Internes Rating nach Basel II


Seminararbeit, 2004

16 Seiten, Note: 1.7


Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I Internes Rating nach Basel II
1. Überblick
a. Wofür steht Basel II?
aa. Der ursprüngliche Eigenkapitalstandard von 1988
ab. Grundzüge von Basel II
2. Analyseinstrumente und Informationsquellen der Bonitätsanalyse
b. Praxisbeispiel
3. Kritische Würdigung
a. Vor- und Nachteile des Baseler Akkordes
b. Auswirkungen von Basel II und empirische Befunde
c. Sollten alle Banken raten?

II Rating und Derivate
1. Unterschied zwischen Darlehen und Derivaten
a. Überblick über die Delkredere-Risiken
b. Einflussfaktoren auf das Darlehensrisiko
c. Einflussfaktoren auf das derivative Risiko
d. Verbleibende Risiken beim Adressrisikotransfer mit Kreditderivaten
2. Bonitätseinstufung
a. Bestimmung des aktuellen und potentiellen Bonitätsrisikos
aa. Genauigkeit und auftretende Probleme
ab. Lösungsvorschlag
ac. Bestimmung des voraussichtlichen Verlustes
b. Bedeutung für die Marktteilnehmer
3. Faktoren zur Bestimmung des Preises von derivativen Handelsgeschäften
a. Bonitätsrisiko
b. Art des Finanzinstrumentes

I Internes Rating nach Basel II

1. Überblick

a. Wofür steht Basel II?

aa. Der ursprüngliche Eigenkapitalstandard von 1988

1988 wurde vom sogenannten Baseler Ausschuss der erste Baseler Eigenkapitalstandard festgesetzt. Als Ziel wurde ausgegeben, die Eigenkapitalausstattung der Kreditinstitute zu erhöhen und somit die Krisenanfälligkeit des Bankensystems zu reduzieren. Als Vorgabe galt es, dass das Eigenkapital eines Kreditinstitutes mindestens 8% der risikogewichteten Aktiva betragen soll. Basel I basiert auf einem einfachen System, in dem nur vier Segmente existieren, in welche die Aktiva eingeteilt werden. Vgl. Abbildung 1. Aus dieser Schlichtheit ergaben sich allerdings einige Probleme.

Zum einen gab es Abweichung in Höhe es Kapitals, das die Banken für ihre eigene Risikokalkulation für ausreichend hielten (ökonomisches Kapital) und dem Kapital, das die Bankenaufsicht erforderte (regulatorisches Kapital)1.

Zum anderen führte diese Risikogewichtung zu falschen Anreizen. Es erschien im Hinblick auf die Bindung der teueren Ressource Eigenkapital eher erstrebenswert, Kredite an OECD-Staaten zu vergeben, als an Unternehmen.

Desweiteren kam es zu Preisverzerrungen, da Kredite wie z.B. an Daimler-Chrysler, eine ebenso hohe Eigenkapitalunterlegung erforderten, wie an ein neu gegründetes Unternehmen. Der Spielraum in der Preisdifferenzierung für Kreditnehmer unterschiedlicher Bonität war sehr beschränkt.2

ab. Grundzüge von Basel II

Aufgrund der aufgezeigten Schwächen von Basel I wurde daraufhin das Konzept von Basel II erstellt. Der neue Baseler Akkord besteht aus drei Säulen. Säule eins beschreibt die Mindestkapitalanforderungen, Säule zwei den bankenaufsichtlichen Überprüfungsprozess und Säule drei die erweiterte Offenlegung.

Säule eins: Mindeskapitalanforderungen: Insbesondere dieser Punkt soll die Schwächen von Basel I beseitigen. Ziel ist es, die erforderliche Eigenkapitalunter-legung stärker am tatsächlichen Ausfallrisiko zu auszulegen. Grundlage hierfür bieten die vorgeschlagenen Elemente zur Bestimmung der Risikogewichte.

