Stadtbilder als Quellen im Geschichtsunterricht


Hausarbeit, 2006

14 Seiten, Note: 2+


Leseprobe

Kapitelübersicht

1. Einleitung

2. Mittelalterliche Stadtbilder
2.1. Allgemeines
2.2. Beispiel für die Anwendung im Unterricht

3. Im Zuge der Industriellen Revolution - Das Stadtbild wandelt sich rapide
3.1. Allgemeines
3.2. Beispiel für die Anwendung im Unterricht

4. „Ich und die Stadt“ - Großstadtmalerei des späten 19. und frühen 20.Jahrhunderts
4.1. Allgemeines
4.2. Beispiel für die Anwendung im Unterricht

5. Zusammenfassung

1. Einleitung

Der Begriff Stadtbild ist definiert als der optische Eindruck einer Stadt beziehungsweise ihrer Teile. Bereits die frühesten orientalischen Kulturen haben Städte hervorgebracht, so finden sich auch seit jeher Abbildungen von Städten in der Kunst wieder. In der Frühzeit meist mit symbolisch-allegorischem Gehalt aufgeladen, im Mittelalter in Abbildungen vielfach der Tradition des Himmlischen Jerusalem aus der Offenbarung des Johannes verhaftet, wird die Stadt seit dem Beginn der frühen Neuzeit zunehmend in ihren topographischen und architektonischen Eigenheiten abgebildet und spätestens seit der Vedutenmalerei des 17. und 18.Jahrhunderts zum eigenen künstlerischen Gegenstand.1

In ihrer Geschichte verzeichnete die europäische Stadt zwei markante Entwicklungsschübe. Zum Einen ist dies die Stadtwerdung, die Entstehung der europäischen Stadtkultur des Mittelalters ab dem 11.Jahrhundert, an deren Ende die spätmittelalterliche Stadt als ein in sich selbst Genüge findender, politischer und sozialer „Mikrokosmos“ steht.2 Zum Anderen ist dies die Entstehung der modernen europäischen Großstadt im Zuge der Industriellen Revolution. Diese beiden Sachverhalte verdienen eine nähere Betrachtung im Geschichtsunterricht. Dabei ist die Beschäftigung mit dem Themenbereich Stadt für die SuS bedeutsam, da – die meisten von ihnen leben heute in Städten – sie Teil ihrer alltäglichen Lebenswelt ist und so treffen sie in den Stadtkernen, „sofern nicht Gründerzeit, Bombenkrieg und Wirtschaftswunder bzw. DDR-Sozialismus [...] allzu viel zerstört haben“, fast alltäglich auf bauliche Substanz des Mittelalters.3

Aufgabe dieser Arbeit soll es sein, Einsatzmöglichkeiten von Stadtbildern als Quellen im Geschichtsunterricht aufzuzeigen, besonders dort, wo sie eindeutige Vorteile gegenüber schriftlichen Quellen bieten. Um hier einen möglichst breiten Überblick geben zu können, möchte ich, wie auch in meiner Präsentation geschehen, im Folgenden drei relativ kurze Beispiele für die Anwendung von Stadtbildern als Quellen im Geschichtsunterricht geben.

2. Mittelalterliche Stadtbilder

2.1 Allgemeines

Zwar gibt es mittelalterliche Abbildungen von Städten, doch war es keineswegs die Absicht der Maler die zeitgenössische Lebenswelt ihrer Städte zum Thema ihrer Werke zu machen. Die Stadt als eigenes Sujet, als eigenen künstlerischen Gegenstand gab es im Mittelalter nicht.4 Abbildungen von Städten und Landschaften dienten als Hintergrund für Szenen aus biblischen Erzählungen, dem Leben Christi oder Heiligenlegenden, die das eigentliche Thema des Bildes darstellten, und ersetzten so nach und nach den bis dahin üblichen Goldgrund.5 So bieten viele religiöse Themen einen Bezug zur Stadt, wie etwa der Untergang Sodoms, der Fall Babylons oder die Trompeten von Jericho.6 Dabei stellt der Maler die religiösen Szenen in der städtischen Wirklichkeit seiner Zeit dar; die Heiligen erscheinen – historisch nicht korrekt – in mittelalterlicher Gewandung vor und in mittelalterlichen Städten, sie sind dem Maler aus „religiösen Gründen Zeitgenossen.“7

Auch gab der Maler die Stadt nicht als einmalige räumlich-architektonische Erscheinung wieder, topographische Besonderheiten wurden, wenn überhaupt, nur angedeutet, vielfach folgten die abgebildeten Städte dem Vorbild des Himmlischen Jerusalems.8 Der Maler bildete auf dem relativ begrenzten Raum, der ihm der Hintergrund der religiösen Erzählungen bot, formelhaft all das ab, was er als Zeitgenosse mit dem Begriff Stadt assoziierte, „was in der Sicht der Zeit die Besonderheit einer Stadt ausmachte.“9

