In dieser Arbeit wird Burchards Argumentation bei der Darstellung im Rahmen der zeitgenössischen Glaubens- und Rechtsvorstellungen aufgeschlüsselt und daraus deutlich, wie sich die Staufer legitimieren konnten und welches Verständnis Burchard von den Vorgängen der Zeit hatte. Die Untersuchung bewegt sich dabei eng an genauen Textbefunden der Chronik in deutscher Übersetzung und basiert auf einer sehr reichhaltigen Basis von Sekundärliteratur. Die Weltchronik des Mönchs Burchard aus dem Prämonstratenserorden zählt zu den wichtigsten Quellen für die Zeit der Herrschaft der Staufer im deutschen Hochmittelalter.
Durch die Verwendung verschiedener Quellen der vorherigen Tradition sowie die persönliche Einsicht in die Vorgänge am Beginn des 13. Jahrhunderts zählt sie darüber hinaus zu einer der vergleichsweise genauesten Darstellungen. Erklärungsbedürftig erscheint in ihrer Darstellung allerdings die deutlich prostaufische Parteinahme des Verfassers bei seiner Beschreibung des Kampfes der Herrschaftsgeschlechts gegen die Welfen zu Beginn des Jahrhunderts und nochmals später beim Konflikt des Kaisers Friedrich II. mit Papst Gregor IX.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Textuelle Auffälligkeiten
1.1 Entstehungskontext
1.2 Vorlagen
1.3 Interpolationen
2. Darstellung
2.1 Der Thronstreit
2.2 Kaiser Friedrich II. und Gregor IX.
3. Rechtliche Argumentation
3.1 Reichsstruktur
3.2 Weitere Argumente
4. Theologische Argumentation
4.1 Die Staufer als gottgewollte Herrscher
4.2 Bibelbezüge
Konklusion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die Chronik Burchards von Ursberg hinsichtlich ihrer einseitigen und positiven Darstellung der Staufer. Dabei wird untersucht, auf welchen rechtlichen und theologischen Grundlagen diese Parteinahme beruht und wie Burchard seine Argumente zwischen dem Beginn des Thronstreits 1198 und dem Ende seiner Aufzeichnungen im Jahr 1230 konstruiert und rechtfertigt.
- Prostaufische Tendenz der Weltchronik des Burchard von Ursberg
- Methodik der Quellenadaption und kritische Bewertung von Interpolationen
- Rechtliche Argumentationsmuster zur Legitimation staufischer Herrschaft
- Theologische Deutung der Staufer als gottgewollte Herrscher
- Umgang mit den Konflikten zwischen Kaisertum und Papsttum
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Thronstreit
Für die weitere Herrschaft der Staufer nach dem Tod Heinrichs VI. stellten mit Sicherheit die Fürsten die größte Bedrohung dar, da sich für sie als entscheidendem Faktor bei der Wahl eines neuen Königs die Möglichkeit zur Erweiterung der eigenen Macht bot. Burchard wendet den Fürsten auch gleich bei der Beschreibung von Philipps Zeit seine Aufmerksamkeit zu. Als Grund für den Thronstreit sieht er die Zwietracht, die er als ein typisch deutsches Charaktermerkmal kennzeichnet und führt danach auf, wie dieses Merkmal zwangsläufig zu Betrug und Krieg führt. Allerdings scheint er diesen Wertmaßstab nicht auf alle Fürsten anzulegen, sondern bezieht ihn ganz konkret auf diejenigen, welche Versuche zur Wahl eines anderen Königs als Philipp unternehmen, als auch auf die anderen möglichen Anwärter auf den Titel.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in den historischen Kontext des Thronstreits und Vorstellung der Quellengrundlage sowie der Zielsetzung der Arbeit.
1. Textuelle Auffälligkeiten: Untersuchung der Entstehung der Chronik, der verwendeten Vorlagen und der Problematik möglicher Interpolationen im Text.
2. Darstellung: Analyse der stauferfreundlichen Parteinahme in Bezug auf den Thronstreit sowie der Auseinandersetzung mit Papst Gregor IX.
3. Rechtliche Argumentation: Aufarbeitung der rechtlichen Grundlagen, die Burchard nutzt, um die staufische Reichsstruktur und Herrschaftslegitimität zu stützen.
4. Theologische Argumentation: Analyse der theologischen Begründungsfiguren, insbesondere der Staufer als gottgewollte Herrscher und der Verwendung von Bibelbezügen zur politischen Kritik.
Konklusion: Zusammenfassende Bewertung der Arbeitsweise Burchards und seiner Bedeutung als historiographische Quelle für die Stauferzeit.
Schlüsselwörter
Burchard von Ursberg, Heiliges Römisches Reich, Staufer, Welfen, Thronstreit, Philipp von Schwaben, Friedrich II., Papst Innozenz III., Papst Gregor IX., Geschichtsschreibung, Rechtliche Legitimation, Theologische Argumentation, Interpolationen, Mittelalter, Weltchronik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie Burchard von Ursberg in seiner Chronik das staufische Herrschergeschlecht im Kontext des deutschen Thronstreits darstellt und mit welchen Mitteln er diese positive Sichtweise begründet.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Im Zentrum stehen die politische Parteinahme des Chronisten, die Verwendung von Rechts- und Bibelargumenten zur Legitimation der Staufer sowie die Verarbeitung des Konflikts mit dem Papsttum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Grundlage und die Konstruktion der pro-staufischen Argumentation im "Chronicon" Burchards sowie dessen Umgang mit zeitgenössischen Quellen und Interpolationen offenzulegen.
Welche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit ist eine historische Analyse, die auf der kritischen Auswertung der fachwissenschaftlichen Literatur sowie der Primärquelle selbst basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung textueller Auffälligkeiten, die inhaltliche Darstellung der Akteure (Staufer vs. Gegner) sowie die Analyse rechtlicher und theologischer Argumentationsweisen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Burchard von Ursberg, Thronstreit, Staufer, Quellenkritik, Interpolationen und politische Theologie des Mittelalters.
Welche Rolle spielt die Person des Papstes in Burchards Chronik?
Burchard kritisiert das Agieren der Päpste Innozenz III. und Gregor IX. scharf, sobald deren Handeln den Interessen der Staufer zuwiderläuft, wobei er vor allem ihren vermeintlichen Eigeninteressen Vorwürfe macht.
Warum wird die Frage nach Interpolationen im Text so intensiv diskutiert?
Die Interpolationsfrage ist zentral, da einige Textstellen, etwa die Verpfändung des Klosters Ursberg, in krassem Gegensatz zur sonstigen pro-staufischen Haltung des Autors stehen und somit Zweifel an der Autorenschaft dieser Passagen aufwerfen.
- Citation du texte
- Valentin Reiser (Auteur), 2021, Kaiser Friedrich II. von Staufen und der deutsche Thronstreit im Chronicon Burchards von Ursberg. Darstellung der Staufer und ihrer Gegner, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1294577