Stigmatisierung durch Kirche und Gesellschaft
- Materielle Lebensbedingungen und ökonomische Überlebensstrategien
- Geschlechtsspezifische Herausforderungen und Karrieremöglichkeiten
- Einfluss der Theaterdirektion und Abhängigkeitsverhältnisse
Auszug aus dem Buch
Die Theaterdirektion und ihre Macht
Ein Theaterdirektor von Stadt-oder Unternehmertheatern hatte weitreichende Befugnisse, denn er war verantwortlich für die Einstellung und Entlassung des Ensembles und bestimmte die Bezahlung der Schauspielerinnen und Schauspieler, Stückewahl und Rollenverteilung und führte oft auch Regie. Direktoren der Hoftheater waren von der Zensur abhängig, wie auch vom Hof selbst. Die frühesten Zensurbestimmungen waren gegen die Wanderbühne oder improvisierte Schauspiele. Während die Theaterdirektoren mit unzureichenden Geldmitteln und der Zensur kämpfen mussten, hatten die Schauspielerinnen und Schauspieler Schwierigkeiten mit den Direktoren ihrer Theater. Ein Vertrag zwischen den Schauspielerinnen und Schauspieler und dem Theaterdirektor war darauf ausgereichtet, die Schauspielerin oder den Schauspieler möglichst abhängig zu machen. Die Theaterdirektion hatte die Macht über das Personal das Repertoire, die Rollenverteilung und den Bestimmungen der Theaterverträge. In der Regel wurden die Schauspielerinnen und Schauspieler auf eine zweimonatige Probezeit angestellt, während der Direktor eine beliebig festzusetzende Kündigungsfrist hatte. Danach wurde der Vertrag auf weitere zehn Monate verlängert, mit dreimonatiger Kündigungsfrist für die Direktion. Die Schauspielerinnen und Schauspieler durften den Vertrag nie kündigen und nicht weigern, eine Rolle zu spielen. Frauen waren für ihre gesamte Garderobe selbst verantwortlich und Männer mussten sich nur einen Teil der Garderobe anschaffen. Der Vertrag zwang sie, sich auch, während ihrer Freizeit in der Nähe des Theaters aufhalten zu müssen. Bestandteil des Vertrags war auch die Untersagung, in öffentlichen oder Privatvereinen zu singen, deklamieren, demonstrieren oder Reden zu halten. Außerdem sind Verordnungen für Krankheit, Versäumnis, Unpünktlichkeit bei Proben und Zeit zum Umkleiden angeführt. Bei Verstößen darf mit Gehaltskürzung oder Entlassung gedroht werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einführung erläutert den Fokus auf die Geschichte der deutschen Wanderbühne in der Frühen Neuzeit unter Rückgriff auf die Lebenserinnerungen von Karoline Schulze-Kummerfeld.
Geschichtlicher Hintergrund: Das Kapitel strukturiert die Entwicklung der Wanderbühne in vier Phasen und beschreibt die Abhängigkeit von Messen, Märkten und behördlichen Auftrittsgenehmigungen.
Hof-, Stadt-, Unternehmer- und Wandertheater: Hier werden die unterschiedlichen Finanzierungsmodelle und Arbeitsbedingungen zwischen subventionierten Hoftheatern und existenzbedrohten Wandertruppen gegenübergestellt.
Die Theaterdirektion und ihre Macht: Dieses Kapitel thematisiert die absolute Abhängigkeit der Schauspieler von den Direktoren durch restriktive Knebelverträge und die umfassende Kontrolle der sozialen und beruflichen Existenz.
Das Theaterstück: Inhaltsanalysen der Dramen und eine Übersicht der notwendigen Requisiten („Necessaria“) geben Einblick in die ästhetische Praxis der Bühnen.
Männer und Frauen in der Wandertruppe: sozialer Status und künstlerisches Selbstverständnis: Dieses Kapitel befasst sich mit der sozialen Herkunft der Akteure und dem Zwang zur Professionalisierung aus der Not heraus.
