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Gesellschaftliche Konfliktlinien im deutschen Parteiensystem

Enstehung, Fortentwicklung und gegenwärtige Bedeutung von Cleavage-Strukturen für das Parteiensystem der BRD

Title: Gesellschaftliche Konfliktlinien im deutschen Parteiensystem

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 36 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Jens Gmeiner (Author)

Politics - Political Systems - Germany
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Parteiensysteme sind weit mehr als reine Abbildungen und Darstellungen politischer Diskurse auf Regierungsebene. Sie stehen vielmehr in mannigfaltigen Abhängigkeiten und Beziehungen zu den ökonomischen, kulturellen und sozialen Eigenheiten eines Landes. Parteiensysteme spiegeln Konflikte wider, die über Jahrhunderte den gesellschaftlichen und politischen Rahmen dominiert und sich langfristig im politischen System institutionalisiert haben. Gerade diese mentalitätsprägenden, meistens im vorpolitischen Raum gelegenen gesellschaftlichen Konfliktlinien konnten dauerhaft für die für Parteien so signifikanten elektoralen und mitgliederbezogenen Kontinuitäten sorgen, die auf Basis der Politisierung dieser Konflikte entstanden.
Ob es in den Niederlanden die strikt getrennten religiösen und sozialdemokratischen Säulen, die in Österreich antagonistisch gegenüberstehenden und militanten Lager oder wie in Deutschland die durch den Außendruck der Mehrheitsgesellschaft entstandenen katholischen und sozialdemokratischen Milieus waren , alle subkulturellen Ausformungen basierten doch auf tiefgreifenden und emotional überformten gesellschaftlichen Konfliktlinien, die bestimmte Gruppen sowie Klassen politisch aktivieren und langfristig an eine Partei binden konnten.
Westliche Parteiensysteme beruhen insofern größtenteils auf gesellschaftlichen Konfliktstrukturen, hängen aber auch zugleich mit den historischen Grundentscheidungen und strategischen Ausrichtungen der jeweiligen Parteieliten zusammen. Gesellschaftliche Konflikte können sich folglich nicht selbst in ein Parteiensystem übersetzen, sondern bedürfen auch Artikulierungs- und Vermittlungsmechanismen sowie politischer Koalitionen zwischen politischen Eliten und bestimmten Bevölkerungsgruppen. Politischen Eliten kommt hierbei eine zentrale Rolle zu, weil sie die Konflikte direkt in den politischen Raum übertragen können. Gesellschaftliche Konfliktlinien stellen nach Rohe demzufolge keinen parteiprägenden Automatismus, sondern „nur Chancen dar, die von den politischen Eliten wahrgenommen werden können, aber nicht wahrgenommen werden müssen.“In der vorliegenden Arbeit sollen dabei auf Basis der Cleavage-Theorie die Entstehung und Fortentwicklung der gesellschaftlichen Konfliktlinien im deutschen Parteiensystem untersucht werden. Im Zentrum dieser Arbeit steht gleichwohl die Frage nach der Entstehung, Prägekraft und Bedeutung alter und neuer gesellschaftlichen Konflikte für das gegenwärtige Parteiensystem.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung

2. Der theoretische Rahmen des Cleavage-Modells

3. Entstehung und Verfestigung der gesellschaftlichen Konfliktlinien im deutschen Parteiensystem

3.1. Die Konstituierungsphase im Kaiserreich

4. Die Entwicklung der Konfliktlinien in der Bundesrepublik

4.1. Sozialstruktureller Wandel und Erosion sozialmoralischer Milieus. Die Transformation der Konfliktstrukturen

4.2. Die Ausprägung einer neuen Konfliktlinie im Parteiensystem

5. Fortentwicklung und Prägekraft klassischer Konfliktlinien im gesamtdeutschen Parteiensystem

5.1. Die Renaissance der Konfliktlinien zwischen Arbeit und Kapital sowie Zentrum und Peripherie

6. Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht auf Basis der Cleavage-Theorie von Lipset und Rokkan die Genese, Institutionalisierung und Fortentwicklung gesellschaftlicher Konfliktlinien im deutschen Parteiensystem von der Kaiserzeit bis in die Gegenwart, um deren aktuelle Relevanz für das politische Gefüge zu bewerten.