Basel II: Verfahren zur Ermittlung der Kreditrisikogewichtung

Standardansatz (basierend auf externen Ratings)

IRB-Ansatz (basierend auf internen Ratings)

a) Basisansatz
b) Fortgeschrittenes Verfahren

Im Standardansatz wird auf die bisher verwendeten externen Ratings zurückgegriffen. Zusätzlich wird jedoch ein weiterer Gewichtungssatz i.H.v. 150% für Kreditnehmer mit schlechter Bonität eingeführt.

Probleme bei der Anwendung dieses Ansatzes sind jedoch in der unterschiedlichen Bewertung der einzelnen Risikogruppen durch die Ratingagenturen zu sehen. Infolge dessen ist es möglich, dass Kredite eine unterschiedliche Eigenkapitalhinterlegung erfordern, obwohl das
Bewertungsobjekt dasselbe ist. Zudem stieß der Vorschlag, den Standardansatz zu verwenden insbesondere bei den Europäern auf Widerstand, da nur wenige Unternehmen über ein solches Rating verfügen.3

So ist es bei den IRB-Ansätzen (Internal Ratings Based Approach) nicht erforderlich, sich extern raten zu lassen. Das Rating wird von den Banken selbst vorgenommen.

Es wurden mit dem Basisansatz und dem fortgeschrittenen Verfahren zwei Ansätze zum internen Rating entwickelt, um möglichst vielen Banken den Zugang zum IRB-Ansatz zu ermöglichen.

a) Basisansatz: Hier sind die Banken lediglich dazu verpflichtet, die Ausfallwahrscheinlichkeit der Ratingklassen in den jeweiligen Risikoaktivaklassen zu schätzen. Ihnen werden von der Bankenaufsicht die Effective Maturity (M), als Restlaufzeit, der Loss Given Dafault (LGD), als erwarteter Verlust im Zeitpunkt des Ausfalls und der Exposure At Dafault (EAD), als Prozentsatz der erwarteten ausstehenden Forderung gegenüber dem Kreditnehmer zum Ausfallzeitpunkt, vorgegeben.
b) Fortgeschrittenes Verfahren: Das fortgeschrittene Verfahren unterscheidet sich vom Basisansatz durch die erhöhte Selbstermittlung an Messzahlen. Es wird lediglich die Restlaufzeit als nicht selbst zu schätzender Parameter vorgegeben. Der erwartete Verlust zum Zeitpunkt des Ausfalls und die erwartete Forderungshöhe zum Zeitpunkt des Ausfalls werden auf der Basis von Vergangenheitswerten bankindividuell ermittelt. Um sicherzustellen, dass die Bank den Ratingprozeß adäquat umsetzt, sind bestimmte Mindestkriterien zu erfüllen. Vgl. Abbildung 2. Unter den Mindestanforderungen sind die Anwendung interner Ratingverfahren und die interne Validierung hervorzuheben. Diese Anforderungen an die Banken sollen gewährleisten, dass die ermittelten Kennzahlen auch tatsächlich zur bankinternen Risikostreuung verwendet werden und nicht lediglich für Aufsichtszwecke aufgestellt werden. Die gewonnenen Daten müssen zwingend in die Risikomessung, sowie die Preisgestaltung der Kredite eingehen. Desweiteren sind interne Ratings in Verbindung mit der zweiten Säule in der internen Bewertung der Angemessenheit der Eigenkapitalausstattung zu berücksichtigen.

Neben dem Kreditrisiko besteht als zweiter großer Faktor, der eine Eigenkapitalunterlegung notwendig macht, das operationelle Risiko. Es wird definiert, als „die Gefahr von unmittelbaren oder mittelbaren Verlusten, die infolge der Unangemessenheit oder des Versagens von internen Verfahren, Menschen und Systemen oder von externen Ereignissen eintreten“.4

Es wurden drei Verfahren zur Messung dieses Risikos entwickelt. Es sind der Basisindikatoransatz, der Standardansatz und der interne Bemessungsansatz. Die Reihenfolge der Verfahren ist so gewählt, dass sie sich durch eine steigende Risikosensitivität auszeichnen, die dann eine geringere Eigenkapitalunterlegung benötigen.

Beim Basisindikatoransatz, dem risikounsensitivsten Ansatz, wird die Kapitalunterlegung lediglich unter zu Hilfenahme eines Indikators, z.B. des Bruttoertrages bestimmt. Hierbei ist allerdings aufgrund der simplen Anwendung, nur eine pauschale Schätzung des operationellen Risikos möglich.

