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Energieversorgung als sicherheitspolitische Herausforderung

Die Europäische Union und Russland: Dependenz oder Interdependenz?

Title: Energieversorgung als sicherheitspolitische Herausforderung

Term Paper , 2008 , 29 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Martina Markert (Author)

Politics - Region: Russia
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Die zunehmende globale Vernetzung und die damit verbundenen Herausforderungen auf transnationaler Ebene haben in den letzten Jahren nicht zuletzt in Europa zu einem sicherheitspolitischen Umdenken im Hinblick auf neue Bedrohungsszenarien geführt, welches sich in der Europäischen Sicherheitsstrategie (ESS) vom 12. Dezember 2003 niederschlägt. „Durch die zunehmende Öffnung der Grenzen seit dem Ende des Kalten Krieges ist ein Umfeld entstanden, in dem interne und externe Sicherheitsaspekte nicht mehr voneinander zu trennen sind.“ In diesem Zusammenhang stellt die ESS unter anderem fest, dass „[d]ie Energieabhängigkeit [...] Europa in besonderem Maße Anlass zur Besorgnis [gibt]. Europa ist der größte Erdöl- und Erdgasimporteur der Welt. Unser derzeitiger Energieverbrauch wird zu etwa 50 % durch Einfuhren gedeckt. Im Jahr 2030 wird dieser Anteil ca. 70 % erreicht haben. Die Energieeinfuhren stammen zum größten Teil aus der Golfregion, aus Russland und aus Nordafrika.“ Die Erkenntnis begrenzter Ressourcen und der daraus resultierende Wettlauf um die Sicherung des Energiebedarfs der europäischen Volkswirtschaften sind heute Themen von höchster Brisanz.
Etwa ein Viertel der Öl- und Gasimporte der Europäischen Union kommen aus Russland, was das Land auf diesem Gebiet zum wichtigsten Handelspartner der EU macht. Deshalb liegt der Fokus dieser Arbeit auf dem Energielieferanten Russland. Spätestens seit dem russisch-ukrainischen Gasstreit wird die Zuverlässigkeit des Energielieferanten Russland in der Europäischen Union stark bezweifelt. Eine verbreitete Ansicht ist, dass die EU in hohem Maße von diesem Erzeugerland abhängig sei und dass diese Abhängigkeit die europäischen Staaten daran hindere, politische und soziale Defizite beim russischen Partner anzusprechen. Dabei wird oft vergessen, dass auch die Russische Föderation, etwa im Hinblick auf Öl- und Gasförderung, Transport und Export stark auf den europäischen Partner angewiesen ist.
Die zentrale Frage der vorliegenden Arbeit ist, ob eine völlige europäische Dependenz in energiewirtschaftlicher Hinsicht die Verhandlungsposition der Union gegenüber Russland deutlich einschränkt oder ob zwischen beiden Partnern lediglich ein symmetrisches, interdependentes Verhältnis besteht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Bestimmung des energiewirtschaftlichen Verhältnisses EU – Russland

