Pflegebedürftigkeit in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung von Demenz. Analyse und Prognose


Projektarbeit, 2016

93 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen
2.1 Demografischer Wandel
2.2 Pflegebedürftigkeit
2.3 Demenz

3 Datenanalyse und –prognose
3.1 Epidemiologie der Pflegebedürftigkeit
3.2 Versorgungssituation
3.3 Personalsituation in der Pflege
3.4 Finanzierung

4 Diskussion

5 Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

Anhang: Statistische Herangehensweise

Anhang: Grafiken

Eidesstattliche Erklärung

Zusammenfassung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der „Analyse und Prognose der Pflegebedürftigkeit unter besonderer Berücksichtigung von Demenz“. Sie ist in drei Hauptkategorien untergliedert: Grundlagen, Datenanalyse und die anschließende Diskussion. Zu Beginn wurden im Abschnitt Grundlagen, die demografische Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland untersucht. Um eine einheitliche Begriffsdefinition zu schaffen, wurden die theoretischen Grundlagen der Thematik aufgearbeitet. Im Hauptteil der Ausarbeitung wurden zum Großteil Daten aus der Datenbank der Gesundheitsberichterstattung des Bundes verwendet und im Bezug auf die folgende These analysiert und prognostiziert.

Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern sieht sich einer stärkeren Belastung im Bezug auf die Pflegebedürftigkeit demenziell erkrankter Menschen ausgesetzt als Schleswig-Holstein bzw. der Bundesrepublik Deutschland.

Die Stammdaten wurden hierzu mit Hilfe einer Regressionsanalyse in Excel bewertet und anschließend prognostiziert. Dabei wurde der Schwerpunkt auf die Versorgungs- und Personalsituation, sowie die finanzielle Entwicklung von Pflegebedürftigen im Bereich Demenz gelegt.

Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland wird in den folgenden Jahren weiter stark ansteigen, genau wie die Zahl der Demenzkranken. Besonders im Bezug auf die Aktualität dieses Themas ist zu bemerken, dass bezüglich der Versorgungssituation in Relation zur Krankheit Demenz noch zu wenig relevante Daten erfasst worden sind bzw. zu wenig Datenerhebungen stattgefunden haben. Hier besteht Handlungsbedarf, um genauere Zahlen zur Verfügung zu haben. Der demografische Wandel, der eine Veränderung der Altersstruktur der deutschen Bevölkerung nach sich zieht, wird es in Zukunft einige Herausforderungen im Bezug auf die Betreuung dieser Menschen geben.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Demografischer Wandel: Altersstruktur 2016

Abbildung 2: prognostizierte Altersstruktur 2040 im Vergleich zu 2016

Abbildung 3: Mittlere Prävalenzrate im Jahr 2012

Abbildung 4: Bevölkerung in Deutschland nach Geschlecht und Altersgruppen

Abbildung 5: Bevölkerung in Deutschland anteilig

Abbildung 6: Entwicklung der Pflegebedürftigen

Abbildung 7: Vergleich der Entwicklung der Pflegebedürftigen & Bevölkerung

Abbildung 8: Versorgung der Pflegebedürftigen über 65 in Deutschland

Abbildung 9: Versorgung der Pflegebedürftigen über 65 in S-H

Abbildung 10: Versorgung der Pflegebedürftigen über 65 in M-V

Abbildung 11: Pflegebedürftige über 65, Versorgung zu Hause in Deutschland

Abbildung 12: Pflegebedürftige über 65, Versorgung zu Hause in S-H

Abbildung 13: Pflegebedürftige über 65, Versorgung zu Hause in M-V

Abbildung 14: Pflegebedürftige über 65, Versorgung in Heimen in Deutschland

Abbildung 15: Pflegebedürftige über 65, Versorgung in Heimen in S-H

Abbildung 16: Pflegebedürftige über 65, Versorgung in Heimen in M-V

Abbildung 17: Personalsituation in ambulanten Diensten und Pflegeheimen in D

Abbildung 19: Personalsituation in ambulanten Diensten und Pflegeheimen in M-V

Abbildung 18: Personalsituation in ambulanten Diensten und Pflegeheimen in S-H

Abbildung 20: Beschäftigung in ambulanten Pflegediensten in Deutschland

Abbildung 21: Beschäftigung in Pflegeheimen in Deutschland

Abbildung 22: Beschäftigung in ambulanten Diensten in M-V

Abbildung 23: Gesundheitsausgaben Deutschland (2009-2017)

Abbildung 24: Anteile an den Gesundheitsausgaben im Jahr 2014

Abbildung 25: Kosten für Demenz in der ambulanten Pflege

Abbildung 26: Kosten für Demenz in der stationären/teilstationären Pflege

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Pflegequote

Tabelle 2: Leistungen der einzelnen Pflegestufen

Tabelle 3: anteilige Gesamtkosten von Demenz

Tabelle 4: anteilige Kosten von Demenz an gesamt Gesundheitsausgaben

1 Einleitung

Vor gut zwanzig Jahren am 01. Januar 1995 wurde mit der Pflegeversicherung die letzte der fünf Sozialversicherungen in Deutschland eingeführt.1 Seitdem hat sich viel verändert. So ist auf der einen Seite die Lebenserwartung angestiegen, bei Frauen beispielsweise von 79,49 Jahre im Jahr 1995 auf mittlerweile 83 Jahre.2 Auf der anderen Seite kommt hinzu, dass sich die Altersstruktur verändert: Der prozentuale Anteil der über 65-Jährigen hat sich von 16 % (1995) auf 21 % erhöht (2013).3 Der demografische Wandel wirkt sich auf viele Bereiche der Gesellschaft aus, nicht zuletzt auch auf das Gesundheitswesen und insbesondere den Bereich der Pflege. Der steigenden Zahl an Pflegebedürftigen stehen immer weniger Menschen gegenüber, die diese pflegen. Um sich den Veränderungen anzunehmen und die Pflege zu stärken, hat die Bundesregierung zum jetzigen Zeitpunkt bereits zwei Pflegestärkungsgesetze beschlossen. Ziel ist es, dass die Pflegebedürftigen mehr Leistungen erhalten. Außerdem wird ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff eingeführt und das Begutachtungsverfahren geändert.4

