Zweifellos zählt de Laclos Werk « Les Liaisons dangereuses » zu einem erotischen Roman.
Doch wo genau fängt die Erotik an und wo hört sie auf ?
Was genau macht diesen Roman so erotisch ? Der Handlungsverlauf ? Oder die Figuren ?
Vielleicht deren Handlungen oder ihre Gefühle für- oder gegeneinander ?
Offensichtlich ist dem Leser im ersten Moment nur die geschickte manipulative Persönlichkeit der Marquise de Merteuil, die Machtstreben und Vernichtungswillen beweist
und die kühle Vorgehensweise des Vicomte de Valmont, den Taktiker und Verführer.
Was ist dann Erotik ? Wo sind der Erotik Grenzen gesetzt und wo fängt Pornographie an ?
Hat der Roman vielleicht sogar pornographische Züge ?
Jedenfalls löste er kurz nach seinem Erscheinen im Jahre 1782 heftige moralische Entrüstung aus, erzielte einen Skandalerfolg und wurde schließlich verboten, da Laclos die Grenzen dessen, was als Moral und als gute Sitte während des zweiten Kaiserreichs repräsentiert wurde, verletzt habe.
Aber der Roman ist mehr als nur erotisch. Er zählt zu einem galanten und libertinen Roman.
Als „Libertin“ wird eine Person bezeichnet, die ein religiös ungebundenes Leben führt und sich den Formen religiöser Lebensgestaltung nicht unterordnet, ein „Freidenker“ ist.
Er steht in der Ablehnung des kirchlichen Anspruchs auf Setzung sozialer und moralischer Normen.
Könnten das die Motive für die Kritik und das Verbot sein (was nicht heißt, dass das Buch unter Hand weiter gelesen wurde) ? Oder hat Laclos noch weitere Grenzen der damaligen Moral überschritten ?
Gesellschaftskritisch und erzieherisch sollte der Roman sein. Aber erotisch ?
All diesen Fragen soll in meiner Arbeit nachgegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Unterschied Erotik / Pornographie
3. Die Verführung Céciles
4. Valmont – ein libertiner Verführer im Widerspruch zum Apotheosewunsch und Anti-Religiöser Geisteshaltung.
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Roman "Les Liaisons dangereuses" von Choderlos de Laclos im Hinblick auf seine erotische Komponente, wobei die zentrale Forschungsfrage lautet, wo die Grenzen zwischen Erotik und Pornographie verlaufen und wie das Werk die gesellschaftlichen und moralischen Normen des 18. Jahrhunderts hinterfragt.
- Analyse der Abgrenzung von Erotik und Pornographie im historischen und literarischen Kontext.
- Untersuchung der manipulativen Verführung von Cécile Volanges als Kritik an der Mädchenerziehung.
- Darstellung von Valmont als libertiner Akteur im Spannungsfeld zwischen Freiheit, Machtstreben und religiöser Ablehnung.
- Reflektion über die Rolle von Sprache, Schein und Sein innerhalb des Briefromans.
Auszug aus dem Buch
3. Die „Verführung“ Céciles
Die Machenschaften der Marquise de Merteuil haben immer einen erotischen Charakter. Der erste Schritt, den sie unternimmt, um einen Menschen in ihre Gewalt zu bekommen, besteht darin, dass sie ihn erotisch an ihre Person fesselt. Das Beispiel Prévans und Dancenys zeigt dies ganz deutlich.
Erotik und Sexualität ist auch das Fundament der „Erziehung“, die sie Cécile angedeihen lässt. Zwar dient diese zuerst nur als Racheobjekt für die Marquise an Gercourt, doch die Marquise sieht mehr in ihr : „Sans esprit et sans finesse, elle a pourtant une certaine fausseté naturelle, (…) et qui réussira d’autant mieux, que sa figure offre l’image de la candeur et de l’ingénuité.“(Brief 38, S. 130). Sie möchte Cécile zu ihrer Vertrauten machen, ihr zeigen, wie man mittels Ausstrahlung, Schönheit, Charme und Koketterie, das heißt Waffen, die mit Geschick und List angewandt werden müssen, sich als Frau behaupten kann.