1. Die Interdependenztheorie nach Keohane und Nye

1.1 Entwicklung der Interdependenztheorien

1.2 Messbarkeit von Interdependenz

2. Methodik

3. Energiepolitik der Europäischen Union

3.1 Fehlende energiepolitische Kompetenzen der Gemeinschaft

3.2 Der Energieaktionsplan 2007 – 2009

3.3 Energiepolitik im Vertrag von Lissabon

3.4 Beurteilung des Status quo europäischer Energiepolitik

4. Die Beziehungen zwischen der EU und Russland - Hindernisse und Realisierung der Stabilität

4.1 Das PKA als langjährige vertragliche Grundlage

4.2 Unzureichende Institutionalisierung der energiepolitischen Beziehungen

5. Russland als Energieexporteur

5.1 Russisches Öl und Gas

5.2 Alternative Koalitionen

5.3 Diversifizierung der Abnehmer

5.4 Russlands Bedürfnis nach Auslandsinvestitionen

5.5 Bewertung der Möglichkeiten und Grenzen russischer Energiepolitik

6. Aktuelle Energiesituation der EU

6.1 Der Energiemix der Europäischen Union

6.2 Die Energielieferanten der Europäischen Union

6.3 Bewertung der Energiesituation der EU

7. Alternativen zu Öl und Gas aus Russland

7.1 Diversifizierung des Energiemix

7.1.1 Kernenergie

7.1.2 Kohle

7.1.3 Biokraftstoffe

7.1.4 Weitere erneuerbare Energieträger

7.2 Diversifizierung der Lieferanten und Transportwege

7.2.1 Die BTC-Pipeline

7.2.2 Das Nabucco-Projekt

7.3 Bewertung der Alternativen zu Öl und Gas

III. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, ob die EU gegenüber Russland in eine energiewirtschaftliche Abhängigkeit geraten ist oder ob ein symmetrisches Interdependenzverhältnis besteht, welches den politischen Spielraum der Union wahrt.

  • Analyse der energiepolitischen Rahmenbedingungen der EU
  • Untersuchung der institutionellen Beziehungen zu Russland (PKA)
  • Beleuchtung der Exportinteressen und Abhängigkeiten Russlands
  • Diversifizierungsstrategien der EU zur Reduktion von Abhängigkeiten
  • Evaluation von Energiealternativen und neuen Transportinfrastrukturen

Auszug aus dem Buch

5.1 Russisches Öl und Gas

Russland liegt im Jahr 2007 mit einer Fördermenge von 9,978 Millionen Barrel Erdöl pro Tag nur knapp hinter dem größten Erdölförderer Saudi-Arabien und ist mit 607,45 Milliarden Kubikmetern der weltweit größte Erdgasproduzent. Das Land verfügt im globalen Vergleich mit 47,5 Billionen Kubikmetern über etwa 20 % und damit die größten Erdgasreserven und über Ölreserven in Höhe von 60 Milliarden Barrel, was circa 5 % der weltweiten Vorkommen ausmacht. Etwa 20 % des russischen Bruttoinlandsproduktes (BIP) entfallen auf den Energie- und Metallsektor. Rund zwei Drittel der Exporterlöse Russlands gehen auf Öl- und Gasexporte zurück, wovon wiederum etwa zwei Drittel in die Europäische Union fließen. In Zeiten niedriger Öl- und Gaspreise auf dem Weltmarkt, wie von 1986 bis 1988 sowie im Jahr 1998 durchläuft Russland wirtschaftliche Krisen, was unter anderem zum Zusammenbruch der Sowjetunion beiträgt. Seit der Ölpreis jedoch hoch ist, wie es seit 2004 und besonders in den letzen Monaten der Fall ist, erfreut sich das Land hoher Gewinne und enormer Devisenpolster. Allerdings neigen sich die Öl- und Gasvorräte auch in Russland langsam dem Ende zu. Während der britische Energiekonzern BP das Ende der russischen Ölproduktion etwa auf das Jahr 2027 prognostiziert gehen Experten des italienischen Energiekonzerns ENI sogar von einer vollständigen Ausbeutung russischen Öls innerhalb der nächsten 16 Jahre aus.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der europäischen Energieabhängigkeit von Russland ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach dem Bestehen einer asymmetrischen Dependenz oder einer symmetrischen Interdependenz.

II. Bestimmung des energiewirtschaftlichen Verhältnisses EU – Russland: Dieser Abschnitt theoretisiert das Verhältnis anhand der Interdependenztheorie von Keohane und Nye und definiert die methodische Herangehensweise der Untersuchung.

1. Die Interdependenztheorie nach Keohane und Nye: Einführung in die theoretischen Grundlagen der Interdependenz und deren Anwendbarkeit auf die moderne Staatenpolitik.

2. Methodik: Beschreibung der gewählten Messgrößen, darunter vertragliche Vereinbarungen und volkswirtschaftliche Gesamtdaten.

3. Energiepolitik der Europäischen Union: Analyse der internen EU-Energiepolitik, der bisher fehlenden Kompetenzen sowie der Ansätze durch den Energieaktionsplan und den Vertrag von Lissabon.

