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Die Welt im Einklang - Die Störung und Wiederherstellung von Ordnung in Hartmanns 'Der arme Heinrich' und 'Gregorius'

Mit einer didaktischen Umsetzung

Title: Die Welt im Einklang - Die Störung und Wiederherstellung von Ordnung in Hartmanns 'Der arme Heinrich' und 'Gregorius'

Diploma Thesis , 2009 , 143 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Stefan Hinterholzer (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Summary Excerpt Details

Hartmanns Legenden „Der arme Heinrich“ und „Gregorius“ sind in der Forschung viel diskutierte Werke, die häufig zu kontroversen Interpretationen führen. Die Forscherinnen und Forscher stoßen bei der Interpretation der beiden Werke nämlich auf Probleme und an Grenzen, wenn es darum geht, Heinrichs Krankheitsbefall und den Grund für Gregorius‘ Buße zu analysieren. Es herrscht also keine Einigkeit darüber, wie die Störungen in den beiden Werken genau aussehen. Diese Arbeit versteht sich als Versuch, diese strittigen Fragen zu „Der arme Heinrich“ und „Gregorius“ zu beantworten und die Probleme bei der Interpretation zu identifizieren und zu lösen.

Zunächst wird ein methodischer Ansatz erarbeitet, der sich für die Analyse der beiden Texte eignet. Dabei werden Auffassungen und Denkmodelle zu Zeit und Entwicklung im Mittelalter betrachtet und danach wird entschieden, welche Aspekte sich für die Analyse der Texte eignen.

Im Hauptteil dieser Arbeit werden die Störungen in den beiden Werken in fünf Bereichen der Ordnung genauer betrachtet: göttliche Ordnung, feudale Ordnung, Familienordnung, Geschlechterordnung, Ordnung der Sexualität. In jedem Bereich wird gezeigt, welche Arten von Störungen vorgefunden und wie diese Störungen wieder aufgelöst werden, sodass schließlich die Ordnung wiederhergestellt wird. Die Ergebnisse werden schließlich zusammengefasst und die einzelnen besonderen Aspekte der beiden Werke miteinander verglichen.

Da diese Arbeit ihm Rahmen eines Lehramtsstudiums verfasst wird, wird im letzten Kapitel noch gezeigt, wie die Inhalte dieser Arbeit im Deutschunterricht umgesetzt werden können. Die Gestaltung und Inhalte der Unterrichtsstunden werden hierbei an die Inhalte und Ergebnisse dieser Arbeit angelehnt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

1. Methodischer Ansatz

1.1. Zyklus und Linearität

1.2. Zyklus des Zerreißens und Verschlingens

1.2.1. Zyklische Erneuerung

1.2.2. Das Opferprinzip

1.2.3. Riten des Sterbens und Werdens

1.3. Zyklus der Genealogie

1.3.1. Genealogische Entwicklung

1.3.2. Genealogie und die göttliche Ordnung

1.3.3. Zyklus der Entkräftung und Erneuerung

1.4. Störung als Chance

1.4.1. Stand der Forschung

1.4.2. Menschenbild

1.4.3. Auflösung und Neustrukturierung von Ordnung

2. Die Störung und Wiederherstellung von Ordnung in „Der arme Heinrich“

2.1. Göttliche Ordnung

2.1.1. Die Störung der göttlichen Ordnung

2.1.1.1. Heinrichs Krankheit

2.1.1.2. Die Krankheit als Strafe

2.1.1.3. Die Krankheit als Prüfung

2.1.1.4. Die Krankheit als Chance

2.1.1.5. Heinrichs superbia

2.1.1.6. Heinrichs acedia

2.1.1.7. Die praesumptio und Hysterie der Meierstochter

2.1.2. Die Wiederherstellung der göttlichen Ordnung

2.1.2.1. Heinrichs Weg zu Gott über die Meierstochter

2.1.2.2. Von der superbia zur caritas

2.1.2.3. Von der acedia zur Aktivität und christlichen Hoffnung

2.1.2.4. Die spirituelle Wiedergeburt der Meierstochter

2.2. Feudale Ordnung

2.2.1. Die Störung der feudalen Ordnung

2.2.1.1. Die verlorene Herrschaftslegitimation Heinrichs

2.2.1.2. Die Weltentsagung der Meierstochter

2.2.2. Die Wiederherstellung der feudalen Ordnung

2.2.2.1. Heinrichs Rehabilitation und neue Herrschaftslegitimation durch Gott

2.2.2.2. Der soziale Aufstieg der Meierstochter

2.3. Familienordnung

2.3.1. Die Störung der Familienordnung

2.3.1.1. Die Sonderstellung der Meierstochter

2.3.1.2. Die verlorene Kindheit der Meierstochter

2.3.2. Die Wiederherstellung der Familienordnung

2.3.2.1. Infantilisierung der Meierstochter

2.3.2.2. Zusammenführung und Neuordnung der Familie

2.4. Geschlechterordnung

2.4.1. Die Störung der Geschlechterordnung

2.4.1.1. Die Maskulinisierung der Meierstochter

2.4.1.2. Die Feminisierung Heinrichs

2.4.2. Die Wiederherstellung der Geschlechterordnung

2.5. Ordnung der Sexualität

2.5.1. Die Störung der Ordnung der Sexualität

2.5.1.1. Sadomasochismus

2.5.1.2. Voyeurismus

2.5.2. Die Wiederherstellung der Ordnung der Sexualität

2.5.2.1. Umkehr des Blickes

2.5.2.2. Ehe und Liebe

2.6. Zusammenfassung

3. Die Störung und Wiederherstellung von Ordnung in „Gregorius“

3.1. Göttliche Ordnung

3.1.1. Die Störung der göttlichen Ordnung

3.1.1.1. Die Bedeutung des Prologs

3.1.1.2. Die Frage der Schuld

3.1.1.3. Gregorius‘ luxuria

3.1.2. Die Wiederherstellung der göttlichen Ordnung

3.1.2.1. Repräsentative Buße

3.1.2.2. Askese und Selbstkasteiung

3.2. Feudale Ordnung

3.2.1. Die Störung der feudalen Ordnung

3.2.1.1. Das Problem der Bewahrung und Etablierung der Herrschaft

3.2.1.2. Die Polarität von Gott und Welt und Gregorius‘ Platz darin

3.2.2. Die Wiederherstellung der feudalen Ordnung

3.2.2.1. Verschiebung der Herrschaft

3.2.2.2. Balancierung von Gott und Welt

3.3. Familienordnung

3.3.1. Die Störung der Familienordnung

3.3.1.1. Zersplitterung der Familie

3.3.1.2. Gestörte Rollen in der Familie

3.3.2. Die Wiederherstellung der Familienordnung

3.3.2.1. Zusammenführung der Familie

3.3.2.2. Auflösung der Genealogie

3.4. Geschlechterordnung und Ordnung der Sexualität

3.4.1. Die Störung der Geschlechterordnung und der Ordnung der Sexualität

3.4.1.1. Der Fluch der Schönheit

3.4.1.2. Das Inzesttabu und die Zerstörung der Unterschiede

3.4.2. Die Wiederherstellung der Geschlechterordnung und der Ordnung der Sexualität

3.4.2.1. Zerstörung der Schönheit

3.4.2.2. Zölibat und Asexualität

3.5. Zusammenfassung

4. Die Welt im Einklang

4.1. Gott und Welt

4.2. Überstürzung und Trägheit

4.3. Leib und Seele

4.4. Blindheit und Erkennen, Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit

4.5. Macht und Ohnmacht

4.6. Individuum und Familie

4.7. Mann und Frau

4.8. (Zer-)Störung und (Wieder-)Herstellung, Vergebung und Verdammung

5. Didaktische Umsetzung

5.1. Mittelalterliche Literatur im Unterricht

5.2. Lesevorbereitung

5.3. Figurenkonstellation

5.4. Handlungsüberblick, Überblick über die Störungen

5.5. Analyse der Störungen

5.6. Szenische Darstellung

5.7. Präsentation der Ergebnisse

5.8. Stundenbilder

Zielsetzung & Themen

Die Diplomarbeit untersucht die Störung und Wiederherstellung von Ordnung in Hartmanns Legenden „Der arme Heinrich“ und „Gregorius“. Dabei wird die zentrale Forschungsfrage verfolgt, wie diese Störungen in verschiedenen Bereichen (göttlich, feudal, familiär, geschlechtlich und sexuell) gedeutet werden können, ohne sie auf ein einfaches Schema von persönlicher Schuld und Bestrafung zu reduzieren, sondern vielmehr als notwendigen Prozess zyklischer Erneuerung und spiritueller Weiterentwicklung zu begreifen.

  • Analyse des methodischen Ansatzes (Zyklus, Genealogie, Transformation)
  • Untersuchung der fünf zentralen Ordnungsbereiche in beiden Werken
  • Widerlegung von Thesen zur persönlichen Schuld der Protagonisten
  • Didaktische Umsetzung der Themen im modernen Deutschunterricht

Auszug aus dem Buch

1.2.2. Das Opferprinzip

Die Situation der Opferung führt bei Heinrich also zu einer radikalen Änderung. Er steht vor der Situation des endgültigen Zerreißens und Verschlingens: die Meierstochter würde auf jeden Fall getötet und sollte seine Heilung durch ihr Blut nicht funktionieren, stünde auch sein Ende bevor. Obgleich die Opferung nicht durchgeführt wird, eröffnet sie hier dennoch völlig neue Perspektiven in der Analyse, denn die Rolle der Meierstochter als Opfer ist eine durchaus besondere.

Das Zerreißen und Verschlingen, also auch die Menschenopferung, wird aus einem natürlichen Körperverständnis heraus traditionell als sehr negativ interpretiert – als „grausamste aller Leibesstrafen“. Wie sehr dieses Konzept des Zerreißens und Verschlingens mit dem Opfer der Meierstochter zusammenhängt zeigt sich schon allein dadurch, dass ihr tatsächlich das Herz aus dem Körper gerissen werden soll: „ich snîde dich zuo dem herzen und briche ez lebende ûz dir.“ Und aufgrund dieser äußersten Grausamkeit versichert sich der Arzt mehr als gründlich, ob es der Meierstochter wirklich ernst sei.

Das Zerreißen und Verschlingen wird also traditionell im ersten Hinblick logischerweise negativ interpretiert und meistens mit einer ernsthaften Strafe assoziiert. Doch das Zerreißen und Verschlingen hat – wie bereits durch das Prinzip der Transformation gezeigt worden ist – auch eine andere Seite, womit man auch zur besonderen Rolle von Opfern kommt. In älteren Gesellschaften hatte das Opfer keineswegs etwas mit „Verbrechen, Gewalt oder ‚Wahnsinn‘“ zu tun, sondern es war vielmehr „ein Element von Regeneration, von Leben, Fruchtbarkeit [und] Erneuerung“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Methodischer Ansatz: Erläutert die theoretischen Grundlagen (zyklische Modelle von Czerwinski) und begründet die Abkehr vom linearen Sünde-Strafe-Modell hin zu einem Verständnis von Störung als Transformationsprozess.

2. Die Störung und Wiederherstellung von Ordnung in „Der arme Heinrich“: Untersucht systematisch die fünf Ordnungsbereiche (göttlich, feudal, familiär, geschlechtlich, sexuell) und zeigt die Heilung Heinrichs sowie die Entwicklung der Meierstochter auf.

3. Die Störung und Wiederherstellung von Ordnung in „Gregorius“: Analysiert das Werk unter denselben Aspekten, wobei der Fokus auf Gregorius’ Weg durch eine bereits gestörte genealogische Ordnung und seine repräsentative Buße liegt.