Hervorzuheben ist, dass dadurch unter anderem die Situation für die steigende Anzahl an Demenzkranken verbessert wird. Bei der Zuordnung und Begutachtung hinsichtlich der Pflegestufen wurden bisher ausschließlich die körperlichen Einschränkungen berücksichtigt. Mit den neuen Gesetzen wird nun auch das seelische und geistige Befinden der Pflegebedürftigen in das Gutachten einbezogen.5 Hier zeigt sich bereits, dass das Krankheitsbild Demenz in Deutschland zukünftig eine große Bedeutung einnehmen wird. Laut einer Prognose der Deutschen Alzheimer Gesellschaft wird sich die Zahl der Demenzkranken in Deutschland bis zum Jahr 2050 auf 3 Millionen verdoppeln.6 Somit zeigt sich, dass eine Reform der Pflege, wie sie heutzutage stattfindet, unausweichlich ist.

Warum eine solche Reform nötig ist und wie sich die Pflegebedürftigkeit in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung von Demenz verändert, wird in dieser Ausarbeitung gezeigt. Ziel ist es herauszufinden, ob es hinsichtlich der Versorgungs-, Personal- und Finanzentwicklung regionale Unterschiede gibt und wie diese gegebenenfalls aussehen. Dabei werden diese stets auch im Bezug zu Gesamtdeutschland gesehen. Exemplarisch werden die beiden norddeutschen Bundesländer Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern miteinander verglichen. So soll ein Vergleich zwischen einem alten und einem neuen Bundesland gezogen werden.

An diese Einleitung schließt sich im zweiten Kapitel dieser Ausarbeitung die Erläuterung der Grundlagen an. Hier werden die für das weitere Verständnis wichtigen Begriffe „Pflegebedürftigkeit“ und „Krankheitsbild Demenz“ näher erläutert. Im dritten Teil erfolgt sowohl die Analyse als auch die Prognose der Daten. Es wird die These Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern sieht sich einer stärkeren Belastung im Bezug auf die Pflegebedürftigkeit demenziell erkrankter Menschen ausgesetzt als Schleswig-Holstein bzw. der Bundesrepublik Deutschland.

aufgestellt, die im Anschluss daran aus drei verschiedenen Perspektiven erörtert wird. Wie die Untersuchung der Daten im Einzelnen erfolgt ist, wird im Anhang näher beschrieben. Im vierten Kapitel werden die unterschiedlichen Sichtweisen zusammengeführt und diskutiert. Im letzten Kapitel, dem Fazit, werden die wesentlichen Aussagen noch einmal zusammengefass.

2 Grundlagen

Im folgenden Kapitel wird auf die Bevölkerungsstruktur hinsichtlich des demografischen Wandels eingegangen und ein Überblick der rechtlichen Rahmenbedingungen von Pflegebedürftigkeit gegeben. Es werden Definitionen, Aufbau und Anwendungsbereiche sowie aktuelle Neuerungen beschrieben.

Des Weiteren wird ein kurzer historischer Abriss über die dementiellen Erkrankungen gegeben, das Krankheitsbild Demenz näher erläutert und epidemiologisch betrachtet.

2.1 Demografischer Wandel

Dem Statistischen Bundesamt zufolge leben derzeit in Deutschland rund 81,2 Millionen Einwohner, davon sind 49 % männlich und 51 % weiblich.7 Bei den, in der vorliegenden Arbeit, angegebenen Bevölkerungszahlen handelt es sich um Fortschreibungsergebnisse auf Basis des Zensus 2011. Die Angaben zu den Jahren 2016 und 2040 (siehe Abbildungen 1 und 2) basieren auf den Ergebnissen der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung für Deutschland. Dabei wurde aufgrund der derzeitigen Flüchtlingssituation die Variante: Kontinuität bei stärkerer Zuwanderung gewählt mit den Annahmen der Geburtenhäufigkeit von 1,4 Kinder je Frau und einem Wanderungssaldo ab 2021 von 200.000 Menschen pro Jahr. Innerhalb eines Jahres (von 2013 auf 2014) ist die Bevölkerung um 430.000 Einwohner beziehungsweise um 0,5 % gewachsen. Neben dem Zuwachs der Bevölkerung, hat der demografische Wandel großen Einfluss auf die Altersstruktur in Deutschland. So kommen seit den geburtenreichen Jahrgängen zwischen 1960-1970 immer weniger Kinder nach, als Menschen sterben. Im Jahr 1990 lag der Anteil der unter 20-Jährigen (grau dargestellt) noch bei 20 % der Gesamtbevölkerung und ist aufgrund der kontinuierlich sinkenden Geburtenrate in 2016 um 2 % rückläufig. Im Jahr 2040 wird die Anzahl nach der Vorausberechnung um ein weiteres Prozent sinken. Im Gegensatz dazu wird mit großer Wahrscheinlichkeit in den nächsten 20 Jahren die Altersgruppe der über 65-Jährigen (orange dargestellt) 30 % der Gesamtbevölkerung einnehmen. Im Vergleich dazu sind es derzeit 21 % und im Jahr 1990 war der Anteil dieser Altersgruppe mit 15 % lediglich halb so hoch wie der prognostizierte Wert (Abbildungen 1 und 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Demografischer Wandel: Altersstruktur 2016 (vgl. Statistisches Bundes-amt, 2015 c)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: prognostizierte Altersstruktur 2040 im Vergleich zu 2016 (vgl. Statistisches Bundesamt, 2015 c)

Mit weniger Nachkommen und zunehmender Anzahl älterer und hochbetagter Einwohner ist anzunehmen, dass die Anzahl der Pflegebedürftigen ebenso steigen wird. Im Jahr 2013 gab es in Deutschland rund 2,6 Millionen Menschen, die nach dem Pflegeversicherungsgesetz als pflegebedürftig eingestuft wurden.8

2.2 Pflegebedürftigkeit

Die Vorschriften für die soziale Pflegeversicherung in Deutschland sind im elften Sozialgesetzbuch (SGB XI) niedergeschrieben, welches am 1. Januar 1995 in Kraft getreten ist. Danach ist der Begriff Pflegebedürftigkeit wie folgt definiert:

„(1) Pflegebedürftig im Sinne dieses Buches sind Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, in erheblichem oder höherem Maße (§ 15) der Hilfe bedürfen.“9

2.2.1 Pflegestufen

Für die Bewilligung von Leistungen werden Pflegebedürftige einer der drei Pflegestufen zugeordnet, die im Folgenden kurz beschrieben werden.

