Interesse und Pluralismus

Eine Darstellung an Theorien und Positionen


Seminararbeit, 2007

20 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Pluralismus
1.1 Begriffsdefinition
1.2 Zur Begriffsgeschichte
1.3 Begriffsanwendung
1.4 Indikatoren
1.4.1 Gruppenplural
1.4.2 Wertplural
1.4.3 Soziale Differenzierung
1.4.4 Partielle Integration
1.4.5 Rollendifferenzierung
1.5 Theorien
1.6. Kritik des Pluralismus

2 Interesse als Teil des Pluralismus
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Interessengruppen
2.3 Das Grundgesetz als Grundlage
2.4 Struktur erfolgreicher Interessengruppen
2.5 Die Einflußnahme von Interessengruppen
2.6 Kritik an der Interessenvertretung
2.7 Positive und negative Aspekte organisierter Interessengruppen

3 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Aufgrund unseres Hausarbeitsthemas „Interesse und Pluralismus“ haben wir uns dafür entschieden, diese beiden Begriffe auch einzeln zu betrachten. Da „Pluralismus“ der Oberbegriff und „Interesse“ vielmehr ein Teil davon ist, beginnen wir mit der Definition, der Geschichte und der Anwendung des Terminus „Pluralismus“. Daran schließen sich die verschiedenen Indikatoren für eine plurale Gesellschaft an. Es soll gezeigt werden, daß sich der Begriff nicht nur durch Kurzdefinitionen, sondern auch durch eben diese Indikatoren bestimmen läßt. Nach den bisher eher allgemein gehaltenen Betrachtungen, folgen im nächsten Kapitel die Pluralismustheorien. Dabei wird auf die Genossenschaftslehre, den englischen Pluralismus, die Gruppentheorie und den Neopluralismus eingegangen. Eine gesonderte Stellung in der Hausarbeit findet die Theorie von Fraenkel, da sie die deutsche Variante der Pluralismustheorien ist und damit für den deutschsprachigen Raum eine größere Bedeutung hat. Somit wird der Neopluralismus durch die zentralen Aussagen näher dargelegt. Abschließend zu diesem Teil der Hausarbeit folgt eine kritische Betrachtung des Begriffes. Dazu werden die vier verschiedenen Positionen, konservativ, beschreibend-rechtfertigend, beschreibend-kritisch und marxistisch, dargelegt. Der zweite Teil dieser Arbeit greift den Terminus „Interesse“ heraus und beschäftigt sich zunächst mit der Begriffsbestimmung. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit der genaueren Betrachtung von „Interessengruppen“, deren Strukturen und Einflußnahme auf die Politik.

Auch hier ist eine Kritik von Nöten, da es zwischen Theorie und Praxis zu Differenzen kommt. Hierbei werden die schwachen, langfristigen, neuen und allgemeinen Interessen erläutert. Abschließend folgt eine Gegenüberstellung von positiven und negativen Aspekten organisierter Interessengruppen.

1 Pluralismus

1.1 Begriffsdefinition

Das Wort Pluralismus stammt vom lateinischen Wort pluralis: grammatikalisch Plural ab und knüpft somit sprachlich an eine „Mehrzahl“ an.[1]

Pluralismus ist die Lehre von einem gleichzeitigen Wirken einer Mehrzahl verschiedener gesellschaftlich- politischer Machtfaktoren. Die Machtfaktoren, die der gemeinsamen politischen Ordnung entstammen, sind vielschichtig, inhomogen und stehen sich rivalisierend gegenüber. Sie sorgen so für ein stabiles Spannungselement im Pluralismus.

Das Konzept des Pluralismus steht für eine Koexistenz heterogener politischer Elemente, die nach einem „begrenzten Konflikt“ und späterer Konsensbildung in die politische Ordnung integriert werden.[2]

1.2 Zur Begriffsgeschichte

Ursprünglich wurde das Wort „Pluralismus“ zur Kennzeichnung ganz bestimmter Lehren in die Wissenschaftssprache eingeführt. Dabei wurde der Begriff von Christian Wolf, der von 1679 bis 1754 lebte, zum ersten Mal verwendet. Bereits Kant benutzte in seinem Werk „Anthropologie in pragmatischer Hinsicht“ das Wort Pluralismus. Eine größere Bedeutung bekam der Terminus durch die Genossenschaftslehre von Otto von Gierke, die 1868 bis 1881 entstand. 1914 veröffentlichte William James das Buch „Das pluralistische Universum“, welches Harold Laski zur Anregung nahm und den Begriff „Pluralismus“ 1919 in die Sozialwissenschaft des angelsächsischen Raumes einführte.

Im deutschsprachigen Raum fand der Begriff eine kritische Verwendung durch den umstrittenen Staatsrechtler Carl Schmitt zur Zeit der Weimarer Republik. In seinen Schriften rechtfertigte er unter anderem den sich herausbildenden totalitären Staat und stellte dem Liberalismus der Weimarer Verfassung die „Freund- Feind- Theorie“ gegenüber. Die Bedeutung des Terminus in der deutschen Soziologie und Politologie vergrößerte sich erst durch Fraenkels deutsche Variante der Pluralismustheorien. Diese wurden als Neopluralismus bekannt. .[3]

1.3 Begriffsanwendung

Der Anwendungsbereich des Begriffs Pluralismus ist vielschichtig und nicht eindeutig bestimmbar.