4. Die Welt im Einklang: Vergleicht die Ergebnisse beider Analysen und arbeitet die gemeinsamen Nenner wie Gott, Welt, Individuum und Familie heraus, um das positive Menschenbild Hartmanns zu unterstreichen.

5. Didaktische Umsetzung: Präsentiert methodische Vorschläge für den Deutschunterricht, darunter Expertengruppen und szenische Darstellungen, um die komplexen Inhalte schülerorientiert aufzubereiten.

Schlüsselwörter

Hartmann von Aue, Der arme Heinrich, Gregorius, Ordnung, Störung, Zyklische Erneuerung, Transformation, Schuld, Buße, Gottesferne, Repräsentative Buße, Mittelalterliche Literatur, Didaktik, Literaturunterricht, Geschlechterordnung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Diplomarbeit befasst sich mit der Analyse der Störung und Wiederherstellung von Ordnungen in Hartmanns Legenden „Der arme Heinrich“ und „Gregorius“ unter Anwendung zyklischer Zeitmodelle.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Untersuchung umfasst die Bereiche der göttlichen, feudalen, familiären und geschlechtlichen Ordnung sowie die Ordnung der Sexualität in den beiden genannten Werken.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die strittigen Fragen der Schuld und Interpretation in diesen Texten zu klären und zu zeigen, dass Störungen nicht als negative Bestrafung, sondern als Chance zur spirituellen Erneuerung und Ordnungswiederherstellung dienen.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Es werden Konzepte zyklischer Entwicklungen verwendet, um die Handlungsabläufe als Prozesse der Umstrukturierung und Neuordnung statt als starre lineare Kausalketten (Sünde-Strafe-Buße) zu interpretieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden detailliert die Störungen und deren Überwindung in den fünf definierten Ordnungsbereichen für Heinrich und Gregorius analysiert sowie die didaktische Umsetzung dieser Ergebnisse für den Unterricht skizziert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Zentrale Begriffe sind die „Welt im Einklang“, das Motiv der „felix culpa“, zyklische Transformation, repräsentative Buße und der „guote sündaere“.

Welche Rolle spielt die Meierstochter in „Der arme Heinrich“?

Die Meierstochter fungiert als zentrales Instrument für die spirituelle Wandlung Heinrichs; ihre Entwicklung von einem fast hysterischen Opfer zu einem demütigen Menschen ist für die Wiederherstellung der Ordnung unerlässlich.

Warum verlässt Gregorius das Kloster?

Sein Auszug wird nicht als Hochmut (superbia) gedeutet, sondern als notwendiger Schritt, um als „Gottesritter“ in der Welt Erfahrungen zu sammeln und durch die Überwindung seiner eigenen Fehlhaltungen letztlich zum idealen Papst zu reifen.

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Details

Title
Die Welt im Einklang - Die Störung und Wiederherstellung von Ordnung in Hartmanns 'Der arme Heinrich' und 'Gregorius'
Subtitle
Mit einer didaktischen Umsetzung
College
University of Innsbruck  (Institut für Germanistik)
Course
(Diplomarbeit)
Grade
1,0
Author
Stefan Hinterholzer (Author)
Publication Year
2009
Pages
143
Catalog Number
V129075
ISBN (eBook)
9783640347834
ISBN (Book)
9783640347490
Language
German
Tags
Hartmann von Aue Hartmann von Aue Welt Einklang Störung Wiederherstellung Ordnung Heinrich Der arme Heinrich Gregorius Mittelalter Legende Religion Glaube Sünde Feudalsystem Lehenswesen Familie Mann Frau Gender Sexualität Struktur Stundenbild Methoden Didaktik Mediävistik Literatur Iwein superbia Inzest Hysterie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stefan Hinterholzer (Author), 2009, Die Welt im Einklang - Die Störung und Wiederherstellung von Ordnung in Hartmanns 'Der arme Heinrich' und 'Gregorius', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129075
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