Pflegestufe I – Erhebliche Pflegebedürftigkeit

Diese Stufe liegt vor, wenn die Person mindestens einmal täglich Unterstützung bei mindestens zwei Ausübungen aus einem oder mehreren Bereichen der Grundpflege, welche sich aus Körperpflege, Ernährung und Mobilität zusammensetzt, benötigt.

Es muss zudem mehrfach in der Woche Assistenz bei hauswirtschaftlichen Versorgungen erforderlich werden. Die Betreuung muss dabei im Tagedurchschnitt mindestens 90 Minuten in Anspruch nehmen, wovon mehr als 45 Minuten für die Grundpflege verwendet werden muss.

Pflegestufe II – Schwerpflegebedürftigkeit

Diese Pflegestufe liegt vor, sobald die betroffene Person mindestens dreimal täglich Hilfe bei der Grundpflege benötigt. Zudem muss mehrfach in der Woche Assistenz bei der hauswirtschaftlichen Versorgung erforderlich sein. Die Hilfeleistung muss dabei mindestens drei Stunden täglich in Anspruch nehmen, wobei die Grundpflege davon mindestens zwei Stunden ausmachen muss.

Pflegestufe III – Schwerstpflegebedürftigkeit

Personen, die bei der Grundpflege zu jeder Tageszeit Hilfe benötigen, gelten als schwerstpflegebedürftig. Mehrfache Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung muss benötigt werden. Der Aufwand der Hilfeleistungen muss dabei mindestens fünf Stunden pro Tag betragen, wovon mindestens vier Stunden für die Grundpflege aufgebracht werden müssen.

Pflegestufe III – Schwerstpflegebedürftigkeit (Härtefallregelung)

Bei Pflegebedürftigen, die die Vorrausetzungen für die Pflegestufe III erfüllen und einen sehr hohen Aufwand an intensiver Pflege benötigen, kann ein Anspruch auf die Härtefallregelungen gestellt werden. Wird dieser Härtefallantrag genehmigt, stehen der betroffenen Person höhere Leistungen zu. Voraussetzungen für die Inanspruchnahme sind zum einen, ein ständiger Hilfebedarf bei der hauswirtschaftlichen Versorgung, sowie mindestens sechs Stunden Betreuung bei der täglichen Grundpflege. Die Hilfeleistungen müssen dabei mindestens dreimal in der Nacht benötigt werden. Bei Pflegebedürftigen in vollstationären Pflegeeinrichtungen ist auch die auf Dauer bestehende medizinische Behandlungspflege zu berücksichtigen. Die Erfordernis von mehreren Pflegekräften zur Durchführung der Grundpflege, wobei während der Hilfeleistung neben einer professionellen Pflegekraft mindestens eine weitere Pflegeperson unterstützen muss, gilt ebenfalls als Grund für eine Antragsstellung als Härtefall.10

Pflegestufe 0

Umgangssprachlich wird häufig der Begriff Pflegestufe Null verwendet. Im Pflegeversicherungsgesetz (SGB XI) wird er nicht explizit verwendet, sondern wird umschrieben als dauerhaft erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz.11 Er steht für einen Hilfebedarf im Bereich der Grundpflege und der hauswirtschaftlichen Versorgung, welcher aber nicht das Ausmaß erreicht, die Voraussetzungen für die Einteilung in die Pflegestufe I, zu erfüllen.12 Psychisch-kranke und geistig-behinderte Menschen, sowie Demenzkranke mit einer nachweislich eingeschränkten Alltagskompetenz, die voraussichtlich länger als ein halbes Jahr zu betreuen sind, können Anspruch auf diese Pflegestufe bzw. Leistungen der Pflegeversicherung beanspruchen. Dieser setzt sich überwiegend aus Betreuung und Beaufsichtigung und nicht aus medizinischer Pflege zusammen.13

Verfahren zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit

Das Verfahren zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit ist durch den §18 SGB XI festgelegt.14 Die Prüfung von Anträgen auf eine Einstufung in eine Pflegestufe bzw. eine Änderung der Pflegestufe werden von der Pflegekasse an den Medizinischen Dienst der Krankenkassen weitergeleitet. Dieser prüft mit einem Gutachten ob die Voraussetzungen der Pflegebedürftigkeit erfüllt sind.15

Dieses Verfahren wird offiziell zum 1. Januar 2017 durch das Inkrafttreten des zweiten Pflegestärkungsgesetz II abgelöst, mit welchem ein „Neues Beguchtachtungsassessment“ (NBA) einhergeht. Das neue Verfahren orientiert sich bei der Bewertung der Pflegebedürftigkeit nach dem Grad der Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen. 16 Diese wird in sechs verschiedenen Lebensbereichen mit unterschiedlicher Gewichtung ermittelt und zu einem Gesamtergebnis zusammengeführt. Anhand dessen findet dann die Einstufung in einen der drei Pflegegrade statt.

2.2.2 Pflegestärkungsgesetz

Durch die Pflegestärkungsgesetze I und II ergeben sich wesentliche Änderungen bezogen auf die Versorgung der Pflegebedürftigen, welche im Folgenden kurz erläutert werden.

