Die Predigt „Quasi stella matutina…” von Meister Eckhart - Einordnung und Interpretation


Hausarbeit, 2007

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

Einführung
1. Grobe Skizzierung von Leben und Wirken Meister Eckeharts
2. Stellung von Meister Eckehart in der intellektuellen Bewegung ab Mitte des 13. Jahrhunderts

Hauptteil
1. Schlüsseltext aus der Bibel
1.1 Aufteilung des Schlüsseltextes durch Meister Eckehart
1.2 Formaler Aufbau seiner Predigt zu Schlüsseltext
2. Interpretation des Predigtinhaltes
2.1 Was bzw. wie ist das Sein Gottes?
2.2 Was ist der Tempel Gottes?
2.3 Quasi- wie sollen die Menschen zu Gott stehen?

Zusammenfassung
1. Meine Sichtweise zum Eckehart´ schen Gottesbild
2. Meister Eckeharts Probleme mit der Amtskirche

Fußnoten

Literaturangaben

Einführung

1. Grobe Skizzierung von Leben und Wirken Meister Eckeharts

Meister Eckehart wurde vermutlich in Hochheim bei Erfurt geboren. Als junger Mann trat er in den Dominikanerorden ein und erhielt in Köln eine theologische und philosophische Ausbildung.[1] Um 1293 ging er nach Paris, kam um 1295 aber dann zurück nach Erfurt und wurde dort zum Prior gewählt. 1300 ging er wieder an die Universität nach Paris (1. Pariser Magisterium), wo er Vorlesungen hielt, und die ersten drei seiner „Pariser Quaestiones“ verfasste. Diese sind eines seiner Hauptwerke in dem er Fragen aufwirft, die er anschließend mit Thesen und Gegenthesen beantwortet.2 1303 wurde der aus Paris wieder nach Deutschland zurückgekehrte Eckehart zum Vorsteher von über 47 dominikanischen Konventen und 70 Frauenklöstern. 1311 wurde Meister Eckehart noch einmal nach Paris geschickt (2.Pariser Magisterium), wo er weitere [2] „Pariser Quaestiones“ verfasste. Ab 1314 lebte er in Straßburg, wo er Frauenklöster betreute. Dort wurde er wegen seinen Predigten als Hauptvertreter deutscher Mystiker hoch angesehen. 1322 wurde er nach Köln gerufen, um das studium generale dort, an dem er selbst ausgebildet worden war, zu leiten.1

1325 wurde ein Verfahren wegen „Verbreitung glaubensgefährdender Lehren“ gegen ihn eröffnet. Bis an das Ende seines Lebens versuchte sich Meister Eckehart zu verteidigen. Er erklärte sich sogar dazu bereit zu widerrufen, wenn ihm häretische Äußerungen nachgewiesen werden könnten. Der Prozess gegen ihn endete erst 1329 nach seinem Tod mit der päpstlichen Verdammungsbulle, die 17 Textstellen als ketzerisch und 11 als verdächtig verurteilte.

2. Stellung von Meister Eckehart in der intellektuellen Bewegung ab Mitte des 13. Jahrhunderts

Der Dominikaner Meister Eckehart lebte von 1260 bis 1328 und gilt als einer der bedeutendsten und geistvollsten deutschen Mystiker.

Ab etwa 1250 entwickelte sich in Deutschland eine intensive intellektuelle Bewegung[3], in deren Zentrum er bald stand. Auf der Grundlage seiner mystischen Frömmigkeitserfahrung entwickelte er eine Theologie, die durch konsequenten Vernunftgebrauch den Weg zu Gott ebnen wollte. Er versuchte die „philosophische Umwandlung der auf den Begriff des Seins konzentrierten Metaphysik“ in die Analyse der „Zusammensetzbarkeit“ der göttlich-menschlichen Vernunft.[4] Seine Theologie war von großer Bedeutung für seine Zeit und erreichte nach dem 18 Jahrhundert wieder immense Wichtigkeit für die Entwicklung von Philosophie und Theologie in Deutschland. Meister Eckehart war ein begnadeter Prediger. Seine Predigten liegen nahezu vollständig vor und beschäftigen bis heute die Forschung. In der Ausgabe des Diogenes Verlags „Meister Eckehart- Deutsche Predigten und Traktate“ ist die Predigt, mit der sich diese Arbeit beschäftigt, nummeriert mit der 10.

Sie wird auch als „Quasi stella matituna“ - Predigt und als Schlüsselpredigt4 bezeichnet.

Hauptteil

1. Schlüsseltext aus der Bibel

Das Bibelzitat, auf das sich die Predigt Nr. 10 bezieht, lautet im Original:

„Quasi stella matutina in medio nebulae et quasi luna plena in diebus suis lucet et quasi sol refulgens, sic iste refulsit in templo dei.” (Jes Sir 50, 6/7)

Übersetzen kann man dies mit:

„Wie ein Morgenstern mitten im Nebel und wie ein voller Mond in seinen Tagen und wie eine strahlende Sonne, so hat dieser geleuchtet im Tempel Gottes“

1.1 Aufteilung des Schlüsseltextes durch Meister Eckehart

Diesen Schlüsseltext hat Meister Eckehart wie folgt unterteilt:

Zuerst behandelt er das letzte Wort -dei / Gottes- woraus er die Frage ableitet:

„Was bzw. wie ist das Sein Gottes?“.

