Die Honorarumsätze der Steuerberater geraten zunehmend unter Druck. Die herkömmlichen Abschluss- und Deklarationstätigkeiten als Ertragsstützen der steuerberatenden Kanzlei reichen in Anbetracht eines sich verschärfenden Wettbewerbes häufig nicht mehr aus, um langfristig die Existenz der klassischen Steuerberatungskanzlei zu sichern. Besonders kleinere Kanzleien sind gefährdet. Die wachsende Zahl der Steuerberater und eine gestiegene Preissensibilität der Mandanten können hier unter anderem als Gründe angeführt werden. Der Aufbau neuer Geschäftsfelder kann neue Wachstumsperspektiven eröffnen und langfristig die Existenz der Steuerberaterkanzlei sichern.
Die Projektarbeit, mit Rechtsstand Mai 2008, möchte einen Überblick über die Chancen und Risiken des bislang noch weitgehend unbekannten Geschäftsfeldes der privaten Vermögensberatung durch den Steuerberater geben.
Angefangen bei einer Analyse der derzeitigen Wettbewerbssituation der Steuerberater über eine Marktanalyse des potentiellen neuen Geschäftsfeldes werden Beratungsansatz und schwerpunktmäßig betriebswirtschaftliche und berufsrechtliche Aspekte erörtert.
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort
2 Berufssituation der Steuerberater
3 Geschäftsfeld der Vermögensberatung
3.1 Definition und Abgrenzung
3.1.1 Definition
3.1.2 Abgrenzung zur Vermögensverwaltung
3.1.3 Abgrenzung zum Family Office
3.2 Marktanalyse
3.3 Beratungsansatz
4 Berufsrechtliche Betrachtung
4.1 Leistungsspektrum
4.2 Vergütung
4.2.1 Provision
4.2.2 Honorar
4.3 Haftung
5 Betriebswirtschaftliche Betrachtung
5.1 Implementierung
5.1.1 Fachliche Qualifizierung
5.1.2 Software
5.1.3 Marketing
5.2 Kooperationen
6 Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die Projektarbeit untersucht, ob und unter welchen Voraussetzungen Steuerberater das Geschäftsfeld der privaten Vermögensberatung erfolgreich und unter Berücksichtigung der berufsrechtlichen Rahmenbedingungen in ihr Leistungsspektrum integrieren können, um ihre Wettbewerbsposition zu sichern.
- Wettbewerbssituation und Preissensibilität in der Steuerberatung
- Definition und Abgrenzung der privaten Vermögensberatung
- Berufsrechtliche Anforderungen, insbesondere Provisionsverbot und Haftung
- Betriebswirtschaftliche Implementierung (Qualifizierung, Software, Marketing)
- Strategische Kooperationsmöglichkeiten
Auszug aus dem Buch
3.3 Beratungsansatz
Die Vermögensberatung strebt eine Optimierung der Vermögenssituation des Mandanten an. Die Ziele der privaten Vermögensberatung sind mit betriebswirtschaftlichen Zielen vergleichbar. Diese müssen mit den individuellen Bedürfnissen des Mandanten in Einklang gebracht werden Die nachfolgende Grafik verdeutlicht, dass die einzelnen Ziele der Vermögensoptimierung häufig in Konkurrenz zueinander stehen.