Pflegestärkungsgesetz (PSG I)

Am 01. Januar 2015 trat das erste Pflegestärkungsgesetz in Kraft. Wesentliche Änderungen des Gesetzes waren eine Erhöhung des Beitragssatzes, die Verstärkung der Pflegeleistungen und die Einrichtung eines Pflegevorsorgefonds.17

Neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff

Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff ist in Form des zweiten Pflegestärkungsgesetzes – PSG II, am 1. Januar 2016 in Kraft getreten. Damit einhergehend findet im derzeitigen Jahr die Vorbereitung für die Umstellung von Pflegestufen auf Pflegegrade, die Leistungsänderungen, sowie die Einführung des neuen Begutachtungsverfahren statt. Offiziell treten die Änderungen zum 1. Januar 2017 in Kraft.18 Die neuen Regelungen bezüglich Beratung, Anpassung der Rahmenverträge und Pflegesätze & Personalschlüssel treten in diesem Jahr in Kraft. Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff ersetzt die bisherigen Pflegestufen durch fünf neue Pflegegrade. So werden körperliche, geistige und psychische Einschränkungen gleichermaßen erfasst und können in der Beurteilung der Pflegebedürftigkeit berücksichtigt werden.

2.2.3 Versorgungsformen

Im Folgenden werden die Versorgungsformen ambulante Pflege, teilstationäre Versorgung und stationäre Pflege kurz unterschieden, da die Unterteilung für den folgenden Verlauf der Arbeit von Bedeutung ist.

Ambulante Pflege (Häusliche Pflege)

Bei der ambulanten Pflege wird der Patient behandelt ohne dafür in eine stationäre Einrichtung aufgenommen zu werden. 19 Die häusliche Pflege umfasst mehrere Bereiche. Neben pflegerischen Tätigkeiten und häuslicher Krankenpflege beinhaltet sie auch die Beratung der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen, sowie die Assistenz bei der Vermittlung von Hilfsdiensten. Des Weiteren schließen sie die hauswirtschaftliche Versorgung und häusliche Betreuung mit ein.20

Teilstationäre Versorgung

Die teilstationäre Versorgung meint die Betreuung für einen bestimmten täglichen Zeitraum in einer Pflegeeinrichtung. Sie kann dabei als Tages- oder Nachtpflege gestaltet sein. Die Pflegebedürftige Person wird entweder tagsüber oder nachts in einer Pflegeeinrichtung versorgt, kann aber ansonsten weiterhin in ihrem häuslichen Umfeld wohnen bleiben.21

Vollstationäre Pflege

Eine vollstationäre Pflege bedeutet die Aufnahme eines Pflegebedürftigen in einer Versorgungseinrichtung über eine Zeitspanne von mehr als 24 Stunden. Bei der Pflegeeinrichtung kann es sich dabei um ein Krankenhaus, eine Rehabilitationsklinik, ein Pflegeheim oder ein Hospiz handeln.22 Sobald eine ambulante oder teilstationäre Pflege nicht mehr ausreichend ist, wird eine vollstationäre Pflege notwendig.23 Die Voraussetzungen für eine vollstationäre Pflege werden vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung überprüft. Bei einer anerkannten Pflegestufe III ist diese Prüfung nicht notwendig.

2.3 Demenz

Verhaltensauffälligkeiten im Alter, sogenannte „Alterszerstreutheit“, verbunden mit Störungen der Kognition und des Intellekts, begleiten Menschen seit Jahrtausenden. Bereits im Alten Ägypten (2400 v.Chr.) war die Rede von Leidenssymptomen wie Altersschwäche. Der Philosoph Platon beschrieb um 400 v.Chr. das Altern der Menschen mit den Worten: „Im Blick auf die Vernunft würden Greise zum zweiten Mal Kinder werden“.24

Bis zum 19. Jahrhundert wurden die kognitiven Beeinträchtigungen der letzten Lebensphase als ein natürlicher Alterungsprozess wahrgenommen, welcher als unaufhaltbar galt und als unheilbar angesehen wurde. Auch waren Wissenschaftler wohl weniger interessiert an der Erforschung der Epidemiologie, da die psychopathologischen Begleiterscheinungen der Senilität rein quantitativ ein marginales Problem darstellten. Aufgrund der zunehmenden Lebenserwartung seit Mitte des 19. Jahrhunderts erhöhte sich allmählich der Anteil älterer Menschen. Die Neurobiologie rückte immer mehr in den Fokus der Forschung, um sich den Veränderungen in alternden Gehirnen zu widmen. Im Jahre 1906 gelang es dem Neurologen Alois Alzheimer (*1864 - †1915) erstmals durch pathologische Untersuchungsmethoden des Gehirns, die später als „Alzheimersche Krankheit“ benannte Atrophie der Hirnrinde mit den spezifischen Ablagerungen (Plaques) zu beschreiben.

Parallel zum medizinischen Fortschritt und der veränderten Altersstruktur wandelten sich auch die soziokulturellen Bedingungen. Die gesellschaftliche Kontrolle des abweichenden Verhaltens und die verminderte Akzeptanz gegenüber „Geisteskranken“ hatten direkte Folgen auf die Pflege: Demenzerkrankte wurden aus dem häuslichen Umfeld in neueingerichtete psychiatrische Institutionen, die sogenannten Irrenhäuser, abgegeben.25 In mehr als 100 Jahren haben sich die dementiellen Erkrankungen allen voran die Alzheimer-Krankheit von einem Randphänomen zu einem Gesellschaftsproblem entwickelt. Die Forschung in den Neurowissenschaften wurde stetig vorangetrieben, um die Ursachen von Demenz herauszufinden und entsprechende Therapieansätze für die noch unheilbare Erkrankung zu etablieren. In der Pflege ist ebenfalls ein positiver Trend erkennbar. So ist ein Anstieg der ambulanten Pflegeeinrichtungen zu verzeichnen und Menschen mit Demenz werden damit wieder mehr in die Gesellschaft einbezogen, da diese in ihrem häuslichem Umfeld bis ins hohe Alter verweilen können.26

