Die Arbeit setzt sich mit Alejandro Amenábars Film "Abre los Ojos" auseinander. Die Darstellungen von Césars Ich und die Veränderung in dessen Selbstwahrnehmung im Film "Abre los Ojos" des Filmregisseurs Alejandro Amenábar lassen sich der Postmoderne zuordnen. Diese schloss gegen Ende des 20. Jahrhunderts an die Moderne an und gilt als typische Bewegungen der westlichen Literatur und Kultur.
Um den Film stilistisch recht als postmodern verorten zu können, ist es zunächst unerlässlich, auf die typischen Merkmale der Postmoderne einen näheren Blick zu werfen. Es lässt sich zwar keine einheitliche Definition abliefern, da in der Forschung ihre Bestimmung stark divergiert und jeweils anderen Aspekten ein vorrangiger Stellenwert zugewiesen wird.
Gleichwohl lohnt es sich, die gemäß opinio communis repräsentativ en Charakteristika aufzuführen: Es gibt in Werken zahlreiche intertextuelle Bezüge, sodass von einem Kino der Zitate gesprochen werden kann. Ebenso liegt einem postmodernen Film häufig eine doppelte Codierung zugrunde, da er Hochkultur und Popkultur verbindend je nach Lesart eine andere Publikumswirksamkeit erzielt.
"Abre los Ojos" kann mit vielen dieser Charakteristika der Postmoderne aufwarten. Der Film weist starke intertextuelle Bezüge zu E.T.A. Hofmanns "Sandmann" auf. Dies wird deutlich, wenn César in Sofías Wohnung aus Wut Fotos von den Wänden reißt und ein Poster von "The Sandman", einem Sciencefiction-Comic von Neil Gaiman, zu sehen ist, der seinerseits Hofmanns "Sandmann" rezipiert hat.
Das ausgeprägteste postmoderne Merkmal von "Abre los Ojos" dürfte die antikonventionelle dekonstruktive Erzählweise darstellen. Von Anfang bis Ende verunsichert der Film das Publikum, der in einzelne Episoden unterteilt ist, die sich erst am Ende zu einem großen Ganzen zusammenfügen lassen. Er stiftet zusätzlich Verwirrung mit Schock-Elementen eines Thrillers und Wahrnehmungsverschiebungen des Protagonisten.
Da in "Abre los Ojos" der Protagonist nach der Entstellung seines Gesichtes ein leidendes Individuum in der postmodernen Welt ist, das seiner eigenen Verwirrung erliegt und zuweilen weder er noch das Publikum wissen, ob er schläft und das Geschehen träumt oder ob er alles wirklich erlebt, erscheint ein theoretisch-psychoanalytischer und marxistisch-gesellschaftskritischer Interpretationsansatz höchst lohnenswert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theorien
2.1 Die Theorie Lacans
2.2 Die Theorie Jamesons
2.3 Verknüpfung der vorgestellten Theorien
3. Die Unbeständigkeit der Wahrnehmung Césars – gesehen durch die theoretische Brille Lacans und Jamesons
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung und die Veränderung der Selbstwahrnehmung der Figur César im Film „Abre los Ojos“ von Alejandro Amenábar. Dabei wird die zentrale Forschungsfrage verfolgt, inwiefern sich die postmoderne Identitätskrise des Protagonisten durch die psychoanalytischen Konzepte von Jacques Lacan und die kulturtheoretischen Ansätze von Fredric Jameson deuten lässt.
- Analyse der postmodernen Filmmerkmale in „Abre los Ojos“
- Anwendung der Lacanschen Psychoanalyse (Spiegelstadium, Imaginäres, Symbolisches, Reales)
- Untersuchung der gesellschaftskritischen Perspektive von Fredric Jameson bezüglich Spätkapitalismus und Fragmentierung
- Verknüpfung der Theorien zur Erläuterung der Wahrnehmungsstörungen des Protagonisten
- Interpretation der Traum- und Realitätsverschiebung im filmischen Kontext
Auszug aus dem Buch
Die Unbeständigkeit der Wahrnehmung Césars – gesehen durch die theoretische Brille Lacans und Jamesons
Der 1972 in Santiago de Chile geborenen Filmregisseur und Drehbuchautor Alejandro Amenábar hatte nur sechs Jahre vor der Veröffentlichung seines Erstwerks Tesis 1996 das Studium Imagen y Sonida an der Universidad Complutense de Madrid aufgenommen. 1997 folgte der mit sieben Goys ausgezeichnete und in Spanien erschienene gesellschaftskritische Thriller Abre los Ojos. Die Handlung lässt sich wie folgt darstellen: Der 25-jährige César (Eduardo Noriega) beginnt in der Zelle einer psychiatrischen Anstalt seinem Psychologen Antonio (Chete Lera) die Geschehnisse zur erzählen, durch die er in diese Zelle gelangt ist. Als Erbe eines Unternehmens ist der reiche und gutaussehende César erfolgreich bei vielen Frauen und genießt das Leben. Auf seiner Geburtstagsfeier lernt er Sofía (Penélope Cruz) kennen, die ihm sein bester Freund Pelayo (Fele Martínez) als seine Begleitung vorstellt. Er verliebt sich auf den ersten Blick und spannt Pelayo hemmungslos Sofía aus. Nach einer gemeinsamen Nacht, jedoch ohne sexuellen Aktivitäten, in Sofías Wohnung trifft César auf Nuria (Najwa Nimri), eine ehemalige Geliebte Césars, die ihn nicht weitergehen lassen will.
