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Gewalt an Frauen in Familien mit türkischem Migrationshintergrund

Hilfsangebote der Sozialen Arbeit

Título: Gewalt an Frauen in Familien mit türkischem Migrationshintergrund

Tesis de Máster , 2022 , 62 Páginas , Calificación: 1,5

Autor:in: Tilmann Wörner (Autor)

Trabajo social
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Häusliche Gewalt stellt eine Menschenrechtsverletzung dar, von der hauptsächlich Frauen betroffen sind. Diese Gewaltform erfolgt im sozialen Nahraum zwischen Individuen, die einander nahestehen. Sozialarbeitende werden in den verschiedensten Bereichen der Sozialen Arbeit mit häuslicher Gewalt konfrontiert. Denn neben speziellen Beratungs- und Zufluchtsstellen, die sich auf Opfer von häuslicher Gewalt ausrichten, ist diese Thematik beispielsweise auch für Regeleinrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe relevant.

Der Sozialen Arbeit kommt die Aufgabe zu, fachlich fundierte Präventions- und Interaktionsansätze umzusetzen, mit denen häusliche Gewalt verhindert bzw. bekämpft werden kann. Prinzipiell ist häusliche Gewalt eine Problematik, die hierzulande über weite Strecken des 20. Jahrhunderts tabuisiert war. Wissenschaftsdisziplinen wie die Soziale Arbeit und die Soziologie sowie gesellschaftliche Akteurinnen und Akteure (z. B. Frauenbewegung, Opferverbände) haben in den letzten Jahrzehnten dazu beigetragen, dass sich das soziopolitische Problembewusstsein für häusliche Gewalt erhöht hat.

Die zahlenmäßig größte Migrantengruppe in Deutschland sind Menschen mit einem türkischen Migrationshintergrund. Hieraus leitet sich für die Soziale Arbeit die Notwendigkeit ab, die Hilfsangebote bezüglich häuslicher Gewalt auf Frauen mit türkischem Migrationshintergrund auszurichten. Im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit steht nun folgende Forschungsfrage: Welche inhaltlich-konzeptionelle Gestaltung sollten Hilfsangebote aufweisen, die sich an von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen mit türkischem Migrationshintergrund wenden?

In methodischer Hinsicht erfolgt eine Auswertung von theoretischer und praxisbezogener Literatur. Der Fokus liegt vor allem auf theoretischen Texten, die der Soziale Arbeit zuzuordnen sind und die sich mit häuslicher Gewalt auseinandersetzen. Besonders zielführend sind Beiträge, die sich auf die Betreuung von Frauen mit (türkischem) Migrationshintergrund beziehen. Zudem werden soziologische und kulturwissenschaftliche Texte herangezogen, die die familiäre und sozioökonomische Situation von türkischen Migrantinnen in der Bundesrepublik behandeln.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

1.2 Aufbau der Arbeit

2. Von häuslicher Gewalt betroffene Frauen mit türkischem Migrationshintergrund

2.1 Definition von häuslicher Gewalt

2.2 Erscheinungsformen von häuslicher Gewalt

2.2.1 Psychische Gewalt

2.2.2 Physische Gewalt

2.2.3 Sexuelle Gewalt

2.2.4 Ökonomische Gewalt

2.3 Lebenssituation türkischer Migrantinnen in Deutschland

2.4 Ausmaß und Charakteristika von häuslicher Gewalt an Frauen in türkischen Herkunftsfamilien

2.4.1 Physische und sexuelle Gewalt an türkischen Frauen

2.4.2 Psychische Gewalt an türkischen Frauen

2.5 Folgewirkungen der häuslichen Gewalt an Frauen in türkischen Herkunftsfamilien

2.6 Hintergründe und Erklärungsansätze für die spezifische häusliche Gewalt an türkischen Migrantinnen

2.6.1 Stellung von Frauen in der türkischen Kultur

2.6.2 Häusliche Gewalt an Frauen in der Türkei

2.6.3 Ehrverletzungen als Gewaltmotiv

2.6.4 Wirkung von Integrationsschwierigkeiten auf die Praktizierung von häuslicher Gewalt

3. Allgemeine Hilfsangebote bei häuslicher Gewalt

3.1 Überblick über das Spektrum an relevanten Institutionen

3.2 Beratungsstellen und Frauennotrufe der Sozialen Arbeit

3.3 Hilfsangebote von Frauenhäuser

3.4 Zufluchtswohnungen

3.5 Namensänderung bzw. langfristige Anonymisierung

3.6 Täterarbeit

3.7 Methodentrias der Sozialen Arbeit im Kontext des Arbeitsfelds der häuslichen Gewalt

4. Besonderheiten der Hilfsangebote für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen mit türkischem Migrationshintergrund