2.3.1 Krankheitsbild Demenz

Der Begriff Demenz ist lateinischen Ursprungs und lässt sich von der Vorsilbe de = un- oder nicht und dem Wort mens = Geist oder Verstand etymologisch herleiten. Eine wörtliche Übersetzung für Menschen mit Demenz kann demnach Menschen ohne Verstandes sein.27 Demenz beschreibt keine spezifische Erkrankung, vielmehr ist es eine allgemeine Bezeichnung für die Minderung der geistigen Fähigkeiten, die den Alltag beeinträchtigen. Die Krankheit stellt eine Zusammenfassung einer Vielzahl von Symptomen dar, die allgemein den Zustand des geistigen Verfalls eines Menschen beschreiben.28 In der internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD- 10) ist Demenz im V. Kapitel in der Gruppe Psychische und Verhaltensstörungen (F00-F99) zu finden.

Nach ICD-10 GM ist Demenz (F00-F03) ein Syndrom als Folge einer meist chronischen oder fortschreitenden Krankheit des Gehirns mit Störung vieler höherer kortikaler Funktionen, einschließlich Gedächtnis, Denken, Orientierung, Auffassung, Rechnen, Lernfähigkeit, Sprache und Urteilsvermögen.29 Allgemein kennzeichnend ist für Demenzen, dass die vorab genannten Funktionen vergleichend zu einem früher erreichten Niveau eine Minderung der individuellen Fähigkeiten nach sich ziehen. In diesem Zusammenhang ergeben sich komplexe Wechselwirkungen bei Demenzerkrankungen. Dabei treten vielfach weitere psychische Störungen wie Unruhe, Angst, Depressionen, Schlafstörungen, Aggressionen oder auch paranoid- halluzinatorische Syndrome auf. Häufig führen diese zu einer Verschlechterung der Lebensqualität der Menschen mit Demenz, die oft nicht mehr in der Lage sind, ihren Alltag allein zu bestreiten.

Die unter Demenz zusammengefassten Krankheitsbilder untergliedern sich hinsichtlich der Ursachen der Erkrankung in primäre und sekundäre Demenzen. Zu den irreversibel verlaufenden primären Formen, die 90 % aller Demenzerkrankungen darstellen, zählen Demenzen, denen hirnorganische Veränderungen zugrunde liegen. Hierzu gehört sowohl die neurodegenerative Alzheimer-Krankheit, welche mit 60 % als die häufigste Form der primären dementiellen Erkrankungen gilt, als auch die vaskuläre Demenz (z.B. Multiinfarkt Demenz), die die zweithäufigste Demenzerkrankung ist. Die sekundären Demenzen (10 % aller Fälle) zeichnen sich durch verschiedene Organerkrankungen aus, die behandelbar (z.B. metabolisch verursachte Demenzen wie die Alkohol-Demenz) oder heilbar sind wie z.B. Schädel- Hirn-Trauma bedingte Demenzen.30 Häufig treten Mischformen der Krankheitsbilder auf.

2.3.2 Epidemiologie Demenz

Laut Deutscher Alzheimer Gesellschaft lebten 2014 etwa 1,5 Millionen Demenzkranke in Deutschland, das Schätzungen zufolge weltweit hinter den Großnationen wie China und Indien, den fünften Platz belegt. Im Jahr 2012 lag die mittlere Prävalenzrate 31 für Demenzerkrankungen in Europa in der Bevölkerungsgruppe der 65-69-Jährigen bei ca. 1 % und bei den über 90-Jährigen bei rund 40 %. Dies bedeutet, dass die Anzahl der an Demenz erkrankten Menschen ab einem Alter von 65 Jahren stark ansteigt. (siehe Abbildung 3)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Mittlere Prävalenzrate im Jahr 2012 (Eigene Darstellung)

Es wird des Weiteren vermutet, dass sich die Anzahl der Neuerkrankungen pro Jahr, die sogenannte Inzidenz, in Deutschland um mehr als 300.000 Fälle erhöht. In der Bevölkerungsgruppe unter 65 Jahren ist die Wahrscheinlichkeit an Demenz zu erkranken eher gering. In Deutschland ist mit einer Inzidenz von etwa 6.000 Fällen zu rechnen. Die Ursache dieser Krankheitsfälle beruht u.a. auf genetischen Veranlagungen. Bei etwa 30 % aller Alzheimer-Kranken befinden sich weitere Betroffene in der engeren Verwandtschaft.32 Wie zuvor erwähnt, gelten die primären Demenzen als unheilbar. Demnach wird das Krankheitsbild Demenz zu den Todesursachen hinzugerechnet. Die Mortalität 33 lag 2014 in Deutschland bei ca. 868.000 Sterbefällen. Die Überlebenszeit sinkt mit höherem Eintrittsalter der Erkrankung, der zunehmenden Schwere der Symptome und der Anzahl an Begleiterscheinungen. Dies spiegelt sich wieder in einer mittleren Krankheitsdauer von 3 bis 6 Jahren in der Bevölkerungsgruppe über 65-Jähriger. Nach Annahme von Schätzungen litten rund ein Drittel der Menschen, die älter als 65 Jahre waren, in der letzten Phase ihres Lebens an einer dementiellen Erkrankung. Tendenziell liegt bei den Frauen unter Berücksichtigung der Lebenserwartung ein erhöhtes Risiko an Demenz zu erkranken vor; das betrifft beinahe jede zweite Frau über 65 Jahren. Bei den Männern erkrankt nur jeder Dritte. Die Hauptursache für den geschlechtlichen Unterschied liegt in der Lebenserwartung, die derzeit für Frauen bei 83 Jahren und für Männer bei 78 Jahren liegt. Nicht nur der weibliche Anteil in der Altersgruppe 80- 85-Jähriger ist gegenüber dem der Männer höher, sondern es scheint, dass Frauen sowohl eine höhere Überlebens- als auch Inzidenzrate aufweisen.34

Eine weitere Zunahme der Bevölkerungszahlen der über 65-Jährigen und eine fortwährend wachsende Lebenserwartung wird für das Jahr 2050 vom Statistischen Bundesamt auf Grundlage des Zensus 2011 prognostiziert. Aufgrund des demografischen Wandels wird sich ebenfalls die Anzahl an Demenzerkrankten in den folgenden Jahren erhöhen. 35 Die daraus resultierende Erhöhung der Pflegebedürftigen stellt vor allem die Gesellschaft vor eine große Herausforderung.