4. Die Beziehungen zwischen der EU und Russland - Hindernisse und Realisierung der Stabilität: Erörterung der vertraglichen Basis durch das PKA und der Schwierigkeiten bei der Institutionalisierung einer stabilen Energiebeziehung.

5. Russland als Energieexporteur: Untersuchung der russischen Ressourcen, der Diversifizierungsbemühungen Russlands hinsichtlich neuer Märkte sowie der Bedeutung ausländischer Investitionen.

6. Aktuelle Energiesituation der EU: Detaillierte Darstellung des Energiemixes der EU-Mitgliedstaaten sowie eine Bewertung der Abhängigkeitsquoten von externen Lieferanten.

7. Alternativen zu Öl und Gas aus Russland: Analyse von Diversifizierungsoptionen durch andere Energieträger wie Kernkraft oder Erneuerbare sowie neue Infrastrukturprojekte wie Pipelines.

III. Schluss: Synthese der Ergebnisse, in der die Autorin argumentiert, dass kein einseitiges Abhängigkeitsverhältnis besteht und die EU als souveräner Akteur agieren kann.

Schlüsselwörter

Energiepolitik, Europäische Union, Russland, Interdependenz, Versorgungssicherheit, Ölimporte, Gasimporte, Diversifizierung, Nabucco, BTC-Pipeline, geopolitische Strategie, Energiesicherheit, Energiewirtschaft, Partnerschaft, Rohstoffabhängigkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das energiewirtschaftliche Verhältnis zwischen der Europäischen Union und Russland und bewertet, ob eine einseitige Abhängigkeit der EU vorliegt oder ein symmetrisches Interdependenzverhältnis.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die europäische Energiepolitik, die russische Exportstrategie, institutionelle Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit sowie Möglichkeiten zur Diversifizierung der Energieversorgung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet, ob die europäische Abhängigkeit von russischen Energieressourcen die Verhandlungsposition der EU gegenüber Moskau in entscheidender Weise schwächt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine politikwissenschaftliche Analyse der Interdependenztheorie nach Keohane und Nye, ergänzt durch die Auswertung vertraglicher Grundlagen und empirischer volkswirtschaftlicher Daten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die interne Energiepolitik der EU, die Stabilität der Beziehungen zu Russland, Russlands Rolle als Exporteur sowie praktische Diversifizierungsalternativen wie den Ausbau erneuerbarer Energien und neuer Pipelinerouten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Energiesicherheit, Interdependenz, Diversifizierung, PKA, Energiewirtschaft und geopolitische Handlungsfähigkeit charakterisiert.

Wie bewertet die Autorin die Rolle der EU im Georgien-Konflikt?

Die Autorin kritisiert die anfänglich zurückhaltende Reaktion der EU und betont, dass die EU in der Lage wäre, gegenüber Russland selbstbewusster aufzutreten, anstatt sich von der vermeintlichen Energieabhängigkeit lähmen zu lassen.

Welche Bedeutung misst die Arbeit der Pipeline-Projekte wie Nabucco bei?

Pipeline-Projekte werden als reale, wenn auch risikobehaftete Chancen für die EU gesehen, die Abhängigkeit von russischen Lieferwegen zu verringern und die Versorgungssicherheit durch eine Diversifizierung der Transitländer zu erhöhen.

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Details

Title
Energieversorgung als sicherheitspolitische Herausforderung
Subtitle
Die Europäische Union und Russland: Dependenz oder Interdependenz?
College
University of Passau  (Politikwissenschaft - European Studies)
Course
Hauptseminar: Europäische Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik
Grade
1,0
Author
Martina Markert (Author)
Publication Year
2008
Pages
29
Catalog Number
V129030
ISBN (eBook)
9783640353972
ISBN (Book)
9783640353606
Language
German
Tags
EU Russland Energie Energieversorgung Sicherheitspolitik Dependenz Interdependenz Abhängigkeit Öl Gas erneuerbare Energien
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Martina Markert (Author), 2008, Energieversorgung als sicherheitspolitische Herausforderung , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129030
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