4.1 Ausrichtung auf Frauen mit türkischem Migrationshintergrund durch Beratungsstellen

4.1.1 Anpassung des Beratungsangebots

4.1.2 Beispiele für interkulturelle Beratungsstellen

4.1.3 Einbezug der Öffentlichkeit durch Beratungsstellen

4.2 Ausrichtung auf Frauen mit türkischem Migrationshintergrund durch Frauenhäuser

4.3 Täterarbeit mit Männern mit türkischem Migrationshintergrund

5. Zusammenfassung und Fazit

5.1 Implikationen für die wissenschaftliche Auseinandersetzung

5.2 Implikationen für die Praxis

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, welche spezifischen Besonderheiten Hilfsangebote der Sozialen Arbeit aufweisen sollten, um von häuslicher Gewalt betroffene Frauen mit türkischem Migrationshintergrund effektiv zu unterstützen und zu erreichen.

  • Analyse der Lebenssituation und Problemlagen türkischer Migrantinnen in Deutschland.
  • Untersuchung kulturbezogener Erklärungsfaktoren für häusliche Gewalt, insbesondere Ehrbegriff und Patriarchat.
  • Evaluation bestehender allgemeiner Hilfs- und Interventionsangebote im Kontext häuslicher Gewalt.
  • Identifikation kultursensibler Anforderungen an die Beratung und Betreuung durch soziale Einrichtungen.
  • Diskussion der Bedeutung von Täterarbeit und Integrationsfaktoren für den Opferschutz.

Auszug aus dem Buch

2.6.3 Ehrverletzungen als Gewaltmotiv

Die türkische Kultur kann als eine Kultur angesehen werden, in der der Ehrbegriff eine große Bedeutung einnimmt. Die türkischen Begriffe ‚Namus‘ und ‚Seref‘, die mit ‚Ehre‘ ins Deutsche übersetzt werden können, enthalten viele positive Werte wie Zugendhaftigkeit, Zuverlässigkeit, Treue, Gastfreundschaft oder Aufrichtigkeit. Wenn sich der türkische Ehrbegriff auf die Rolle der Frau bezieht, kommt häufig eine konservative, patriarchalische Sichtweise zum Ausdruck. Diese Sichtweise kann die Entstehung von häuslicher Gewalt gegen Frauen begünstigen. Es ist hervorzuheben, dass es in der türkischen Kultur auch viele Menschen gibt, die den geschlechtsbezogenen Ehrbegriff nicht streng, sondern vielmehr liberal auslegen. Auch ist zu betonen, dass ein problematischer, patriarchalischer Ehrbegriff kein spezifisch türkisches Phänomen ist. So kann es in jeder Kultur Menschen geben, die den Ehrbegriff damit verknüpfen, dass Frauen einem konservativen Geschlechtsstereotyp entsprechen sollen (Cakil 2018: 75-78).

Kennzeichnend für Gesellschaften, in denen das Ehrkonzept vorherrschend ist, sind die elementare Bedeutung der Großfamilie als Lebens- und Wirtschaftseinheit, eine vorindustriell-agrarische Wirtschaftsstruktur sowie eine ausgeprägte patriarchalische Kultur. Die Lebensbereiche und Rolle der beiden Geschlechter sind streng voneinander getrennt, wobei die Frauen gegenüber den Männern als untergeordnet angesehen werden (Oberwittler / Kasselt 2011: 15-16). Mit patriarchalischen Gesellschafts- bzw. Familienstrukturen ist typischerweise verbunden, dass sich die weiblichen gegenüber den männlichen Familienmitgliedern unterwürfig zeigen müssen (Duman 2015: 23). Frauen nehmen in diesen Gesellschaften kaum am öffentlichen Leben teil, sondern sind auf den Bereich des Haushalts und der Kindererziehung beschränkt (Oberwittler / Kasselt 2011: 15-16). In diesen traditionellen Gesellschaften werden die Frauen häufig nicht als eine eigenständige Persönlichkeit betrachtet, sondern stellen gewissermaßen das Eigentum des Mannes dar. Der Hintergrund dieser sozialen Norm kann darin gesehen werden, die Selbstbestimmung und Sexualität der Frauen zu kontrollieren (Vera – Fachstelle gegen Frauenhandel und Zwangsverheiratung in Sachsen-Anhalt 2014: 5).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz von häuslicher Gewalt als Menschenrechtsverletzung und definiert die Zielgruppe sowie die Forschungsfrage der Arbeit.