Der Standardansatz ermöglicht eine etwas genauere Schätzung des operationellen Risikos. Es werden mehrere Indikatoren herangezogen, z.B. ein Indikator je Geschäftsfeld, die dann mit einem von der Aufsicht vorgegebenen Kapitalfaktor gewichtet werden. Allerdings ist auch hier eine genaue Schätzung nicht möglich, weil die verwendeten Verlustdaten nicht institutsspezifisch sind. Von den Banken sollte daher möglichst der interne Bemessungsansatz verwendet werden. Um die Umsetzung zu beschleunigen, wurden von der Aufsicht Anreize, wie eine geringere Eigenkapitalunterlegung und die Anwendung des Ansatzes auf zunächst nur einige Geschäftsfelder, geschaffen.

Der präferierte interne Bemessungsansatz hingegen ermöglicht es den Banken auch individuelle Erfahrungen mit operationellen Verlusten mit einzubringen. Die Messung des operationellen Risikos wird bei diesem Ansatz nach aufsichtlich vorgegebenen Geschäftsfeldern und Verlusttypen ( z.B. Abschreibungen, Rechtskosten, etc.) vorgenommen. Der zu erwartende operationelle Verlust je nach Geschäftsfeld und Verlusttyp wird auf der Basis von bankinternen Verlustdaten ermittelt. Die erwarteten Verluste werden anschließend mit einem von der Aufsicht vorgegebenen Kapitalfaktor multipliziert woraus sich die Eigenkapitalanforderung ergibt.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kalibrierung der einzelnen Risikogewichte. Hier geht es um die vorzuhaltende Eigenkapitalhöhe und die relative Gewichtung der Risiken, um die Stabilität des Finanzsystems zu sichern. Bisher wurde das operationelle Risiko in den durchschnittlichen 8% mit abgedeckt. Da dies aber nun getrennt ausgewiesen wird, müssen die 8% Eigenkapitalunterlegung auf die beiden Risikokomponenten aufgeteilt werden. Wenn man nach empirischen Studien zufolge das Verhältnis des operationellen Risikos zum Kreditrisiko mit 4:1 ansetzt, ergibt sich auf Basis des ´Top-down´-Ansatzes ein Kreditrisiko von 6,4% und ein operationelles Risiko von 1,6%. Erforderlich für die erfolgreiche Kalibrierung ist die Ermittlung eines repräsentativen Durchschnittspotfolios. „Dieses Durchschnittsportfolio soll zum einen die Gewichtung der verschiedenen Risikoaktivaklassen im IRB-Ansatz, zum anderen innerhalb einer Forderungsklasse die Verteilung der Risikoaktiva auf die verschiedenen Ratingklassen widerspiegeln“.5 Da das Kreditrisiko durchschnittlich mit 6,4% in bezug auf alle Portfolio-Klassen gewichtet ist, kann dies bei Betrachtung einzelner Klassen, z.B. der Unternehmungen, zu höheren Gewichtungen kommen, während z.B. die Klasse der Privatkunden niedriger gewichtet wird.

[...]


1 Vgl. Blache, R. und Bluhm, Ch. (2001): Die Steuerung von Kreditrisiken mithilfe der RAROC-Methodik, in: Ausfallrisiken, S. 264

2 Vgl. Duhnkrack, Th. (2001): Rating. Fitness-Check für Ihr Unternehmen, S. 22

3 Vgl. Duhnkrack, Th. (2001): Rating. Fitness-Check für Ihr Unternehmen, S. 23

4 Vgl. Deutsche Bundesbank (2001): Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung (Basel II), S. 28

5 Vgl. Deutsche Bundesbank (2001): Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung (Basel II), S. 30

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Internes Rating nach Basel II
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1.7
Autor
Jahr
2004
Seiten
16
Katalognummer
V129249
ISBN (eBook)
9783640360918
ISBN (Buch)
9783640360642
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Internes, Rating, Basel
Arbeit zitieren
Stefan Dauben (Autor:in), 2004, Internes Rating nach Basel II, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129249

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