[...] Im Kapitel 2 wird zunächst der Begriff der impliziten Option definiert und im Anschluss auf das Kreditgeschäft übertragen. Im nächsten Schritt werden die einzelnen im Kreditgeschäft enthaltenen Optionen identifizieren und analysiert. Der zentrale Bestandteil und gleichzeitig die Zielsetzung bilden die Gegenüberstellung der wissenschaftlich theoretischen Bewertung impliziter Optionen und deren bisherige Behandlung in der Praxis. Die Differenzen aus theoretischem und praktischem Ansatz werden kritisch diskutiert und mögliche Lösungswege aufgezeigt.
Im Ergebnis soll eine stärkere Sensibilisierung hinsichtlich der Zinskalkulation unter Berücksichtigung von impliziten Optionen erreicht werden.
Die Arbeit richtet sich insbesondere an wissenschaftliche interessierte Leser aus der Bank- und Finanzbranche. Innerhalb des Kreditgewerbes werden speziell die exekutiven Organe der Funktionsbereiche Unternehmenssteuerung, Controlling und Produktmanagement angesprochen.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich ausschließlich mit impliziten Optionen in Darlehensprodukten von Kreditinstituten. Die Bewertung dieser Optionen erfolgt teilweise unter der Beihilfe des Marktinformationssystems Bloomberg, da die Berechnung von einigen komplexen Optionen den Rahmen dieser Studienarbeit sprengt. Hierzu wird auf die geeignete Fachliteratur verwiesen. Ferner wird betreffend der impliziten Optionen auf eine Sensitivitätsanalyse verzichtet. Im Mittelpunkt steht vielmehr der Vergleich der Bewertungsergebnisse mit der Praxis. Bei der Bewertung von impliziten Optionen in Passivprodukten, insb. Wachstumszertifikate wird auf geeignete Fachliteratur verwiesen.
Die Berechnungen erfolgen auf Basis aktueller Marktdaten in dem Programm Microsoft Excel Version 2003. Eine Haftung für Vollständigkeit und Richtigkeit kann nicht übernommen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
1.1 PROBLEMSTELLUNG
1.2 VORGEHENSWEISE UND ZIELSETZUNG
1.3 THEMENABGRENZUNG
2. IMPLIZITE OPTIONEN
2.1 DEFINITIONEN
2.2 CHARAKTER VON IMPLIZITEN OPTIONEN
2.2.1 Differenzierung nach der Abhängigkeit von Marktpreisen
2.2.2 Differenzierung nach der Art des Ausübungsverhaltens
2.3 IMPLIZITE OPTIONEN IM KREDITGESCHÄFT
2.3.1 Das Bewertungsmodell
2.3.2 Sondertilgungsrechten bei Festzinsdarlehen
2.3.2.1 Vorbemerkungen und Prämissen
2.3.2.2 Einmalige vollständige Sondertilgungsrechte zu einem fest fixierten Zeitpunkt mittels europäischer Ausübung
2.3.2.3 Einmalige vollständige Sondertilgungsrechte zu einem beliebigen Zeitpunkt mittels amerikanischer Ausübung
2.3.2.4 Jährliche Sondertilgungsrechte mittels europäischer Ausübung
2.3.2.5 Jährliche Sondertilgungsrechte mittels amerikanischer Ausübung
2.3.2.6 Sondertilgungsrecht – So sieht die Praxis aus
2.3.3 Angebotsoptionen im Darlehensgeschäft
2.3.3.1 Vorbemerkungen
2.3.3.2 Lösungsansatz und Übertragung in die Praxis
2.3.3.3 Kritische Würdigung und Schlussfolgerung
2.3.4 Nichtabnahme bzw. verspätete Abnahme des Darlehens durch den Kunden
2.3.4.1 Nichtabnahmeentschädigung
2.3.4.2 Verlängerung der Bereitstellungszeit
2.3.5 Bewertung von einseitigen Kündigungsklauseln bei Festzinsdarlehen
2.3.5.1 Vorbemerkungen
2.3.5.2 Kündigungsrechte durch den Darlehensnehmer
2.3.6 Tilgungskorridore bei Festzinsdarlehen
2.3.7 Bereitstellung einer Finanzierungsreserve
2.3.8. Berücksichtigung von Veränderungen des Credit Spreads
2.3.9 Verlängerungsoptionen beim Ablauf von Festzinsdarlehen
2.3.10 Implizite Optionen bei variablen Darlehen
3. SCHLUSSFOLGERUNG UND FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die Bewertung und Interpretation von impliziten Optionen in Kreditgeschäften. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen theoretisch-wissenschaftlichen Bewertungsmodellen und der praktischen Behandlung in Kreditinstituten aufzudecken, um eine präzisere, risikogerechte Zinskalkulation unter Berücksichtigung dieser impliziten Optionsrechte zu ermöglichen.
- Analyse der verschiedenen Arten impliziter Optionen in Darlehensprodukten.
- Gegenüberstellung theoretischer Bewertungsmodelle mit der gängigen Bankpraxis.
- Untersuchung von Sondertilgungsrechten und Angebotsoptionen.
- Bewertung von Kündigungsrechten und der Bonitätsveränderung (Credit Spreads).
- Entwicklung von Lösungsansätzen für eine verbesserte Preiskalkulation im Bankgeschäft.
