Hu Yepin´s "Nach Moskau" im Vergleich zu Henrik Ibsens "Nora"


Seminararbeit, 2008
13 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Henrik Ibsen´s „Nora (Ein Puppenheim)“
1.1 Der Autor
1.2 Das Stück

2 Hu Yepin´s „Nach Moskau“
2.1 Der Autor
2.2 Das Stück

3 „Nach Moskau“ und „Nora“ im direkten Vergleich
3.1 Unterschiede
3.2 Gemeinsamkeiten

4 Fazit

Literaturangaben:

Einleitung

Hu Yepin´s 1929 erschienener Kurzroman ´Nach Moskau´ ist „another variation of the Nora theme, but here the wife not only walks out on her husband but travels to Moscow with a new life in prospect.”[1] So behauptet es Xia Ji´an in seiner Analyse „The enigma of the five martyrs“, welche von den fünf bekannten chinesischen Schriftstellern handelt, die auf Grund ihrer Zugehörigkeit zur kommunistischen Partei und zur Liga linker Schriftsteller am 7. Februar 1931 hingerichtet worden waren.[2] Einer von diesen fünf Schriftstellern war Hu Yepin.

Jeder der ´Nach Moskau´ gelesen hat, sieht sofort, dass diese Behauptung schon einen grundlegenden Fehler aufweist: Die Frau, Su-shang, Protagonistin von ´Nach Moskau´ mag vielleicht vorgehabt haben, nach Moskau zu gehen. Ob sie dieses jedoch letzten Endes getan hat, bleibt ungewiss. Denn der Kurzroman endet damit, dass Su-shang sich von ihrem Freund Yeh Ping verabschiedet und einen Zug nach Shanghai besteigt. Von dort aus plant sie, weiter nach Moskau zu reisen, daher hätte Xia Ji´an treffender Weise schreiben müssen: „… but plans to travel to Moscow…“ Da er dies nicht getan hat, ist seine Aussage in dieser einen Hinsicht definitiv falsch. Ob sie auch in anderer Hinsicht falsch ist, soll sich im Rahmen dieser Arbeit zeigen. Ist ´Nach Moskau´ wirklich nur „another variation of the Nora theme“? Wie viel haben die beiden Werke gemeinsam und worin unterscheiden sie sich? Wäre es nicht vielleicht sogar möglich, dass Hu Yepin, der sich wie alle kommunistischen Autoren sehr für westliche Literatur interessierte, ´Nora` sogar kannte? Um das herauszufinden wurden für die Arbeit nur die beiden zu untersuchenden Werke selber zu Grunde gelegt, und nicht die Meinung Dritter hinzugezogen, in der Hoffnung so, eine möglichst objektive Darstellung zu ermöglichen.

Zunächst werden im ersten Kapitel der Autor Henrik Ibsen kurz vorgestellt und dann der Inhalt des Stückes ´Nora (Ein Puppenheim)´ in wenigen Sätzen dargestellt. Gleiches geschieht im zweiten Kapitel mit Hu Yepin´s ´Nach Moskau´. Das dritte Kapitel macht dann den eigentlichen Teil der Arbeit aus. Hier soll geklärt werden, welche Unterschiede (Kapitel 3.1) und welche Gemeinsamkeiten (Kapitel 3.2) zwischen den beiden Werken bestehen. Allerdings wird sich zeigen, dass es oftmals schwer ist, Unterschiede und Gemeinsamkeiten allzu stark voneinander zu trennen. Denn, was sich auf den ersten Blick als eine Gemeinsamkeit zeigt, mag in Wahrheit ein bedeutender Unterschied sein und andersrum. Im abschließenden Fazit (Kapitel 4) werden dann noch einmal die wichtigsten Punkte der Arbeit kurz zusammengefasst und die abschließende Frage geklärt, inwieweit `Nach Moskau´ tatsächlich „another variation of the Nora theme“ ist.

1 Henrik Ibsen´s „Nora (Ein Puppenheim)“

Um ein Stück zu verstehen, ist es immer auch wichtig, sich die Biographie des Autors zu vergegenwärtigen, denn oftmals finden sich hier interessante Parallelen. So ist es beispielsweise nicht verwunderlich, dass der Autor Henrik Ibsen, der eine Zeit lang in Italien lebte, die Protagonistin Nora gemeinsam mit ihrem Mann Torvald ebenfalls nach Italien in einen Erholungsurlaub schickt. Auch für den Vergleich der beiden zu untersuchenden Stücke ist es vorteilhaft, die wichtigsten Lebensdaten der Autoren zu kennen, weswegen nun in Kapitel 1.1, Henrik Ibsen und in Kapitel 1.2 sein Stück `Nora (Ein Puppenheim)´ kurz vorgestellt werden.

1.1 Der Autor

Henrik Johan Ibsen wurde am 20. März 1828 in Skien (Norwegen) als Kind einer vornehmen und wohlhabenden Familie geboren. Er hatte vier jüngere Geschwister und lebte auf dem Land, isoliert von der Stadtgesellschaft. Im Jahre 1851 wurde er der künstlerische Leiter des Norske Theaters in Bergen, zu dessen Repertoire er jedes Jahr ein Stück beisteuern sollte. 1857 übernahm Henrik Ibsen die Leitung des Norske Theaters in Kristiana (heutiges Oslo), welches jedoch 1862 Konkurs anmelden musste. Von 1864-1891 lebte Ibsen im freiwilligen Exil in Italien und Deutschland, in der Zeit entstanden auch viele seiner bedeutendsten Bühnenwerke. Henrik Ibsen war mit Suzannah Thoresen verheiratet, die beiden hatten einen Sohn. Henrik Ibsen verstarb am 23. Mai 1906 in Kristiana in Folge einer lang andauernden Krankheit.