Boockmann hebt hervor, dass mittelalterliche Stadtbilder – auch wenn es nicht die Absicht der Maler gewesen sei, die Stadt zu thematisieren – durchaus differenziert Informationen über die zeitgenössische Lebenswelt der Städte lieferten und durch die Veranschaulichung dessen, was aus Stadtchroniken und in den Städten entstandenen dichterischen Texten bekannt ist, sogar „am Ende mehr“ brächten als jene Schriftquellen.10 Und auch Sauer bestätigt den Wert mittelalterlicher Stadtbilder als historische Primärquelle; zwar handele es sich hier um „Idealbilder“, dennoch enthielten sie realistische Details über die städtische Wirklichkeit dieser Zeit.11

2.2 Beispiel für die Anwendung im Unterricht

Als ein Beispiel für den Einsatz mittelalterlicher Stadtbilder als Quellen im Geschichtsunterricht soll – in Anlehnung an die dieser Arbeit zugrunde liegende Literatur12 – eine Altartafel aus dem 15.Jahrhundert dienen, auf welcher die Legende des Heiligen Martin vor dem Hintergrund einer spätmittelalterlichen Stadt abgebildet ist.

Das definierte Lernziel dieser für eine Mittelstufenklasse vorstellbaren Unterrichtsstunde soll sein, den SuS die städtische Lebenswelt des ausgehenden Mittelalters näher zu bringen und ihnen die typischen Elemente einer mittelalterlichen Stadt zu vermitteln.

Die Präsentation der Abbildung würde als Farbfolie auf dem Overhead-Projektor erfolgen, da sie so für alle SuS gut zu sehen ist. Bevor die eigentliche Erarbeitungsphase beginnen kann, gilt es, das eigentliche Thema des Bildes, die Legende des Heiligen Martin zu erläutern. Es ist nicht unbedingt selbstverständlich, dass alle SuS mit dieser Erzählung vertraut sind. Auch die Rücksicht gegenüber jenen SuS, die nicht dem christlichen Kulturkreis entstammen, gebietet es, den Inhalt der Legende kurz anzusprechen. Dies könnte dadurch geschehen, dass SuS, die die Martins-Legende kennen, ihren Klassenkameraden diese mit ihren eigenen Worten erzählen.

Nach dem Austeilen eines Arbeitsblattes, das eine möglichst gute Schwarz-Weiß-Kopie der Abbildung und den Arbeitsauftrag enthält, kann die eigentliche Quellenarbeit beginnen. Es gilt herauszufinden, welche Information die Altartafel über die spätmittelalterliche städtische Realität vermittelt, welche Besonderheiten eine Stadt dieser Zeit ausmachten. Da der Maler sich sozusagen als „Erzähler“ einer Heiligenlegende betätigt, muss der heutige Betrachter das Bild „lesen“, um ihm als Quelle Erkenntnisse zu entlocken.13 Ein solches „Erkunden“ der Quelle scheint mir altersgerecht und motivierend für die SuS. Als Sozialformen bieten sich Einzel- oder Partnerarbeit an. Mir scheint die Partnerarbeit am fruchtbarsten, da die SuS sich über die gemachten Beobachtungen austauschen und ihre Erkenntnisse gegenseitig ergänzen können.

[...]


1 Harald Olbrich (Hrsg.): Lexikon der Kunst, Bd.6, Leipzig 1994, S.833-835.

2 Hans Planitz: Die deutsche Stadt im Mittelalter. Von der Römerzeit bis zu den Zunftkämpfen, 2.,unveränd. Aufl., Graz [u.a.] 1969, S.342.

3 Hartmut Boockmann: Das Zentrum einer spätmittelalterlichen Stadt, in: GWU 47, 1996, H.12, S.745.

4 Boockmann (wie Anm.3), S.745.

5 Michael Sauer: Bilder im Geschichtsunterricht. Typen – Interpretationsmethoden – Unterrichtsverfahren, 2., überarb. u. akt. Aufl., Seelze-Velber 2003, S.75f.

6 Olbrich (wie Anm.1), S.833.

7 Hartmut Boockmann: Eine spätmittelalterliche Stadt. Vorschläge für die Verwendung eines Bildes im Geschichtsunterricht, in: GWU 36, 1985, H.4, S.271.

8 Wolfgang Behringer / Bernd Roeck (Hrsg.): Das Bild der Stadt in der Neuzeit 1400-1800, München 1999, S.45-55.

9 Sauer (wie Anm.5), S.76.

10 Boockmann (wie Anm.7), S.271.

11 Sauer (wie Anm.5), S.76.

12 Vgl. Boockmann (wie Anm.7) und Sauer (wie Anm.5).

13 Boockmann (wie Anm.3), S.745.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Stadtbilder als Quellen im Geschichtsunterricht
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Veranstaltung
Bildquellen im Geschichtsunterricht
Note
2+
Autor
Jahr
2006
Seiten
14
Katalognummer
V129035
ISBN (eBook)
9783640355815
ISBN (Buch)
9783640356164
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
breiter Korrekturrand
Schlagworte
Stadtbild, Mittelalter, Industrialisierung, Weichbild, Stadtrecht, GU, Geschichtsunterricht, Quellen, Kunst, Meidner
Arbeit zitieren
Florian Unzicker (Autor), 2006, Stadtbilder als Quellen im Geschichtsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129035

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