Klaus Bachler und sein Bild in der Presse als Manager


Forschungsarbeit, 2009
16 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Profil eines Managers in Wirtschaft und Kunst

3. Die Selbstvorstellung Bachlers bei seinem Amtsantritt

4. Die finanzielle Krise des Burgtheaters

5. Andere Managementaufgaben – der Fall Menasse

6. Schlussbetrachtung

7. Bibliographie

Printmedien

Literatur

1. Einleitung

Der 1999 im Burgtheater als Direktor ins Amt gehobene Klaus Bachler gilt gemeinhin als Manager. Dies wird vor allem im Vergleich mit seinem Vorgänger Peymann betont, der als Regisseur eine völlig unterschiedliche Strategie in der Leitung des Hauses am Ring verfolgte. Wegen der umstrittenen österreichkritischen Stückauswahl Peymanns wurde wohl auf den gebürtigen Steirer Bachler gesetzt, der wieder etwas Ruhe und Ordnung in das österreichische Nationaltheater bringen sollte. Anderes wurde erwartet, und dennoch künstlerisch Hochwertiges, ein Programm wie er es als Intendant der Wiener Festwochen bereits gezeigt hat.

Diese Arbeit beschäftigt sich nun mit dem Bild, dass Bachler gemeinhin in der Presse hinterlassen hat. Er wird sehr oft als Manager bezeichnet, manchmal auch als Mediator. Die Berichte über Bachler und die eher seltenen Interviews sollen daraufhin untersucht werden, wie es zu diesem Bild kommen konnte, und welche Bedeutung dieses Bild für die Präsenz der Burg in der Presse hat.

Die Quellen liegt der Schwerpunkt auf der deutschsprachigen Tages- und Wochenpresse. Dies hat einerseits damit zu tun, dass Bachler hier noch am ehesten Öffentlichkeit gesucht hat, andererseits mit der Möglichkeit dieser Medien, die Entwicklung von Gerüchten und Meldungen nachzuvollziehen. Weiters wurden die Fachzeitschriften „Die Bühne“ und „Theater heute“ bei der Forschung berücksichtigt. Besonders interessieren hierbei die Anlässe, zu denen Bachler von sich aus die Presse gesucht hat, weil es uns Rückschlüsse auf sein Selbstverständnis gewährt.

2. Profil eines Managers in Wirtschaft und Kunst

Grundsätzlich wird zwischen einem Manager für Kunst und einem Manager für ein Wirtschaftsunternehmen unterschieden. Sicher ist das Burgtheater kein Wirtschaftsunternehmen, die Frage, die mich interessiert ist allerdings, was unter Manager verstanden wird, und weshalb Bachler diese Bezeichnung von der Presse bekommen hat.

Ein Kunstmanager ist ein Agent eines bestimmten Künstlers oder einer Künstlergruppe, der versucht die Bekanntheit seines Schützlings zu steigern. Die finanzielle Ausbeutung der Künstler geht oft damit einher, doch prinzipiell leistet der Kunstmanager einen Dienst, da er Kontakte herstellt und Auftrittsmöglichkeiten zur Verfügung bringt. Er regelt das Finanzielle, damit sich die Künstler um ihre Kunst kümmern können.

Ein Manager für Wirtschaftsunternehmen hat vielfältige Aufgaben. Es liegen für diese Berufsbezeichnung auch weit mehr Untersuchungen[1] vor. Der Manager wird in der Wirtschaft vom Unternehmer abgegrenzt, wobei der Manager sich vor allem den Gewinninteressen der Kapitalgeber verpflichtet fühlt, während der Unternehmer das Unternehmen als solches zum Erfolg bringen soll.

Nach Henry Mintzberg[2] lassen sich die Aktivitäten eines Managers in 3 Rollenbündel klassifizieren:

1. Interpersonale Rollen:

Galionsfigur (engl. figurehead)
Vorgesetzter (engl. leader)
Vernetzer (engl. liaison)

2. Informationale Rollen:

Radarschirm (engl. monitor)
Sender (engl. disseminator)
Sprecher (engl. spokesperson)

3. Entscheidungsrollen:

Innovator (engl. entrepreneur)
Problemlöser (engl. disturbance handler)
Ressourcenzuteiler (engl. resource allocator)
Verhandlungsführer (engl. negotiator).

Während man im Falle Bachlers nicht von einer Galionsfigur sprechen kann (zumindest nicht im dem Ausmaß wie Peymann) fühlt er die Rolle des Vorgesetzten und im Besonderen des Vernetzers vollkommen aus.

