In der vorliegenden Hausarbeit sollen die drei Familien in den zwei behandelten Werken unter die Lupe genommen werden, ein besonderer Fokus soll auf die Rolle der Männer und deren Handeln als Familienväter gelegt werden.
Zunächst werden kurz die einzelnen Familienverhältnisse thematisiert, um dann auf die Rolle der Väter eingehen zu können. Der Vater aus Vanderbekes "Das Muschelessen" sowie Rainer aus "Kampfsterne" stehen hier stellvertretend für die Rolle des Patriarchen, während Georg, ebenfalls eine Figur des Romans "Kampfsterne", einen Gegenentwurf zu den anderen Vätern der Werke darstellt. Darauf aufbauend soll darauf eingegangen werden, wie Männlichkeit in der Gesellschaft gesehen wird, wodurch sich diese auszeichnet und inwiefern die analysierten Figuren stellvertretend für das Geschlecht des Mannes stehen. Auch die Rolle von Vätern soll kritisch betrachtet werden und auf die drei Väter bezogen werden. Hierzu werden die verschiedenen Figuren aus den Werken selbstredend miteinander verglichen. Es soll also der Versuch unternommen werden, das Handeln der beteiligten Figuren zu verallgemeinern, um, aufbauend auf theoretischen Inhalten, Erkenntnisse über die Entwicklung der Vaterrolle und der damit einhergehenden Herausforderungen zu gewinnen.
Folgende Fragestellung lässt sich für die Hausarbeit also formulieren: Welche Männer- bzw. Väterbilder werden in den zwei ausgewählten Werken vermittelt und können diese stellvertretend für die Väter der 1980er-Jahre herangezogen werden?
Abschließend wird ein Fazit gezogen, in dem die gewonnenen Erkenntnisse resümiert werden. Auch auf mögliche Probleme der Hausarbeit soll in diesem Kapitel eingegangen werden.
Inhaltsübersicht
1. Einleitung
2. Figurenanalyse
2.1 Die Familie und die Rolle des Vaters in Das Muschelessen
2.2 Die Familie rund um Ulla und Rainer aus Kampfsterne
2.2.1 Figur des Rainers aus Kampfsterne
2.3 Familie Billerbeck aus Kampfsterne
2.3.1 Georg Billerbeck aus Kampfsterne
3. Interpretation
3.1 Männlichkeitsbilder in den behandelten Werken
3.2 Die Interpretation der Vaterrollen der analysierten Figuren
3.3 Stilistik
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung von Väter- und Männlichkeitsbildern in der Literatur der 1980er-Jahre anhand der Werke "Das Muschelessen" von Birgit Vanderbeke und "Kampfsterne" von Alexa Hennig von Lange. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, welche Väterbilder vermittelt werden und ob diese stellvertretend für die Vätergeneration der 1980er-Jahre stehen können.
- Analyse patriarchaler Familienstrukturen und deren Auswirkungen auf die Familienmitglieder.
- Untersuchung des Wandels der Vaterrolle vom klassischen "Erzeuger, Beschützer und Versorger" zum "neuen Vater".
- Gegenüberstellung von autoritären Machtstrukturen und Ohnmachtserfahrungen innerhalb der Ehe.
- Reflexion über Gewalt als Mittel zur Aufrechterhaltung des Familienideals in Krisenzeiten.
- Kontrastierung der Erzählformen: Bewusstseinsstrom versus multiperspektivische Darstellung.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
„Beschäftigt sich irgendjemand da draußen mit der Frage, was es heißt, heute ein Mann zu sein? Außer mir scheint das noch niemandem so richtig klar zu sein, aber das Patriarchat befindet sich in einer heftigen Krise.“
Diese Frage, die sich Georg, ein Charakter aus Alexa Hennig von Langes Roman Kampfsterne, hier stellt, wird in der Wissenschaft schon lange aufgegriffen. Zum Beispiel die sogenannten men´s studies beschäftigen sich als Teilströmung der gender studies mit der Frage, was es heißt, ein Mann zu sein. Auch in der Literatur findet regelmäßig eine Beschäftigung mit der Rolle des Manns statt. Die Autorin Birgit Vanderbeke beispielsweise beschäftigte sich in ihrer 1990 erschienenen Erzählung Das Muschelessen mit der Rolle des patriarchalischen Vaters in einer traditionellen deutschen Familie. Besonders ist allerdings, dass das Werk aus der Perspektive der Tochter erzählt ist, ganz ohne den Vater selbst zu Wort kommen zu lassen. Auch Alexa Hennig von Lange bearbeitete die Rolle des Patriarchen in ihrem Roman Kampfsterne aus dem Jahr 2018, dessen Handlung sich allerdings 1985 abspielt, also ungefähr zur gleichen Zeit wie das Werk Vanderbekes. Die Handlung des Werkes wird von verschiedenen Ich-Erzählern erzählt, jede Figur im Roman kommt selbst zu Wort. So werden einzelne Sachverhalte multiperspektivisch aufgerollt, einen zuverlässigen Erzähler gibt es aber, wie auch in Das Muschelessen, wo die Tochter die Perspektive des Ich-Erzählers einnimmt, nicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zur Thematik der Väter- und Männlichkeitsbilder und Vorstellung der zentralen Fragestellung sowie der beiden Primärwerke.
2. Figurenanalyse: Detaillierte Betrachtung der Familienverhältnisse in den Werken unter besonderer Berücksichtigung der Vaterfiguren und deren spezifischer Charakteristiken.
3. Interpretation: Theoretische Auseinandersetzung mit der Konstruktion von Männlichkeit, dem Vergleich der Vaterrollen und einer Analyse der stilistischen Mittel der Autoren.
4. Fazit: Zusammenführende Betrachtung der Ergebnisse, Beantwortung der Forschungsfrage und kritische Reflexion des eigenen Vorgehens.
Schlüsselwörter
Väterbilder, Männlichkeitsbilder, Patriarchat, Literatur, Familienkonflikte, Gender Studies, 1980er Jahre, Gewalt, Vaterrolle, Emanzipation, Das Muschelessen, Kampfsterne, Tradition, Macht, Rollenbilder.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Darstellung von Väter- und Männlichkeitsbildern in zwei ausgewählten literarischen Werken, die sich mit Familienkonflikten auseinandersetzen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die patriarchale Struktur der deutschen Familie, die Ausübung von Macht und Gewalt durch Väter sowie der Wandel der Geschlechterrollen zwischen den 1980er-Jahren und der Gegenwart.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, welche Väterbilder in den Werken vermittelt werden und inwieweit diese für die 1980er-Jahre repräsentativ sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, welche theoretische Ansätze aus den gender studies mit der figurenbezogenen Untersuchung der Primärtexte verbindet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Figurenanalyse der Familien in den Primärwerken und eine anschließende Interpretation der Väterrollen hinsichtlich der Aspekte Erzeuger, Beschützer und Versorger.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Vaterrolle, Patriarchat, familiäre Gewalt, gender studies und literarische Konstruktion von Männlichkeit charakterisiert.
Inwiefern unterscheiden sich die Väter in "Das Muschelessen" und "Kampfsterne"?
Während der Vater in "Das Muschelessen" Gewalt systematisch als Erziehungsmethode einsetzt, wendet Rainer in "Kampfsterne" Gewalt eher aus einer persönlichen Ohnmacht heraus an, wobei beide patriarchale Strukturen verkörpern.
Welche Rolle spielt die Figur Georg in diesem Kontext?
Georg dient als bewusster Gegenentwurf zum patriarchalen Väterbild, da er sich als mitfühlend definiert und die herrschenden Rollenbilder innerhalb seiner Ehe reflektiert, auch wenn er letztlich an deren Zwängen scheitert.
- Citation du texte
- Luis Leyendecker (Auteur), 2022, Die Darstellung von Väter- und Männlichkeitsbildern der 1980er in gegenwärtiger Familienliteratur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1289492