Sozialprestige in der Öffentlichkeit: Hier wird die massive Ablehnung durch den Klerus sowie die Diskriminierung durch das bürgerliche Umfeld dargelegt.
Verhältnis zum Adel: Das Kapitel beschreibt die ambivalente Schutzbeziehung zwischen den unterhaltungsbedürftigen Adelshöfen und den Wandertruppen.
Eingrenzung der Berufsbezeichnung: Die Untersuchung der Begrifflichkeiten zeigt auf, wie der abwertende Begriff „Komödiant“ von den Künstlern abgegrenzt werden sollte.
Materielle Situation und ökonomische Potenz: Dieses Kapitel verdeutlicht den Zusammenhang zwischen dem niedrigen Sozialstatus und der prekären wirtschaftlichen Lage, die Nebenverdienste erforderlich machte.
Karrieremöglichkeiten und –grenzen für Komödianten und Komödiantinnen: Die Perspektiven auf Aufstieg innerhalb der Truppe oder die Gründung einer eigenen Gesellschaft werden hier analysiert.
Soziale Position innerhalb der Wandergesellschaften: Dieses Kapitel widmet sich der internen Hierarchie und den Rivalitäten innerhalb der Schauspielergesellschaften.
Das öffentliche Privatleben: Möglichkeiten persönlicher Freiheit an der Wanderbühne: Die Diskrepanz zwischen bürgerlichen Moralvorstellungen und der tatsächlichen Lebensweise der fahrenden Künstler wird hier thematisiert.
Resümee: Die Zusammenfassung bündelt die Erkenntnisse über die Abhängigkeiten, die soziale Ausgrenzung und die prekären Arbeitsbedingungen der Wanderschauspieler.
Schlüsselwörter
Wanderbühne, Frühe Neuzeit, Wanderschauspieler, Karoline Schulze-Kummerfeld, Theaterdirektion, Sozialstatus, Berufsbezeichnung, Theaterverträge, Ökonomische Potenz, Gesellschafskritik, Moralvorstellungen, Wandertruppen, Theatergeschichte, Lebensbedingungen, Prekarität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Lebensrealität und der sozialen Einordnung fahrender Schauspielergesellschaften im deutschsprachigen Raum während der Frühen Neuzeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die soziale Stigmatisierung durch Kirche und Öffentlichkeit, das strenge Abhängigkeitsverhältnis zum Theaterdirektor sowie die prekäre wirtschaftliche Lage der Akteure.
Was ist das Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, einen Überblick über die Lebensbedingungen der Wanderschauspieler zu geben und aufzuzeigen, welchen sozialen Herausforderungen sie in einer von Sesshaftigkeit geprägten Gesellschaft begegneten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung stützt sich auf eine historische Literaturanalyse und wertet insbesondere die Lebenserinnerungen der zeitgenössischen Akteurin Karoline Schulze-Kummerfeld aus.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Aspekte des Schauspielerlebens, darunter rechtliche und finanzielle Bedingungen, interne Hierarchien sowie das Verhältnis zu Adel, Bürgertum und Kirche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie "Wanderbühne", "Prekarität", "sozialer Status" und "Karoline Schulze-Kummerfeld" charakterisiert.
Warum war das Leben als Wanderschauspieler aus Sicht der Kirche problematisch?
Die Kirche betrachtete das Theater als Betrug und Fälschung der Wirklichkeit; zudem entzogen sich die nicht sesshaften Truppen der geistlichen Kontrolle, was zu zahlreichen Vorurteilen führte.
Wie wirkte sich die Theaterdirektion auf die Schauspieler aus?
Die Direktion besaß fast absolute Macht durch Knebelverträge, die von den Schauspielern vollständige Unterwerfung und Verfügbarkeit forderten, bei gleichzeitigem Ausschluss jeglicher Eigenständigkeit.
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- Anonym (Author), 2018, Die deutsche Wanderbühne, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1286811