Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Miscellaneous

Die Fantasy-Rollenspiele „Das Schwarze Auge“ und „Advanced Dungeons and Dragons“ als Medienverbundangebote

Title: Die Fantasy-Rollenspiele „Das Schwarze Auge“ und „Advanced Dungeons and Dragons“ als Medienverbundangebote

Thesis (M.A.) , 2002 , 106 Pages , Grade: 1

Autor:in: Magistra Artium Tanja Monique Bruske-Guth (Author)

German Studies - Miscellaneous
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

In der Literaturforschung fanden Fantasy-Rollenspiele bisher kaum Beachtung; sie wurden als Populärkultur betrachtet und deshalb nicht näher untersucht. Zwar gibt es unzählige Forschungsarbeiten zu Rollenspielen, die sich mit ihren soziologischen, pädagogischen oder didaktischen Funktionen auseinandersetzen. Es liegen jedoch nur wenige Arbeiten über ihren Gehalt als Texte vor. Mit Beginn des neuen Jahrtausends sieht sich die Germanistik jedoch mit noch einer weiteren Neuerung konfrontiert: mit der zunehmenden Mediatisierung des Marktes, die auch den Buchmarkt nicht verschont. Gerade im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur bleiben mediale Verschmelzungen nicht aus; Medienverbundangebote sind die neuen Erfolge, die den Kinder- und Jugendbuchmarkt beherrschen. Ein Buch allein scheint langweilig geworden zu sein; erst wenn der Film oder die Fernsehserie dazu existiert, ist das Interesse der jungen Leser geweckt. Umgekehrt werden die Begleitbücher zu Kinofilmen und Fernsehserien Bestseller durch kindliche und jugendliche Rezipienten, die das Angebot dankbar annehmen. Dass diese als neu und innovativ gefeierten Medienverbundangebote in der Form des Rollenspiels bereits seit Jahren existieren, scheint die Forschung nicht bemerkt zu haben.
In dieser Arbeit soll das Medienverbundangebot Fantasy-Rollenspiel erstmals untersucht werden. Dabei beschränke ich mich aus Platzgründen auf die beiden Systeme „Advanced Dungeons and Dragons“ (im Folgenden „AD&D“) und „Das Schwarze Auge“ (im Folgenden „DSA“). Ersteres behandle ich, weil es sich um das erste kommerzielle Rollenspielsystem überhaupt handelt; DSA, weil es das erfolgreichste deutsche Rollenspielsystem ist.
Insofern sollen die einzelnen Medien, die aus dem Primärmedium Rollenspiel entstanden sind, einerseits auf ihr kinder- und jugendliterarisches Potenzial untersucht werden, andererseits soll ein besonderes Augenmerk auf das Erzählen als solches gerichtet werden. Kappelers These vom Rollenspiel als neue Form des Erzählens soll in dieser Hinsicht genauer betrachtet und die erzählerischen Leistungen der einzelnen Medien genauer beleuchtet werden. Obwohl sich diese Arbeit nicht spezifisch mit dem Vorhandensein von Gewalt befasst, sollte doch dieser Aspekt der Fantasy-Erzählung im Auge behalten werden, vor allem was das Erzählerische anbelangt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. EINLEITUNG