Es gilt zunächst die individuellen Bedürfnisse des Mandanten zu ermitteln. Hierfür werden Informationen über die persönliche Risikoneigung, die Anlagestruktur und den Anlagehorizont benötigt. Je nach Lebensphase sind der Vermögensaufbau, der Vermögenserhalt, die Übertragung von Vermögensteilen oder der Aufbau einer Altersversorgung planungsrelevant. Der Planungshorizont kann bis zum Tod des Mandanten und seines Lebenspartners reichen, wobei die Vererbung des Restvermögens ebenfalls einer Planung bedarf. Die komplexe Ausgangssituation erfordert die Unterteilung in kurz-, mittel- und langfristige Planung aller Einnahmen und Ausgaben des privaten Haushalts. Die einzelnen Teilpläne müssen auf der Basis vollständiger Informationen über die private Lebenssituation des Mandanten erstellt werden. Nur mit vollständigen und richtigen Angaben kann eine ganzheitliche Vermögensplanung vorgenommen werden. So müssen unter anderem Verträge über Darlehen, Versicherungen und Immobilien dem Steuerberater zur Verfügung gestellt werden. Die Offenlegung privater Informationen erfordert daher ein hohes Maß an Vertrauen zwischen Steuerberater und Mandant.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Vorwort: Es wird die Problematik sinkender Honorare in klassischen Tätigkeitsfeldern skizziert und die Vermögensberatung als neue Wachstumsperspektive eingeführt.
2 Berufssituation der Steuerberater: Das Kapitel analysiert den wachsenden Wettbewerbsdruck durch Finanzdienstleister und die Auswirkungen steigender Steuerberaterzahlen auf den Markt.
3 Geschäftsfeld der Vermögensberatung: Es erfolgt eine Definition des Tätigkeitsfeldes, eine Abgrenzung zu anderen Bereichen wie dem Family Office sowie eine Analyse der Marktchancen für Steuerberater.
4 Berufsrechtliche Betrachtung: Hier werden die rechtlichen Grenzen, insbesondere das Provisionsverbot, die Anforderungen an die Honorierung und die Haftungsrisiken detailliert erörtert.
5 Betriebswirtschaftliche Betrachtung: Das Kapitel behandelt die praktische Umsetzung durch fachliche Qualifizierung, den Einsatz geeigneter Software, Kanzleimarketing und den Aufbau strategischer Kooperationen.
6 Schlusswort: Die wesentlichen Ergebnisse werden zusammengefasst und die Vermögensberatung als Chance zur positiven Profilierung am Markt bestätigt.
Schlüsselwörter
Steuerberater, Vermögensberatung, Finanzplanung, Berufsrecht, Provisionsverbot, Haftung, Honorarberatung, Wettbewerbsfähigkeit, Kanzleimarketing, Fachberater für Vermögensgestaltung, Mandantenbindung, Kooperation, Betriebswirtschaft, Vermögensoptimierung, Steuerberatungsgesetz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Projektarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Möglichkeiten und Herausforderungen für Steuerberater, das Geschäftsfeld der privaten Vermögensberatung als zusätzliche Ertragsquelle zu erschließen.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Die Schwerpunkte liegen auf der Marktsituation, den berufsrechtlichen Rahmenbedingungen (z.B. Provisionsverbot), der Haftung und der betriebswirtschaftlichen Implementierung in die Kanzlei.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, einen Überblick über Chancen und Risiken der privaten Vermögensberatung zu geben und Steuerberatern Entscheidungshilfen für den Einstieg in dieses Beratungsfeld zu bieten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Statistiken und Studien zur aktuellen Markt- und Wettbewerbssituation der Steuerberater.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden neben der Marktanalyse auch die Definition der Vermögensberatung, berufsrechtliche Grenzen (Vergütung/Haftung) sowie praktische Umsetzungsschritte (Personal/Software/Marketing) erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Steuerberater, Vermögensberatung, Honorarberatung, Provisionsverbot, Berufsrecht und Mandantenbindung.
Warum ist das Provisionsverbot für Steuerberater so entscheidend?
Das Provisionsverbot dient der Sicherstellung der Unabhängigkeit des Steuerberaters. Provisionen könnten zu einer für den Mandanten nachteiligen Willensbildung führen und verletzen das Gebot der objektiven Beratung.
Welche Rolle spielen Kooperationen bei der Implementierung?
Da viele Kanzleien nicht über alle Ressourcen verfügen, ermöglichen Kooperationen mit anderen spezialisierten freien Berufen den Zugriff auf notwendiges Know-how, ohne die eigene organisatorische Struktur aufgeben zu müssen.
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- Thomas Schmidt (Author), 2008, Der Steuerberater als Vermögensberater, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129417