2. Von häuslicher Gewalt betroffene Frauen mit türkischem Migrationshintergrund: Dieses Kapitel erläutert Definitionen, Erscheinungsformen sowie spezifische kulturelle und soziale Hintergründe der häuslichen Gewalt in diesem Kontext.

3. Allgemeine Hilfsangebote bei häuslicher Gewalt: Es folgt ein Überblick über das institutionelle Hilfesystem, inklusive Beratungsstellen, Frauenhäusern und Täterarbeit, sowie deren methodische Ansätze.

4. Besonderheiten der Hilfsangebote für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen mit türkischem Migrationshintergrund: Hier werden spezifische Anpassungen in der Beratung und Betreuung sowie Herausforderungen der interkulturellen Arbeit analysiert.

5. Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und leitet Implikationen für die künftige wissenschaftliche Forschung und die sozialpädagogische Praxis ab.

Schlüsselwörter

Häusliche Gewalt, Soziale Arbeit, türkischer Migrationshintergrund, Frauenhäuser, Beratungsstellen, Ehrbegriff, Patriarchat, kultursensible Beratung, Täterarbeit, Gewaltprävention, Interventionskonzepte, Integration, Frauenrechte, Zwangsheirat, Empowerment.

Häufig gestellte Fragen

Was ist das grundlegende Thema dieser Arbeit?

Die Publikation befasst sich mit der Situation von Frauen mit türkischem Migrationshintergrund, die in Deutschland von häuslicher Gewalt betroffen sind, und analysiert die Rolle der Sozialen Arbeit.

Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?

Zentral sind die Erscheinungsformen von Gewalt, die soziale und kulturelle Lebenssituation betroffener Frauen sowie die Wirksamkeit und Ausrichtung existierender Hilfsangebote.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, Besonderheiten und Handlungsbedarfe zu identifizieren, damit Hilfsangebote (Beratung, Frauenhäuser) besser auf die Bedürfnisse von türkischen Migrantinnen zugeschnitten werden können.

Welche methodische Vorgehensweise wurde gewählt?

Es handelt sich um eine Auswertung theoretischer und praxisbezogener Literatur, die soziologische, kulturspezifische sowie sozialarbeiterische Fachbeiträge umfasst.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Gewaltformen und ihrer Ursachen im Kontext der türkischen Kultur sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem institutionellen Hilfesystem.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Schlagworte sind häusliche Gewalt, Migrationshintergrund, kultursensible Beratung, patriarchalische Strukturen, Täterarbeit und Interventionsmethodik.

Warum spielt das Ehrkonzept eine Rolle bei der Gewaltentstehung?

Das Ehrkonzept fungiert oft als soziale Norm, die zur Kontrolle über Frauen eingesetzt wird; bei einem tatsächlichen oder vermeintlichen Ehrverlust drohen Sanktionen, die in Extremfällen bis zu Gewalt führen können.

Warum ist die Arbeit mit Tätern mit türkischem Migrationshintergrund so wichtig?

Die Arbeit betont, dass ohne eine direkte Einbeziehung der Täter, die zudem kultursensibel erfolgt, keine nachhaltige Gewaltprävention stattfinden kann, da Täter oft veraltete Geschlechterrollen internalisiert haben.

Warum stoßen Frauen mit türkischem Hintergrund oft auf Zugangsbarrieren bei Hilfsangeboten?

Häufige Gründe sind fehlendes Wissen über das Hilfesystem, Sprachbarrieren, die soziale Isolation innerhalb des familiären Umfelds sowie die Angst vor Stigmatisierung.

Final del extracto de 62 páginas  - subir

Detalles

Título
Gewalt an Frauen in Familien mit türkischem Migrationshintergrund
Subtítulo
Hilfsangebote der Sozialen Arbeit
Universidad
University of Duisburg-Essen
Calificación
1,5
Autor
Tilmann Wörner (Autor)
Año de publicación
2022
Páginas
62
No. de catálogo
V1287055
ISBN (Ebook)
9783346744708
ISBN (Libro)
9783346744715
Idioma
Alemán
Etiqueta
partnerschaftliche Gewalt Türkei Sozialpädagogik Sozialarbeit Hilfsmaßnahmen Intervention Beratungsstellen Kultur Ehrverletzung Ehre Frauenhäuser psychische Gewalt sexuelle Gewalt physische Gewalt Zufluchtswohnungen ökonomische Gewalt Gewaltmotiv Familie Partner körperliche Gewalt seelische Gewalt Migrantinnen Migranten Methodentrias Verletzung Täterarbeit pädagogik familiäre Gewalt Empowerment interkulturelle Partnerschaft türkischer
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Tilmann Wörner (Autor), 2022, Gewalt an Frauen in Familien mit türkischem Migrationshintergrund, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1287055
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