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Variationslinguistische Einbettung des Accent du Midi in den Französischunterricht. Aussprache- und rezeptive Varietätenkompetenz

Title: Variationslinguistische Einbettung des Accent du Midi in den Französischunterricht. Aussprache- und rezeptive Varietätenkompetenz

Bachelor Thesis , 2018 , 43 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Alexander Bernhagen (Author)

French Studies - Linguistics
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Summary Excerpt Details

Diese Arbeit versteht sich als eine Nahtstelle der Linguistik und Didaktik. Übergeordnetes Ziel ist es, mithilfe dieser geschlagenen Brücke zwischen den beiden Disziplinen Synergieeffekte zu erzeugen, die die unterrichtliche Praxis bereichern.

Die Konfrontation mit standardabweichenden Sprachkolorierungen bildet ebenso einen Bestandteil der linguistischen Entwicklung eines Menschen wie die anfängliche Imitation von Lauten im Säuglingsalter, das Dekodieren von Wörtern und Sätzen in der Grundschule oder die Thematisierung grammatischer Strukturen bis in den späten Sekundarbereich. Ein Mensch nimmt nicht nur im Laufe des kindlichen Spracherwerbs ein Spektrum aus mannigfaltigen sprachlichen Nuancen auf, die sich fernab einer unmarkierten Norm in einer Zuweisung von Ort, Zeit, Schicht, Situation, etc. manifestieren. Diesbezüglich wird dem sensiblen Umgang mit Unterschiedlichkeiten in der Sprache immer mehr Bedeutung beigemessen, sodass das Desiderat nach einer größeren Wertschätzung standardabweichender Prägungen einer Sprache in den letzten Jahrzehnten v.a. im Bereich schulischer Unterweisung sukzessive an Geltung gewonnen hat. Die sogenannten Varietäten einer Sprache sind derweil als metasprachliche Kompetenz in den Konzepten der Inneren Mehrsprachigkeit und Language awareness verankert und fest im muttersprachlichen Diskurs implementiert.

Angesichts dieser didaktischen Forderungen erscheint es beinahe als banal, dass Varietäten nicht nur Teil der (deutschen) Muttersprache, sondern ebenfalls jeder anderen Sprache der Welt sind. Dies gilt folglich auch für die Fremdsprachen im schulischen Diskurs, also im Hinblick auf diese Arbeit, das Französische in Frankreich als Land mit einer offiziell deklarierten scheinbar sprachlichen Einheit, das de facto "eine[n] der sprachlich mannigfaltigsten Staaten Europas" repräsentiert. Die vorliegende Arbeit nimmt diese Sachlage als Anlass und setzt eine räumliche Varietät der Fremdsprache Französisch in den Mittelpunkt, den südfranzösischen Accent du Midi. Auf Basis variationslinguistischer Prämissen soll mittels einer sukzessiven thematischen Annährung die Relevanz dieser Varietät für den Französischunterricht erarbeitet werden. Sodann verändert sich der Blickpunkt von der Linguistik auf die didaktische Praxis.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Linguistische Grundlagen

2.1 Varietätenlinguistik

2.1.1 Ein allgemeiner Überblick

2.1.2. Coserius Architektur der Sprache

2.2 Diatopische Varietäten in Frankreich

2.3 Der Accent du Midi

3 Didaktische Praxis

3.1 Der Ist-Zustand: Mangelnde Diatopik in Lehrwerken

3.2 Der Soll-Zustand

3.2.1 Eine Laudatio für den Accent du Midi…

3.2.2. …auf Basis der rezeptiven Varietätenkompetenz

3.2.2.1 Die Verortung der rezpetiven Varietätenkompetenz

3.2.2.2 Rezeptive Varietätenkompetenz vs. Orthoepische Aussprachekompetenz

4 Didaktischer Transfer

4.1 Das Forschungsprojekt PCF als authentische Materialquelle

4.2 Impulse für den Unterricht

5 Resümee und Ausblick

Zielsetzung & Forschungsthemen

Diese Bachelorarbeit verfolgt das Ziel, das Potenzial der Einbettung des südfranzösischen Akzents (Accent du Midi) in den Französischunterricht zu untersuchen. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie durch die Förderung der rezeptiven Varietätenkompetenz Schülerinnen und Schüler auf eine plurale sprachliche Realität vorbereitet werden können, anstatt sich ausschließlich an einer normativen Standardsprache zu orientieren.

