Sexuelle Bildung und Mädchenarbeit stellen die übergeordneten Interessensgebiete dar. Da die Perspektive der Mädchen selbst häufig fehlt, zeigte sich rasch, dass der Fokus auf eben dieser liegen soll. So sollte eine offene Fragestellung entstehen, die unvoreingenommen nach den Interessen, Fragen, Wünschen und Ängsten von jugendlichen Mädchen im Bereich Sexualität fragt. Es soll herausgefunden werden, was die Mädchen bewegt, was sie wissen wollen, wovor sie Angst haben und in welchen Themen sie etwaige Unsicherheiten oder Probleme haben.
In der Übertragung auf die sexuelle Bildung bzw. die sexualpädagogische Mädchenarbeit ergeben sich hieraus weitere Erkenntnisinteressen: Welche Inhalte lassen sich daraus für die Praxis der sexualpädagogischen Mädchenarbeit ableiten? Wie kann sexualpädagogische Mädchenarbeit konkret gestaltet werden, damit diese zielgruppengerecht und bedürfnisorientiert umgesetzt wird?
Um herauszufinden, wie sexualpädagogische Mädchenarbeit konkret bedarfsgerecht gestaltet werden kann, wurde in der vorliegenden Arbeit der Versuch unternommen, die Perspektive von jugendlichen Mädchen einzufangen. Dafür wurden Mädchenzeitschriften als potenzielles Kommunikationsmedium der Adressat:innen analysiert und mithilfe einer qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemaufriss
2 Theoretische Grundlagen und Definitionen
2.1 Annäherung an den Begriff Sexualität
2.2 Sexuelle Bildung, Sexualpädagogik – ein Überblick
2.2.1 Begriffsklärungen
2.2.2 Geschichte und Entwicklung der Sexualpädagogik
2.2.3 Aufgaben und Herausforderungen sexueller Bildung
2.3 Feministische Mädchenarbeit
2.3.1 Entstehung der feministischen Mädchenarbeit
2.3.2 Grundlagen und Prinzipien
2.4 Sexualpädagogische Mädchenarbeit
2.5 Erkenntnisinteresse und Forschungsfragen
3 Methodologische Positionierung und methodisches Vorgehen
3.1 Qualitative Forschung
3.2 Bestimmung des Ausgangsmaterials: Die Zeitschrift „BRAVO GiRL!“
3.3 Auswertungsmethode: Inhaltlich strukturierende qualitative Inhaltsanalyse
3.4 Methodenkritische Reflexion
4 Ergebnisse der Analyse
4.1 Welche Interessen und Fragen haben jugendliche Mädchen?
4.1.1 Biologisch-medizinische Fragen
4.1.2 Emotionale Fragen
4.1.3 Das erste Mal
4.2 Welche Wünsche und Ängste haben jugendliche Mädchen?
4.2.1 Angst als sich durchziehendes Motiv
4.2.2 Zwischen mangelndem Selbstwertgefühl und dem Wunsch nach Akzeptanz
4.2.3 Bin ich normal?
4.3 Was lässt sich daraus für die sexualpädagogische Praxis ableiten?
4.4 Reflexion der Ergebnisse
5 Resümee und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, aus der Perspektive jugendlicher Mädchen einen Überblick über deren Interessen, Fragen, Wünsche und Ängste im Bereich der Sexualität zu gewinnen, um daraus praxisrelevante Ansätze für die sexualpädagogische Mädchenarbeit abzuleiten.
- Analyse des Beratungsangebots der Jugendzeitschrift „BRAVO GiRL!“
- Erforschung von Wissenslücken und Unsicherheiten bei Jugendlichen
- Diskussion der Rolle von Angst und Selbstwertgefühl im Kontext von Sexualität
- Ableitung zielgruppengerechter und bedürfnisorientierter Methoden für die Sexualpädagogik
Auszug aus dem Buch
Angst als sich durchziehendes Motiv
In der gesamten Analyse fiel auf, dass das Motiv Angst fast durchgängig eine Rolle spielte. Häufig sprechen die Mädchen Angst konkret aus, manchmal schwingt sie „nur“ im Subtext deutlich mit.
Das Thema Schwangerschaft lässt sich nicht nur aus einer medizinischen-biologischen Perspektive betrachten, sondern auch unter dem Aspekt der Angst, weshalb diese Textsequenzen im Folgenden erneut analysiert werden sollen. Die Angst vor einer potenziellen Schwangerschaft beschäftigt zwei Mädchen: Lia (16) befürchtet, „dass was danebengegangen ist und [ihre, L.B.] Pille nicht gewirkt hat“ (011, 3). Sie erzählt weiter: „Ich habe auch schon einen Test gemacht, der negativ war, aber vielleicht habe ich den auch zu früh gemacht, und es waren zu wenige Hormone im Urin“ (011, 3).
