Neben kulturwissenschaftlichen, gendertheoretischen oder beispielsweise rezeptionsanalytischen Fragestellungen ist Dreh- und Angelpunkt gegenwärtiger Verhandlungen mit dem Vampirismus die Analyse der Entwicklung eines Mythos. Die These lautet – Bram Stokers Dracula als Ausgangspunkt nehmend – dass sich der Mythos um die Vampirfigur gewandelt hat: Gilt die Figur des Vampirs in seinen Anfängen noch als bösartiges Monster, fungiert der Vampir in heutigen Mainstream-Produktionen als Identifikationsfigur.
Dieser Text möchte einen Beitrag zum Diskurs leisten, indem die von der Fachliteratur häufig aufgestellte These untersucht wird. Bei dieser Untersuchung bezieht sich die Arbeit auf zwei audiovisuelle Formate, "Nosferatu – eine Symphonie des Grauens" von 1922 und die knapp 90 Jahre später erschienene Roman-Verfilmung "Twilight - Bis(s) zum Morgengrauen". Einleitend soll die Figur des "Vampirs" kurz definiert werden und noch einmal die aufgestellte These anhand von Sekundärliteratur erläutert und begründet werden. Daraufhin wird dargelegt, auf welche ausgewählten Momente sich die Analyse und der Vergleich beziehen. Nach der Durchführung beider Verfahren wird erneut ein Bogen zur These geschlagen, um die Ergebnisse im abschließenden Kapitel zusammenzufassen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theorie und Methodik
3. Analyse der Vampirdarstellung
3.1. Primärwerk «Nosferatu»
3.2. Primärwerk «Twilight»
3.3. Gegenüberstellung
4. Fazit und Reflexion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den diachronen Wandel des Vampirmythos in audiovisuellen Medien am Beispiel der Filme «Nosferatu» (1922) und «Twilight» (2008), um die Transformation der Vampirfigur vom bösartigen Monster hin zur Identifikationsfigur des modernen Mainstream-Kinos zu belegen und zu analysieren.
- Entwicklung des Vampirmythos in Film und Literatur
- Theoretische Grundlagen zur Vampirfigur im Wandel der Zeit
- Komparative Analyse der Darstellung von Graf Orlock und Edward Cullen
- Diskussion soziokultureller Faktoren des Vampirbildes
- Analyse narrativer Komplexität und Subjektivierung in Vampirfilmen
Auszug aus dem Buch
3.1. Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens
«Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens» ist ein von Friedrich Wilhelm Murnau produzierter Stummfilm aus dem Jahr 1922 und stellt den ersten großen Vampir-Stummfilm dar. Die Rahmenhandlung wird von der Pest bestimmt und weiter geht es um einen verheirateten Angestellten, der ein Geschäft abwickeln soll, bei dessen Kunden es sich um einen Vampir handelt. Da Murnau der erste Regisseur ist, der sich dem Vampirthema auf audiovisuelle Weise genährt hat, ist seine Gestaltung des Vampirs Graf Orlocks für damalige Verhältnisse revolutionär.
Bereits die erste Szene, in der Nosferatu auf der Leinwand erscheint, erweckt Beklemmung im Zuschauer. Die Figur des Graf Orlocks wird ohne Kopfhaare und mit buschigen Augenbrauen dargestellt. Seine Augen sind riesig, weit aufgerissen und von tiefen Ringen gezeichnet, seine Nase ungewöhnlich markant und aus seinem Mund blitzen spitze Schneidezähne. Er trägt aristokratische Kleidung: einen hochgeschlossenen Kragen, einen Mantel mit langer Knopfzeile und insgesamt keinerlei Farben. Die einzigen Körperstellen, an denen man Haut sieht, sind sein Kopf und seine Hände. Genau wie die langen Ohren sind auch die Hände Nosferatus mit überdimensional langen fingern und spitzen Nägeln versehen und der Buckel auf seinem Rücken wird durch eine gekrümmte Körperhaltung verstärkt. Insgesamt verkörpert sein Erscheinungsbild etwas Animalisches und gleichzeitig Mysteriöses.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema Vampirismus, Erläuterung des Wandels der Figur im Laufe der Jahrhunderte und Vorstellung der zentralen Forschungsfrage.