3 Datenanalyse und –prognose

Im Hauptteil dieser Ausarbeitung werden Daten im Bezug auf die folgende These analysiert und prognostiziert. Eine Diskussion der Ergebnisse folgt im vierten Kapitel.

Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern sieht sich einer stärkeren Belastung im Bezug auf die Pflegebedürftigkeit demenziell erkrankter Menschen ausgesetzt als Schleswig-Holstein bzw. der Bundesrepublik Deutschland.

Im ersten Abschnitt dieses Kapitels werden einleitend die allgemeinen Grundlagen, die für diese These von Relevanz sind, aufgezeigt. Danach erfolgt die Betrachtung aus vier unterschiedlichen Perspektiven mit jeweils vier verschiedenen untergeordneten Thesen. Hierbei wird zunächst auf die Versorgungssituation eingegangen. Im Anschluss daran wird die Personalsituation in der Pflege näher erläutert bevor zum Schluss die finanziellen Unterschiede betrachtet werden. Hierbei erfolgt stets eine kurze Präsentation der Entwicklung in Gesamtdeutschland bevor der Vergleich zwischen Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern erfolgt. Um die Daten vergleichbar zu machen, werden diese dabei oft in Beziehung zueinander gesetzt. Die Prognose der Daten wird immer auf Basis der Gleichung durchgeführt, die sich aus der durchgeführten Regressionsanalyse ergibt. Das genaue Vorgehen hierbei wird im Anhang beschrieben. Bei der gesamten Betrachtung steht die These im Vordergrund, dass die Gesellschaft in Mecklenburg- Vorpommern aufgrund ihrer Altersstruktur stärker belastet ist.

3.1 Epidemiologie der Pflegebedürftigkeit

Im ersten Teil der Analyse werden die epidemiologischen Daten zur Pflegebedürftigkeit von Mecklenburg-Vorpommern mit denen des Bundeslandes Schleswig-Holstein und Deutschlands verglichen.

3.1.1 Entwicklung der Bevölkerung

Zur hier durchgeführten Datenanalyse wird die Bevölkerungsgruppe der über 65- Jährigen in Deutschland herangezogen. Die Abbildung 4 gibt den Gesamtanteil von Männern (49 %) und Frauen (51 %) in den vier Altersgruppen 65-75 Jahre, 75- 85 Jahre, 85-95 Jahre und über 95 Jahre wieder. Die Daten wurden, basierend auf dem Zensus 2011, bis 2014 fortgeschrieben.

Es wird deutlich, dass die Gesamtbevölkerung der 1. Altersgruppe gegenüber der Zweiten und Dritten im betrachteten Zeitraum abnimmt. In der zuletzt genannten Gruppe ist ein höherer Zuwachs bei den Männern als bei den Frauen zu verzeichnen.

Abbildung 5 zeigt, dass fünf Prozent der Gesamtbevölkerung in Deutschland (ca. 81,2 Mio.) auf die norddeutschen Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern (2 %) und Schleswig-Holstein (3 %) fallen. Wie dem Kreisdiagramm entnommen werden kann, hat Mecklenburg-Vorpommern rund 1,6 Millionen Einwohner und Schleswig- Holstein 2,8 Millionen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Bevölkerung in Deutschland nach Ge- schlecht und Altersgruppen (Eigene Darstellung nach GBE, 2015)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Bevölkerung in Deutschland anteilig (Eigene Darstellung nach GBE, 2015)

3.1.2 Entwicklung der Pflegebedürftigen

Die Entwicklung der Pflegebedürftigkeit in der Zeitperiode von 1999 bis 2021 verdeutlicht die Abbildung 6. Die Daten ab 2015 sind anhand der Regressionsanalyse prognostiziert worden. Zur besseren Übersicht ist die Y-Achse logarithmisch aufgetragen. Der Graph zeigt einen kontinuierlichen Anstieg der Pflegebedürftigen sowohl für Deutschland, als auch für die beiden näher betrachteten Bundesländer. In Mecklenburg-Vorpommern ist jedoch ein höherer Anstieg der Pflegebedürftigen im Vergleich zu Schleswig-Holstein und Deutschland erkennbar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Entwicklung der Pflegebedürftigen (Eigene Darstellung nach Statistisches Bundesamt, 2015 b)

In der Abbildung 7 wurde die Entwicklung der Anzahl der über 65-Jährigen Pflegebedürftigen im Vergleich zur Bevölkerungsentwicklung der beiden Bundesländer veranschaulicht. Schleswig-Holstein weist ca. eine doppelt so hohe Einwohneranzahl auf wie Mecklenburg-Vorpommern bei einer annähernd gleichen Anzahl an Pflegebedürftigen. Die Prognose für das Jahr 2021 zeigt, dass die Zahl der Pflegebedürftigen in Mecklenburg-Vorpommern mit rund 86.000 höher sein wird als die in Schleswig-Holstein mit ca. 71.000.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Vergleich Entwicklung der Pflegebedürftigen und Bevölkerung (Eigene Darstellung nach Statistisches Bundesamt, 2015 b und Statistisches Bundesamt, 2016)

Ein weiterer Indikator für die höhere Pflegebedürftigkeit in Mecklenburg- Vorpommern-, kann aus der untenstehenden Tabelle entnommen werden

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Pflegequote (Eigene Darstellung nach Statistisches Bundesamt, 2015 b)

Hier werden die Pflegequoten von Deutschland, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein gegenübergestellt. Zu erkennen ist, dass die Pflegequote 36 in Mecklenburg-Vorpommern in dem Zeitraum zwischen 1999 und 2013 von 2,5 % auf 4,5 % gestiegen ist. Prognostiziert auf das Jahr 2021 sind für Mecklenburg- Vorpommern 5,5 % zu erwarten. In Schleswig-Holstein dagegen erhöht sich der Anteil der Pflegebedürftigen lediglich um 0,2 % im gleichen Zeitraum und verzeichnet einen prognostizierten Anstieg auf 3 % im Jahr 2021. Schleswig-Holstein liegt damit unter dem Bundesdurchschnitt der 2013 3,3 % betrug und in 2021 auf 3,6 % steigen wird. Mecklenburg-Vorpommern wird deutlich darüber liegen.

Während in Deutschland im Jahr 2000 nahezu eine Million Menschen an Demenz erkrankt waren37, hat sich die Anzahl der dementiellen Erkrankungen in 2016 um eine halbe Million erhöht. Derzeitige Vorausberechnungen prognostizieren eine weitere Steigerung der Krankheitsfälle in der Altersgruppe der über 65-Jährigen.

Vergleicht man den Anteil der Pflegebedürftigen über 65 Jahren mit dem geschätzten Anteil der Demenzkranken im Jahr 2012 (Deutschland: ca. 1.473.100) miteinander, so ergibt sich für Deutschland, dass 69,28 % der Pflegebedürftigen über 65 Jahren an einer Form der Demenz leiden. Für Schleswig-Holstein ergibt dieser Vergleich 63,74 % und für Mecklenburg-Vorpommern 42,78 %. Hierbei ist zu beachten, dass sich die Pflegebedürftigen für das Jahr 2012 aus dem Mittelwert der Bevölkerungszahlen aus den Jahren 2011 und 2013 ergeben.

3.2 Versorgungssituation

Im folgenden Teil der Analyse wird die zu Beginn erklärte These bezogen auf die Versorgungssituation näher untersucht. Dabei wird zunächst die Versorgungssituation der Pflegebedürftigen im Allgemeinen betrachtet und zwischen der Versorgung zu Hause und in Heimen unterschieden. Im Anschluss daran erfolgt die nähere Untersuchung dieser beiden Arten. Die Anzahl der Pflegebedürftigen insgesamt beinhaltet lediglich alle Pflegebedürftigen über 65 Jahren, da hier, wie zuvor beschrieben, die Prävalenz der Demenz erst wirklich relevant ist. Die Situation der Demenzkranken wird hier nicht im Speziellen betrachtet, da keine adäquaten Daten bezogen auf die unterschiedliche Versorgung gefunden werden konnten. Es ist zu bemerken, dass nach Aussage der Deutschen Alzheimer Gesellschaft 80 % der Dementen zu Hause versorgt werden, weshalb der Abschnitt über die Thematik „Versorgung zu Hause“ weitestgehend auf die Versorgung von Demenzerkrankten zutrifft.38 Folgende Betrachtung steht hier im Fokus: Die pflegenden Angehörigen in Mecklenburg-Vorpommern sind aufgrund der höheren Anzahl an Pflegebedürftigen stärker belastet.

3.2.1 Allgemein: Versorgung zu Hause und in Heimen

Wie zuvor bereits beschrieben, ist die Zahl der Menschen, die im Sinne des Pflegebedürftigkeitsgesetztes pflegebedürftig sind in Deutschland in den letzten Jahren stetig angestiegen und wird dies aller Voraussicht nach auch weiterhin tun. Die untenstehenden Grafiken zeigen jeweils die Entwicklung der Art der Versorgung der Pflegebedürftigen insgesamt (blau), in Heimen (grau) und zu Hause (orange).

Die Daten sind der Gesundheitsberichtserstattung des Bundes entnommen. Es wird zum einen angenommen, dass sich die Heimversorgung aus der Summe der stationären und teilstationären Versorgung berechnet. Zum anderen ergeben sich die Zahlen für die häusliche Versorgung aus der Summe der Versorgung mit Pflegegeld 39 („für selbstbeschaffte Pflegehilfen nach § 37 SGB VI) und den ambulanten Diensten (vgl. Kapitel 2.2.3). Um diese Annahmen zu überprüfen, wurde anschließend eine Kontrollsumme aus der Versorgung zu Hause und den Versorgten in Heimen gebildet. Hierbei ist auffällig, dass es ab 2009 Abweichungen gibt.

Auf der X-Achse wird jeweils im Abstand von zwei Jahren die Zeit abgebildet. Die Y- Achse stellt die Anzahl der Pflegebedürftigen dar. Die Werte ab 2015 sind auf Basis der Regressionsanalyse prognostiziert, deren genaues Vorgehen im Anhang beschrieben wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Versorgung der Pflegebedürftigen über 65 in Deutschland (Eigene Darstellung nach GBE, 2015)

Es ist zu erkennen, dass sowohl die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland als auch die Zahl der Versorgten zu Hause polynomisch ansteigt. Der Anteil der Versorgten in Heimen ist in den Jahren nach 1999 von 67,5 % auf 64,4 % im Jahr 2007 abgesunken. Seitdem steigt er kontinuierlich an und wird 2021 vermutlich bereits bei 74,7 % liegen. Währenddessen steigt die Anzahl der Versorgten in Heimen nur linear an. Im Durchschnitt wird seit 1999 etwas mehr als ein Drittel (35 %) der Pflegebedürftigen über 65 in Heimen versorgt. Seit 2009 ist der Anteil stetig gesunken und wird 2021 bei etwa 30 % liegen.