  • Varietätenlinguistische Einordnung des Accent du Midi
  • Kritische Analyse zur Behandlung diatopischer Varietäten in aktuellen Lehrwerken
  • Konzeption der rezeptiven Varietätenkompetenz als didaktisches Ziel
  • Entwicklung von Transfermöglichkeiten durch authentische Materialien des Projekts PCF

Auszug aus dem Buch

2.3 Der Accent du Midi

Auf Basis der in Kapitel 2.1.1 formulierten Fragenstellungen zur varietätenlinguistischen Forschung erfolgt im Folgenden ein Zugang zum Accent du Midi (oder auch Accent du Sud, Accent méridional)10. Als erster Bezugspunkt im Rahmen einer adäquaten Auseinandersetzung dient die Betrachtung der Ursächlichkeit und damit einhergehend die grundlegende Frage, warum diese Varietät von der standardsprachlichen Norm abweicht (vgl. Kap. 2.1.1). Darauf aufbauend sind eine dialektale Einordnung sowie eine tiefere Schilderung der Markiertheit zielführend.

Auf Basis des Vulgärlateins hat sich das Französische auf dem Gebiet der Galloromania entwickelt, welches sich unter römischen Einfluss und germanischer Invasionen ab dem 5. Jh. in drei sprachliche Gebiete unterteilt: das (heutige) Französische (langue d’oïl) im Norden, das Okzitanische (langue d’oc) im Süden sowie das Frankoprovenzalische im Südosten (vgl. Stein 2014: 104f.). Diesbezüglich ist das südliche Drittel des Hexagons noch bis heute okzitanischsprachig verwurzelt, seine „Hochburgen [liegen] [...] in den Pyrenäen, etwa im Béarn, sowie in der Auvergne und im Zentralmassiv. In den Städten und in den Ebenen ist es [das Okzitanische] weitgehend verschwunden“ (Bossong 2008: 131). Angesichts dieser immensen geographischen Ausdehnung (das Okzitanische wird über Frankreich hinaus zusätzlich in Italien, Monaco und Spanien gesprochen) und einer geschätzten Sprecherzahl von maximal 200.000 repräsentiert das Okzitanische die bedeutendste Minderheitensprache Frankreichs (vgl. Geckeler/Dietrich 52012: 33). Die „Lautungen, die aus [diesem] dialektalen Substrat des Sprechers [...] in die Standardsprache übernommen werden“ (Rothe 1972: 29) färben die französische Norm, die auch nach Geckeler/Dietrich (52012: 163) als „neutral im Hinblick auf diatopisch, diastratische und diaphasische Varietäten“ definiert wird, sodass der Accent du Midi seine Merkmalhaftigkeit erhält.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Komplexität sprachlicher Varietäten ein und begründet die Relevanz der Wertschätzung standardabweichender Prägungen im Fremdsprachenunterricht.

2 Linguistische Grundlagen: Dieses Kapitel liefert das theoretische Fundament der Varietätenlinguistik und beschreibt die Architektur der Sprache nach Coseriu sowie die diatopische Verankerung des Accent du Midi.

3 Didaktische Praxis: Hier wird der mangelnde Ist-Zustand gängiger Lehrwerke analysiert und theoretisch auf Basis der rezeptiven Varietätenkompetenz ein Soll-Zustand für den Unterricht definiert.

4 Didaktischer Transfer: Das Kapitel bietet konkrete Anregungen zur Didaktisierung mithilfe des Forschungsprojekts PCF und entwirft verschiedene Unterrichtsimpulse zur Implementierung.

5 Resümee und Ausblick: Diese Zusammenfassung unterstreicht die Notwendigkeit einer Verzahnung von Linguistik und Didaktik und plädiert für eine stärkere Berücksichtigung varietätenorientierter Ansätze in zukünftigen Lehrwerksgenerationen.

Schlüsselwörter

Französischunterricht, Accent du Midi, Varietätenlinguistik, rezeptive Varietätenkompetenz, Diatopik, Orthoepie, Sprachbewusstheit, PCF, Standardsprache, Regionalfranzösisch, Mehrsprachigkeit, Didaktik, Interkulturelle Kompetenz, Phonetische Schibbolethe, Authentische Materialien

Häufig gestellte Fragen

Was ist das grundlegende Thema dieser Arbeit?

Die Arbeit befasst sich mit der Einbettung des südfranzösischen Akzents (Accent du Midi) in den schulischen Fremdsprachenunterricht, um Lernende für sprachliche Vielfalt zu sensibilisieren.

Welche zentralen Themenfelder behandelt der Autor?

Zentrale Themen sind die linguistische Varietätenforschung, die Analyse der Situation in aktuellen französischen Lehrwerken sowie die didaktische Vermittlung von rezeptiver Varietätenkompetenz.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, eine Brücke zwischen linguistischer Theorie und didaktischer Praxis zu schlagen, um den Accent du Midi als relevante Varietät für Lernende zugänglich zu machen und die „Frankophonie-Paradoxon“ zu adressieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?

Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse sowie die forschungsbasierte Auswertung von authentischem Sprachmaterial aus dem Projekt Phonologie du français contemporain (PFC).

Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert untersucht?

Im Hauptteil werden zunächst die linguistischen Grundlagen dargelegt, gefolgt von einer kritischen Bestandsaufnahme bestehender Lehrwerke und der Entwicklung eines didaktischen Konzepts für den Unterricht.

Welche Schlüsselbegriffe sind für das Verständnis der Arbeit essentiell?

Besonders wichtig sind Begriffe wie Varietätenlinguistik, rezeptive Varietätenkompetenz, Diatopik, Orthoepie sowie das Konzept des "Accent du Midi".

Warum ist der Accent du Midi für Schüler besonders relevant?

Der Accent du Midi ist quantitativ die bedeutendste Varietät Frankreichs und bietet aufgrund der Beliebtheit Südfrankreichs als Reiseziel einen hohen Lebensweltbezug für Lernende.

Wie werden die "Schibbolethe" des Accent du Midi für den Unterricht definiert?

Der Autor konzentriert sich auf drei Phänomene: die Oralvokal-Nasalkonsonant-Substitution, die komplementäre Verteilung der mittleren Vokale (loi de position) und die Prosodie im Zusammenhang mit dem e muet.

Welche Rolle spielt das Projekt PFC bei der didaktischen Umsetzung?

Das Projekt PFC dient als authentische Quelle für Tonaufnahmen, die es ermöglichen, Schülern reale Sprechsituationen in den verschiedenen Regionen Frankreichs erfahrbar zu machen.

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Details

Title
Variationslinguistische Einbettung des Accent du Midi in den Französischunterricht. Aussprache- und rezeptive Varietätenkompetenz
College
University of Paderborn  (Romanistik)
Grade
1,3
Author
Alexander Bernhagen (Author)
Publication Year
2018
Pages
43
Catalog Number
V1289876
ISBN (PDF)
9783346750099
ISBN (Book)
9783346750105
Language
German
Tags
Didaktik Varietät Coseriu Diatopisch Frankreich
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alexander Bernhagen (Author), 2018, Variationslinguistische Einbettung des Accent du Midi in den Französischunterricht. Aussprache- und rezeptive Varietätenkompetenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1289876
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