Diesem obigen Punkt widmet Eckehart in der Predigt die meiste Aufmerksamkeit.

Darauf nimmt er sich die letzten beiden Worte -templo dei / Tempel Gottes- vor und erörtert die Frage:

„Was ist der Tempel Gottes?“

Am Ende der Predigt geht Eckehart auf den ersten Teil des Satzes –Quasi stella matutina in medio nebulae et quasi luna plena in diebus suis lucet et quasi sol refulgens / Wie ein Morgenstern mitten im Nebel und wie ein voller Mond in seinen Tagen und wie eine strahlende Sonne- ein, worauf er die letzte Erörterung über die folgende Frage folgen lässt:

„Quasi- wie sollen die Menschen zu Gott stehen?“

1.2 Formaler Aufbau seiner Predigt zu obigem Text

Der Aufbau dieser Predigt ist der scholastischen Predigtweise angepasst. Diese gliedert den Schlüsseltext in einzelne Teile auf. Der Gesamtsinn des Satzes steht also im Hintergrund. Hierbei ist sowohl die Reihenfolge der behandelten Themen als auch die Gewichtung der Behandlung dieser egal. Einzelne Aussagen und Worte können sogar einfach gar nicht behandelt werden.

Eckehart nennt diese Art von Textanalyse „litteram punctare“ – Geschriebenes durch Punkte trennen.[5]

Diese Art, Texte zu analysieren ist kennzeichnend für Eckeharts Schriftkommentare. Deshalb kann man davon ausgehen, dass diese Predigt von dort übernommen worden ist.5

2. Interpretation des Predigtinhaltes

2.1 Was bzw. wie ist das Sein Gottes?

Die ersten sechs Abschnitte seiner Predigt beschäftigen sich mit dieser Frage.

Zum Einstieg zitiert Eckehart Sätze dreier Meister[6] aus einer neuplatonischen Schrift[7], in der Kernsätze über Gott festgehalten sind. So erleichtert Eckehart den Einstieg in seine eigenen Gedanken.

Auf den ersten Satz: „Gott ist etwas, dem gegenüber alle wandelbaren und zeitlichen Dinge nichts sind und alles was Sein hat, ist vor ihm gering.“ geht er im Folgenden gar nicht mehr ein, er nutzt ihn nur um die „Sein-Gottes-Problematik“, mit der er sich ausführlich beschäftigen wird, anzusprechen.

Der dritte Satz: „Gott ist eine Vernunft, die da lebt in der Erkenntnis ihrer selbst“ umschreibt den Hauptsatz der Doktrin Eckeharts Pariser Quaestiones. Auf diesen Satz geht er erst später genauer ein.

Mit dem zweiten Satz: „Gott ist etwas, das notwendig über dem Sein ist, das in sich selbst niemandes bedarf und dessen doch alle Dinge bedürfen.“ beginnt Eckehart seine eigenen Überlegungen. Er stimmt zu, dass Gott sowohl in allen Kreaturen, die Sein haben, ist, als auch über Ihnen. Er meint, dass genau das, womit Gott in allem Sein ist, er darüber ist. Er ist in allem Sein, als dessen Ursache und darüber ist er EIN ungeteiltes Ganzes. Das „was in da vielen Dingen Eins ist, das muss notwendig über den Dingen sein“[8]. Gott ist also das, was in allen Kreaturen ist und das was allen Kreaturen Sein verleiht, daher muss er über dem Sein sein.[9]

[...]


1) aus http://www.bautz.de/bbkl/e/eckehart_m.shtml

2) aus http://www.eckhart.de/

3) Frankfurter Allgemeine Zeitung, Ausgabe vom 6.8.07, Artikel von Kurt Flasch Fabeln aus der Teufelssaat-Geniale Denker: Ein Durchbruch in der Meister- Eckehart-Forschung“, Seite 35

4) aus Kurt Flasch, Die Intention Meister Eckeharts in Sprache und Begriff, Verlag Anton Hain

5) aus Kurt Ruh, „Meister Eckehart- Theologe, Prediger, Mystiker“, Verlag C.H.Beck

6) mit „Meister“ bezeichnet Eckehart andere Philosophen. Er zitiert gerne andere Philosophen in seinen Predigten, da er so an den gelehrten Schulbetrieb erinnert, in dem er sich gut auskennt. Allerdings wertet er diese Zitate im Anschluss oft ab und zeigt so, dass er über dem Schulbetrieb steht

7) Mit dieser Schrift ist das „Liber 24 Philosophem“ gemeint, die auch im 13. Jahrhundert entstand

8) Predigt 10 aus „Meister Eckehart- Deutsche Predigten und Traktate“, Diogenes Verlag

9) Hier bezieht er sich auf Augustinus von Hippo ,(geboren 354, gestorben 430) ein bedeutender Kirchenlehrer und der wichtigste Philosoph an der Zeitenwende zwischen Antike und Mittelalter, der sagte: „Gott ist das eine in allem und zugleich über allem.“

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Predigt „Quasi stella matutina…” von Meister Eckhart - Einordnung und Interpretation
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Philsophisches Institut)
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V129007
ISBN (eBook)
9783640366439
ISBN (Buch)
9783640366637
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Predigt, Meister, Eckhart, Einordnung, Interpretation
Arbeit zitieren
Ruth Flocke (Autor:in), 2007, Die Predigt „Quasi stella matutina…” von Meister Eckhart - Einordnung und Interpretation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129007

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