Für viele Kinder ist es nahezu alltäglich, sich in Gruppen zu bewegen. Aber was geschieht, wenn aus ganz vielen verschiedenen Kindern eine neue Gruppe im Hort wird und welche Rolle spielt dabei die pädagogische Fachkraft?
Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema Entwicklung von Gruppenprozessen im Hort. Unter der zentralen Fragestellung: Wie begleite und unterstütze ich als pädagogische Fachkraft die Entwicklung der Gruppenprozesse meiner Hortgruppe?
Im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit müssen Erzieher/innen, die im Hort wirken, häufig mit Gruppen arbeiten. Um die Gruppen und die daraus folgenden gruppendynamischen Prozesse sowie Konflikte und Gruppenphasen zu begleiten, ist es notwendig umfangreiches und fundiertes Wissen über den Verlauf einer Gruppe und deren Entwicklung zu besitzen.
Das Ziel der Arbeit ist es, die Begleitung der pädagogischen Fachkraft während der Gruppenprozesse einer Gruppe im Hort theoretisch sowie praxisnah zu untermauern. Dazu werden verschiedene Themen, die zum Gruppenprozess und der Gruppenentwicklung beitragen, beispielhaft durch aktuelle Literatur untersucht und mit praxisnaher Umsetzung bestärkt.
Im ersten Teil der Arbeit werden grundlegende Begriffe zum Verständnis des Themas definiert. Danach geht es um die Grundhaltung der pädagogischen Fachkraft während der Arbeit mit Gruppen. Es folgt das umfassende Thema Gruppe. Mit den dazugehörigen Unterpunkten Gruppenarten in der Primarstufe, Gruppenmitglieder, Phasen der Gruppenentwicklung und Gruppendynamik. Diese Unterpunkte werden theoretisch und teils praktisch erläutert.
Dann wird das Thema Konflikte in Gruppen untersucht. Hier werden Konfliktarten, Konfliktentstehungen und der Konfliktverlauf nach dem Modell von Friedrich Glasl in einer Gruppe betrachtet. Anschließend wird die Konfliktlösefähigkeit mit Unterstützung der pädagogischen Fachkraft beleuchtet. Danach werden die Normen, Werte und Regeln einer Gruppe theoretisch sowie praktisch dargelegt.
Die Arbeit endet mit einem Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Definition grundlegender Begriffe zum Thema der Arbeit
2. Die Grundhaltung der pädagogischen Fachkräfte
3. Gruppe
3.1 Gruppenformen die in der Primarstufe eine Rolle spielen
3.2 Gruppenmitglieder und deren Rollen
3.3 Phasen der Gruppenentwicklung
3.4 Die Gruppendynamik einer Gruppe
4. Konflikte in der Gruppe
4.1 Konfliktentstehung
4.2 Konfliktarten
4.3 Konfliktverlauf nach dem Modell von Friedrich Glasl
4.4 Konfliktlösefähigkeit mit der Unterstützung der pädagogischen Fachkraft fördern
5. Gruppenstrukturen
5.1 Normen, Werte und Regeln in einer Gruppe
5.2 Praktische Umsetzung im Alltag der Kinder
Zielsetzung & Themen
Die Facharbeit untersucht, wie pädagogische Fachkräfte im Hort aktiv die Entwicklung von Gruppenprozessen begleiten und unterstützen können, um ein positives Gruppengefüge zu etablieren.
- Grundlagen der Gruppenpädagogik und Sozialformen
- Die pädagogische Grundhaltung als Basis für Beziehungsarbeit
- Dynamik der Gruppenentwicklung und Rollenverteilung
- Konfliktmanagement nach dem Modell von Friedrich Glasl
- Praktische Implementierung von Normen, Werten und Partizipation
Auszug aus dem Buch
3.4 Die Gruppendynamik einer Gruppe
Wie schon definiert, spricht man bei einer Gruppendynamik von allen Interaktionen der gesamten Gruppe. Dazu zählen die Interaktionen der gesamten Gruppe und zwischen einzelnen Gruppenmitglieder. Gruppendynamik lässt nicht verhindern und die Entwicklung der Dynamik in der Gruppe ist nicht planbar. Die Interaktion der Gruppendynamik entsteht durch die Bildung einer Gruppe. Dazu gehören Sympathie, Antipathie, Integration, unterschiedliche Erwartungen, welche sichtbar und unsichtbar sind, Konflikte und Spannungen sowie Themen, die geregelt werden müssen.
