Im Verlauf der vorliegenden Arbeit soll deutlich gemacht werden, wo die Chancen und Grenzen der Inklusion von Menschen mit Behinderungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt liegen und wie durch aufgeführte Arbeitsgestaltungsansätze eine bessere Inklusion der Betroffenen ermöglicht werden kann. Im empirischen Teil dieser Arbeit soll deshalb der Frage nachgegangen werden, wie bestehende Grenzen der Inklusion von Menschen mit Asperger-Autismus auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt durch verschiedene Arbeitsgestaltungsansätze, die hierbei als Chancen gesehen werden, überwunden werden können. Da alle Menschen mit einer Behinderung in dieser Arbeit aufgrund des begrenzten Umfangs nicht berücksichtigt werden können, wird im weiteren Verlauf speziell auf Menschen mit Asperger-Syndrom eingegangen. Das Asperger-Syndrom ist eine leichte Form des Autismus, die mit Beeinträchtigungen besonders im sozialen und kommunikativen Bereich einhergeht, aber auch Einfluss auf die körperliche und geistige Verfassung haben kann. Es existieren viele Vorurteile gegenüber autistischen Menschen, die zumeist nicht der Realität entsprechen. Deshalb soll diese Arbeit nicht nur die möglichen Chancen und Grenzen der Inklusion von Menschen mit Asperger-Syndrom auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt aufzeigen, sondern vielmehr ein präzises, realitätsgetreues Bild über das Asperger-Syndrom umreißen, um die Bereitschaft der Unternehmen, den Erfordernissen eines Menschen mit Autismus Rechnung zu tragen und diese vermehrt zu beschäftigen, stärken. Da der Schwerpunkt dieser Arbeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt liegt, werden andere Bildungs- und Berufsmöglichkeiten nicht berücksichtigt.
Inhaltsverzeichnis der Arbeit
1. Asperger-Syndrom im autistischen Spektrum
1.1. Diagnostische Kriterien nach ICD-10
1.2. Epidemiologie, Ätiologie und neuropsychologische Modelle
1.3. Prognose und Therapie
2. Geschichtlicher Abriss und Hintergrund
3. Berufliche Situation von Menschen mit Asperger-Syndrom
3.1. Aktuelle Beschäftigungslage
3.2. Ursachen unzureichender Beschäftigung
3.3. Folgen der unzureichenden Beschäftigung
4. Chancen und Grenzen der Inklusion von Menschen mit Asperger-Syndrom in eine wettbewerbsfähige Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt
4.1. Schwächen/Herausforderungen von Menschen mit Asperger-Syndrom
4.2. Stärken von Menschen mit Asperger-Syndrom
4.3. Optionen in Tätigkeiten und Arbeitsbereichen
4.4. Assessment, Profiling und Job-Matching in der beruflichen Rehabilitation
4.5. Optionen der Arbeitsplatzgestaltung und Räumlichkeiten
4.6. Optionen in der Arbeitsorganisation
4.7. Soziale Trainingsmaßnahmen
4.8. Personelle Unterstützung am Arbeitsplatz
5. Chancen und Grenzen der Inklusion von Menschen mit Asperger-Syndrom in eine wettbewerbsfähige Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt am Beispiel von der auticon GmbH
5.1. Durchführungsbeschreibung
5.2. Stichprobenbeschreibung
5.3. Ergebnisse des Experteninterviews mit zwei Job-Coaches der auticon GmbH
5.3.1. Einstellungsprozess und Anforderungen an Mitarbeiter mit ASS
5.3.2. Arbeitsplatzgestaltung
5.3.3. Arbeitsorganisation
5.3.4. Personelle Unterstützung am Arbeitsplatz
5.3.5. Kundenzufriedenheit
5.3.6. Finanzierung und Unterstützung
5.3.7. Aufklärungsarbeit und Empfehlung an andere Unternehmen
6. Diskussion
7. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Chancen und Grenzen einer inklusiven Beschäftigung von Menschen mit Asperger-Syndrom auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie bestehende Barrieren und Vorbehalte durch gezielte Arbeitsgestaltungsansätze sowie die Unterstützung von Institutionen überwunden werden können, um das vorhandene Potenzial autistischer Menschen für den Arbeitsmarkt nutzbar zu machen.
- Analyse der beruflichen Situation und Herausforderungen für Menschen mit Asperger-Syndrom
- Identifikation von Stärken und Potenzialen autistischer Arbeitnehmer für Unternehmen
- Evaluierung von Arbeitsgestaltungsansätzen und Unterstützungsmaßnahmen
- Untersuchung von Good-Practice-Ansätzen am Beispiel der auticon GmbH
- Aufzeigen der Rolle der Sozialen Arbeit bei der Förderung inklusiver Beschäftigungsverhältnisse
Auszug aus dem Buch
4.1. Schwächen/Herausforderungen von Menschen mit Asperger-Syndrom
Bei der Inklusion von Menschen mit Asperger-Syndrom in den allgemeinen Arbeitsmarkt gibt es verschiedene Faktoren, welche die nachhaltige Eingliederung in den Arbeitsmarkt erschweren können. Diese werden im Folgenden erläutert.
Durch die qualitative Beeinträchtigung der sozialen Kompetenz wird die Kommunikation mit Kollegen und Vorgesetzten zum Teil deutlich erschwert. Menschen mit Asperger-Syndrom verstehen beispielsweise eine Lüge nicht ohne weiteres. Deshalb lügen sie auch in der Regel selbst nicht. Auch die eigentliche Bedeutung hinter Metaphern, Redewendungen, Sarkasmus und Ironie bleibt ihnen meist unverständlich und sie nehmen das Gesagte wörtlich. Spontane Kommunikation wie Smalltalk, Nachfragen oder Reaktionen auf Ansprachen überfordern sie schnell (vgl. Dalferth, Social Skills Training. Training sozialer und kommunikativer Verhaltensweisen bei Jugendlichen mit ASD, 2004 (18. Jahrgang, Heft 6), S. 279-281).