Bei den informationalen Rollen ist die Sachlage sofern sie über die Presse kommuniziert wurde, schwerer zu beurteilen. Zwar ist er als Sprecher des Burgtheaters – zum Beispiel in Interviews durchaus wahrzunehmen, und darüber lässt sich ein Rückschluss ziehen, dass er sich der Vorgänge in seinem Haus sehr genau bewusst ist (Radarschirm), inwiefern er darüber hinaus aktiv als Sender in Erscheinung tritt, ist allerdings schwierig zu beurteilen. Er benutzt sicher sein Burgtheater als geographischen Ort in einer Weise, die man in der von Mintzberg intendierten Rolle entspricht (Werbung, Stückankündigung auf dem Rasen) aber darüber hinaus tritt er nicht aktiv an die Presse heran. Es ist daher anzunehmen, dass er diese Rolle nicht so sehr angenommen hat wie Radarschirm und Sprecher.

Wie hat Bachler die Entscheidungsrollen angenommen? Zweifelsohne hat er schon bei seinem Amtsantritt einen klaren Willen zur Veränderung gezeigt. Er hat unter anderem angekündigt das Haus zu öffnen, die Mitarbeiter zu vernetzen und die Produktionen auf der Bühne in den Vordergrund zu rücken. Dass er dies dann auch geschafft hat, zeigt sich nun am Ende seiner Amtszeit. Er kann also durchaus als Innovator gelten.

Insofern es ihm ein Anliegen war, das Ensemble miteinander zu vernetzen und die unter Peymann entstandene Aufspaltung zu vermeiden, insofern er die finanziellen Probleme der Burg angepackt hat indem er Sponsoren akquirierte darf davon ausgehen, dass er einen starken Hang zur Problemlösung hat. Dabei sei angemerkt, dass es ihm ein besonderes Anliegen war, soziale Differenzen seiner Mitarbeiter und des Ensembles zu vermeiden. Er sprach darüber auch beim Pressegespräch am 30. Jänner 2009, wo er auf die Frage, was ihm als Burgtheaterdirektor am Schwersten gefallen sei, antwortete, dass er es nur schwer verschmerzen konnte, wenn Konflikte innerhalb seiner Mitarbeiter nicht gelöst werden konnten. Insofern kann eventuell auch von einem Problemvermeidungsverhalten gesprochen werden. Aber die Presse hat über interne Konflikte wenig zu berichten, deshalb kann davon ausgegangen werden, dass Bachler hier erfolgreich war.

Die Rolle des Ressourcenzuteilers hat Bachler ohne Zweifel angenommen, da er die Entscheidungen zu treffen hat, was auf welcher Bühne gespielt wird. So wanderte die erfolgreiche Inszenierung von Arthur Schnitzlers „Reigen“ vom Kasino über das Akademietheater zur Hauptbühne in der Burg. Auch das erfolgreiche Stück „Kleinbürger“ von Maximilian Gorki konnte vom Akademietheater in die Burg aufsteigen. Andere Stücke wurden nach kurzer Zeit abgesetzt, wenn sich nicht das erforderliche Publikum fand. So zum Beispiel „Vor Sonnenaufgang“ von Gerhard Hauptmann in einer Inszenierung von Nicolas Stemann, die nach wenigen Vorstellungen abgesetzt wurde. Genauso hat er Ressourcen des Hauses am Ring aufgeteilt, indem er Bereiche des Burgtheaters an ein Restaurant und eine Buchhandlung vermietet hat.

Die letzte Entscheidungsrolle – die des Verhandlungsführers – kann ihm ebenso nachgewiesen werden. Er hat – ob erfolgreich sei dahingestellt – mit Morak das Budget der Burg ausgehandelt, sowie mit Sponsoren, Regisseuren und Autoren bzw. Künstlern wie Hermann Nitsch, Christoph Schlingensief und der Punkgruppe „Die Toten Hosen“ Verträge geschlossen.

Ein Resümee der Analyse ergibt, dass er das Profil eines Managers durchaus erfüllt, da er fast sämtliche Rollen ausgefüllt hat.

[...]


[1] Manager ist ein Modewort, das nicht zuletzt deshalb auch als Bezeichnung für Bachler gewählt wurde, weil heute die Tendenz besteht, alle Organisationen als Wirtschaftsorganisationen zu sehen.

[2] Mintzberg, Henry: The Nature of Managerial Work. Longman, Montréal 1973. S. 178f.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Klaus Bachler und sein Bild in der Presse als Manager
Hochschule
Universität Wien
Veranstaltung
Forschungsseminar Burgtheater
Note
2
Autor
Jahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V129333
ISBN (eBook)
9783640380992
ISBN (Buch)
9783640380688
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Klaus, Bachler, Bild, Presse, Manager
Arbeit zitieren
Josef Prenner (Autor), 2009, Klaus Bachler und sein Bild in der Presse als Manager, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129333

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