Doch bevor Cécile ihre Unschuld nicht verloren hat, ist mit ihr nichts anzufangen: „Je ne puis en rien faire, tant qu’elle ne sera pas … ce qu’il faut qu’elle soit“ (Brief 54, S.172) Valmont zeigt erst wenig Interesse am geforderten Dienst seiner Freundin Merteuil, ein vollkommen unerfahrenes, hilfloses Kind zu verderben: „Que me proposez-vous? de séduire une jeune fille qui n’a rien vu, ne connaît rien ; qui, pour ainsi dire, me serait livrée sans défense.“ (Brief 4, S.53) Denn der Sinn seiner erotischen Abenteuer ist in der körperlichen Befriedigung keineswegs erfüllt. Ihm geht es vielmehr immer um die Wirkung auf den Partner, um Selbstbespiegelung und Selbstbestätigung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des erotischen Romans ein und wirft die zentrale Frage nach der Abgrenzung von Erotik und Pornographie auf.
2. Unterschied Erotik / Pornographie: Dieses Kapitel definiert und differenziert die Begriffe Erotik und Pornographie unter Rückgriff auf sprachwissenschaftliche und historische Hintergründe.
3. Die Verführung Céciles: Das Kapitel analysiert den Prozess der gezielten Manipulation und "Erziehung" von Cécile durch die Marquise de Merteuil und Valmont als Instrument zur gesellschaftlichen Kritik.
4. Valmont – ein libertiner Verführer im Widerspruch zum Apotheosewunsch und Anti-Religiöser Geisteshaltung.: Hier wird Valmonts Handeln als Ausdruck libertiner Philosophie, absoluter Autonomie und der bewussten Provokation religiöser Werte untersucht.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont Laclos' pessimistische Darstellung der menschlichen Hinfälligkeit und die beabsichtigte Dekonstruktion gesellschaftlicher Ideale.
Schlüsselwörter
Erotik, Pornographie, Libertin, Verführung, Choderlos de Laclos, Les Liaisons dangereuses, Briefroman, Manipulation, Aufklärung, Mädchenerziehung, Machtstreben, Schein und Sein, Moral, 18. Jahrhundert, Subjektivität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert Choderlos de Laclos' Briefroman "Les Liaisons dangereuses" unter dem Fokus der Erotik und untersucht, wie das Werk durch seine libertinen Figuren gesellschaftliche und moralische Normen hinterfragt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Unterscheidung von Erotik und Pornographie, die Machtstrukturen der Verführung und die Darstellung des Libertinismus als Gegenentwurf zur christlichen Moral.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die erotische Dimension des Romans zu ergründen und aufzuzeigen, wie Laclos diese nutzt, um die Brüchigkeit menschlicher Tugenden und die Missstände der Erziehung im 18. Jahrhundert aufzudecken.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde angewandt?
Die Autorin verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse, die primär auf der Interpretation des Originaltextes, der Auswertung von Briefzitaten und der Einbeziehung literaturkritischer Sekundärquellen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung, eine detaillierte Untersuchung der Manipulation von Cécile sowie eine Analyse von Valmonts libertiner Geisteshaltung und seinem Machtmissbrauch gegenüber Mme de Tourvel.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Libertinage, Manipulation, Erotik, gesellschaftliche Dekonstruktion und die kritische Auseinandersetzung mit moralischen Vorstellungen der Aufklärungsepoche.
Warum wird die Erziehung von Cécile Volanges als kritisch eingestuft?
Ihre Erziehung wird als defizitär bewertet, da sie durch ihre religiöse Naivität schutzlos gegenüber den manipulativen und machtorientierten Strategien der Marquise und Valmonts bleibt.
Welche Bedeutung kommt dem Begriff des "Gottes" in Valmonts Weltbild zu?
Valmont nutzt religiöse Sprache zweckentfremdet, um sich selbst als unfehlbaren Verführer zu stilisieren, was seinen absoluten Anspruch auf Autonomie und seine Verachtung für religiöse Transzendenz unterstreicht.
- Citar trabajo
- Adrian Golly (Autor), 2003, Erotik im Roman « Les Liaisons dangereuses » von Choderlos de Laclos, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128861