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Kontroverse um den Staat: Systemtheoretische Perspektive und Max Webers Staats- und Bürokratietheorie

Title: Kontroverse um den Staat: Systemtheoretische Perspektive und Max Webers Staats- und Bürokratietheorie

Presentation (Elaboration) , 2007 , 15 Pages , Grade: 14

Autor:in: Martin Schultze (Author)

Politics - Topic: European Union
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In den Sozialwissenschaften gibt es unterschiedliche Auffassungen, welche Charakteristika ein moderner Staat besitzt. Verschiedene Theorien aus der Soziologie sowie der Politik- und Rechtswissenschaft mit ihren unterschiedlichen Prämissen haben ihre ganz eigenen, für ihre spezifische Betrachtungsweise und ihren theoretischen Kontext kohärenten, Definitionen vom Staat (Vgl. Benz 2001: S. 69-72).
In dieser Verschriftlichung werden zwei Sichtweisen vorgestellt: Die Perspektive der Systemtheorie und die mittelorientierte Definition von Staatlichkeit nach Weber. Sie werden in einem zweiten Schritt daraufhin geprüft, inwieweit nach ihren Vorstellungen die Europäische Union ein Staat ist oder dies zu werden scheint. Hierfür ist es zunächst erforderlich auf die Grundlagen der Systemtheorie mit ihrer ganz eigenen Sprache und Gedankenwelt einzugehen, bevor daraus Ableitungen über den modernen Staat getroffen werden können.
Auch Max Webers Konzept der plebiszitären Führerdemokratie und seiner Bürokratietheorie, die wesentliche Elemente vom modernen Staat darstellen, lassen sich am ehesten im Kontext seiner Zeitdiagnose verstehen. In diesem Zusammenhang beschreibt er nämlich einerseits wesentlich den Modernisierungsprozess und kommt andererseits selbst zur aktuellen Politik im Deutschen Reich und seiner Vorstellung von Demokratie zu sprechen. Hierfür müssen zunächst wesentliche Grundbegriffe im Sinne Webers erklärt werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Systemtheorie

2.1 Grundzüge der Systemtheorie nach Luhmann

2.2 Systemtheorie und der Staat

3 Max Webers Staats- und Bürokratietheorie

3.1 Definitionen, Idealtypen und Typen legitimer Herrschaft

3.2 Webers Zeitdiagnose

3.3 plebiszitäre Führerdemokratie und Bürokratie

4 Ist die EU ein Staat?

5 Konklusion

6 Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den modernen Staat aus der systemtheoretischen Perspektive Niklas Luhmanns sowie auf Basis der Staats- und Bürokratietheorie Max Webers, um daraus Erkenntnisse über die Staatlichkeit der Europäischen Union abzuleiten.

  • Systemtheoretische Grundlagen und der Gesellschaftsbegriff nach Luhmann
  • Weberianische Konzepte von Macht, Herrschaft und Bürokratie
  • Die Rolle der Zeitdiagnose und des Modernisierungsprozesses bei Max Weber
  • Analyse der Europäischen Union hinsichtlich staatlicher Kriterien
  • Gegenüberstellung theoretischer Perspektiven zur europäischen Integration

Auszug aus dem Buch

3.1 Definitionen, Idealtypen und Typen legitimer Herrschaft

Im Abschnitt „Soziologische Grundbegriffe“ seines Hauptwerkes „Wirtschaft und Gesellschaft“ hat Max Weber eine ganze Reihe elementarer Definitionen vorgenommen, die für das weitere Verständnis seiner soziologischen Betrachtungen essentiell sind. Da im Folgenden immer wieder „Macht“ und „Herrschaft“ eine Rolle spielen, empfiehlt es sich zu verdeutlichen, was Weber darunter versteht:

„Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht. Herrschaft soll heißen die Chance, für einen Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden“ (Weber 2006: S. 62).

Es ist weiter zu beachten, dass seine berühmten Typen sozialen Handelns und legitimer Herrschaft alle samt Idealtypen darstellen. Sie sind in diesem Sinne keine empirischer Begriffe, sondern gedankliche Konstrukte, die uns eine Orientierungsmöglichkeit gegenüber der vielfältigen historischen Wirklichkeit bietet. Dafür werden bewusst die Merkmale zur Verdeutlichung überspitzt, was eine scharfe Abgrenzung der Idealtypen ermöglicht. Gleichzeitig macht Max Weber klar, dass sie „in dieser absolut idealen reinen Form vielleicht ebensowenig je in der Realität auftreten, wie eine physikalische Reaktion, die unter Voraussetzung eines absolut leeren Raumes errechnet ist“ (Weber 2006: S. 28). In der Realität treten immer nur Mischformen der Idealtypen auf. Dennoch ist ihre Konstruktion nützlich: Ihre Leistungsfähigkeit erlangen Idealtypen dadurch, dass sie es ermöglichen die Abweichung zwischen dem erwarteten Idealtyp und der individuell einzigartigen Beobachtung zu bestimmen. Das Ziel ist es, den Idealtyp durch eine vollständige Kenntnis der gesamten gesellschaftlichen Zusammenhänge und deren Beschreibung zu überwinden.