Einem anderen Mädchen (ebenfalls 16) geht es ähnlich: „Meine Periode ist jetzt seit 16 Tagen überfällig, und deshalb habe ich große Angst, schwanger zu sein. Kann das sein?“ (008, 11).
Eine ungewollte bzw. ungeplante Schwangerschaft ist nach wie vor ein Thema, das mit vielen Ängsten und Unsicherheiten verbunden sein kann. Dies verwundert nicht, denn „[s]chwanger werden zu können steht für Körperlichkeit, für Angewiesensein auf andere. Es führt uns vor Augen, dass die menschliche Autonomie Grenzen hat“ (Schrupp 2019, S. 11). Gleichzeitig fällt auf, dass durchaus ein grundlegendes Vorwissen der jugendlichen Mädchen über Schwangerschaft und Verhütung vorhanden ist. Ob dieses Wissen aus der „klassischen“ sexuellen Bildung bzw. Aufklärungsarbeit an den Schulen resultiert oder über andere Quellen, wie die hier analysierten Zeitschriften, angeeignet wird, kann an dieser Stelle jedoch nicht festgestellt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemaufriss: Die Arbeit thematisiert die Diskrepanz zwischen öffentlicher Aufgeklärtheit und individueller Verunsicherung von Jugendlichen beim Thema Sexualität.
2 Theoretische Grundlagen und Definitionen: Es werden grundlegende Konzepte wie Sexualität, sexuelle Bildung, Sexualpädagogik und feministische Mädchenarbeit definiert und in einen historischen Kontext gestellt.
3 Methodologische Positionierung und methodisches Vorgehen: Die Autorin begründet die Wahl der inhaltlich strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz als geeignete Methode zur Auswertung der „BRAVO GiRL!“-Beratungstexte.
4 Ergebnisse der Analyse: Die Auswertung zeigt zentrale Themenfelder auf, die von biologischen Fragen über emotionale Unsicherheiten bis hin zu tiefgreifenden Ängsten und dem Wunsch nach Selbstwertgefühl reichen.
5 Resümee und Ausblick: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Bedeutung der Mädchenarbeit und schlägt Ansätze für zukünftige Forschungsbedarfe vor.
Schlüsselwörter
Sexualpädagogische Mädchenarbeit, Sexualität, Mädchen, BRAVO GiRL!, Qualitative Inhaltsanalyse, Sexualaufklärung, Selbstwertgefühl, Identität, Angst, Empowerment, Jugendliche, Sexualwissenschaft, Körperbild, Feministische Mädchenarbeit, Beziehungsgestaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Perspektiven jugendlicher Mädchen auf ihre Sexualität, indem sie Beratungsanfragen aus der Zeitschrift „BRAVO GiRL!“ analysiert.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen Interessen, Fragen, Wünsche und Ängste der Mädchen, insbesondere in Bezug auf biologische Entwicklung, Intimität, Beziehungen und Identität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, bedürfnisorientierte Ansätze für die sexualpädagogische Mädchenarbeit in der Praxis abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit verwendet die inhaltlich strukturierende qualitative Inhaltsanalyse nach Udo Kuckartz.
Welche Hauptthemen dominieren den Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die inhaltliche Auswertung der Mädchenfragen und die differenzierte Analyse von Ängsten wie z.B. vor Schwangerschaft oder Ablehnung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Sexualpädagogik, Mädchenarbeit, Jugendkultur und qualitative Sozialforschung.
Welche Rolle spielt die „Dr. Sommer“-Rubrik in der Analyse?
Sie dient als schriftliche Datenquelle, die authentische Einblicke in die oft anonym geäußerten Ängste und Fragen der Zielgruppe bietet.
Warum wurde das Medium Zeitschrift für die Forschung gewählt?
Zeitschriften bieten den Vorteil, dass sich Mädchen anonym und schriftlich an eine Beratungsstelle wenden können, was den Zugang zu ihren echten Gedanken und Fragen erleichtert.
- Quote paper
- Lea Blumensaat (Author), 2022, Fragen, Ängste und Wünsche von jugendlichen Mädchen im Bereich Sexualität. Die BRAVO-Girl-Zeitschriften und ihre Bedeutung für die Pädagogik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1289050