Zu den bedeutendsten Stücken von Ibsen gehören unter anderem Stützen der Gesellschaft , Nora (Ein Puppenheim), Gespenster und Rosmersholm.

1.2 Das Stück

´Nora (Ein Puppenheim)´, ein Schauspiel in drei Akten. erschien zunächst 1879 unter dem Originaltitel ´Et dukkehjem´ in Norwegen Es wurde bereits kurz danach auf vielen Bühnen gespielt, wobei die Nora in diesen ersten Aufführungen ihren Mann der Kinder wegen nicht verließ.

Im Stück selbst sieht das jedoch anders aus. Nora und Torvald Helmer sind verheiratet und haben drei Kinder. Das Leben der beiden scheint perfekt zu sein, bis etwas Unerwartetes passiert. Zunächst erscheint Noras alte Schulfreundin Christine Linde auf der Bildfläche. Die beiden haben sich sehr lange nicht gesehen, und Nora erfährt, dass es ihrer Freundin längst nicht so gut gegangen ist, wie ihr selber. Denn im Gegensatz zu ihr, hat ihre Freundin selber sehr hart arbeiten müssen, um sich und die jüngeren Geschwister durchzubringen. Nora, deren Mann Torvald gerade die Stelle des Bankdirektors erhalten hat, kennt solche Probleme kaum, so scheint es. Doch ein weiterer unerwarteter Gast erscheint, an diesem Tag, kurz vor Weihnachten. Es ist Krogstad, ein Anwalt, der Nora einmal viel Geld geliehen hat, damit Torvald und sie nach Italien gehen konnten, um Torvalds schwere Krankheit auszukurieren. Doch Krogstad hatte Nora das Geld nur geliehen, weil sie auf dem Schuldschein die Unterschrift ihres Vaters, der zu dem Zeitpunkt bereits tot war, gefälscht hat. Nun fordert Krogstad, der mittlerweile in der Bank von Torvald arbeitet, Nora auf, ihren Mann zu überzeugen, ihm nicht zu kündigen. Andernfalls würde er ihrem Mann verraten, dass sie eine Unterschrift gefälscht hat. So versucht Nora Torvald mit allen Tricks davon abzubringen, dem Anwalt zu kündigen, - vergebens. Krogstad schreibt Torvald einen Brief, in dem er ihm alles erzählt und droht die Sache öffentlich zu machen, sollte ihm tatsächlich gekündigt werden. Doch noch liegt der Brief ungeöffnet im Briefkasten. Nora aber wagt es nicht, sich ihrem Mann oder dem gemeinsamen Freund, Dr. Rank, der ihr sicher das Geld, das sie Krogstad noch schuldet, leihen würde, anzuvertrauen und beichtet die ganze Geschichte nur ihrer alten Freundin Christine. Diese nimmt die Sache in die Hand und schließlich schafft sie es, da sie früher einmal mit dem Anwalt liiert war, ihrerseits Krogstad davon zu überzeugen, den an Torvald gerichteten Brief ungelesen zurückzufordern. Doch Nora hat mittlerweile erkannt, dass ihr Mann die Wahrheit erfahren muss. Sie hofft auf „das Wunderbare“[3] – dass ihr Mann sich vor sie stellt und sie beschützt, - ja, dass er sogar die ganze Schuld auf sich nimmt. Doch das Wunderbare bleibt aus, Torvald stellt sich nicht vor seine Frau, im Gegenteil, er macht ihr schwere Vorwürfe und verbietet ihr sogar im ersten Moment sich weiter um ihre Kinder zu kümmern. Erst als er erfährt, dass Krogstad gar nicht mehr vorhat, seine Frau anzuzeigen, ist er wieder versöhnt und behauptet er habe das alles nicht so gemeint. Doch Nora verlässt, tief enttäuscht ihren Mann und die Kinder. Sie hat erkannt, dass sie Torvald nicht mehr liebt, ihn vielleicht nie wirklich geliebt hat und noch viel mehr, hat sie durch ihre Freundin Christine gelernt, wie wenig sie eigentlich von der Welt, in der sie lebt, weiß. Um dieses zu ändern, geht sie, obwohl Torvald sie anfleht bei ihm zu bleiben.

[...]


[1] Xia Ji´an (1968): S. 183

[2] Im Rahmen dieser Arbeit sollen nicht die Umstände dieser Hinrichtung erörtert werden, es geht einzig und allein um Hu Yepin als Autor von „Nach Moskau“.

[3] Ibsen, Henrik (1879): S. 62

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Hu Yepin´s "Nach Moskau" im Vergleich zu Henrik Ibsens "Nora"
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Fakultät für Ostasienwissenschaften)
Veranstaltung
Fünf Märtyrer und ihr Nachleben
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
13
Katalognummer
V128831
ISBN (eBook)
9783640350469
ISBN (Buch)
9783640350179
Dateigröße
404 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Yepin´s, Nach, Moskau, Vergleich, Henrik, Ibsens, Nora
Arbeit zitieren
Christina Rokoss (Autor), 2008, Hu Yepin´s "Nach Moskau" im Vergleich zu Henrik Ibsens "Nora", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128831

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