II. MEDIENVERBUNDFORMEN IN DER KINDER- UND JUGENDLITERATUR DER GEGENWART

III. GESCHICHTLICHER HINTERGRUND DER ROLLENSPIELE

1. DIE TRADITION DER FANTASY

2. DIE GESCHICHTE DER SYSTEME „ADVANCED DUNGEONS AND DRAGONS“ UND „DAS SCHWARZE AUGE“

3. ROLLENSPIELE ALS LITERARISCHE SONDERFORM

3.1 Das Soloabenteuer

3.2 Das Gruppenabenteuer

IV. DAS PRIMÄRMEDIUM ROLLENSPIELSYSTEM

1. DIE „VERGESSENEN REICHE“ UND „AVENTURIEN“: MITTELALTERLICHE GESELLSCHAFTEN UND UNTERSCHIEDLICHE WELTENTWÜRFE

1.1 Fantasywelten als Spielort

1.2 Eine Welt wird erschaffen: Spielhilfen und Module

2. DER SPIELER ALS GOTT: ERSCHAFFUNG EINER ROLLENSPIELFIGUR

2.1 Kultur und Rasse

2.2 Klasse und Profession

2.3 Entwicklung durch Erfahrung

3. DER WEG INS ABENTEUER

3.1 Die Meisterfigur als Verkörperung des Schicksals

3.2 Der Held im Spiel

3.3 Aktion und Magie

3.4 Kampf und Tod

4. LITERALITÄT – ORALITÄT - LITERALITÄT

4.1 Erzählen beim Rollenspiel

4.2 Geschichten vor der Geschichte: Lebensläufe, Kalender und Abenteuer

4.3 Fanfiction

V. ROLLENWECHSEL: DAS LIVE-ROLLENSPIEL

1. DIE SONDERFORM DES LIVE-ROLLENSPIELS

2. AUFGEHEN IN DER ROLLE

3. REFERENZ AN DAS URSPRUNGSMEDIUM

VI. DAS PRINTMEDIUM

1. DIE ROMANE DER „VERGESSENEN WELTEN“

1.1 Selektive Übersetzungen aus dem Amerikanischen

1.1.1 Fantasysaga

1.1.2 Fantasykrimi

1.2 Prosa als Ergänzung und Erläuterung des Primärmediums

1.3 Abenteuer in Serie – Imitation des Spieles?

1.4 Reflektion von Gewalt

2. DIE ROMANE DES „SCHWARZEN AUGES“

2.1 Rollenspielautoren als Romanautoren

2.2 Eine Welt entwickelt sich: Geschichtsschreibung in Romanform

2.3 Jugendlektüre statt intendierter Jugendliteratur

2.4 Repetetives Lesen: „Das Jahr des Greifen“

3. REFERENZ AN DAS PRIMÄRMEDIUM

4. DIE ZEITSCHRIFTEN „DER AVENTURISCHE BOTE“ UND „DRAGON MAGAZINE“

VII. DER VIRTUELLE ABENTEURER

1. DIE COMPUTERSPIELE DES „SCHWARZEN AUGES“

1.1 Von der Gruppe zum Solisten

1.2 Der Computer als Meister

2. DIE VERGESSENEN REICHE: „BALDURS GATE“ UND „ICEWINDDALE“

2.1 Nachgeahmte Gruppenaktivität

2.2 Virtuelle Regeltreue und Linearität

3. SIMULIERTE BÜCHER

4. MUDS – ABENTEUER IM GÜLDENLAND

VIII. DER FILM „DUNGEONS AND DRAGONS“

1. VERFILMUNG EINES SPIELES UND DESSEN TRADITION

2. DIE D&D-SEKUNDÄRWELT AUF FILMISCHER EBENE

3. PROTAGONIST UND ABENTEUERGRUPPE

IX. DER SPIEL-ORIENTIERTE MEDIENVERBUND: EIN AUSBLICK

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Rollenspiel als spezifische Form des Medienverbundangebots im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der Systeme „Advanced Dungeons and Dragons“ (AD&D) und „Das Schwarze Auge“ (DSA) und ihrer Auswirkungen auf angrenzende Medienformen wie Literatur, Computerspiele und Film.

  • Strukturelle Analyse der Rollenspiele als Spiel- und Erzählform
  • Vergleich der beiden Systeme AD&D und DSA
  • Untersuchung der Entstehung und Funktion von Begleitmedien (Romane, Zeitschriften, Computerspiele, Film)
  • Reflexion der pädagogischen und literarischen Bedeutung von Rollenspielen

Auszug aus dem Buch

3.1 Das Soloabenteuer

Die erste Textsorte ist das sogenannte Soloabenteuer, das in der Kinder- und Jugendliteraturforschung bereits Erwähnung gefunden hat. Wolfgang Meißner macht allerdings den Fehler, Soloabenteuer und Fantasy-Spielbücher als ein und das Selbe zu betrachten: „Zum Schluß dieses Kapitels muss noch eine Richtung der Fantasy-Literatur betrachtet werden, die sich nicht so recht ins bisher gegebene Bild einfügen lässt: Fantasy-Spielbücher. (...) Es gibt Fantasyspiele, an denen mehrere Spieler beteiligt sind, aber auch sogenannte Soloabenteuer. Nur mit dieser Richtung wollen wir uns hier beschäftigen.“63

Anhand des Buches „Der Hexenmeister vom flammenden Berg“64 äußert er sich sehr abfällig über diese Richtung der Fantasy-Literatur: „Die Entscheidungen, die vom Leser gefordert werden. bleiben meist auf einem Niveau, das keine großen Fähigkeiten verlangt: er hat sich zu entscheiden für links oder rechts, für ja oder nein, für Kampf oder Flucht. In einigen Büchern muss zusätzlich noch ein Würfel eingesetzt werden.“65 An dieser Beschreibung erkennt man, dass sich Meißner des Unterschiedes zwischen Fantasy-Spielbuch und Soloabenteuer nicht bewusst ist. Während ein Fantasy-Spielbuch im Normalfall für sich alleine steht, gehört das Soloabenteuer in den Verbund eines komplexen Rollenspielsystems. Um es zu spielen, müssen die Grundregeln bekannt sein und auch befolgt werden. „Wenn sie die Kampfregeln nicht mehr im Kopf haben und nicht wissen, was sie tun müssen, dann lesen sie Abschnitt 71...“66

Außerdem hat der Spieler Zugriff auf die Hintergrundwerke dieses Systems und kann beispielsweise unter unterschiedlichen Zaubern wählen, um seinen Magier auszustatten, oder unter verschiedenen Waffen, um seinen Kämpfer zu rüsten und damit seine Kampfkraft zu variieren. Im Fantasy-Spielbuch ist dies alles vorgegeben: „Du bist mit einem Schwert, einem Schild und einem Rucksack ausgerüstet, der den Proviant für die Reise enthält.“67 Einer der wichtigsten Unterschiede liegt wohl darin, dass der Leser nach dem Durchspielen des Soloabenteuers Abenteuerpunkte erhält, durch die er seinen Charakter weiterentwickeln kann, während das Fantasy-Spielbuch nach dem Spielen abgeschlossen und damit beendet ist.

Zusammenfassung der Kapitel

I. EINLEITUNG: Die Arbeit führt in das Thema der Fantasy-Rollenspiele als unterschätzte Form der Populärkultur ein und definiert die Zielsetzung, die Systeme AD&D und DSA sowie deren Mediatisierung zu untersuchen.

II. MEDIENVERBUNDFORMEN IN DER KINDER- UND JUGENDLITERATUR DER GEGENWART: Dieses Kapitel erörtert den Wandel des Medienbildes und definiert den „spiel-orientierten Medienverbund“, in den sich das Rollenspiel einordnet.

III. GESCHICHTLICHER HINTERGRUND DER ROLLENSPIELE: Hier werden die Tradition der Fantasy, die Entwicklung der Systeme AD&D und DSA sowie das Rollenspiel als literarische Sonderform beleuchtet.

IV. DAS PRIMÄRMEDIUM ROLLENSPIELSYSTEM: Dieses Hauptkapitel befasst sich mit den Weltentwürfen von AD&D und DSA, der Erschaffung von Charakteren, dem Ablauf des Spiels sowie dem Erzählen und der Gewaltproblematik im Rollenspiel.

V. ROLLENWECHSEL: DAS LIVE-ROLLENSPIEL: Untersuchung der Sonderform des Liverollenspiels, bei dem die Spieler physisch in die Rolle schlüpfen und die Grenzen zwischen Spiel und Realität verschwimmen.

VI. DAS PRINTMEDIUM: Analyse der begleitenden Romane (Fantasysagas und Fantasykrimis) sowie der Fanzeitschriften als Ergänzung des Primärmediums und deren Funktion für die Fangemeinde.

VII. DER VIRTUELLE ABENTEURER: Auseinandersetzung mit der digitalen Adaption des Rollenspiels durch Computerspiele und MUDs, wobei die technischen Anforderungen und der interaktive Charakter im Vordergrund stehen.

VIII. DER FILM „DUNGEONS AND DRAGONS“: Kritische Betrachtung der filmischen Umsetzung des AD&D-Stoffes und der Herausforderungen, eine Rollenspiel-Sekundärwelt visuell zu adaptieren.

IX. DER SPIEL-ORIENTIERTE MEDIENVERBUND: EIN AUSBLICK: Zusammenfassende Betrachtung der verschiedenen Medienformen und deren Bedeutung für die Fanbindung und das Erleben einer Sekundärwelt.

Schlüsselwörter

Rollenspiel, Medienverbund, Das Schwarze Auge, DSA, Advanced Dungeons and Dragons, AD&D, Fantasy, Sekundärwelt, Spielerfahrung, Gruppenabenteuer, Soloabenteuer, Fantasyliteratur, Fanfiction, Computerspiele, Liverollenspiel

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Rollenspiel als ein bisher vernachlässigtes Medienverbundangebot. Sie analysiert, wie diese Form des Spielens als Primärmedium andere Medien wie Literatur, Computer oder Film prägt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung von Fantasy-Welten, dem medienübergreifenden Erzählen, der Fan-Kultur und der Transformation von Spielregeln in andere Medienformate.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die spezifische Rolle des Fantasy-Rollenspiels im modernen Medienverbund aufzuzeigen und die Wechselwirkungen zwischen dem Primärmedium (Spiel) und den daraus resultierenden Sekundärtexten zu verstehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt erzähltheoretische Ansätze, vergleicht bestehende Forschungsliteratur und zieht für die Analyse von Spielsystemen und Fan-Praktiken eigene Interviews sowie Online-Quellen heran.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Primärmediums, die Analyse von Printmedien (Romane/Fanzeitschriften), die Betrachtung virtueller Umsetzungen (Computerspiele/MUDs) und die Kritik der filmischen Adaption.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Medienverbund, Rollenspiel, Sekundärwelt, Fantasysaga, Fanfiction, Live-Rollenspiel und die spezifischen Systeme DSA und AD&D.

Wie unterscheiden sich AD&D und DSA in Bezug auf ihre Weltbeschreibungen?

Während AD&D verschiedene Kampagnen auf verschiedenen Ebenen bietet, zeichnet sich DSA durch eine extrem detaillierte, fortgeschriebene Geschichte Aventuriens aus, die durch ständige Publikationen und Fan-Input wächst.

Welche Bedeutung hat das "repetetive Lesen" im Kontext dieser Untersuchung?

Das repetetive Lesen bezeichnet den Reiz für den Fan, nach erlebten Abenteuern am Spieltisch die entsprechende Geschichte im Roman nachzulesen, um das Erlebte erneut zu vollziehen oder zu vertiefen.

Excerpt out of 106 pages  - scroll top

Details

Title
Die Fantasy-Rollenspiele „Das Schwarze Auge“ und „Advanced Dungeons and Dragons“ als Medienverbundangebote
College
University of Frankfurt (Main)  (Institut für Kinder- und Jugendbuchforschung)
Grade
1
Author
Magistra Artium Tanja Monique Bruske-Guth (Author)
Publication Year
2002
Pages
106
Catalog Number
V129160
ISBN (eBook)
9783640354689
ISBN (Book)
9783640354955
Language
German
Tags
Rollenspiel Medienverbundangebot Beispiel Systeme Schwarze Auge“ Dungeons Dragons“
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Magistra Artium Tanja Monique Bruske-Guth (Author), 2002, Die Fantasy-Rollenspiele „Das Schwarze Auge“ und „Advanced Dungeons and Dragons“ als Medienverbundangebote, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129160
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  106  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint