1 Einleitung
Am 21. August 2003 gab das International Accounting Standard Board (IASB) den „Exposure Draft of Proposed Amendments to IAS 39 Financial Instruments: Recognition and Measurement – Fair Value Hedge Accounting for a Portfolio Hedge of Interest Rate Risk“ mit Kommentierungsfrist bis 14. November 2003 zur Diskussion. Von nun an sollte es möglich sein, Sicherungsbeziehungen für Zinsrisiken nicht nur auf Mikro-Ebene, sondern auch auf Portfolio-Ebene zu designieren. Damit reagierte das Board auf die Kritik vor allem von Seiten der Banken, die schon seit langem Änderungen auf Ebene des Hedge Accounting forderten. Die entsprechenden Vorschriften zum Portfolio Hedge Accounting für Zinsrisiken wurden am 31. März 2004 veröffentlicht. Sie ergänzen die am 18. Dezember 2003 herausgegebene Überarbeitung des Standards IAS 39 „Financial Instruments: Recognition and Measurement“.
Eine der wesentlichsten Neuerungen der Dezemberfassung betrifft die nun gegebene Möglichkeit, optional Finanz-instrumente entgegen der bisher üblichen Kategorisie-rungen zum Fair Value zu bewerten. Die Option stieß allerdings nicht uneingeschränkt auf Zustimmung. Vor allem die Europäische Zentralbank kritisierte in ihrem Monatsbericht vom Februar 2004 mit Verweis auf eine mögliche Destabilisierung des Finanzsystems die Fair Value Option.
Am 21. April 2004 wurde von Seiten des IASB ein Vorschlag zur Änderung der gerade erst eingeführten Fair Value Option publiziert, der die Anwendung der Fair Value Option nun an mehrere Bedingungen knüpft. Die Entscheidung zur Einschränkung der Option steht noch aus. Das IASB seinerseits steht unter Druck, denn es benötigt zur
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endgültigen Übernahme der IAS, die am 1.1.2005 in Kraft treten sollen, die Bestätigung (Endorsement) der EU.
Die vorliegende Arbeit zum Thema „Portfolio Hedge Accounting für Zinsrisiken – Darstellung und kritische Würdigung“ ist wie folgt aufgebaut: Zunächst werden die wesentlichsten Begriffe im Zusammenhang mit dem Portfolio Hedge Accounting für Zinsrisiken erläutert. Im dritten Kapitel wird der Aufbau des Standards beschrieben sowie die Kategorisierungs- und Bewertungsmöglichkeiten von Finanzinstrumenten erläutert. Abschnitt vier setzt sich mit dem Hedge Accounting und im speziellen mit dem Portfolio Hedge Accounting für Zinsrisiken auseinander. Hierbei liegt der Schwerpunkt auf der Darstellung des neunstufigen Modells zur Anwendung des Portfolio Hedge Accounting für Zinsrisiken...
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffliche Abgrenzungen
2.1 Finanzinstrumente
2.2 Risiko
2.3 Hedging
3 Aufbau des Standards, Kategorisierung und Bewertung von Finanzinstrumenten
3.1 Aufbau des Standards
3.2 Kategorisierung von Finanzinstrumenten
3.3 Bewertung von Finanzinstrumenten
4 Hedge Accounting und Portfolio Hedge Accounting für Zinsrisiken
4.1 Funktion des Hedge Accounting
4.2 Effektivität
4.3 Hedging Instrumente
4.4 Hedging Gegenstände
4.5 Arten des Hedge Accounting
4.5.1 Fair Value Hedge
4.5.2 Cash Flow Hedge
4.6 Portfolio Hedge Accounting für Zinsrisiken
4.6.1 Vorbemerkung
4.6.2 Das neunstufige Modell
5 Kritische Würdigung des Portfolio Hedge Accounting
5.1 Zielsetzungen der kritischen Würdigung
5.2 Qualitative Anforderungen an den Abschluss
5.3 Gesetz und Praxis: problemlose Abbildung praxisüblicher Zinsrisikomanagementmethoden in der Bilanz?
5.3.1 Core Deposits
5.3.2 Interne Geschäfte
5.3.3 Laufzeitbänder und Effektivität
5.4 Beurteilung der Fair Value Option als Alternative zum Mixed Model
6 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Einführung und die praktischen Implikationen des Portfolio Hedge Accounting für Zinsrisiken nach IAS 39. Im Fokus steht dabei die kritische Auseinandersetzung mit der Bilanzierungspraxis unter Berücksichtigung bankenspezifischer Risikomanagementmethoden, insbesondere im Hinblick auf die Eignung der Fair Value Option als alternative Lösung.