Zudem können sich Menschen mit Asperger-Syndrom aufgrund ihrer schwach ausgeprägten ToM-Fähigkeiten „nicht angemessen in das Denken und Fühlen der Kollegen hineinversetzen“ (Dalferth, Berufliche Bildung, soziale Eingliederung und erfolgreiche Beschäftigung von jungen Menschen mit autistischen Syndromen, 2002 (16. Jahrgang, Heft 6), S. 302). Auch die unausgesprochenen Regeln des sozialen Verhaltens, wie eine dem Gesprächspartner angemessene Begrüßung oder Verabschiedung oder ein allgemein verbindlicher Körperabstand, werden in bestimmten Situationen nicht verstanden und demzufolge nicht eingehalten (vgl. ebd., S. 310; Sünkel, 2013, S. 333).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Asperger-Syndrom im autistischen Spektrum: Dieses Kapitel erläutert das Störungsbild, dessen Einordnung sowie diagnostische Kriterien, epidemiologische Hintergründe und therapeutische Ansätze.
2. Geschichtlicher Abriss und Hintergrund: Es wird die gesellschaftliche Entwicklung der Inklusion und die zentrale Bedeutung der beruflichen Teilhabe für Menschen mit Behinderung dargelegt.
3. Berufliche Situation von Menschen mit Asperger-Syndrom: Fokus auf die aktuelle Beschäftigungslage, die Ursachen für die hohe Arbeitslosenquote und die Auswirkungen der unzureichenden Teilhabe.
4. Chancen und Grenzen der Inklusion von Menschen mit Asperger-Syndrom in eine wettbewerbsfähige Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt: Detaillierte Untersuchung von Herausforderungen, Stärken sowie spezifischen Gestaltungsansätzen für den Arbeitsplatz und die Organisation.
5. Chancen und Grenzen der Inklusion von Menschen mit Asperger-Syndrom in eine wettbewerbsfähige Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt am Beispiel von der auticon GmbH: Präsentation der Ergebnisse eines Experteninterviews mit Job-Coaches zur praktischen Umsetzung von Inklusion.
6. Diskussion: Kritische Reflexion der Ergebnisse aus Literatur und Empirie sowie Einordnung der Relevanz für das Handlungsfeld der Sozialen Arbeit.
7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Potenziale und Notwendigkeit weiterführender politischer und gesellschaftlicher Unterstützungsmaßnahmen für eine gelungene Inklusion.
Schlüsselwörter
Inklusion, Asperger-Syndrom, Autismus-Spektrum-Störung, allgemeiner Arbeitsmarkt, berufliche Rehabilitation, Arbeitsplatzgestaltung, Job-Coaches, Arbeitsorganisation, Unternehmenskultur, soziale Kompetenz, Inklusionsbarrieren, Fachkräftemangel, Arbeitsgestaltung, Teilhabe, Auticon GmbH.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die Möglichkeiten und Hindernisse bei der Inklusion von Menschen mit Asperger-Syndrom in den ersten Arbeitsmarkt und identifiziert Strategien, um die Beschäftigungschancen dieser Personengruppe zu erhöhen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Schwerpunkten zählen die psychologischen und sozialen Besonderheiten von Asperger-Autisten, die Anforderungen von Unternehmen, Möglichkeiten der Arbeitsplatzanpassung sowie die Rolle professioneller Begleitung durch Job-Coaches.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, ein präzises Bild des Asperger-Syndroms zu zeichnen, um Vorurteile abzubauen und aufzuzeigen, wie Arbeitgeber durch konkrete Maßnahmen die Potenziale autistischer Menschen erfolgreich integrieren können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und wird durch einen empirischen Teil ergänzt, der auf qualitativen Experteninterviews mit Job-Coaches eines spezialisierten IT-Unternehmens beruht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Schwächen und Stärken autistischer Menschen im Arbeitskontext, diskutiert Optionen für die Arbeitsgestaltung sowie Organisation und stellt mit der auticon GmbH ein praktisches Modell vor.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Zentrale Begriffe sind Inklusion, berufliche Rehabilitation, Asperger-Syndrom, Arbeitsplatzgestaltung, Job-Matching und Abbau von Vorurteilen.
Wie spielt das Modell der auticon GmbH eine Rolle in der Arbeit?
Das Unternehmen dient als Good-Practice-Beispiel, an dem erprobt wird, welche Mechanismen wie Einstellungsprozesse und Arbeitsbegleitung durch Coaches die erfolgreiche Integration autistischer Consultants ermöglichen.
Warum ist laut der Autorin Aufklärungsarbeit so entscheidend?
Die Arbeit macht deutlich, dass viele Inklusionsbarrieren auf mangelndem Wissen und Ängsten bei Arbeitgebern basieren; Aufklärung und der Abbau von Vorurteilen sind daher essenziell, um die Potenziale Asperger-autistischer Menschen anzuerkennen.
Welche Rolle nimmt die Soziale Arbeit ein?
Soziale Arbeit fungiert als Schnittstelle, die professionelle Methoden und Instrumente entwickelt, um Chancengleichheit zu fördern und die individuelle Teilhabe am Arbeitsleben zu sichern.
- Quote paper
- Carolin Richter (Author), 2017, Die Inklusion von Menschen mit Asperger-Autismus auf dem Arbeitsmarkt. Chancen und Grenzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1292446