Bezogen auf Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern verhält sich der beschriebene Sachverhalt wie folgt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9: Versorgung der Pflegebedürftigen über 65 in S-H (Eigene Darstellung nach GBE, 2015)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 10: Versorgung der Pflegebedürftigen über 65 in M-V (Eigene Darstellung nach GBE, 2015)

Hier ist zu erkennen, dass die Entwicklung in Mecklenburg-Vorpommern ähnlich ist wie in Gesamtdeutschland. Die Anzahl der Pflegebedürftigen über 65 steigt ebenso polynomisch an, wie die Anzahl der Versorgten zu Hause. Verglichen mit Deutschland ist der Anteil der Versorgten zu Hause in Mecklenburg-Vorpommern mit 73,4 % im Jahr 2013 und prognostizierten 77,2 % im Jahr 2021 sogar höher. Die Prognose des prozentualen Anteils der Versorgten in Heimen ist hier ebenfalls leicht rückläufig.

Die Veränderung in Schleswig-Holstein unterscheidet sich deutlich von der in Deutschland und Mecklenburg-Vorpommern. Es ist zu erkennen, dass die Entwicklung der Pflegebedürftigen über 65 linear erfolgt und somit langsamer ansteigt als in Mecklenburg-Vorpommern. Auch wenn aufgrund schlechter P-Werte im T-Test keine Prognose für alle Bereiche gemacht werden konnten, zeigt sich, dass der Anteil der Versorgten zu Hause und in Heimen nicht so deutlich auseinander geht wie in den Grafiken zuvor. In den Jahren 1999 bis 2009 ist der Trend sogar gegenteilig: Der Anteil der Versorgten zu Hause ist von 59,4 % auf 54,8 % gesunken während der Anteil der Versorgten in Heimen angestiegen ist. Seitdem hat er sich nicht weiter verändert.

3.2.2 Versorgung zu Hause: ambulante Versorgung und Pflegegeld

Im folgenden Teil wird der Anstieg der Versorgung zu Hause näher untersucht. Hierbei soll herausgefunden werden, welche der beiden Versorgungsarten von größerer Relevanz ist: Die ambulante Versorgung oder die Versorgung mittels Pflegegeld. Die folgenden Grafiken bilden die Versorgung der Pflegebedürftigen zu Hause ab. Der blaue Graph zeigt die Versorgung insgesamt, der orangefarbene Graph die Versorgung mittels Pflegegeld und der Graue die Versorgung durch ambulante Dienste. Die X- und Y- Achsen verhalten sich wie im Kapitel zuvor.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 11: Pflegebedürftige über 65, Versorgung zu Hause in Deutschland (Eigene Darstellung nach GBE, 2015)

Die Versorgung mit Pflegegeld steigt ähnlich polynomisch an wie die gesamte häusliche Versorgung in Deutschland. Die Anzahl der Versorgten durch ambulante Dienste steigt hingegen eher linear an (Prognose erfolgte noch polynomisch). Somit zeigt die Analyse und Prognose, dass der Anteil der Versorgten mit Pflegegeld seit 2009 ansteigt. Im Jahr 2009 war der prozentuale Anteil der Ambulant-Versorgten mit 39,3 % am Höchsten. Seitdem ist dieser stetig gesunken und wird 2021 voraussichtlich bei 34,5 % liegen.

In Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern verhält sich die Entwicklung wie folgt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 12: Pflegebedürftige über 65, Versorgung zu Hause in S-H (Eigene Darstellung nach GBE, 2015)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 13: Pflegebedürftige über 65, Versorgung zu Hause in M-V (Eigene Darstellung nach GBE, 2015)

[...]


1 Bundesministerium für Gesundheit (2015) a

2 Statistisches Bundesamt (2016)

3 Statistisches Bundesamt (2015)

4 Bundesministerium für Gesundheit (2016)

5 Bundesministerium für Gesundheit (2015) b

6 Deutsche Alzheimer Gesellschaft (o.J.)

7 Statistisches Bundesamt (2014) a

8 Gesetze-im-Netz (o.J.) a

9 BMG (2016) a

10 Gesetze-im-Internet (o.J.) b

11 BMG (2016) b

12 pflege.de (o.J.)

13 Gesetze-im-Internet (o.J.) c

14 Medizinischer Dienst der Krankenkassen (o.J.)

15 Verband der Ersatzkassen (o.J.)

16 Verband der Ersatzkassen (o.J.)

17 BMG (2016) b

18 Pflegewiki (2014) a

19 BMG (2016) c

20 BMG (2016) d

21 Pflegewiki (2014) b

22 BMG (2016) e

23 Baumert, G. (2013)

24 Karenberg, A.; Fröstl, H. (2003)

25 GBE (2015)

26 Baumert, G. (2013)

27 Alzheimer's Association (2016)

28 Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) (2016)

29 zu Bentheim (2011)

30 Prävalenz: Anzahl der Kranken einer Bevölkerung zu einem bestimmten Zeitpunkt, Prävalenzrate: Anteil der Kranken an der gleichaltrigen Bevölkerung

31 Müller, U. (1999)

32 Mortalität: Rate der Todesfälle, bezogen auf die Gesamtheit der Bevölkerung (Population)

33 Bickel, H. Dt. (2014)

34 Statistisches Bundesamt (2014)

35 Pflegequote = Anteil der Pflegebedürftigen (in einer Bevölkerungsgruppe) an der Gesamtbevölkerung (in dieser Bevölkerungsgruppe)

36 Bickel H (2005)

37 Deutsche Alzheimer Gesellschaft (2016)

38 GBE (2015)

39 Gesetze-im-Netz (o.J.) d

Ende der Leseprobe aus 93 Seiten

Details

Titel
Pflegebedürftigkeit in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung von Demenz. Analyse und Prognose
Hochschule
Fachhochschule Flensburg
Veranstaltung
Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen
Note
1,7
Jahr
2016
Seiten
93
Katalognummer
V1292700
ISBN (Buch)
9783346761453
Sprache
Deutsch
Schlagworte
pflegebedürftigkeit, deutschland, berücksichtigung, demenz, analyse, prognose
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Pflegebedürftigkeit in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung von Demenz. Analyse und Prognose, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1292700

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Pflegebedürftigkeit in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung von Demenz. Analyse und Prognose



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden