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Feldforscher über Feldforschung

Probleme und Methoden der ethnologischen Feldforschung

Title: Feldforscher über Feldforschung

Scientific Essay , 1990 , 17 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Alexandra von Bose (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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Was bedeutet die Feldforschung für den Ethnologen, der nicht nur als Forscher, sondern auch als subjektiv erlebender Mensch, das "Feld" erlebt?

Was geschieht, wenn die "bunte" Schreibtischtheorie plötzlich zur problematischen, oft unverständlichen Realität wird und der Ethnologe sich überfordert fühlt? Claude Levi-Strauss sieht in der Feldforschung sogar eine Initiation, die aus dem Forscher einen neuen Menschen macht, und durch die er, auch wenn sie physisch und psychisch schmerzhaft sein kann, neue und sinnvolle Erkenntnisse über sich und die untersuchte Gesellschaft erlangt.

Bis Ende der 60er Jahre wurde aus der Feldforschung jeder subjektive und individuelle Aspekt des Ethnographen rigoros gestrichen. Man versuchte ,so einem klassischen Wissenschaftsideal gerecht zu werden, das von der Ethnologie eine exakte und rein objektive Darstellung von Daten und Eindrücken verlangte.

Die eigene Person (besonders die persönlichen Erfahrungen des Forschers, die ihm zu diesen Daten verholfen hatte) war in der klassischen ethnographischen Monographie fehl am Platz; nicht zu erschütternde Selbstgewißheit und "Resultate" sollten vermittelt werden.

Erst Ende der 60er Jahre entfachte sich eine Grundfragendiskussion in der Ethnologie,über ihren Objektivitätsbegriff. Zum Teil wurde sie ausgelöst durch den fachinternen Skandal um die Veröffentlichung der Tagebücher Malinowskis (25 Jahre nach seinem Tode). In nie dagewesener Offenheit berichtet Malinowski in seinen Tagebüchern (die nicht für eine allgemeine Leserschaft bestimmt waren) minutiös über seine persönlichen Probleme und Erfahrungen während der Feldforschung.

Durch die Krise der Ethnologie, die zum Teil bis heute andauert, wurde die Frage nach der Wirklichkeit des Ethnologen neu gestellt. Gerade in Hinblick auf diese Fragestellung bieten die persönlichen Schriften und Aufzeichnungen der Ethnologen Einblicke in die subjektiven Aspekte der Feldforschung.

Im folgenden sollen die spezifischen intellektuellen und emotionalen Konflikte einiger bekannter Ethnologen: Claude Levi-Strauss, Bronislaw Malinowski, Sir Edward Evans-Pritchard, Laura Bohannan anhand ihrer zum Teil persönlichen Aufzeichnungen, die sie während der Feldforschungsphase festgehalten haben, unter verschiedenen Aspekten betrachtet werden. Die Daten stammen aus Tagebüchern, Forschungsberichten und einem autobiographischen Roman.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Motivation zur Feldforschung

3. Der Forscher als " Instrument"

3.1. Der wissenschaftliche Anspruch

3.2. Der Feldforscher im zwischenmenschlichen Spannungsfeld

4. Identität und Rollenerwartung

5. Schluß

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die subjektiven und emotionalen Dimensionen der ethnologischen Feldforschung, indem sie die persönlichen Aufzeichnungen und Tagebücher namhafter Ethnologen analysiert, um die Kluft zwischen wissenschaftlichem Anspruch und der gelebten Realität im Feld zu beleuchten.

  • Motivationen und unbewusste Beweggründe für den Eintritt in die Feldforschung
  • Der Ethnologe als "Instrument" der Datenerhebung im Spannungsfeld zwischen Subjektivität und Objektivität
  • Umgang mit Isolation, Einsamkeit und dem Mangel an Privatsphäre im Feld
  • Identitätskonflikte und Rollenerwartungen in einer fremden Kultur
  • Die kritische Reflexion des eigenen ethnozentristischen Weltbildes

Auszug aus dem Buch

Der Feldforscher im zwischenmenschlichen Spannungsfeld

Feldforschung ist auch immer der Versuch, eine fremde Kultur zu verstehen und zu interpretieren. Da sich der Forscher aber permanent in einem Spannungsfeld zwischen Distanz und versuchter Integration, zwischen menschlicher Teilnahme und wissenschaftlicher Beobachtung und zwischen Identifikation und Interpretation befindet, duchläuft er während seiner Feldforschung verschiedene Konfliktphasen, in denen er auch seine Persönlichkeit verändert.

Laura Bohannan schildert den Balanceakt zwischen menschlicher Teilnahme und wissenschaftlicher Beobachtung besonders in ihrem Roman (Rückkehr zum Lachen): "Jedesmal war mir gedankt worden, wenn ich bei einer Schwerkranken saß , wenn ich bei einem Begräbnis teilnahm oder wenn ich gekommen war, "um den Tod auszusitzen", und ich hatte mich dabei wie eine schlaue Hyäne gefühlt, schleimig vor Heuchelei." (L. Bohannan 1984: 254).

In einer für lange Zeit fremden Umgebung, in der der Feldforscher mit ihm völlig fremden Menschen zusammenlebt, fühlt er sich auch häufig isoliert und einsam, besonders in der ersten Zeit, in der die Kontakte zu seinen Mitmenschen noch nicht sehr gut sind, und es noch zweifelhaft ist, ob sie je gut werden. Dazu kommen Versagensängste, Stress, Krankheit, Ernährungsprobleme, bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen. Laura Bohannan geriet einmal durch Mitglieder der untersuchten Gruppe so in Gefahr (in Folge einer Pockenepedemie wurden verschiedene Gruppenmitglieder - darunter auch sie selber - der Hexerei beschuldigt), daß sie in ihre eigene Welt zurückflüchten mußte und ihre Forschungen erst Monate später wiederaufnehmen konnte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert den Wandel der ethnologischen Forschungspraxis vom streng objektiven Ideal hin zur Anerkennung der subjektiven Erfahrungen des Forschers als integraler Bestandteil des Erkenntnisprozesses.

2. Die Motivation zur Feldforschung: Dieses Kapitel beleuchtet bewusste und unbewusste Motive, wie den Wunsch nach Flucht aus der eigenen Gesellschaft oder die Suche nach Ursprünglichkeit, anhand der Biografien von Forschern wie Levi-Strauss und Malinowski.

3. Der Forscher als " Instrument": Es wird dargelegt, wie die Persönlichkeit des Ethnologen zum zentralen Messinstrument wird und welche methodischen Konsequenzen dies für die wissenschaftliche Praxis hat.

3.1. Der wissenschaftliche Anspruch: Hier wird der Konflikt zwischen der Forderung nach Pseudoobjektivität und der tatsächlichen Notwendigkeit zur Transparenz des subjektiven Forschungsrahmens diskutiert.

3.2. Der Feldforscher im zwischenmenschlichen Spannungsfeld: Dieses Kapitel analysiert die psychischen und sozialen Herausforderungen im Feld, wie Isolation, Einsamkeit und das Aushandeln der eigenen Rolle im Kontakt mit der fremden Kultur.

4. Identität und Rollenerwartung: Der Fokus liegt auf dem Dilemma zwischen dem Leben in zwei verschiedenen kulturellen Welten und dem damit verbundenen Druck der Rollenzuschreibung seitens der untersuchten Gruppe.

5. Schluß: Das Schlusskapitel resümiert, dass Feldforschung einen tiefgreifenden Transformationsprozess beim Forscher auslöst und fordert eine größere Transparenz hinsichtlich der subjektiven emotionalen Erlebnisse im wissenschaftlichen Diskurs.

Schlüsselwörter

Feldforschung, Ethnologie, Subjektivität, Malinowski, Levi-Strauss, Laura Bohannan, Teilnehmende Beobachtung, Identität, Rollenerwartung, Exotik, Objektivität, Kulturkontakt, Tagebuch, Ethnozentrismus, Feldforschungsprozess

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser ethnologischen Arbeit?

Die Arbeit untersucht die menschlichen und subjektiven Facetten der ethnologischen Feldforschung, abseits von rein theoretischen Schreibtischkonzepten.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zu den Schwerpunkten zählen die psychologische Motivation der Forscher, der Umgang mit der eigenen Identität sowie die Herausforderungen, die durch das "Eintauchen" in eine fremde Kultur entstehen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass der Forscher selbst ein zentrales Instrument der Forschung ist und dass die Offenlegung persönlicher Erlebnisse für das wissenschaftliche Verständnis unerlässlich ist.

Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?

Die Autorin nutzt eine qualitative Inhaltsanalyse von persönlichen Tagebüchern, autobiografischen Berichten und wissenschaftlichen Schriften bekannter Ethnologen des 20. Jahrhunderts.

Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte des Hauptteils?

Der Hauptteil behandelt die Diskrepanz zwischen wissenschaftlichem Objektivitätsanspruch und den realen, oft belastenden Erfahrungen wie Einsamkeit, Vorurteilen und Anpassungsschwierigkeiten im Feld.

Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Feldforschung, Subjektivität, Identitätskonflikt, Rollenzuschreibung und die kritische Auseinandersetzung mit ethnografischen Daten.

Warum spielt das Tagebuch von Bronislaw Malinowski eine so zentrale Rolle?

Das Tagebuch wird als Paradebeispiel für die Diskrepanz zwischen einer offiziellen wissenschaftlichen Publikation und den tatsächlichen emotionalen Zuständen sowie Vorurteilen eines Forschers während der Feldforschung analysiert.

Welche Rolle spielt die Privatsphäre für Feldforscher nach Laura Bohannan?

Bohannan verdeutlicht, dass der Rückzug in die Privatsphäre essentiell ist, um das psychische Gleichgewicht und die eigene kulturelle Identität in einem fremden Umfeld aufrechtzuerhalten.

Warum fühlen sich Forscher in der fremden Kultur oft isoliert?

Isolation entsteht durch Sprachbarrieren, fehlende soziale Vertrautheit, den ständigen Druck des "Beobachtetwerdens" und die Schwierigkeit, sich in den sozialen Gefügen der Einheimischen wirklich zu integrieren.

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Details

Title
Feldforscher über Feldforschung
Subtitle
Probleme und Methoden der ethnologischen Feldforschung
College
University of Frankfurt (Main)  (Institut für Historische Ethnologie)
Course
Probleme und Methoden der ethnologischen Feldforschung
Grade
sehr gut
Author
Alexandra von Bose (Author)
Publication Year
1990
Pages
17
Catalog Number
V129211
ISBN (eBook)
9783640360901
ISBN (Book)
9783640360635
Language
German
Tags
Feldforscher Feldforschung Probleme Methoden Feldforschung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alexandra von Bose (Author), 1990, Feldforscher über Feldforschung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129211
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