In den Paragraphen §§556-563 legt Hegel in knapper Form die wesentlichen Gedanken seiner Philosophie der Kunst dar. Kunst sei dabei die erste Stufe auf dem Weg zu Selbsterkenntnis des Absoluten. Dabei führt er die geistesgeschichtliche Bedeutung der Kunst auf.
Kunst sei die Form, in der der absolute Geist sich selbst erfasse und zur Anschauung bringe. Hegel versteht die Kunst als Moment des absoluten Geistes. Der Sinn der Kunst sei, dass die Wahrheit in ihr ans Licht komme, jedoch könne die Art, in der die Kunst die Wahrheit zeige, durch die Gebundenheit der Kunst an bestimmte Gestaltungsweisen und den geschichtlichen Kontext, bloß eine unangebrachte sein, sie sei nur ein Anfang der in der Religion weitergeführt werden könne. Denn die unmittelbar schöne Gestalt der Kunst könne lediglich das Dasein des Göttlichen realisieren. So könne, nach Hegel, die Kunst das Absolute nur anschauen, nicht denken oder wissen. Kunst sei weder der angemessene Ausdruck für ihren Inhalt, noch vermöge sie die volle Wirklichkeit als Inhalt zu fassen. Die Kunst bleibe als greifbare Inhaltlichkeit geschichtlich und kulturell eingeschränkt, weil die schöne Gestalt, ihr Ideal, „nur das angeschaute bzw. vorgestellte Sein des absoluten Geistes“ sei (Hegels EPW, Seite 353). „Es ist die Absolutheit des absoluten Geistes und damit die vollendete Wahrheit, die eine vollendete Kunst verhindert und zwar dadurch verhindert, dass sie sich einer angemessenen Darstellung im sinnlichen Material entzieht.“ (Hegels Lehre vom absoluten Geist, Seite 206)
Gliederung
1.1 Kunst in der EPW
2. Exegese
2.1 §562
2.2 §563
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit analysiert das Verhältnis der Kunst zum absoluten Geist in Hegels Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften, insbesondere anhand der Paragraphen 562 und 563, um die geistesgeschichtliche Bedeutung und die Grenzen der Kunst als Ausdrucksform des Absoluten aufzuzeigen.
- Die systematische Einordnung der Kunst als erste Stufe auf dem Weg zur Selbsterkenntnis des Absoluten.
- Die dialektische Beziehung zwischen der symbolischen, klassischen und romantischen Kunstform.
- Die Analyse der religiösen Unzulänglichkeit der Kunst aufgrund ihrer Gebundenheit an sinnliche Darstellung.
- Die philosophische Begründung für den Übergang von der Kunst zur Religion als höhere Sphäre des Geistes.
Auszug aus dem Buch
2.1 §562
In diesem Paragraphen stellt Hegel die drei geistesgeschichtlichen Kunstformen in einen Zusammenhang mit dem absoluten Geist. Er führt das Verhältnis der Kunstformen zum absoluten Geist aus.
Die andere Weise aber der Unangemessenheit der Idee und der Gestaltung ist (die romantische Kunst).
Hegel hat in den vorigen Paragraphen verdeutlicht, dass er die griechische Kunstform Hegel als in Idee und Gestaltung angemessen, das Ideal –die wahre Idee der Schönheit– erreichend, bezeichnet, als Vollendung der Schönheit. Sie bildet so die Mitte zwischen den beiden Extremen der symbolischen Kunst, die aus Mangel unangemessen ist, und der romantischen Kunst, die aus Überfluss unangemessen ist. Daraus folgt, dass die Unangemessenheit der romantischen und der symbolischen Kunst völlig entgegengesetzt ist. Während die Symbolik im Erstreben des Ideals besteht, es aber noch nicht hervorbringen kann, überschreitet die Romantik das Ideal wieder, lässt das Ideal hinter sich, das die griechische bzw. klassische Kunst erreicht hatte. So ergibt sich „für den Bezug der klassischen zur romantischen Kunst eine Dialektik, die ihrer Beziehung zum symbolischen abgeht“ (Hegels Lehre vom absoluten Geist, Seite 206).
Zusammenfassung der Kapitel
1.1 Kunst in der EPW: Dieses Kapitel erläutert die Grundgedanken Hegels zur Kunst als Moment des absoluten Geistes und stellt sie als historisch und kulturell begrenzte Ausdrucksform dar.
2. Exegese: Dieser Teil widmet sich der detaillierten Analyse der Paragraphen 562 und 563 und deren philosophischer Bedeutung.
2.1 §562: Hier wird das Verhältnis der romantischen, klassischen und symbolischen Kunstformen untereinander und zum absoluten Geist beleuchtet.
2.2 §563: Dieses Kapitel thematisiert den Übergang von der Kunst zur Religion und begründet, warum die Religion eine höhere Stufe des absoluten Geistes darstellt.
Schlüsselwörter
Hegel, Enzyklopädie, absoluter Geist, Kunst, Religion, Ästhetik, Ideal, romantische Kunst, griechische Kunst, symbolische Kunst, Menschwerdung Gottes, Geist, Selbsterkenntnis, Philosophie, Sinnlichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis der Kunst zum absoluten Geist in Hegels Enzyklopädie, speziell im Hinblick auf deren begrenzte Ausdruckskraft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Philosophie der Kunst, die Geistesgeschichte, das Schönheitsideal sowie der Übergang von der Kunst zur Religion.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Hegels Argumentation nachzuvollziehen, warum die Kunst den absoluten Geist zwar darstellen will, aber aufgrund ihrer sinnlichen Gebundenheit an Grenzen stößt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Exegese und Analyse der entsprechenden Paragraphen aus der Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die drei Kunstformen (symbolisch, klassisch, romantisch) analysiert sowie die notwendige Ablösung der Kunst durch die Religion thematisiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie absoluter Geist, Hegels Ästhetik, Kunstformen, Religion und Selbsterkenntnis charakterisieren.
Warum reicht die Kunst laut Hegel nicht aus, um das Absolute darzustellen?
Weil die Kunst auf sinnliche Gestaltung angewiesen ist, während der absolute Geist reines Denken und Wissen erfordert, was die Kunst in ihrer materialen Gebundenheit nicht leisten kann.
Welche Rolle spielt die Menschwerdung Gottes in der romantischen Kunst?
Die Menschwerdung Gottes ermöglicht die Kunst überhaupt erst, da sie den Eintritt des Göttlichen in das äußerliche Dasein markiert, den die Kunst thematisieren kann.
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- Ruth Flocke (Author), 2009, Das Verhältnis der Kunst zum absoluten Geist in Hegels Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften (§§562-563), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129005