Typen legitimer Herrschaft sind dabei Idealtypen. „Es gibt drei reine Typen legitimer Herrschaft. Ihre Legitimitätsgeltung kann nämlich primär sein:

1. rationalen Charakters: auf dem Glauben an die Legalität gesatzter Ordnung und des Anweisungsrechtes der durch sie zur Ausübung der Herrschaft Berufenen ruhen (legale Herrschaft) – oder

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die verschiedenen sozialwissenschaftlichen Auffassungen vom modernen Staat vor und umreißt die theoretischen Schwerpunkte (Systemtheorie und Weber), die zur Analyse der EU dienen.

2 Systemtheorie: Das Kapitel führt in die Systemtheorie nach Niklas Luhmann ein, erläutert das autopoietische Verständnis sozialer Systeme und definiert den Staat als gedankliches Konstrukt des politischen Teilsystems.

3 Max Webers Staats- und Bürokratietheorie: Hier werden Webers Grundbegriffe wie Macht und Herrschaft, seine Idealtypen sowie die Bedeutung der Bürokratie und der plebiszitären Führerdemokratie im Kontext seiner Zeitdiagnose dargelegt.

4 Ist die EU ein Staat?: Der Autor prüft die Europäische Union anhand der erarbeiteten systemtheoretischen und weberianischen Kriterien auf ihre Staatlichkeit und diskutiert Identitäts- sowie Legitimationsfragen.

5 Konklusion: Das Fazit stellt fest, dass die gewählten Theorien aufgrund ihrer fehlenden direkten Ausrichtung auf europäische Integrationsfragen nur bedingt Erkenntnisse zur EU liefern und die Staatlichkeitsfrage nach Weber zu verneinen ist.

6 Literaturverzeichnis: Auflistung der in der Arbeit verwendeten Fachliteratur und Quellen.

Schlüsselwörter

Staat, Systemtheorie, Max Weber, Bürokratie, Europäische Union, Macht, Herrschaft, Idealtypus, Legitimität, Niklas Luhmann, politische Integration, moderne Gesellschaft, plebiszitäre Führerdemokratie, Rechtsstaat, Sozialwissenschaften

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das Konzept des modernen Staates anhand der Systemtheorie von Niklas Luhmann und der Staats- und Bürokratietheorie von Max Weber, um diese theoretischen Ansätze auf die Europäische Union anzuwenden.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die soziologische Systemtheorie, die Typen legitimer Herrschaft nach Weber, die Rolle der Bürokratie sowie die Frage nach der Staatlichkeit der EU.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, zu prüfen, inwieweit die Europäische Union aus systemtheoretischer und weberianischer Perspektive als Staat betrachtet werden kann.

Welche methodische Vorgehensweise wird gewählt?

Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse, bei der Konzepte bedeutender Soziologen extrahiert und auf das aktuelle Phänomen der europäischen Integration angewendet werden.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte liegen im Hauptteil?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Systemtheorie nach Luhmann, Webers Herrschafts- und Bürokratietheorie sowie die praktische Anwendung dieser Kriterien auf die EU.

Was charakterisiert die Arbeit inhaltlich?

Die Arbeit zeichnet sich durch die theoretische Herleitung von Staatsdefinitionen aus und durch die kritische Reflexion der Eignung dieser Klassiker für die moderne Integrationsforschung.

Warum ist das Gewaltmonopol für Weber entscheidend?

Für Weber ist das Gewaltmonopol das primäre, soziologische Definitionsmerkmal des modernen Staates, das die EU in dieser Form nicht besitzt.

Wie bewertet der Autor den Nutzen der Theorien für die Integrationsdebatte?

Der Autor schlussfolgert, dass die vorgestellten Theorien einen eher begrenzten Nutzen für die spezifische Integrationsdebatte haben, da sie keine direkten Antworten auf reale europäische Fragen bieten.

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Details

Title
Kontroverse um den Staat: Systemtheoretische Perspektive und Max Webers Staats- und Bürokratietheorie
College
University of Marburg  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Einführung in die Geschichte und Theorien der europäischen Integration
Grade
14
Author
Martin Schultze (Author)
Publication Year
2007
Pages
15
Catalog Number
V128855
ISBN (eBook)
9783640350506
Language
German
Tags
Kontroverse Staat Systemtheoretische Perspektive Webers Staats- Bürokratietheorie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Martin Schultze (Author), 2007, Kontroverse um den Staat: Systemtheoretische Perspektive und Max Webers Staats- und Bürokratietheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128855
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