Wiederwillig steigt er zu ihr ins Auto. Voller Eifersucht, da sie mitansehen konnte, wie César und Sofia sich annäherten, fährt Nuria einen Abhang hinunter. Für sie nimmt dies ein tödliches Ende und César erwacht mit einem entstellten Gesicht. Da César mit dem Ergebnis der darauffolgenden Gesichtsoperation nicht zufrieden ist, sucht er mithilfe sämtlicher führender Chirurgen nach einer Möglichkeit für eine weitere, zufriedenstellendere Operation. Trotz seines Vermögens ist es den Ärzten aufgrund fehlender Technologien nicht möglich, sein Gesicht wiederherzustellen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in den Gegenstand der Arbeit ein, definiert das postmoderne Kino und die spezifischen Merkmale des Films „Abre los Ojos“.
2. Theorien: Hier werden die theoretischen Grundlagen durch Lacans Psychoanalyse sowie Jamesons Kulturtheorie zum Spätkapitalismus und dessen Auswirkungen auf das Individuum erläutert.
3. Die Unbeständigkeit der Wahrnehmung Césars – gesehen durch die theoretische Brille Lacans und Jamesons: Dieser Hauptteil analysiert die filmische Handlung unter Anwendung der skizzierten Theorien, insbesondere im Hinblick auf Césars Entstellung und deren Auswirkungen auf seine Identität.
4. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert, wie „Abre los Ojos“ als postmoderner Spiegel fungiert, der die Fragmentierung des Subjekts verdeutlicht.
Schlüsselwörter
Abre los Ojos, Alejandro Amenábar, Postmoderne, Jacques Lacan, Fredric Jameson, Spiegelstadium, Spätkapitalismus, Turbokapitalismus, Fragmentierung, Identität, Selbstwahrnehmung, Psychoanalyse, Traum, Realität, Entstellung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den spanischen Thriller „Abre los Ojos“ vor dem Hintergrund postmoderner Identitätskonflikte und der theoretischen Konzepte von Jacques Lacan und Fredric Jameson.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Fragmentierung des Subjekts im Spätkapitalismus, die Bedeutung des Spiegelbildes für die narzisstische Identitätsbildung und die Auflösung der Grenzen zwischen Traum und Realität im Film.
Was ist das primäre Ziel oder die Kernforschungsfrage?
Das Ziel ist es zu ergründen, inwiefern Césars verzerrte Selbstwahrnehmung nach einer physischen Entstellung durch die theoretischen Brillen von Lacan und Jameson als Symptom einer postmodernen gesellschaftlichen Entwicklung gedeutet werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Es handelt sich um eine filmwissenschaftliche und kulturtheoretische Analyse, die psychoanalytische Konzepte (wie das Spiegelstadium) auf filmische Narrative und die filmische Inszenierung von Identität anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich explizit mit der Handlung des Films, den spezifischen filmischen Sequenzen, wie etwa Césars Blick in den Spiegel, und der Anwendung der Theorien auf seine psychische Entwicklung und seinen Schicksalsweg.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Wichtige Begriffe, die die Arbeit definieren, sind Postmoderne, Spiegelstadium, Spätkapitalismus („Cultural Logic of Late Capitalism“), Identitätsfragmentierung und die ambivalente Erzählweise des Films.
Welchen Einfluss hat das Konzept des „Spiegelstadiums“ auf die Filmanalyse von „Abre los Ojos“?
Das Konzept hilft zu erklären, warum Césars psychisches Leid besonders akut ausbricht, als sein körperliches Spiegelbild nicht mehr mit seinem idealisierten Ich-Konzept übereinstimmt, was zu seiner massiven Verunsicherung führt.
Wie deutet die Arbeit das Motiv der „Life Extension“-Firma im Film?
Die Firma wird als Symbol für den technologischen Fortschritt im Spätkapitalismus interpretiert, der zwar versucht, das menschliche Leid zu lindern, aber gleichzeitig dazu beiträgt, das Individuum von seiner realen Geschichte und seinen echten Emotionen zu entfremden.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2018, Die Unbeständigkeit der Wahrnehmung Césars im postmodernen Film "Abre los Ojos", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1291771