  • Anwendung des makrosoziologischen Cleavage-Modells auf den deutschen Kontext.
  • Analyse der historischen Konstituierung von Konfliktlinien im Kaiserreich.
  • Untersuchung des sozialstrukturellen Wandels und der Erosion traditioneller Milieus in der Bundesrepublik.
  • Bewertung der Entstehung postmaterialistischer Konfliktlinien und deren Institutionalisierung.
  • Diskussion über die Persistenz und Renaissance klassischer Konfliktstrukturen wie „Arbeit vs. Kapital“.

Auszug aus dem Buch

Die Konstituierungsphase im Kaiserreich

Als Basiskonflikt der Nationswerdung prägte vor allem „die deutsche Frage“ nachhaltig den Konflikt zwischen Zentrum und Peripherie. Diese Spannungslinie umfasste die Frage, ob sich Deutschland unter preußischer Führung einem kleindeutschen Modell oder einem großdeutschen Bund unter Einschluss Österreichs nähern sollte. Die preußisch agrarischen Großgrundbesitzer forcierten dabei eine kleindeutsche Lösung zugunsten eines protestantisch-monarchischen Preußentums, das ihnen weiterhin die standesrechtlichen Privilegien sichern und jegliche gesellschaftlich sowie politisch begründeten Veränderungen verhindern sollte. Zum einen standen die ostelbischen Junker somit diametral zu den Vorstellungen der sich zumeist in Süddeutschland und im Westen Deutschlands befindenden katholischen Bevölkerungsgruppen, die eine großdeutsche Lösung befürworteten, um nicht in eine konfessionelle Minoritätsposition zu geraten.

Folglich dominierte bei dem Konflikt zwischen preußisch dominiertem kulturellem Zentrum und südlicher Peripherie nicht nur die Konfliktlinie der nationalen Frage, sondern auch vielmehr die Spannungslinie zwischen Staat und Kirche, die sich in diesem Falle aber als Gegensatz zwischen romhörigem, traditionellen Katholizismus und rational preußisch-protestantischen Staat darstellte. Darüber hinaus umfasste das Konfliktmuster Zentrum-Peripherie jedoch nicht nur die nach der kleindeutschen Lösung benachteiligten Katholiken, sondern auch weitere nationale Minderheiten, wie Polen, Dänen Welfen und Elsässer, die sich gegen den preußisch dominierten Nationalstaat wandten. Insgesamt lässt sich die Konfliktlinie Zentrum vs. Peripherie somit nur in abgewandelter Form als Erklärungsmuster für ein parteiprägendes Konfliktmuster zu Rate ziehen. Im Vergleich zu den schon frühen zentralistisch ausgerichteten Staaten Frankreich, Spanien und Italien und deren Konzentration auf die Hauptsstadtregionen blieb dieses Konfliktmuster im historisch, föderal gegliederten Deutschland unterentwickelt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung und Fragestellung: Das Kapitel führt in die Thematik ein und erläutert die Relevanz der Cleavage-Theorie für das Verständnis von Parteiensystemen.

2. Der theoretische Rahmen des Cleavage-Modells: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Modells von Lipset und Rokkan sowie die zentralen Konfliktlinien in europäischen Gesellschaften dargelegt.

3. Entstehung und Verfestigung der gesellschaftlichen Konfliktlinien im deutschen Parteiensystem: Dieses Kapitel analysiert die historischen Wurzeln und die Etablierung der Konfliktlinien im Kontext der deutschen Reichsgründung.

3.1. Die Konstituierungsphase im Kaiserreich: Fokus auf den Konflikt zwischen Zentrum und Peripherie sowie die Rolle der "deutschen Frage" in der Gründungsphase.

4. Die Entwicklung der Konfliktlinien in der Bundesrepublik: Untersuchung der Transformation historischer Konfliktlinien unter den Bedingungen des modernen Staates nach 1945.

4.1. Sozialstruktureller Wandel und Erosion sozialmoralischer Milieus. Die Transformation der Konfliktstrukturen: Analyse des Einflusses gesellschaftlicher Wandlungsprozesse auf die traditionellen Milieubindungen.

4.2. Die Ausprägung einer neuen Konfliktlinie im Parteiensystem: Diskussion über die Entstehung postmaterialistischer Werte und deren Einfluss auf die Parteienlandschaft, insbesondere durch die Grünen.

5. Fortentwicklung und Prägekraft klassischer Konfliktlinien im gesamtdeutschen Parteiensystem: Betrachtung der aktuellen Bedeutung historischer Konflikte im vereinten Deutschland.

5.1. Die Renaissance der Konfliktlinien zwischen Arbeit und Kapital sowie Zentrum und Peripherie: Analyse der Wiederbelebung ökonomischer und territorialer Konfliktlinien im Kontext neuer politischer Konstellationen.

6. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Virulenz klassischer Konfliktlinien und deren zukünftige Bedeutung für das politische Handeln der Eliten.

Schlüsselwörter

Cleavage-Theorie, Parteiensystem, gesellschaftliche Konfliktlinien, Lipset und Rokkan, sozialmoralische Milieus, Wertewandel, Sozialstruktur, politische Eliten, Bundesrepublik Deutschland, Arbeit und Kapital, Zentrum und Peripherie, Postmaterialismus, Milieuauflösung, Parteibindungen, Demokratisierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, wie gesellschaftliche Konfliktlinien (Cleavages) zur Entstehung und Stabilität des deutschen Parteiensystems beigetragen haben und welche Bedeutung sie unter heutigen Bedingungen noch besitzen.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen umfassen die Anwendung des Cleavage-Modells, die Erosion traditioneller Milieus, den Wertewandel in der Gesellschaft sowie die politische Strategiebildung von Eliten zur Institutionalisierung von Konflikten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu analysieren, ob und in welcher Weise historische Konfliktlinien weiterhin das Parteiensystem der Bundesrepublik prägen und wie diese auf aktuelle politische Veränderungen reagieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Es handelt sich um eine makrosoziologische Analyse auf Basis des theoretischen Modells von Lipset und Rokkan, die durch Literaturanalysen und die Auswertung wahlsoziologischer Daten ergänzt wird.

Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der historischen Genese der Konfliktlinien, der Milieuauflösung in der Bundesrepublik, der Entstehung neuer postmaterieller Konflikte und der Renaissance ökonomischer Verteilungskämpfe.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Cleavage-Theorie, Milieubindung, soziale Konfliktlinien, Wertewandel und parteipolitische Institutionalisierung charakterisiert.

Wie beeinflusste der Kulturkampf die Parteibildung des Zentrums?

Der Kulturkampf fungierte als milieukonstituierendes Ereignis, das die Katholiken in eine religiöse Abschottung trieb und somit die dauerhafte Bindung an die Zentrumspartei festigte.

Inwiefern veränderte die "stille Revolution" das Parteiensystem?

Die "stille Revolution" bezeichnet den Wertewandel hin zu postmateriellen Vorstellungen, was die Etablierung neuer Konfliktlinien und den Aufstieg der Grünen im Parteiensystem ermöglichte.

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Details

Title
Gesellschaftliche Konfliktlinien im deutschen Parteiensystem
Subtitle
Enstehung, Fortentwicklung und gegenwärtige Bedeutung von Cleavage-Strukturen für das Parteiensystem der BRD
College
University of Göttingen  (Seminar für Politikwissenschaft)
Course
Regieren und politische Willensbildung im Vergleich
Grade
1,0
Author
Jens Gmeiner (Author)
Publication Year
2008
Pages
36
Catalog Number
V128968
ISBN (eBook)
9783640351657
ISBN (Book)
9783640351251
Language
German
Tags
Gesellschaftliche Konfliktlinien Parteiensystem Enstehung Fortentwicklung Bedeutung Cleavage-Strukturen Parteiensystem
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jens Gmeiner (Author), 2008, Gesellschaftliche Konfliktlinien im deutschen Parteiensystem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128968
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