2. Theorie und Methodik: Darlegung der theoretischen Hintergründe zum Vampirmythos und Erläuterung der angewandten Analyseansätze zur Untersuchung der Primärwerke.
3. Analyse der Vampirdarstellung: Detaillierte Untersuchung der filmischen Umsetzung und der Charakterisierung der Vampirfiguren in den gewählten Werken.
3.1. Primärwerk «Nosferatu»: Charakterisierung der Figur des Graf Orlock als animalisches, furchteinflößendes Monster im Kontext des Stummfilms von 1922.
3.2. Primärwerk «Twilight»: Analyse der Darstellung von Edward Cullen als zivilisierten, attraktiven und zu Selbstreflexion fähigen Helden der modernen Populärkultur.
3.3. Gegenüberstellung: Synoptische Auswertung der Analyseergebnisse, die den starken Wandel der Vampirinszenierung über die Jahrzehnte verdeutlicht.
4. Fazit und Reflexion: Zusammenfassendes Urteil über die Untersuchung sowie kritische Reflexion des eigenen wissenschaftlichen Arbeitsprozesses im Rahmen des universitären Seminars.
Schlüsselwörter
Vampirmythos, Nosferatu, Twilight, Filmwissenschaft, Monstrosität, Identifikationsfigur, Medienwandel, Transformation, Populärkultur, Stummfilm, Subjektivierung, Vampirismus, Gender, Rezeptionsanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema dieser Arbeit?
Diese Arbeit befasst sich mit der Transformation der Vampirfigur im Film und untersucht, wie sich das Bild des Vampirs vom ursprünglichen Monster zur modernen Identifikationsfigur gewandelt hat.
Welche filmischen Beispiele werden untersucht?
Die Untersuchung konzentriert sich auf den Stummfilm «Nosferatu – eine Symphonie des Grauens» von 1922 sowie die Romanverfilmung «Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen» aus dem Jahr 2008.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, anhand der beiden audiovisuellen Formate aufzuzeigen, wie sich der Mythos des Vampirs im Laufe der Zeit reflektiert in den gesellschaftlichen Werten und Sehgewohnheiten verändert hat.
Welche wissenschaftliche Methodik kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse, wobei sie theoretische Ansätze der Phantastik-Forschung mit einer filmanalytischen Untersuchung der spezifischen Darstellungsweisen in den beiden ausgewählten Werken kombiniert.
Welche Aspekte stehen im Mittelpunkt der Analyse?
Im Hauptteil werden neben der optischen Darstellung der Vampire auch ihr sozialer Status, ihre Fähigkeiten, ihr Grad an Selbstreflexion sowie ihr Verhältnis zu menschlichen Charakteren beleuchtet.
Durch welche Schlagworte lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Vampirmythos, Medienwandel, Monstrosität, Identifikationsfigur, Subjektivierung und Populärkultur zusammenfassen.
Wie unterscheidet sich die Darstellung von Nosferatu von der in Twilight?
Nosferatu verkörpert noch das Klischee des bedrohlichen, animalischen Monsters, während Edward Cullen in Twilight einen menschlich wirkenden, intelligenten und emotionalen "Helden"-Typus repräsentiert.
Welche Bedeutung kommt dem Sonnenlicht in der jeweiligen Darstellung zu?
Während Nosferatu durch das Sonnenlicht getötet wird, was ihn als reines Wesen der Nacht und des Grauens definiert, fungiert das Sonnenlicht in Twilight als Mittel, das die vampirische Andersartigkeit durch Glitzern ästhetisiert und den Vampir in die moderne Welt integriert.
- Citation du texte
- Frederike Gadeberg (Auteur), 2018, Die Entwicklung des Vampirmythos in audiovisuellen Formaten. Am Beispiel von "Nosferatu" und "Twilight", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1290053