Winfried Steffani unterscheidet zwei Arten von Pluralismus: Einmal verwendet er den Begriff theoretisch, empirisch und normativ, und einmal praktisch. Theoretisch bezeichnet der Pluralismus eine Gesellschaftsform, die in allen modernen, „bürgerlich- liberalen“ Industriegesellschaften, vorhanden ist. Diese Gesellschaftsform wird geprägt durch verschiedene mehr oder weniger unabhängige gesellschaftliche Gruppen mit recht unterschiedlichen Interessenspositionen, Organisationsformen und Durchsetzungschancen in dem politischen Prozeß.[4] Gesellschaftliche Gruppen können politische Parteien, religiöse Gemeinschaften, Interessenvertretungen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern oder Bürgerinitiativen sein. Diese Gruppen- bzw. Verbandsvielfalt kennzeichnet empirisch (d.h. die Istzustände betreffend) die soziale Struktur einer pluralistischen Gesellschaft.[5] Zum anderen kennzeichnet der Begriff Pluralismus normativ (d.h. die Sollzustände angebend) die Forderung, daß die Gruppen- bzw. Verbandsvielfalt in die Inhalte der politischen Gestaltung demokratischer Gemeinwesen einzugehen hat.

Praktisch faßt Steffani unter dem Begriff des Pluralismus alle Theorien politisch verfaßter Gesellschaften zusammen. In den Theorien (Staatstheorien) fragen die Pluralisten einerseits nach dem „Wesen“ und der Konstitution des Staates und andererseits nach dem Vorhandensein, der gesellschaftlichen Stellung und dem Einfluß der Gruppen- bzw. Verbandsbildungen in der politischen Ordnung.[6]

Im Allgemeinen wird von Pluralismus gesprochen, wenn ein Handlungszusammenhang trotz konkurrierender Richtung geschlossen erscheint. Mit Handlungszusammenhängen sind Institutionen, Organisationen, Weltanschauungen, Lehren etc. gemeint.[7]

Prinzipiell handelt es sich bei dem Wort Pluralismus um einen Wertbegriff. Es wird die Gleichberechtigung von verschiedenartigen Elementen (z.B. auch Institution, Gruppen...) bewertet. Eine wertneutrale, objektive Beurteilung ist nur dann möglich, wenn modelltheoretische oder idealtypische Zustände bestehen. Das ist der Grund für die immense Kritik, die der Pluralismus erfährt.

1.4 Indikatoren

1.4.1 Gruppenplural

Ein wesentliches Merkmal einer pluralen Gesellschaft ist eine in ihr nicht begrenzte Vielzahl von Gruppen, die sich zur Verwirklichung gemeinsamer Ziele bilden. Bei der Zielverfolgung unterscheidet man zum einen die primär nach innen gerichtete und zum anderen die primär nach außen gerichtete. Gemeint ist damit auf der einen Seite das gemeinsame Tun für sich selber und auf der anderen Seite die Forderungen an ihre Umwelt. Beide Zielverfolgungen können dabei kontinuierlich oder phasenweise zusammentreffen. Diese Art der Gruppenbildung vollzieht sich aber nicht nur in politischen Bereichen, sondern grundsätzlich in allen Lebensbereichen.

Unter politischen Aspekt ist der Gruppenplural insofern relevant, als er eine Rechtsordnung zur Voraussetzung hat. Diese ermöglicht freie Gruppenbildung. Sogar in totalitären Systemen gibt es eine Vielzahl von Organisationen. Allerdings unterliegen diese einer politischen Steuerung im Sinne des Systems.[8]

[...]


[1] Görlitz, Axel/ Prätorius, Rainer: Handbuch Politikwissenschaft. Grundlagen- Forschungsstand- Perspektiven, Hamburg 1987, S. 386.

[2] Nohlen, Dieter (Hrsg.): Wörterbuch Staat und Politik, München/ Zürich 1991, S. 485.

[3] Steffani, Winfried: Pluralismus. Konzeptionen-Positionen-Kritik, in: Gagel, Walter u.a. (Hg.): Politische Bildung, Stuttgart 1978 (= Beiträge zur wissenschaftlichen Grundlegung und zur Unterrichtspraxis), S. 5-6.

[4] Nuscheler, Franz/Steffani, Winfried (Hrsg.): Pluralismus. Konzeptionen und Kontroversen, München 1972, S. 9.

[5] Nohlen, S. 485.

[6] Nuscheler/Steffani, S. 9-10.

[7] Görlitz/Prätorius, S. 387.

[8] Hättich, Manfred: Pluralismus als Aufgabe. Freiheit, Toleranz und Konsens, in: Gagel, Walter u.a. (Hg.): Politische Bildung, Stuttgart 1978 (= Beiträge zur wissenschaftlichen Grundlegung und zur Unterrichtspraxis), S. 34-35.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Interesse und Pluralismus
Untertitel
Eine Darstellung an Theorien und Positionen
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
gut
Autor
Jahr
2007
Seiten
20
Katalognummer
V128913
ISBN (eBook)
9783640354580
ISBN (Buch)
9783640354863
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interesse, Pluralismus, Eine, Darstellung, Theorien, Positionen
Arbeit zitieren
Merle Umnirski (Autor), 2007, Interesse und Pluralismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128913

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