Vorraussetzung für die Schaffung und Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank (EZB) war der Maastricher Vertrag, der am 1. November 1993 in Kraft trat, nachdem er von allen elf Mitgliedstaaten ratifiziert wurden war. Kerngedanke dieses Vertrages ist die Schaffung der Europäischen Währungsunion und die damit verbundene Einführung einer gemeinsamen Währung, des Euro, und die Gründung einer EZB.
Mit dem Übergang in die dritte Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion am 1. Januar 1999 hat die EZB (am 1. Juni 1998 gegründet) alle im EG-Vertrag festgelegten Kompetenzen übernommen.
Dieser Abschnitt markiert einen weiteren entscheidenden Punkt der europäischen Integration - die Einführung des Euro. Die bisher elf Teilnehmer der europäischen Währungs- und Wirtschaftsunion (WWU) haben damit ihre Souveränität im Bereich der Währungspolitik an die EZB abgetreten. Folglich spielt die EZB nun eine entscheidende Rolle in der Geld- und Währungspolitik. Das vorrangige Ziel der EZB bzw. des Europäischen Zentralbanken Systems(ESZB) ist es die Preisstabilität zu gewährleisten, gemäß Artikel 2 der Satzung des ESZB und der EZB. Das ESZB setzt sich aus den nationalen Zentralbanken der EU – Mitgliedstaaten zusammen, wobei die EZB an der Spitze dieses Systems steht. Weiterhin unterstützt das ESZB die allgemeine Wirtschaftspolitik, soweit dieses ohne die Preisstabilität zu gefährden, möglich ist. Bei der Verwirklichung ihrer Ziele handelt das ESZB nach dem Grundssatz der freien Marktwirtschaft, um einen effizienten Rohstoffeinsatz zu fördern. „Die grundlegenden Aufgaben des ESZB sind in Artikel 3 der ESZB - Satzung festgelegt diese Aufgaben bestehen darin:
-die Geldpolitik der Gemeinschaft festzulegen und auszuführen,
-Devisengeschäfte durchzuführen,
-die offiziellen Währungsreserven der teilnehmenden -Mitgliedstaaten zu halten und zu verwalten,
-das reibungslose Funktionieren der Zahlungssysteme zu fördern,
-und zur Reibungslosen Durchführung der von den Zuständigen Behörden auf dem Gebiet der Aufsicht über die Kreditinstitute und der Stabilität des Finanzsystems ergriffenen Maßnahmen beizutragen.“
Die Garantierung der Geldwertstabilität des Euro durch das ESZB wurden vom Europäischen Rat und den Staats – und Regierungschefs der Europäischen Union (EU) in dem EG – Vertrag und im EU – Vertrag durch Festlegung bestimmter Bedingungen abgesichert. Dies ist die Vorraussetzung für eine erfolgreiche Geld- und Kreditpolitik in Europa.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Notwendigkeit einer EZB
3. Die Struktur der EZB
4. Der institutionelle Rahmen der EZB
4.1 Die Unabhängigkeit der ESZB
4.2 Die Rechenschaftspflicht der ESZB
5. Die geldpolitischen Instrumente des ESZB
5.1 Die Rolle der Geldmenge und der Referenzwert
5.2 Die Offenmarktpolitik
5.3 Die ständigen Fazilitäten
5.4 Die Mindestreserve
5.5 Weitere geldpolitische Instrumente
6. Die Herrschaft des ESZB über die Zentralbankgeldschöpfung
7. Schlussbemerkungen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem geldpolitischen Instrumentarium der Europäischen Zentralbank (EZB) und analysiert, wie diese Institution innerhalb des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) Preisstabilität gewährleistet und ihre geldpolitische Strategie umsetzt.
- Institutionelle Struktur und Unabhängigkeit der EZB.
- Aufgaben und Rechenschaftspflicht im Rahmen der Wirtschafts- und Währungsunion.
- Die geldpolitische Strategie und der Einsatz quantitativer Referenzwerte.
- Funktionsweise und Koordination der geldpolitischen Hauptinstrumente (Offenmarktgeschäfte, ständige Fazilitäten, Mindestreserve).
Auszug aus dem Buch
5. Die geldpolitischen Instrumente des ESZB
Issing erklärt eine geldpolitische Strategie mit einem längerfristig gültigen Verfahren, nach dem über den Instrumenteneinsatz zur Verfolgung der Ziele entschieden wird, wobei die Endziele der Geldpolitik durch gesetzliche Vorschriften vorgegeben sind. In einer bestimmten Situation kann sich die Bank des Instrumentariums bedienen das ihr vom Gesetzgeber angeboten wird.
Menkhoff sowie auch die meisten anderen Autoren unterscheidet fünf Hauptinstrumente der Geldpolitik: Mindestreserven, Offenmarktpolitik, Refinanzierung, Währungsreserven und fiskalische Komponenten. In den verschiedenen Euroländern sind bisher unterschiedlich gewichtete Kombinationen dieser Instrumente angewendet wurden. Menkhoff verweist auf weitere Maßnamen, die in ihrer Bedeutung aber nicht an die fünf oben genannten Instrumente heranreichen, dabei handelt es sich um außenwirtschaftlich orientierte Maßnamen und zum anderen um Feinsteuerungsmaßnamen. Er verweist zur Vertiefung auf Issing. Das ESZB bedient sich der Offenmarktgeschäfte, der ständigen Fazilitäten, der Mindestreservepolitik und bei Notwendigkeit weiterer Instrumente der Geldpolitik. Issing betont, dass für den Einsatz mehrer Instrumente verschiedene Argumente gültig sind:
1. „Die isolierte Anwendung eines Mittels bleibt häufig ohne den gewünschten Erfolg...
2. Die einzelnen Instrumente besitzen unterschiedliche Vorzüge und Schwächen. ...
Die Kunst des richtigen, koordinierten Einsatzes des geldpolitischen Instrumentariums besteht also darin, die einzelnen Maßnamen so zu wählen, dass sich deren Vorzüge möglichst gut ergänzen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beschreibt die Entstehung der Europäischen Zentralbank (EZB) durch den Maastricher Vertrag und definiert ihr vorrangiges Ziel der Preisstabilität.
2. Die Notwendigkeit einer EZB: Das Kapitel erläutert die ökonomischen Beweggründe für eine gemeinsame europäische Währung im Kontext der Globalisierung und des europäischen Binnenmarktes.
3. Die Struktur der EZB: Hier wird der institutionelle Aufbau des ESZB mit seinen Entscheidungsorganen, dem EZB-Rat und dem Direktorium, dargelegt.
4. Der institutionelle Rahmen der EZB: Der Abschnitt fokussiert auf die Unabhängigkeit und Rechenschaftspflicht des ESZB als Voraussetzungen für den Erfolg der Zentralbankpolitik.
5. Die geldpolitischen Instrumente des ESZB: Dieses Kapitel behandelt die strategischen Instrumente wie Referenzwerte, Offenmarktgeschäfte, ständige Fazilitäten und Mindestreserven zur Steuerung der Geldpolitik.
6. Die Herrschaft des ESZB über die Zentralbankgeldschöpfung: Das Kapitel thematisiert die Beschränkungen der Kreditgewährung an Staaten und die Sicherstellung der ausschließlichen geldpolitischen Kontrolle durch das ESZB.
7. Schlussbemerkungen: Zusammenfassende Betrachtung der bisherigen Erfahrungen mit dem Euro und der Bedeutung der Vertragstreue für die zukünftige europäische Integration.
Schlüsselwörter
EZB, ESZB, Geldpolitik, Preisstabilität, Währungsunion, Euro, Offenmarktpolitik, Mindestreserve, Zentralbank, Geldmenge, Referenzwert, Unabhängigkeit, Zinssätze, Liquiditätssteuerung, Wirtschafts- und Währungsunion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das geldpolitische Instrumentarium der Europäischen Zentralbank (EZB) und wie diese Institution ihre Aufgaben innerhalb der europäischen Währungsunion wahrnimmt.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Arbeit?
Zentrale Felder sind die institutionelle Struktur des ESZB, die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Unabhängigkeit sowie die praktischen Instrumente der Geldmengen- und Zinssteuerung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, die Strategie der EZB und die Funktionsweise ihres Instrumentariums darzustellen, um die langfristige Stabilität der gemeinsamen Währung, des Euro, zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung und Analyse rechtlicher sowie ökonomischer Grundlagen, basierend auf Verträgen, Satzungen und einschlägiger volkswirtschaftlicher Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die institutionelle Einordnung, die Bedeutung der Unabhängigkeit und eine detaillierte Erläuterung der geldpolitischen Instrumente wie Offenmarktgeschäfte und Mindestreserven.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Untersuchung wird durch Begriffe wie Preisstabilität, Geldmenge, EZB, ESZB, Währungsunion und geldpolitische Instrumente charakterisiert.
Warum ist die Unabhängigkeit der EZB für den Autor so bedeutsam?
Der Autor argumentiert, dass Unabhängigkeit die essenzielle Voraussetzung für eine erfolgreiche Inflationsbekämpfung und Geldwertstabilisierung ist, da sie die Zentralbank vor politischem Druck schützt.
Wie geht das ESZB mit dem Problem der Protokollveröffentlichung um?
Die EZB lehnt eine kurzfristige Offenlegung der Abstimmungsverhalten im EZB-Rat aus Vertraulichkeitsgründen ab, zieht jedoch eine Veröffentlichung der Protokolle nach einer Frist von 16 Jahren in Betracht.
- Quote paper
- Thomas Kuthe (Author), 2002, Das geldpolitische Instrumentarium der Europäischen Zentralbank, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12893