- Struktur und Bewertung von Finanzinstrumenten nach IAS 39
- Anwendung und Effektivitätsmessung des Portfolio Hedge Accounting
- Kritische Analyse spezifischer Instrumente wie Core Deposits und interner Geschäfte
- Vergleichbarkeit und qualitative Anforderungen an den Jahresabschluss
- Beurteilung der Fair Value Option als Alternative zum bestehenden Regelwerk
Auszug aus dem Buch
4.6.2 Das neunstufige Modell
Das Portfolio Hedge Accounting umfasst neun Phasen, die in Abb. 10 dargestellt sind und im Folgenden erläutert werden.
a) Festlegung eines Portfolios festverzinslicher Geschäfte
Das Portfolio kann entweder nur Vermögenswerte oder Verbindlichkeiten oder beides, Vermögenswerte und Verbindlichkeiten, enthalten. Es dürfen auch mehrere Portfolien identifiziert werden, für die der Ablauf separat durchzuführen ist.
b) Allokation der Geschäfte auf Laufzeitbänder
Das zu sichernde Portfolio ist auf Laufzeitbänder zu verteilen. Die Verteilung erfolgt unter Maßgabe erwarteter Fälligkeiten oder, wenn sie früher anfallen, nach den nächsten Zinsanpassungsterminen. Die erwarteten Fälligkeiten werden auf Basis von Erfahrungswerten und weiteren verfügbaren Informationen geschätzt. Sie beinhalten besonders Erwartungen über die vorzeitige Rückzahlung, die Zinssätze und deren Interaktion. Es können sowohl Nominalbeträge, als auch die erwarteten Cash Flows verteilt werden. Die Aufteilung auf die Laufzeitbänder ist derart vorzunehmen, dass nach der Aufteilung die Finanzinstrumente eines Bandes ein ähnliches Risikoprofil aufzeigen. Des Weiteren sind die Aufteilungen regelmäßig einer Prüfung zu unterziehen und ggf. anzupassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert den Hintergrund zur Einführung des Portfolio Hedge Accounting für Zinsrisiken durch das IASB und die daraus resultierende Kritik, insbesondere seitens der Banken und der EZB.
2 Begriffliche Abgrenzungen: In diesem Kapitel werden die grundlegenden Definitionen für Finanzinstrumente, Risikoarten und Hedging-Strategien dargelegt, die für das Verständnis der weiteren Arbeit erforderlich sind.
3 Aufbau des Standards, Kategorisierung und Bewertung von Finanzinstrumenten: Dieses Kapitel beschreibt den Aufbau von IAS 39 sowie die Regeln zur Kategorisierung und Bewertung von Finanzinstrumenten, einschließlich der Neuerung der Fair Value Option.
4 Hedge Accounting und Portfolio Hedge Accounting für Zinsrisiken: Hier werden die Funktionsweise des Hedge Accounting, die Anforderungen an die Effektivität und das spezielle neunstufige Modell für das Portfolio Hedge Accounting detailliert dargestellt.
5 Kritische Würdigung des Portfolio Hedge Accounting: Das Kernkapitel analysiert kritisch die Umsetzbarkeit der Standardvorgaben anhand von Praxisbeispielen, Laufzeitbändern und dem Umgang mit Core Deposits sowie internen Geschäften.
6 Zusammenfassung und Ausblick: Das Abschlusskapitel fasst die zentralen Ergebnisse thesenförmig zusammen und gibt einen Ausblick auf die weitere Entwicklung der Rechnungslegungsvorschriften für Banken.
Schlüsselwörter
IAS 39, Portfolio Hedge Accounting, Zinsrisiken, Finanzinstrumente, Fair Value Option, Effektivität, Core Deposits, Laufzeitbänder, Risikomanagement, Bilanzierung, Banken, Fristentransformation, Marktwertrisiko, Hedge Ratio, Mixed Model
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Regelungen zum Portfolio Hedge Accounting für Zinsrisiken nach IAS 39 und setzt sich kritisch mit deren Anwendung in der Bankenpraxis auseinander.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Kategorisierung von Finanzinstrumenten, den methodischen Anforderungen an das Hedge Accounting und der kritischen Würdigung der Abbildung banküblicher Risikosteuerungsverfahren in der Bilanz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, inwieweit IAS 39 in der Lage ist, praxisübliche Methoden zur Messung und Absicherung von Zinsrisiken in das externe Rechnungswesen zu integrieren, ohne dabei bewährte Managementstrukturen zu gefährden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit folgt einem analytischen und normativen Ansatz, bei dem bestehende Bilanzierungsregeln den qualitativen Anforderungen an den Abschluss gegenübergestellt und vor dem Hintergrund ökonomischer Realitäten kritisch hinterfragt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden das neunstufige Modell des Portfolio Hedge Accounting detailliert erklärt und die viel diskutierten Problemfelder wie Core Deposits, interne Geschäfte sowie die Wahl der Effektivitätsmessmethode kritisch gewürdigt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie IAS 39, Portfolio Hedge Accounting, Zinsrisiken, Core Deposits, Fair Value Option und Risikomanagement charakterisiert.
Warum ist die Behandlung von "Core Deposits" in der Arbeit so wichtig?
Core Deposits sind für Banken essenziell für die Kreditfinanzierung. Da IAS 39 deren Einbeziehung in ein Portfolio-Hedge einschränkt, stellt die Arbeit in Frage, ob der Standard hier die ökonomische Realität ausreichend abbildet.
Wie steht die Arbeit zur "Fair Value Option"?
Die Arbeit sieht die Fair Value Option als eine sinnvolle und oft leichter zu handhabende Alternative zum komplexen Mixed-Model-Ansatz und plädiert dafür, diese Option nicht durch restriktive neue Bedingungen einzuschränken.
- Quote paper
- Stefan Dauben (Author), 2004, Portfolio Hedge Accounting für Zinsrisiken nach IAS 39 - Darstellung und kritische Würdigung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129241