Auszug aus dem Buch
2.3.2.3 Einmalige vollständige Sondertilgungsrechte zu einem beliebigen Zeitpunkt mittels amerikanischer Ausübung
Entgegengesetzt zum vollständigen Sondertilgungsrecht, das die Rückzahlung zu einem bestimmten Zeitpunkt vorzieht, ist bei der amerikanischen Ausübung die Sondertilgung zu jedem beliebigen Zeitpunkt innerhalb der Festzinsbindung möglich. Das Kreditinstitut schreibt eine amerikanische Receiver- Swaption, die entsprechend dem zugrunde liegenden Darlehen ausgestaltet ist. Im Unterschied zum europäischen Pendant sind hier die Optionslaufzeit (Vorlaufzeit der Option) und die anschließende Swaplaufzeit nicht im Vorhinein fixiert, da diese vom Kunden festgelegt werden. Theoretisch kann der Kunde noch am letzten Tag vor dem Ende der Festzinsbindung vom Sondertilgungsrecht Gebrauch machen. Folglich sind Optionslaufzeit und Swaplaufzeit maximal auf das Ende der Festzinsbindung begrenzt. Aufgrund der größeren Flexibilität, die dem Darlehensnehmer gewährt wird, ist bereits hier ersichtlich, dass der Optionspreis der amerikanischen Option tendenziell teurer sein muss als dies bei der gleich konstruierten europäischen Variante der Fall ist. Die Bewertung der amerikanischen Receiver- Swaption erfolgt jedoch analog der europäischen Vergehensweise. Allerdings ist die Berechnung wesentlich aufwendiger, da abhängig von der Entwicklung der Zinsstruktur prinzipiell jederzeit eine Ausübung vorgenommen werden kann. Im Rahmen dieser Arbeit wird deshalb auf die Ergebnisse aus den Marktinformationssystem Bloomberg zurückgegriffen.
Sofern dieselben Darlehens- und Swapparameter aus Fallstudie 2.1 angenommen werden, ergibt sich für die amerikanischen Receiver- Swaption ein Fair Value von 6.801,75 EUR. Der Zinsaufschlag müsste demnach im ersten Jahre 6,60 % betragen, bevor das Darlehen in den Jahren 2 bis 10 mit 5,00% verzinst wird. Kalkuliert das Kreditinstitut die implizite Optionsprämie nicht in den Zinssatz des ersten Jahres ein, entsteht ihr ein Nachteil, wenn der Darlehensnehmer das Sondertilgungsrecht innerhalb des ersten Jahres der Festzinsbindung ausübt. Wie in Fallstudie 2.1 ist deshalb die Reduzierung des Auszahlungsbetrags in Höhe der prozentualen Prämie zu erwägen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Darstellung der Problemstellung bezüglich der Bepreisung impliziter Optionen in Darlehensverträgen und Definition des Untersuchungsrahmens.
2. IMPLIZITE OPTIONEN: Detaillierte Analyse der theoretischen Grundlagen, Bewertungsmodelle und spezifischer Anwendungsfälle wie Sondertilgungen, Angebotsoptionen und Kündigungsklauseln im Kreditgeschäft.
3. SCHLUSSFOLGERUNG UND FAZIT: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse mit dem Appell an Kreditinstitute, implizite Optionen zur Vermeidung von Fehlkalkulationen künftig präziser in die Zinskalkulation einzubeziehen.
Schlüsselwörter
Implizite Optionen, Kreditgeschäft, Festzinsdarlehen, Sondertilgungsrechte, Angebotsoptionen, Swaptions, Fair Value, Zinsrisiko, Bonitätsveränderung, Credit Spreads, Zinskalkulation, Preiskalkulation, Risikomanagement, Finanzierungsentscheidung, Derivate.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und Bewertung von impliziten Optionen, die in Darlehensprodukten von Kreditinstituten enthalten sind und oft zu ungenauen Preiskalkulationen führen.
Welche sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die zentralen Felder umfassen die Definition impliziter Optionen, Bewertungsansätze für verschiedene Darlehenskomponenten wie Sondertilgungs- und Kündigungsrechte sowie die Herausforderungen der Zinskalkulation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine stärkere Sensibilisierung für die Notwendigkeit einer präzisen Bewertung impliziter Optionen, um eine risikogerechte Zinskalkulation zu gewährleisten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Arbeit nutzt finanzmathematische Bewertungsmodelle (unter anderem Black-76 und Hull-White) sowie Duplikationsportfolios und vergleicht diese mit den aktuellen, oft pauschalen Ansätzen der Bankpraxis.
Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifisch Sondertilgungsrechte (europäisch/amerikanisch), Angebotsoptionen, Nichtabnahmeentschädigungen, Kündigungsklauseln und den Einfluss von Bonitätsveränderungen auf den Credit Spread.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind implizite Optionen, Swaptions, Fair Value, Zinskalkulation und risikoadjustierte Preisgestaltung im Kreditwesen.
Wie unterscheidet sich die Bewertung bei "amerikanischen" Sondertilgungsrechten von "europäischen"?
Bei europäischen Rechten ist der Ausübungszeitpunkt fixiert, während bei amerikanischen Rechten die jederzeitige Ausübung innerhalb des Zeitraums möglich ist, was die Bewertung komplexer und den Optionspreis in der Regel höher macht.
Warum werden in der Praxis oft pauschale Gebühren statt exakter Bewertungen genutzt?
Die Praxis greift oft auf Pauschalen zurück, da die exakte finanzmathematische Bewertung sehr komplex ist, hohe Anforderungen an die interne IT-Struktur stellt und der Wettbewerb eine direkte Weitergabe hoher Optionsprämien an den Kunden erschwert.
- Quote paper
- Björn Nadolny (Author), 2009, Analyse, Bewertung und Interpretation von impliziten Optionen im Kreditgeschäft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128729