Für Bilder galt bisher, dass sie im Schulunterricht hauptsächlich als Illustrationen Anwendung fanden. Zwar konnte so durch das Abdrucken von Photographien, Plakaten und Historienbildern in Schulbüchern vielleicht die Motivation der Schüler gesteigert werden, ein wirklicher Lernerfolg resultierte aus der oberflächlichen Betrachtung der Bilder jedoch nicht, da sie allenfalls als ästhetisches Erlebnis, aber nur selten als Quelle genutzt wurden. Doch gerade in der heutigen Welt, in der die Schüler täglich vor allem im außerschulischen Kontext mit einer Vielzahl von Bildern konfrontiert werden, ist es umso nötiger, ihnen Kompetenzen zu vermitteln, Bilder angemessen zu rezipieren und kritisch zu hinterfragen. Dies kann neben den Fächern Kunst und Deutsch auch das Fach Geschichte leisten und gleichzeitig für den eigenen Gegenstand nutzbar machen.
In dieser Arbeit soll daher die Bildgattung „Plakate“ in Bezug auf ihre Eignung für den Geschichtsunterricht untersucht werden. Nach einem kurzen Abriss der Geschichte des Plakats wird dazu erstens das Medium an sich charakterisiert, indem, neben einer Definition der Gattungen, der spezifische Quellenwert sowie die Darstellungsmuster von Plakaten erörtert werden. Zweitens sollen Möglichkeiten der Analyse und die praktische Einbettung in den Geschichtsunterricht an einem Beispiel dargestellt werden. Zusätzlich werden aber auch allgemeine Methoden zum Einsatz von Plakaten im Geschichtsunterricht diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichte des Plakats
3. Gattungen des Plakats
4. Darstellungsmuster
5. Quellenwert
6. Analyse: „Hier trägst Du mit“
7. Einsatz im Unterricht
8. Literaturverzeichnis
9. Anhang
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Medium „Plakat“ hinsichtlich seiner Eignung als historische Quelle für den Geschichtsunterricht. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie diese intentionale Bildgattung analysiert werden kann, um sowohl zeitgenössische Mentalitäten und Ideologien freizulegen als auch im Unterricht zur Förderung kritischer Medienkompetenz beizutragen.
- Geschichte und mediale Entwicklung des Plakats.
- Typologie und methodische Einordnung von politischen und Werbeplakaten.
- Analyse von Darstellungsmustern wie Symbolik, Rhetorik und Bildsprache.
- Quellenkritik und Interpretation am Beispiel nationalsozialistischer Propaganda.
- Didaktische Konzepte für die praktische Einbettung in den Unterricht.
Auszug aus dem Buch
6. Analyse
Im Folgenden soll ein Plakat analysiert werden, das einer rassenhygienischen Monatsschrift aus dem Jahre 1936 entstammt und zuvor auf Ausstellungen des Reichsnährstandes gezeigt wurde. Für die Bildinterpretation wird auf eine vereinfachte Version des Analyseschemas Erwin Panofskys zurückgegriffen, die auch im Geschichtsunterricht praktikabel ist.
Im Zentrum des schwarz-weißen Plakates steht ein Mann mitteleuropäischen Aussehens. Er hat einen blonden Seitenscheitel, ein schmales Gesicht und einen schlanken, leicht muskulösen Körperbau. Er trägt schwarze Schuhe, eine lange Hose, einen Gürtel und ein weißes Hemd, das beinahe bis zum Bauchnabel aufgeknöpft und in die Hose gesteckt ist. Die Ärmel sind an beiden Seiten hochgekrempelt. Hose und Hemd schlagen einige Falten, was auf die Körperhaltung des Mannes zurückzuführen ist. Er hat beide Knie gebeugt und die Beine stehen schulterbreit auseinander. Der Oberkörper ist leicht nach vorn gebeugt und wirkt gestaucht. Die Arme sind angewinkelt und angehoben, so dass sich die Hände auf einer Höhe mit dem gesenkten Kopf befinden. Die Hände zeigen mit der Oberseite zum Boden und umgreifen einen Balken. Der Kopf des Mannes ist deutlich zur rechten Seite und nach unten gesenkt, sein Blick richtet sich vom Betrachter ab, wobei seine Augen und sein Mund geschlossen sind. Die Mundwinkel sind ebenfalls leicht nach unten gezogen. Der Nacken dieses Mannes ist übergroß und stützt denselben Balken, den die Hände umgreifen.
Auf dem Balken, der beinahe vom rechten bis zum linken Bildrand reicht und leicht gekrümmt ist, sitzen zwei weitere männliche Personen, die deutlich kleiner sind als der Mann im Zentrum. Beide Personen nehmen ungefähr dieselbe Haltung ein, jedoch spiegelverkehrt. Sie sitzen leicht nach vorn gebeugt auf dem Balken und lassen jeweils ein Bein zu einer Seite des Balkens herabhängen. Mit ihren Armen Stützen sie sich ab. Beide Köpfe sind zur Bildmitte gerichtet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit identifiziert die Notwendigkeit, Bilder im Geschichtsunterricht nicht nur als Illustration, sondern als kritisch zu hinterfragende historische Quellen zu nutzen.
2. Geschichte des Plakats: Dieses Kapitel skizziert die Entwicklung des Plakats vom antiken Aushang zum modernen Massenmedium und dessen Instrumentalisierung in verschiedenen politischen Epochen.
3. Gattungen des Plakats: Es erfolgt eine Differenzierung zwischen politischen Plakaten und Werbeplakaten unter Berücksichtigung ihrer spezifischen Wirkungsabsichten.
4. Darstellungsmuster: Das Kapitel erläutert die Funktionsweise von Symbolen, Stereotypen und der grafisch-sprachlichen Gestaltung zur Manipulation und Adressierung des Betrachters.
5. Quellenwert: Hier wird der analytische Nutzen von Plakaten für die Politik- und Mentalitätsgeschichte erörtert und aufgezeigt, wie diese serielle Quellen als Spiegel ihrer Zeit dienen.
6. Analyse: „Hier trägst Du mit“: Anhand eines NS-Propagandaplakats wird eine detaillierte Bildbeschreibung und -analyse nach einem adaptierten Panofsky-Schema durchgeführt.
7. Einsatz im Unterricht: Abschließend werden praktische methodische Verfahren für den Unterricht vorgestellt, wie etwa die kontrastive Quellenarbeit oder handlungsorientierte Umgestaltungsaufgaben.
8. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten wissenschaftlichen Fachliteratur und Quellen.
9. Anhang: Visualisierung des analysierten Plakats und ergänzender Dokumente.
Schlüsselwörter
Plakat, Geschichtsunterricht, Quellenarbeit, Bildanalyse, NS-Propaganda, Euthanasie, Nationalsozialismus, Medienkompetenz, Darstellungsmuster, Historische Quelle, Propaganda, Bildsprache, Mentalitätsgeschichte, Quellenkritik, Didaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Nutzung von Plakaten als historische Bildquelle im Geschichtsunterricht und wie diese effektiv zur Förderung der Medienkompetenz eingesetzt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Geschichte des Plakats, die Unterscheidung zwischen politischer Propaganda und Werbung sowie die spezifischen gestalterischen Mittel zur psychologischen Beeinflussung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein praktikables Analyseverfahren für den Schulunterricht zu etablieren, um die subtilen Botschaften und Ideologien in Plakaten für Schüler dekonstruierbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Interpretation verwendet?
Die Autorin verwendet eine für den Schulunterricht vereinfachte Form der Bildinterpretation nach Erwin Panofsky, ergänzt durch die Analyse von Kontextualisierung und Wirkungsabsicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung der Gattungen und Darstellungsmuster sowie eine konkrete Fallanalyse eines rassenhygienischen Plakats aus dem Jahr 1936.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem historische Bildanalyse, NS-Propaganda, Quellenwert, Didaktik, Bildgattung und Medienkritik.
Wie lässt sich die „Aura“ eines Plakats im Unterricht bewahren?
Die Arbeit empfiehlt, Plakate nach Möglichkeit in Originalgröße und mit authentischer Farbgebung zu präsentieren, anstatt sie lediglich via Projektion zu zeigen, um den Objektcharakter der Quelle zu wahren.
Warum ist das gewählte Beispielplakat besonders für den Unterricht geeignet?
Das Plakat aus dem Jahr 1936 eignet sich, um die Mechanismen der nationalsozialistischen Propaganda, insbesondere die ökonomische Argumentation zur Stigmatisierung von Behinderten, eindrücklich aufzuzeigen und kritisch zu diskutieren.
- Citation du texte
- Timo Castens (Auteur), 2009, Plakate als Quellen im Geschichtsunterricht anhand konkreter Beispiele, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129234