Um Gruppendynamik zu verstehen, ist das „Joharin – Fenster“ aus dem Jahr 1955 von Joseph Luft und Harry Ingham hilfreich. Es dient dazu, der pädagogischen Fachkraft sichtbar zu machen, wie differenziert die Selbst – und Fremdwahrnehmung der Gruppen bzw. Gruppenmitglieder ist. Das „Joharin – Fenster“ ist in 4 Felder unterteilt. Dabei ist das erste Feld das „öffentliche Feld“. In diesem Feld zeigt jedes Gruppenmitglied bewusst das, was es anderen mitteilen will. Das zweite Feld, das „geheime Feld“ bezieht alle Informationen, welche die Gruppenmitglieder bewusst verschweigen wollen. Das dritte Feld ist das „blinde Feld“ hier werden die Informationen unbewusst vom Empfänger gesendet und vom Sender aber nicht wahrgenommen. Das letzte Feld „das unbekannte Feld“, beschreibt Informationen, die sowohl die Person als auch anderen unbekannt ist. Allgemein kann man also sagen, dass sich dieses Modell am Eisbergmodell von Sigmund Freud orientiert. Da bei dem Eisbergmodell ebenfalls einiges sichtbar war und vieles unsichtbar. Die Aufgabe der pädagogischen Fachkraft ist es nun, die unsichtbaren Felder so positiv wie möglich zu gestalten. Da viele Verhaltensweisen und Gefühlsreaktionen der Kinder unsichtbar sind oder bleiben, sind die unsichtbaren Felder dominierend. Das damit verknüpfte Ziel der pädagogischen Fachkraft sollte es sein, den Umgang mit diesen unsichtbaren und dennoch dominierenden Gefühlen zu regeln.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Definition grundlegender Begriffe zum Thema der Arbeit: Einführung in die fachliche Terminologie, insbesondere die Klärung der Begriffe „Soziale Gruppe“ und „Gruppendynamik“.
2. Die Grundhaltung der pädagogischen Fachkräfte: Erläuterung pädagogischer Kernwerte wie Akzeptanz, Empathie und Kongruenz als Basis für die Interaktion mit Kindern.
3. Gruppe: Detaillierte Analyse von Gruppenformen, Rollenverteilungen, Entwicklungsphasen und gruppendynamischen Prozessen.
4. Konflikte in der Gruppe: Untersuchung von Konfliktursachen, -arten und deren Eskalationsstufen nach Friedrich Glasl bis hin zur Förderung der Konfliktlösekompetenz.
5. Gruppenstrukturen: Darstellung der Bedeutung von Normen, Werten und Regeln für ein geordnetes Zusammenleben und deren praktische Anwendung im Hortalltag.
Schlüsselwörter
Gruppenprozesse, Hort, Gruppendynamik, Pädagogische Fachkraft, Konfliktmanagement, Friedrich Glasl, Gruppenentwicklung, Partizipation, soziale Identität, Normen und Werte, Konfliktlösefähigkeit, Beziehungsarbeit, Primarstufe, Gruppenstrukturen, Soziale Gruppe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Facharbeit primär?
Die Arbeit fokussiert sich auf die gezielte Begleitung und Unterstützung von Gruppenbildungsprozessen durch pädagogische Fachkräfte im Hortalltag.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die pädagogische Grundhaltung, die Dynamik innerhalb einer Gruppe, Konfliktentstehung und -lösung sowie die Implementierung von Werten und Normen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die pädagogische Arbeit während der Gruppenprozesse theoretisch zu fundieren und durch praxisnahe Ansätze für den Hortalltag zu untermauern.
Welche wissenschaftlichen Modelle finden Anwendung?
Besonders prominent wird das Modell der Konflikteskalation nach Friedrich Glasl sowie das „Johari-Fenster“ zur Analyse der Gruppendynamik herangezogen.
Was umfasst der inhaltliche Hauptteil?
Der Hauptteil erstreckt sich von der Begriffsdefinition über die Rollenverteilung in Schulgruppen bis hin zur konkreten Konfliktlösung und der Etablierung von Gruppenregeln.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gruppendynamik, Partizipation, Konfliktkultur, pädagogische Grundhaltung und Wertevermittlung.
Inwiefern beeinflusst das „Johari-Fenster“ die pädagogische Arbeit im Hort?
Es dient dazu, die Selbst- und Fremdwahrnehmung der Kinder sowie unbewusste Gruppendynamiken sichtbar zu machen, um empathisch auf die emotionalen Bedürfnisse der Kinder einzugehen.
Warum ist die „Machtkampfphase“ in der Gruppenentwicklung laut Bernstein und Lowy kritisch?
Da sie durch Aggressionspotenzial und Austesten von Grenzen geprägt ist, erfordert sie eine besonders kompetente neutrale Begleitung durch das pädagogische Personal.
Wie werden Ich-Botschaften als Werkzeug zur Deeskalation genutzt?
Sie ermöglichen Kindern, ihre Bedürfnisse und Gefühle sachlich auszudrücken, ohne den Konfliktpartner anzugreifen, was die Eskalation hemmt.
Wozu dient die „Normen- und Wertesampel“ in der Praxis?
Sie visualisiert gemeinsam erarbeitete Regeln, hilft Kindern bei der Selbstreflexion ihres Verhaltens und bietet Orientierung im Hortalltag.
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- Anonym (Author), 2021, Entwicklung von Gruppenprozessen im Hort, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1291844